Wie man ein Buch macht (II) – Arbeiten am und im Text

tl;dr: Sascha hat die Inhalte seines Buches nun erstellt und will ihnen eine vernünftige Form geben. Hier gibts auch zum ersten Mal Hilfe von außen.

Der Tex(t)editor
Die Inhalte des Island-Reiseberichts sind alle zuerst in diesem Blog erschienen; somit habe ich auch im wordpress-Editor gearbeitet, der reichte für diesen Zweck vollkommen. Wer ihn nicht kennt: der wordpress-Editor ist dafür gedacht, schnell und bequem Inhalte für Blogs zu erstellen. Er ist somit auf das Allernötigste reduziert, was aber auch heißt, man kann sich voll und ganz auf die Inhalte konzentrieren. Satz und Layout erledigt wordpress – und macht das für eine Webanwendung ganz ordentlich.
Wesentlich komplizierter wird es, wenn man ein Buch machen will: Man muss Dinge beachten wie Kapitelüberschriften, Seitenzahlen, Fußnoten, etc.
Ich habe mich – auch nach den (guten) Erfahrungen für Uni-Hausaufgaben – für LaTeX entschieden. Das kann eine ganze Menge Dinge automatisch.
LaTeX funktioniert grundsätzlich anders, als die bekannten Office-Pakete. Während man dort direkt im (layouteten) Text arbeitet und sofort sieht, was man macht, funktioniert LaTeX in etwa so, wie HTML: Man arbeitet im Quelltext und markiert dort logische Einheiten mit Befehlen. Diese Befehle werden von LaTeX interpretiert, gesetzt und daraus das Endprodukt generiert. Das klingt komplizierter, als es ist, und nach einiger Arbeit (und mithilfe von Editoren, die auch für TeX eine graphische Oberfläche bieten) ist es sehr angenehm zu nutzen.
Es gibt zwei entscheidende Vorteile von TeX gegenüber Office (egal, ob Microsoft, Libre, etc…):
Man markiert den Text logisch. Statt eine Überschrift manuell „fett“ und „Schrift: 20px“ zu setzen, markiere ich eine Textstelle mit dem Befehl „Überschrift“, den Rest macht TeX von allein (inklusive Inhaltsverzeichnis; in Büchern beginnen Kapitel immer rechts, usw.) – das geht theoretisch in Office auch, ist aber sehr viel umständlicher und fehlerbehafteter.
Zweitens – und das ist für mich sehr wichtig – stellt LaTeX Text nicht nur dar, sondern setzt ihn nach typographischen Regeln. Für jemanden wie mich, der von Typographie keine Ahnung hat, ein Segen. Dokumente sehen einfach gut aus. Im Zweifel mal den Blocksatz von Office mit dem Blocksatz von LaTeX vergleichen.
Dazu kommt, dass ich bei den vielen Bildern vermutlich wahnsinnig geworden wäre, hätte ich eines der Offices benutzt – wer kennt es nicht: man verrückt ein Bild um ein µ, und das ganze Layout ist zerschossen. Das gibt es bei LaTeX nicht. Wirklich nicht.

Aus dem Blog ins Buch (achtung, teilweise sehr technisch)
Die Texte waren alle in einer .xml-Datei vorhanden, die ich möglichst direkt nach TeX übersetzen (lassen) wollte. Nach einigem Herumprobieren kam ich auf eine sehr technische Lösung, die beinhaltete, dass ich die gesamte .xml-Datei mit allen Texten exportiert und diese dann von einem Script in .tex habe umwandeln lassen. Das Endprodukt war weit davon entfernt, so auszusehen, wie ich es wollte, aber es war ein gutes Fundament, um damit weiterzuarbeiten. Beispielsweise waren alle Überschriften korrekt ausgezeichnet, und die Bilder zu den Artikeln wurden alle an den richtigen Stellen im richtigen Format eingefügt. Wer sich dafür interessiert, sollte diesen sehr interessanten Blogartikel lesen: WordPress to LaTeX

Das soll mal ein Buch werden?!?
Nun ging es „nur“ noch darum, die Blogartikel in Buchform zu bringen. Das heißt, aus Hyperlinks wurden Fußnoten, Formulierungen mussten überarbeitet werden, Rechtschreibfehler ausgemerzt, das Seitenformat wurde festgelegt. Ich habe überschlagen, dass ich alleine in diesem Schritt geschätzte 2.000 Mal in den einzelnen Dokumenten gearbeitet habe. Dabei war jedes Kapitel ein Einzeldokument, aus denen ich dann das Gesamtdokument erstellt habe. Bei wiederkehrenden Arbeiten (Bildgrößen anpassen z.B.) habe ich Scripte für mich arbeiten lassen.
Dabei ging es mir im Buch genau so, wie mit dem Fahrrad: je weiter man sich in die Details hineinarbeitet, desto feiner achtet man auf weitere Details. Einer der letzten Schritte war, zu schauen, ob jede Bildunterschrift einen Punkt hat.
Dabei hilft es ungemein, sich auf bestimmte Teilschritte zu konzentrieren. Als ich die Bildunterschriften kontrolliert habe, habe ich weder auf Rechtschreibung oder auf Inhalte geachtet – einzig auf die Punkte.
Ebenfalls sehr hilfreich war es, das die Texte rückwärts zu lesen. Wir sind es gewohnt, vorwärts zu lesen, und erfassen dabei ganze Teile des Textes – was es schwerer macht, z.B. Rechtschriebfelher zu finden. Hier z.B. sind einige Buhcsteabn drucheinanedr, was beim ersten Lesen kaum auffällt. Solche Fehler findet man dann, wenn man rückwärts und Wort für Wort durch den Text geht…
Wichtig ist es ebenfalls, immer mal wieder eine Pause zu machen und Abstand zu gewinnen, um mit frischen Augen neu an das Projekt gehen zu können. Manchmal reicht eine kleine Teepause, manchmal bin ich bouldern gegangen, habe schlichtweg andere Dinge gemacht. Es ist erstaunlich, wie „betriebsblind“ man wird, und wieviel man dann neu sieht, wenn man das Projekt mal nen Tag beiseite geschoben hat.

Dann kommt das Korrekturlesen
Dies ist einer der Punkte, die ich fast vernachlässigt habe – und umso glücklicher bin ich, dass ich mich den Korrekturlesern gestellt habe. Es ist nicht einfach, einen Text, an dem man monatelang gearbeitet hat, der einem wichtig ist und der teilweise sehr persönlich ist, wegzugeben – mit dem deutlichen Auftrag, ihn auf Herz und Nieren zu prüfen. Natürlich hatte ich Angst vor negativem Feedback, auch wenn ich wusste, dass der Text an sich gut ist.
Um es deutlich zu sagen: jeder der Korrekturleser hat den Text ein Stückchen besser gemacht, und ich bin dankbar für das ehrliche Feedback. Interessanterweise hat jede/r von ihnen den Text aus einer völlig anderen Perspektive analysiert und kommentiert, was sehr lehrreich war.
Insbesondere die Anmerkungen zum Layout und Satz bedeuteten noch mal eine Menge Arbeit – die sich aber mehr als gelohnt hat, wie ich finde. Hier habe ich gerne auf den Ratschlag von Menschen gehört, die davon mehr Ahnung haben als ich.

Keine Angst vor Änderungen
Korrektur, das heißt immer auch: am eigentlich fertigen Text arbeiten und ihn verändern. Teilweise habe ich nach dem Korrekturlesen (lassen) einzelne Passagen noch einmal komplett überarbeitet, um z.B. Schusterjungen und Hurenkinder zu vermeiden, oder um eine bessere Konsistenz im Text herzustellen.
Dabei habe ich irgendwann aufgehört, mich darüber zu ärgern, dass ich am Text arbeiten muss (denn das ist nun mal so), sondern es quasi als „sportliche“ Herausforderung gesehen: Wie kann ich den gleichen Sachverhalt mit einer Zeile weniger ausdrücken? Es ist ein bisschen wie twittern, nur auf ner größeren Skala.
Eine Seite hat nun mal physikalische Einschränkungen; man hat zwar nicht mehr, wie vorher, alle Freiheiten – aber definitiv alle Möglichkeiten, und die sollte man nutzen.

One more thing:
Irgendwann ist Schluss. Definitiv. Die Perfektion wird man nicht erreichen, so gerne man würde.

Also wirklich, jetzt:
Man wird selbst beim Drucken noch was finden.

Shit happens

Teil I – Der Inhalt

Teil III – Produzieren

Teil IV – Publizieren

Über sushey

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