Bücher 2013

Im Jahr 2013 habe ich – wie immer im Studium – unheimlich viele Skripte, Hausaufgabenblätter und Dergleichen gelesen, Belletristik weniger. Umso mehr war ich positiv überrascht, doch ein paar Bücher gelesen zu haben.

John Green: Die erste Liebe (nach 19 Rückschlägen)
Das Wunderkind Colin Singleton ist – wie vermutlich jedes Wunderkind – ein bisschen merkwürdig, ein bisschen anstrengend und doch irgendwie liebenswert.
Nachdem er von seiner neunzehnten Freundin – die allesamt Katherine hießen – verlassen wurde, versucht er während eines langen und ereignisreichen Sommers, die Formel für die perfekte Beziehung zu finden – und wird dabei entscheident beeinflusst von einem Mädchen, das nicht Katherine heißt…

Das Buch ist lustig, unterhaltsam, (Teenager)weise und eher an den Jugendlichen im Erwachsenen gerichtet, was seinen Wert nicht schmälern soll.

Margot Morell, Stefanie Campbell: Shackletons Führungskunst
Es war eine Mischung aus Zufall und guter Gelegenheit, welche dafür sorgte, dass dieses Buch in meinem Tablet landete.
Ernest Shackleton war ein großer Polarforscher, der vor allem deswegen wert ist, sich mit ihm zu beschäftigen, weil keine einzige seiner Expeditionen ihr eigentliches Ziel erreicht hat – aber er auch keinen einzigen seiner Männer verloren hat. Selbst ein Schiffbruch in der Antarktis mit mehrmonatigem Aufenthalt auf dem Eis zeigte nur, was für eine hervorragende Führungspersönlichkeit er gewesen sein muss.
Wer mit Personalführung, Gruppendynamik o.Ä. zu tun hat, sollte sich unbedingt diese „erzählende“ Analyse seines Führungsstils durchlesen.

Ernest Shackleton – Südwärts
Shackletons eigener Reisebericht, in dem er auch viele seiner Motive erklärt. Spannend unter zweierlei Gesichtspunkten: meinem eigenen Interesse an Gruppendynamik/Führungsprinzipien und der bevorstehenden „Expedition“ nach Island, der Philipp quasi als Motto ein Zitat vorangestellt hat, das (wohl fälschlicherweise) Shackleton zugeschrieben wird:
„Männer für gefährliche Reise gesucht. Geringer Lohn, bittere Kälte, lange Monate kompletter Dunkelheit, ständige Gefahr, sichere Rückkehr ungewiss. Ehre und Anerkennung im Erfolgsfall.“

Arne Körzinger: Allein durch Island per Fahrrad
Zum Glück war die Reise durch Island dann nicht ganz so gefährlich (und, im Gegensatz zu Shackletons Expeditionen von Erfolg gekrönt…), aber im Nachhinein bin ich über jedes Bisschen an Information dankbar, was es gab.
Das Buch mit seinem holprigen Titel entstand 1992, kann also die aktuellen Verhältnisse in Island nicht wiedergeben. Und auch die Fahrräder sind technisch viel weiter.
Es beschreibt allerdings sehr gut das Gefühl des Allein-Reisens und Auf-sich-Gestelltseins in einer interessanten, aber eben auch herausfordernden Umgebung.
Der Autor ist allerdings deutlich mehr Radfahrer, als Autor…

Kristof Magnusson: Gebrauchsanweisung für Island
Die „Gebrauchsanweisung für Island“ ist deutlich aktueller und beschreibt die isländischen Gebräuche und Gepflogenheiten aus der Sicht eines schon lange in Deutschland lebenden Isländers. Es ist eine Art unterhaltsam geschriebenen Lexikons und auch interessant, wenn man nicht nach Island unterwegs ist.

Ernest Hemingway: The Old Man And The Sea
Die große Kurzgeschichte über Beharrlichkeit, Sinn und Verlust. Zu Schulzeiten auf Englisch gekauft und gelesen, wurde es mal wieder Zeit für diese Erzählung – und vom Erzähltempo her würdee es zum Reisen passen, dachte ich.
Es hat mir die Zeit verkürzt, als wir auf Fähre warteten und zwei Tage Dauerregen im Zelt verbrachten.

Badewannen und der Sinn des Lebens
An dieses Buch bin ich durch die Twitter-Tauschaktion gekommen. So ungewöhnlich wie sein Titel ist auch die gesamte Geschichte: sie erzählt von einem einzigen – sehr langen – Tag in einer ruhigen Straße eines englischen Ortes, in der es nur Antiquitätengeschäfte gibt. Im Laufe des Tages wird es einen Sturm geben, einen Brand, einen Tod, eine Geburt, zahlreiche Offenbahrungen und noch Einiges mehr.
Die Charaktere sind herrlich alt-britisch-verschroben, und Badewannen kommen auch drin vor…

Charles Yu: Handbuch für Zeitreisende
Dieses Buch stand in Dänemark im Regal des Aufenthaltsraums des Zeltplatzes des Fährhafens, und ich schaffte es gerade so, es in der Nacht durchzulesen.
Der Ich-Erzähler ist als Mechaniker in einer Zeitmaschine unterwegs und behebt die Fehler derer, die glauben, durch eine Zeitreise besonders unangenehme Momente im Leben ungeschehen machen zu können. Dabei stellt sich nach und nach heraus, dass auch er in seiner Zeitmaschine sitzt, um vor dem Leben zu flüchten.
Diese im Grunde von Einsamkeit handelnde Geschichte wird mit ein paar absurden Science-Fiction-Elementen a la „Per Anhalter durch die Galaxis“ geschmückt und klingt dadurch bemüht und konstruiert lustig, was mich als Leser nur noch trauriger macht. Ohne diese Elemente wäre es eine gute Parabel auf die Einsamkeit gewesen.

Agatha Christie: 4:50 Uhr ab Paddington
Vertrieb mir mit ihrem verschrobenen britischen Humor wunderbar die Zeit auf der Rückfahrt. Das Ende fand ich nicht ganz so überzeugtend wie die Charakterzeichnung insbesondere der Frauen im Roman.

Alexander Odin: Pandämonium
Ein weiteres eBook, das entweder für umsonst oder ganz günstig zu haben war – kann man ja mal machen.
Die Geschichte an sich ist eine klassische Zombie-Geschichte: in Berlin bricht ein Virus aus, das die Menschen zu blutrünstigen Monstern werden lässt, und eine kleine Gruppe Überlebender um die sechzehnjährige Naomie herum versucht – nunja – die Welt zu retten.
Der erste Teil beginnt durchaus spannend, aber im Verlauf der Geschichte knickt der Spannungsbogen ein; die anfangs erwähnte mysteriöse Bruderschaft wird genauso inkonsequent erklärt wie die merwürdigen religiösen Verstrickungen der Charaktere. Schade. Da war mehr drin.

Hansen Hoepner, Paul Hoepner: Zwei nach Shanghai
Philipp und ich waren von unseren 3000 Kilometern schon begeistert, doch die beiden äußerlich gleich aussehenden, aber charakterlich sehr unterschiedlichen Zwillinge haben eine ungleich größere und abenteuerlichere Tour unternommen: von Berlin-Neukölln aus mit dem Fahrrad nach Shanghai – 13600 Kilometer!
Während und nach dem Lesen ihres Reiseberichtes – der von Webseite und Videos begleitet wird – stieg das Fernweh wieder an…

Robert Schneider: Die Unberührten
Robert Schneider ist bekannt als der Autor von „Schlafes Bruder“, und auch in diesem Buch spielen Musik und Melodie eine große Rolle.
Antonia wächst in einem heilen Dorfidyll auf, bis sie aus Geldnot ihrer Eltern nach Amerika verkauft wird.
Sie nimmt all dies in einer Mischung aus Naivität und Hochmut hin, denn sie ist sich sicher, zur Opernsängerin geboren zu sein.
Sprachlich und stilistisch ein Genuss (Wiener Schmäh mit einer ordentlichen Portion Ironie), bewahrheitet sich der Titel auf zwei Ebenen: Sowohl Antonia bleibt von ihrem eigenen Schicksal merkwürdig unberührt, als auch der Leser. Trotzdem lesenswert!

Neil Gaiman: The Ocean at the End of the Lane
Ähnlich wie „The Graveyard Book“ oder „Coraline“ beschäftigt sich „The Ocean at the End of the Lane mit Parallelwelten, die sich mit unserer Welt kreuzen, und ähnlich wie diese beiden Bücher, scheint es eher für jugendliche Leser gemacht zu sein.
Ursprünglich als Gutenachtgeschichte für seine Frau gedacht, ist „Ocean…“ sehr schön erzählt, lässt aber den Tiefgang und die dramaturgische Raffinesse von „American Gods“ z.B. vermissen. Aber hey, es ist Gaiman!

Siri Hustvedt: Summer without Men
Ein Zufallsfund in unserem Treppenhaus, aber was für ein Guter! Die Ich-Erzählerin berichtet von einem Sommer, in dem sie sich, frisch aus der Psychiatrie entlassen, davon erholt, dass ihr Mann nach 30 Jahren Ehe eine „Pause“ braucht – vorrangig, um seine junge Assistentin zu vögeln.
Dabei ist nicht nur der Stil wunderbar – direkt, poetisch, vielschichtig, (selbst)ironisch, bisweilen sarkastisch und immer von dem Wunsch nach Heilung durchsetzt – auch die Erzählerin ist hervorragend entworfen: ebenfalls vielschichtig und (selbst)ironisch, zerbrechlich wirkend, aber eigentlich sehr stark.
Eine Bereicherung!

Über sushey

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