Himmelfahrtskommando

Während es in Berlin fröhlich regnet und ich beim Anblick meines trocknenden, sandigen, schmutzigen Fahrrades, das ich vorgestern auf Hochglanz poliert habe, gleich in Tränen ausbreche, freue ich mich, ab heute Abend wieder mit drei netten, sportlichen jungen Männern unterwegs zu sein, um dieses Mal entlang der Weser eine kleine Heimaterkundung zu machen.

Aber das Schietwetter zieht ja in den Süden, und wir fahren in den Norden – das wird schon werden.

Wie auch während der Islandtour sind wir über den SPOT verfolgbar – und wie für die Tour gilt: wenn mal ein Wegpunkt fehlt oder komischer Zick-Zack in der Landkarte ist, keine Panik – meistens hat das Gerät dann kurz das GPS-Signal verloren.

Natürlich könnt ihr auch gerne bei tuetenleben.de vorbeischauen, Philipps Reiseblog, da gibt es das Ganze auch.

Die ausführliche Nachberichterstattung samt Fotos wird dann nächste Woche folgen.

Euch allen ein schönes Himmelfahrtswochenende!

1:1 zum Bleiben

„Letztlich ist das ein 0:0 zur Halbzeit, und wir haben noch alle Möglichkeiten. Mir müssen in Fürth gar keinen Auswärtssieg schaffen, es würde ja ein 1:1 reichen.“

Diese Aussage von Mirko Slomka ist beeindruckend in ihrer Bräsigkeit. Man muss sich einmal vor Augen halten, dass hier ein leitender Angestellter des einzigen Bundesligavereins spricht, der noch die abgestiegen ist. Es ist kein Kampfgeist zu spüren, kein „jetzt erst recht“, kein Aufbäumen gegen das, was zwischen den Zeilen betrachtet und nach dem gestrigen Auftritt unvermeidlich scheint: der allererste Abstieg des HSV aus der Bundesliga.

Man stelle sich kurz vor, was Uli Hoeneß an dieser Stelle gesagt hätte. Ich erinnere mich sehr gut an ein Interview vor zehn Jahren, als Werder Bremen 6:0 gegen den HSV gewann und Hoeneß wutschnaubend davon sprach, der HSV habe sich „abschlachten lassen“ und man müsse Werder nun daheim „fertigmachen“ und allgemein mit allen Mitteln bekämpfen.

Mirko Slomka hat allerdings recht, so sachlich-nüchtern-unverständlich seine Aussage vielleicht auch ist; schauen wir uns einmal an, wie es rein kombinatorisch aussieht.

Grundsätzlich ist es so, dass in der Relegation der „Europacup-Modus“ gilt, das heißt, es gewinnt die Mannschaft, welche nach Hin- und Rückspiel am meisten Punkte hat. Bei Punktegleichheit gewinnt die Mannschaft mit den meisten Toren, bei Tor- und Punktegleichheit gewinnt die Mannschaft, welche die meisten Auswärtstore geschossen hat. Ist alles gleich (also nur bei einem 0:0), kommt es zu Verlängerung und Elfmeterschießen.

Um realistisch zu bleiben, betrachte ich alle Ergebnisse bis hin zu 3:3 – aber das gibt einen Eindruck davon, wie man weiterrechnen kann.

Ein Fußballergebnis entspricht dem Wurf von zwei Würfeln mit so vielen Seiten, wie Tore, also Würfel 1: 0 bis 3, Würfel 2 genau so.
Würfel 1 entspricht den Toren der Heimmannschaft (also Fürth) und Würfel 2 dementsprechend den Toren des HSV.

Die Sache ist recht einfach: der HSV bleibt in der ersten Bundesliga, wenn das Spiel unentschieden ausgeht (ausser bei 0:0, dann gibts Verlängerung/Elfmeterschießen), Fürth steigt auf, wenn sie gewinnen.

Es können folgende Ergebnisse auftreten: 0:0, 0:1, 0:2, 0:3, 1:0, 1:1, 1:2, 1:3, 2:0, 2:1, 2:2, 2:3, 3:0, 3:1, 3:2, 3:3

Somit also für den HSV:
0:1, 0:2, 0:3,1:1, 1:2, 1:3, 2:2, 2:3, 3:3 = 9 von 16 Ergebnissen (bzw. 56,25%)

Für Greuther Fürth:
1:0, 2:0, 2:1, 3:0, 3:1, 3:2 = 6 von 16 Ergebnissen (bzw 37,5%)

und das 0:0 tritt in 6,25% aller Kombinationen auf – und dass Gott nicht würfelt, wissen wir alle, aber wie der Fußballgott entscheidet, ist manchmal sein eigenes Geheimnis. Zur Not nimmt er Papierkugeln.

Zumindest rechnerisch hat der HSV also tatsächlich eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit, in der Bundesliga zu bleiben. Bis auf das 0:0 muss Fürth immer ein Tor mehr machen, als der HSV.

Allerdings spielen sie das zweite Relegationsspiel in Fürth, das spielen dann auch Faktoren wie die Fans eine wichtige Rolle – das kann ich aber nicht statistisch erfassen. Wer allerdings die blutleeren, emotions- und kampflosen Auftritte der HSV-Spieler in letzter Zeit gesehen hat (die letzten fünf Spiele in der Liga verloren) und sich vor Augen führt, dass der HSV nur deswegen überhaupt in der Relegation ist, weil Nürnberg und Braunschweig noch schlechter gespielt haben, wird jenseits der Mathematik sagen: die steigen ab.

Das jedoch hieße, es gäbe in der nächsten Saison kein echtes Nordderby (sorry Wolfsburg und Hannover, aber nein), und bei aller genüsslichen „Feindschaft“ gegen den HSV – auf diese zwei besonderen Spiele würde ich schon ungern verzichten.

 

 

Lebenslang Grün-Weiss

Diesen Text habe ich seit Jahren für ein nie umgesetztes Projekt in der Entwürfebox liegen.
Es ist heute genau zehn Jahre her, dass Werder diese überragende Saison mit Meisterschaft und Pokalsieg gespielt hat.

Ich denke gerne daran zurück, und auch wenn ich Werders aktuellen Kurs in Ordnung finde, und Dutt seine Sache ordentlich macht, fehlt mir Thomas Schaaf.
Jeden Spieltag, und dazwischen manchmal auch.
Thomas wird immer unser Trainer bleiben.

Es ist ein langer, anstrengender Tag gewesen. Als besondere Aktion für Gemeindemitglieder und Interessierte, hatte sich die Kirchengemeinde, in der ich meinen Zivildienst gemacht habe, ein Gemeindefest mit Public Viewing ausgedacht – lange, bevor es den Begriff überhaupt gab 😉

Ich war an der Organisation des Festes beteiligt gewesen, hatte recherchiert, wie man das Spiel zeigen kann, war in der Werder-Geschäftsstelle gewesen, um mir ein Fanpaket, bestehend aus mehreren Postern und einem Ball, den wir verlosen wollten -mit Autogrammen! – abzuholen – nochmal vielen Dank! – und allerlei anderen Krams erledigt, den man als Zivi eben so erledigt für solch einen Tag.

An diesem Tag passte aber auch alles. In Bremen zweifelte niemand daran, dass Werder Meister werden würde – und das ausgerechnet bei den Bayern. Hoeneß hatte vorher ja noch wutentbrannt davon geredet, man werde Werder „zerfleischen“ und es könne ja nicht angehen, dass sich der HSV so hatte „abschlachten“ lassen (sie hatten eine Woche vorher 6:0 gegen Werder verloren).
Das Wetter war super, die Stimmung ausgelassen – und spätestens nach dem 1:0 durch Klasnic auch nicht mehr zu bremsen. Der Rest ist Geschichte…

Für mich aber war der Tag noch lange nicht vorbei. Ich arbeitete nebenbei als Barkeeper, und – natürlich! – heute sollte ich noch zu einer Geburtstagsfeier fahren und da mixen. Ich habe also nach dem Spiel mein Auto gepackt (alle anderen feierten natürlich die Meisterschaft), bin zum Geburtstagskind gefahren und habe mich dort auf den Abend vorbereitet. Es war eine recht schöne Feier, und als ich um ein Uhr nachts endlich einpacken konnte, war für mich klar, dass ich noch nach Bremen fahren würde – irgendjemand müsste ja noch feiern.

Um 2 Uhr in Bremen angekommen, hatten sich die Feierlichkeiten in Kneipen, Discos und Dergleichen verlagert; der Rathausplatz war wie leergefegt.

Da ich Hunger hatte, bin ich zunächst in eine Dönerbude gegangen – und wie es der Zufall so wollte, würde in Kürze das Spiel noch einmal gezeigt werden.
Es wurde mein längster Aufenthalt in einer Dönerbude ever…

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