Island 2013 – eine kleine Radtour (1)

Ich habe mir lange Gedanken gemacht, wie man adäquat von der Islandreise berichten kann – es sind zu viele Erlebnisse, Gedanken, Photos für nur einen Blogpost. Deswegen gibt es jetzt quasi eine kleine Serie zu ausgewählten Island-Themen.

am anfang eher die ausnahme: asphaltstraßen

am anfang eher die ausnahme: asphaltstraßen

Dramaturgie eines Gesprächs
Die Gespräche über unsere kleine Radtour folgten fast immer einer festgelegten Dramaturgie: hatten ich oder Philipp davon erzählt, Island mit dem Fahrrad zu bereisen, folgte zunächst verklärte Faszination von der wilden Vulkaninsel („Hach, Island…“) – und dann von Bewunderung über Mitleid bis Entsetzen das gesamte Spektrum (mit)menschlicher Empfindungen: „Aber mit dem Rad…“ und schlussendlich das unweigerliche „das ist ja verrückt.“

Um es mit einem von Philipps Lieblingszitaten zu beantworten: Nein, verrückt muss man nicht sein, um so etwas zu machen. Aber es hilft…

Wie kommt ihr auf Island?
Diese Frage folgt(e) oft auf die oben beschriebene Gesprächsdramaturgie. Für mich ist sie einfach beantwortet: Eines Tages stellte Philipp in der Uni die Frage, ob nicht wer Lust hätte, auf eine Radtour durch Island mitzukommen. Antwort der Gruppe:
„Ja, ne, äh…“
„Mein Fahrrad ist kaputt.“
„Ach nee, lass mal lieber…“
– und ich hielt mich bedeckt. Bis irgendwann alle Augen auf mir lagen: „Ja, äh… eigentlich…warum nicht? Was soll denn das kosten?“ – sehr clevere Antwort. Erstmal die Finanzen ins Spiel bringen, da kann man sich später rausreden, man hätte ja gewollt, aber…
… und eigentlich war dann schon klar, dass ich mitfahren würde.

Bleibt die Frage, wie Philipp dazu kam. Laut seinen Erzählungen sind es mehrere Faktoren gewesen: Radfahren ist immer gut, Island vom Wetter und den Straßenbedingungen her eine Herausforderung – und der Vorgesetzte im Zivildienst war dort und hatte sehr begeistert erzählt.

Island erhebt sich aus dem Wasser.

Island erhebt sich aus dem Wasser.

Der Plan
sah vor, dass wir in Hirtshals (Dänemark) in die Fähre steigen und über die Färöer Inseln nach Island fahren, von wo aus wir quer durchs Hochland über die berüchtigte F910, die etwas gemäßigtere F26, weiter über die Touristenfallen Gullfoss, Geysir und Thingvellir¹ nach Reykjavík fahren würden, um in einem großen Bogen über die Westfjorde und den nördlichen Teil der Ringstraße wieder zurück zum Fährhafen im Osten zu fahren- und so haben wir es dann ja auch gemacht.
Für die Fähre haben wir uns entschieden, weil es mit Gepäck und Fahrrädern deutlich weniger aufwendig als im Flugzeug werden würde. Zudem würden wir langsam reisen, sodass Körper und Geist gleichzeitig ankommen… und wir konnten die Färöer besichtigen, da kommt man ja sonst nicht so schnell hin.
Der Rest ergab sich: das Hochland sollte gleich an den Anfang gestellt werden, weil es im September schnell unmöglich sein kann, bestimmte Straßen zu passieren – das haben wir ja auch mitbekommen. Ansonsten folgten wir quasi in umgekehrter Reihenfolge den Empfehlungen aus dem hervorragenden Reiseführer des Michael-Müller Verlags – und aus diversen Foren und Internetseiten über Radtouren in Island ging hervor, dass man im Uhrzeigersinn tendenziell mehr Rückenwind hat, als gegen den Uhrzeigersinn.

Dass wir noch mal eben – quasi zum Aufwärmen – durch Dänemark sprinten würden, hat sich dann mehr oder minder von selbst ergeben. Als kleinen Bonus konnten wir auch noch meine Tante und meinen Onkel besuchen, die an der Nordseeküste Urlaub gemacht haben – und bekamen ein sehr leckeres Abendessen spendiert. Danke!

In Dänemark am Strande, mit Onkel und Tante

In Dänemark am Strande, mit Onkel und Tante

Der Routenverlauf:
Wir haben die Route ziemlich genau so, wie sie geplant war, auch durchgeführt. Zusammen mit Dänemark sind wir auf knapp 2941 Kilometer gekommen – wir haben vermutlich noch mehr Kilometer auf See zurückgelegt, aber ich bin schon stolz darauf, dass wir unsere Route komplett mit Muskelkraft zurückgelegt haben – allen Wiedrigkeiten zum Trotz.

IMGP1490

Vor einem Monat gabs hier Sonnenschein und 15 Grad…

¹ Thingvellir als „Touristenfalle“ zu bezeichnen, wird dem Ort in keiner Weise gerecht. Zunächst einmal ist er plattentektonisch interessant: es ist der Ort, an dem die amerikanische und die eurasische Platte sich trennen.
Zudem war er lange, lange der Ort, an dem alle wichtigen Versammlungen (Things, daher der Name) stattfanden und Gesetze verkündet wurden – und das seit dem Jahr 1000 n.Chr.

Mehr Island:
Eine kleine Radtour(1) || Prolog(2) || Fæhre und Færöer(3) || Hochland I(4) || Hochland II(5) || Der „Golden Circle“ (6) Reykjavik (7) || Musik (8) || Westfjorde I (9)

Über sushey

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8 Antworten zu Island 2013 – eine kleine Radtour (1)

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