Island 2013 – Prolog (2)

oder: wie kommt man von Berlin aus auf eine Insel mitten im Nordatlantik?

Wir befinden uns inmitten einer Gegend, die der Lüneburger Heide nicht unähnlich ist. Es dämmert; wir suchen den Campingplatz meines Onkels und meiner Tante. Wir waren etwa 13,14 Stunden im Sattel; mein linkes Knie tut weh und ich habe langsam keine wirkliche Lust mehr, weiter zu fahren. Ein Militär-Jeep hält neben uns. Ein Soldat steigt aus und erzählt uns aufgeregt irgendetwas auf Dänisch…

Start in Elmshorn
Wir machen uns am 12. August etwa gegen 14:00 Uhr auf den Weg – so lange haben wir noch auf das letzte Paket gewartet. Es geht aus Elmshorn heraus in nordwestlicher Richtung gen Nordseeküste.
Der GPS-Track leitet uns teilweise auf abenteuerliche Wege – als wir in einer Sandgrube stehen und uns fragen, wo es bitteschön weiter gehen soll, denke ich, dass es nicht abenteuerlicher werden kann – und schon stehen wir mitten auf einem alten Bahndamm; im Schotter können wir nicht fahren. So schieben wir der nächsten Straße entgegen, die zum Glück nicht weit entfernt ist.

Diese Brücke war einmal eine Eisenbahnstrecke

Diese Brücke war einmal eine Eisenbahnstrecke

Nachdem wir uns in Husum gestärkt haben, geht es nachts weiter nach Dagebüll – wir wollen noch ein paar Kilometer machen. Dabei scheuchen wir ein paar Schafe auf und übernachten schlussendlich mitten auf dem Deich – nur in unseren Schlafsäcken, da Zelte und Naturschutzgebiete sich nicht so vertragen…

Der Wind, der Wind…
Am nächsten Tag geht es nach dem Frühstück – Porridge mit Milchpulver – weiter in Richtung Grenze. Die Strecke an sich ist nicht sonderlich schwer; es ist ziemlich platt, und wenn es Hügel gibt, dann sehr sanfte. Allerdings kommt der Wind ziemlich genau aus nordwestlicher Richtung und weht uns damit voll entgegen.
Wir kommen durch viele kleine Ortschaften, in denen es viele kleine Kirchen gibt. Weil wir etwa jede Stunde eine Trinkpause machen, wird es zu einem kleinen Ritual, an einer Kirche zu halten.

Hübsches Dänemark

Hübsches Dänemark

Weil der Campingplatz nicht mehr auf der Karte des GPS-Gerätes ist (laut dem fallen wir irgendwann in die Nordsee), müssen wir bei der Suche ein wenig improvisieren – und kommen nach schier endlosen Kilometern dann auch am Ziel an. Der Soldat war letzten Endes doch recht nett; er wollte uns Knicklichter verpassen, weil wir in der Dämmerung schlecht zu sehen waren.
Das Abendessen war super. Danach ging es recht schnell in den Schlafsack, und am Morgen vor der Abfahrt besuchten wir noch kurz den Strand. Recht merkwürdige Angelegenheit: ein Teil des Strandes war für Autos freigegeben, was viele Camper und vor allem die Soldaten auch nutzten. Autos und Strand – ich weiß nicht. Vor allem, wenn sie in Tarnfarben lackiert sind…

Finde den Track
Die nächsten Stunden verbringen wir damit, den Track wiederzufinden (wir erinnern uns: wir sind immer noch mitten in der Nordsee…) und fahren weiter in nördliche/nordöstliche Richtung, was uns vor allem windtechnisch entgegen kommt.
Die Straße ist streckenweise schnurgerade, allerdings werden die Hügel steiler. Es ist warm und sonnig, der Wind bringt etwas Erfrischung.

IMGP0127

Wir übernachten in einer kleinen Bucht in der Nähe der Oddesundbrücke direkt am Meer, was abends für ein gemütliches Whiskeyambiente und morgens für ordentlich Erfrischung sorgt.
Die Straße dreht sich weiter ostwärts, sodass das Radeln recht angenehm wird.

Nach etwa 100 Kilometern frage ich Philipp, wie weit es denn noch wäre. Er zögert, kneift die Augen zusammen. „Tja… also…“ – ich merke, er möchte nicht mit der Wahrheit heraus – „…so wie vorgestern?“
So. Wie. Vorgestern.
Wir erinnern uns: Wind, Wind, Wind und schier endlose Kilometer.
Vielleicht müssen wir unsere kleine Kaffeefahrt hier beenden…

Als wir nach 130 Kilometern ein Eis essen und eine Cola trinken, schaut Philipp auf das Fährticket – und wir stellen fest, dass wir einen Tag zu früh dran sind. Ungläubig rechnen wir, schauen auf das Ticket, rechnen noch mal. Tatsache. Wir müssen noch gar nicht heute abend in Hirtshals sein!
Das erleichtert die Sache enorm; wir peilen den nächsten Campingplatz an, und die 20 Kilometer bis dort vergehen wie im Flug…

Hirtshals
Am nächsten Tag sind es noch 70 Kilometer bis nach Hirtshals – ein Klacks also, und wir kommen gut voran – bis sich 6 Kilometer vorm Ziel mein Rad etwas gummiartig fährt – Plattfuß. Naja. Ist schnell repariert, und so können wir in Hirtshals – ein schönes, kleines Hafenstädtchen – den Zeltplatz beziehen, schon mal den Fähranleger auschecken und einen hervorragenden, aber leider etwas verregneten Fischteller genießen.

Fischteller. Optional: Pommes oder Brot. Nicht optional: Regen und Bier.

Fischteller. Optional: Pommes oder Brot. Nicht optional: Regen und Bier.

Am nächsten Tag machen wir eine kleine Erkundungstour durch die nahegelegene Bunkeranlage, die einst Teil des Atlantikwalls war.
Nicht besonders schön, zu sehen, dass unsere historischen Hinterlassenschaften kriegerischer Natur sind – die ganze Küste ist von Bunkern durchzogen.

IMGP0181

Direkt an der Bunkeranlage gab es allerdings auch einen hübschen Leuchtturm.

IMGP0187

…und dann gabs ja auch ne Fähre. Aber die ist eher Thema für nächste Woche. Langsam aber sicher geht es nach Island!

Mehr Island:
Eine kleine Radtour(1) || Prolog(2) || Fæhre und Færöer(3) || Hochland I(4) || Hochland II(5) || Der „Golden Circle“ (6) Reykjavik (7) || Musik (8) || Westfjorde I (9)

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7 Antworten zu Island 2013 – Prolog (2)

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