dredg im Kesselhaus Berlin (02.05.)


dort gefunden.

Es gibt Dinge im Leben, die brauchen mehrere Auslöser, um zum dauerhaften Bestandteil zu werden.
So war eine Berufsschulfreundin und Kollegin schon frühzeitig begeistert von dredg und erzählte auch viel über die Musik. Ich war neutral-interessiert, aber wirklich auseinandergesetzt habe ich mich erst mit der Musik, als ich das oben verlinkte Video gesehen habe.
Das Video ist toll, der Song einer jener perfekten Songs, die so einfach und natürlich und doch unerreichbar scheinen.

Es war dann vielleicht auch mehr das Konzept an sich, zwei Alben komplett hintereinander durchzuspielen, das mich davon überzeugte, dieses Konzert ansehen zu wollen – interessanterweise mit genau jenen zwei Personen, denen ich dredg zu verdanken habe.

Es begann also mit „El Cielo„, einem Album über Schlafstörungen, das der Band vermutlich auch die eine oder andere schlaflose Nacht bereitet hat; die Musiker waren während der ersten zwei Songs sichtlich nervös und darum bemüht, die Musik möglichst perfekt und fehlerfrei auf die Bühne zu bringen.
Aber nicht zuletzt aufgrund des kraftvollen, energetischen und präzisen Spiels des Schlagzeugers fing sich die Band schnell und groovte sich ein.
Bis auf ein kurzes „Thank you“ hier und da bestand die Interaktion mit dem Publikum darin, zu spielen – aber das Publikum schien damit mehr als einverstanden, und spätestens bei der Upbeat-Nummer „Convalescent“ war der Funke vollständig übergesprungen.
Kurz darauf überraschte der Dino Campanella durch gefühlvolles Klavierspiel, nur um bei „Eighteen People Living in Harmony“ seine Fills und Breaks wieder gewohnt kraftvoll und präzise zu spielen.
Überhaupt meisterte die Band die vielen Tempo-und Rhythmuswechsel sehr souverän – „Man soll schon noch hören, dass die Band spielt, CDs kann ich zuhause hören“.
Dass das konzeptuelle Korsett die Musiker durchaus auch ein wenig einschränkte, zeigte sich im zweiten Teil des Konzertes:
Gavin Hayes riss eine Saite seiner Slide-Gitarre. Er versuchte noch, sie zu wechseln, was sich aber nicht mit dem Singen vereinbaren ließ. In der kurzen folgenden Pause wirkten sie ein wenig ratlos, bis der Mark Engles sich ein Herz nahm und kurzerhand den Slide-Teil von „Sang Real“ spielte – zur sichtlichen Verblüffung des Schlagzeugers.

Gegen Ende des ersten Teils spielten sie noch zwei Songs als Zugabe und bedankten sich artig – schnörkellos und konsequent.

Der zweite Teil des Konzertes gestaltete sich gänzlich anders.
Bühne, Licht, Band waren komplett gleich, aber zum Einen war nun ein teilweise anderes Publikum da, zum Anderen schien es, als habe die Band sich einen Teil ihrer Kräfte aufgespart (was ich absolut nachvollziehen kann, gerade für den Sänger wird es wahnsinnig anstrengend gewesen sein) und löse nun die Handbremse.
Natürlich ist auch die Dramaturgie von „Catch Without Arms“ eine völlig andere – „El Cielo“ wirkt auf einem hohen Niveau dynamisch, trotzdem ausgewogen und balanciert, während „Catch Without Arms“ sehr rockig beginnt, um am Ende ein wenig zu verflachen.
Für das Konzert wäre es umgekehrt spannender gewesen, aber das ohnehin begeisterte Publikum hat sich davon nicht stören lassen.

So entstand recht schnell ein „Mini-Moshpit“, und der nun auch komplett gefüllte Saal feierte das Konzert, das Album, die Band, die im Vergleich zur auch schon guten Performance vorher jetzt Vollgas gab.
Der gute Sound der Halle und der gute Mix gaben ihr Übriges dazu – das Schlagzeug klang sehr druckvoll, Bassist und Gitarrist waren im Spektrum deutlich voneinander getrennt, und viele kleine Effekte und Klangspielereien kamen gut herüber – allerdings wirkte der Sänger manchmal einen Tick zu leise.

Wenn man sich vor Augen hält, wie perfektionistisch die Band veranlagt ist, kann man sich vorstellen, wie die Stimmung bei „Sang Real“ war – dass das Publikum davon nur wenig mitbekommen hat, ist ihnen hoch anzurechnen. Es wäre auch müßig gewesen, sich weiter darüber zu ärgern, denn das Publikum hatte weiterhin große Lust auf Band und Musik – Berlin ist da nicht immer so.
Das Lachen am Ende war gespenstisch dreidimensional abgemischt; am Anfang dachte ich tatsächlich, es käme aus dem Publikum.

Als Schlusspunkt spielte Hayes ein hypnotisches Riff, das er gar nicht mehr beenden wollte – „I could carry this on forever.“ – und die Band stieg ein in ein emotionales, rockiges, perfektes Stück Musik – natürlich „Down To The Cellar“ – der Song, mit dem – für mich – alles begann.

A Perfect Circle.

Über sushey

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