1:1 zum Bleiben

„Letztlich ist das ein 0:0 zur Halbzeit, und wir haben noch alle Möglichkeiten. Mir müssen in Fürth gar keinen Auswärtssieg schaffen, es würde ja ein 1:1 reichen.“

Diese Aussage von Mirko Slomka ist beeindruckend in ihrer Bräsigkeit. Man muss sich einmal vor Augen halten, dass hier ein leitender Angestellter des einzigen Bundesligavereins spricht, der noch die abgestiegen ist. Es ist kein Kampfgeist zu spüren, kein „jetzt erst recht“, kein Aufbäumen gegen das, was zwischen den Zeilen betrachtet und nach dem gestrigen Auftritt unvermeidlich scheint: der allererste Abstieg des HSV aus der Bundesliga.

Man stelle sich kurz vor, was Uli Hoeneß an dieser Stelle gesagt hätte. Ich erinnere mich sehr gut an ein Interview vor zehn Jahren, als Werder Bremen 6:0 gegen den HSV gewann und Hoeneß wutschnaubend davon sprach, der HSV habe sich „abschlachten lassen“ und man müsse Werder nun daheim „fertigmachen“ und allgemein mit allen Mitteln bekämpfen.

Mirko Slomka hat allerdings recht, so sachlich-nüchtern-unverständlich seine Aussage vielleicht auch ist; schauen wir uns einmal an, wie es rein kombinatorisch aussieht.

Grundsätzlich ist es so, dass in der Relegation der „Europacup-Modus“ gilt, das heißt, es gewinnt die Mannschaft, welche nach Hin- und Rückspiel am meisten Punkte hat. Bei Punktegleichheit gewinnt die Mannschaft mit den meisten Toren, bei Tor- und Punktegleichheit gewinnt die Mannschaft, welche die meisten Auswärtstore geschossen hat. Ist alles gleich (also nur bei einem 0:0), kommt es zu Verlängerung und Elfmeterschießen.

Um realistisch zu bleiben, betrachte ich alle Ergebnisse bis hin zu 3:3 – aber das gibt einen Eindruck davon, wie man weiterrechnen kann.

Ein Fußballergebnis entspricht dem Wurf von zwei Würfeln mit so vielen Seiten, wie Tore, also Würfel 1: 0 bis 3, Würfel 2 genau so.
Würfel 1 entspricht den Toren der Heimmannschaft (also Fürth) und Würfel 2 dementsprechend den Toren des HSV.

Die Sache ist recht einfach: der HSV bleibt in der ersten Bundesliga, wenn das Spiel unentschieden ausgeht (ausser bei 0:0, dann gibts Verlängerung/Elfmeterschießen), Fürth steigt auf, wenn sie gewinnen.

Es können folgende Ergebnisse auftreten: 0:0, 0:1, 0:2, 0:3, 1:0, 1:1, 1:2, 1:3, 2:0, 2:1, 2:2, 2:3, 3:0, 3:1, 3:2, 3:3

Somit also für den HSV:
0:1, 0:2, 0:3,1:1, 1:2, 1:3, 2:2, 2:3, 3:3 = 9 von 16 Ergebnissen (bzw. 56,25%)

Für Greuther Fürth:
1:0, 2:0, 2:1, 3:0, 3:1, 3:2 = 6 von 16 Ergebnissen (bzw 37,5%)

und das 0:0 tritt in 6,25% aller Kombinationen auf – und dass Gott nicht würfelt, wissen wir alle, aber wie der Fußballgott entscheidet, ist manchmal sein eigenes Geheimnis. Zur Not nimmt er Papierkugeln.

Zumindest rechnerisch hat der HSV also tatsächlich eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit, in der Bundesliga zu bleiben. Bis auf das 0:0 muss Fürth immer ein Tor mehr machen, als der HSV.

Allerdings spielen sie das zweite Relegationsspiel in Fürth, das spielen dann auch Faktoren wie die Fans eine wichtige Rolle – das kann ich aber nicht statistisch erfassen. Wer allerdings die blutleeren, emotions- und kampflosen Auftritte der HSV-Spieler in letzter Zeit gesehen hat (die letzten fünf Spiele in der Liga verloren) und sich vor Augen führt, dass der HSV nur deswegen überhaupt in der Relegation ist, weil Nürnberg und Braunschweig noch schlechter gespielt haben, wird jenseits der Mathematik sagen: die steigen ab.

Das jedoch hieße, es gäbe in der nächsten Saison kein echtes Nordderby (sorry Wolfsburg und Hannover, aber nein), und bei aller genüsslichen „Feindschaft“ gegen den HSV – auf diese zwei besonderen Spiele würde ich schon ungern verzichten.

 

 

Über sushey

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