Midlake im Heimathafen Neukölln (10.03.14)

Zu meinem achtzehnten Geburtstag habe ich – neben vielen anderen Dingen – auch eine Glasfaserkugel geschenkt bekommen, die sich dadurch auszeichnet, dass die Spitzen schön leuchten, während die Fasern selber nicht ganz so auffallen.

midlake

Irgendwann saß ich mit einer Freundin vor dieser Kugel und starrte hinein, und für einen Augenblick fühlte es sich so an, als tauchte man in ein kleines Universum ab; ich verlor mich regelrecht in der Kugel.
Mitten im Konzert von Midlake – das Schlagzeug polterte, die Gitarren zwurbelten, der Bass wummerte, und die Querflöte(!) setzte zu einer ihrer Melodien ein – wurde der Backdrop – die Abbildung einer solchen Kugel – so beleuchtet, als drehe sie sich, und ich erinnerte mich an die Geschichte, während ich mich ein bisschen in der Melange aus Seventies-Prog-Rock und Folk verlor.

Denn so klingen sie, die Jazzstudenten aus Texas: eine ordentliche Prise Siebziger, ein wenig Radiohead, etwas Psychedelia, Folk, Rock. Das Ganze verspielt, mal mit der Gitarre, dann wieder der Querflöte im Vordergrund, immer etwas schwermütig. Die Herren verstehen, wie sie ihre Instrumente spielen können und lassen auch eher die Musik sprechen, als die große Show zu machen – was kein Nachteil ist.

Sie haben viele Stücke des neuen Album „Antiphon“ gespielt; zwischendurch wirkte es so, als würden sie ausgiebig jammen – aber bei dieser Art Musik sind die Grenzen da ohnehin fließend.
Die verbale Kommunikation mit dem Publikum war so weit eingeschränkt, dass der Sänge nach etwa zwei Dritteln des Sets sich zu Wort meldete und etwas verlegen meinte: „Ahm, we are Midlake…“; Alles in Allem jedoch machte der Auftritt Spaß, vielleicht gerade auch, weil der Fokus so sehr auf die Musik gelegt wurde.
Zeitweise habe ich mich an Petur Ben erinnert gefühlt, ab und an auch ein wenig an Sophia.
Für einen Eindruck: Antiphon

Die Vorband „Israel Nash“ bestand aus zwei Menschen – ebenfalls aus Texas – die mit Zither und Gitarre bewaffnet eine ruhigere Variante des Folk zum Besten gaben. Das war nicht wirklich innovativ, aber stilistisch gut passend zu Midlake.

Ein gutes, unterhaltsames Konzert und eine kleine Reise in ein Universum, wie man es nur in einer Glasfaserkugel finden kann.

Ein Satz noch zur Veranstaltungsstätte: Der Heimathafen Neukölln ist ein wunderschöner Saalbau mit Theater und Konzerten, und auch der Konzertsaal macht optisch mit seinem Holzfußboden, dem Stuck an der Decke und den Kronleuchtern Einiges her. Leider gibt es aber so viele glatte Flächen, dass der Nachhall des Raumes die Klangqualität schon deutlich beeinflusst hat.

Über sushey

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