Wie man ein Buch macht (III) – Produzieren

tl;dr: Sascha hat das Buch geschrieben, Korrektur lesen lassen, noch mal korrigiert, noch mal, und noch mal… und irgendwann wurde es Zeit zu drucken.

Aus der PDF ins Buch
Irgendwann hat man dann eine fertige, wirklich hübsche und große .pdf auf der Festplatte liegen (und hoffentlich Backups auf anderen Speichermedien!!!) und will daraus ein Buch machen. Gute Autoren finden (mit Glück) einen Verleger, andere nutzen einen der vielen, vielen Book-on-demand-Dienste – und ich habe beschlossen, alles selber zu machen.
Das hat mehrere Gründe: Ich dachte mir, dass es schwierig wird, einen Reisebericht zu verkaufen, und aufgrund der vielen Farbphotos würde es unermesslich teuer werden, das Buch bei der kleinen Auflage (erst mal 50 Stück…die ich HEUTE ausverkauft habe \o/) drucken zu lassen. Zudem, ja: Ich wollte unabhängig sein.
Ob das der richtige Weg ist, muss man selber entscheiden.

Sicherlich ist es sehr, sehr aufwändig und anstrengend, alle Fäden selber in der Hand zu halten – aber man behält eben auch volle Kontrolle über das Werk.
Gänzlich abraten würde ich von Book-on-demand-Diensten, bei denen man zunächst mit mehreren 1.000 Euro in Vorleistung gehen muss – meist sind diese Modelle so gerechnet, dass bis zu einem Absatz von etwa 1.000 Büchern das volle Risiko beim Autor liegt, der Verlag aber bis dahin ordentlich Gewinne einstreicht. 1.000 Bücher klingt bei den Millionen von Harry Potters nicht nach viel, aber man kann ja mal versuchen, einen Tweet zu schreiben, der 1.000 Favs bekommt.

Jedenfalls wäre bin ich glücklich über 50 verkaufte Bücher. Sollte es wider Erwarten ein Bestseller werden, wird man dann sicherlich adäquate Vertriebsmodelle finden.

Auf amazon verzichte ich grundsätzlich, weil ich das Gefühl habe, dass sie langsam zu den Bösen gehören – die Streiterein mit Verlagen, Autoren und auch Disney sprechen Bände, finde ich.

Also selber drucken
Ich deutete es schon an: die Menge an Farbphotos machte es schwierig, ein Angebot zu finden, das qualitativ hochwertig und bezahlbar ist. Zum Glück ist die Buchhalterin der Firma, in der ich Veranstaltungstechniker wurde, sehr begeistert von der Idee und hat mit sehr spitzem Bleistift gerechnet. Inzwischen habe ich auch kommerzielle Angebote gefunden, die bei unter 10 Euro pro Buch (meine magische Grenze) bleiben – wenns ein Bestseller wird, werde ich sicherlich drauf zurückkommen.

Das Papier
Ich wusste vor dem Buch nichts über Papier – und jetzt ein bisschen mehr. Im Grundsatz wollte ich ein Papier, das etwas dicker und „griffig“ ist – also habe ich eine Grammatur von 100g/m² genommen (Alltagspapier hat 80g/m²), mit einem Volumen von 1,13 (es ist also etwas „aufgeplüscht“). Zudem sollte es nicht knalleweiß sein, sondern leicht beige. Ein Anruf im Papierhandel brachte das für mich perfekte Ergebnis: „Munken Pure“ mit den beschriebenen Eigenschaften.
Eine Eigenschaft, die ich bis dahin nicht kannte, war die Laufrichtung des Papiers. Das Buch erscheint im Format A5, also habe ich immer zwei Doppelseiten auf ein A4-Blatt gedruckt, das in der Mitte zerschnitten wird.
Normales A4-Papier eignet sich dafür nicht. Es kommt in Längsrichtung aus der Rolle, d.h. die Fasern ordnen sich auch in Längsrichtung an. Zerschneidet man es nun quer, so liegen die Fasern im A5-Format auch quer – wird das Buch dann fest gebunden, wellt sich das Papier.
Man braucht also Papier, das im Original in Querrichtung hergestellt wurde. Im Fachjargon heißt das „Schmalband“ bzw. „Breitband“.
Man kann die Nagelprobe machen: Streicht man mit dem Fingernagel so über das Papier, als würde man Geschenkband kräuseln, dann kräuselt auch das Papier – in Richtung der Fasern deutlich weniger, als rechtwinklig dazu.
Ich werde nie die positive Überraschung im Gesicht des Buchbinders vergessen, als er die Nagelprobe machte – und feststellte, dass ich das richtige Papier benutzt habe.

Die .pdf
Die fertige .pdf sollte also doppelseitig auf A4 ausgedruckt werden, wobei immer zwei Buchseiten auf eine Papierseite passten. Statt nun ein Buch fortlaufend zu drucken, habe ich immer zwei gleiche Buchseiten gedruckt, also Vorderseite: 1, 1 – Rückseite 2, 2. Das hat den einfachen Hintergrund, dass beim Binden nicht auf Ränder geachtet werden muss, sondern die Seiten einfach halbiert werden können. Zudem haben so alle Seiten eines Buchs dieselbe Schnittkante, was abermals der Haptik zugute kommt.
Um das fehlerfrei drucken zu können, habe ich mithilfe des genialen Tools pdftk die fertige .pdf in Einzelseiten konvertiert, und diese dann immer doppelt in eine neue .pdf gespeichert, sodass ich auch immer zwei gleiche Seiten hatte, die ich dann in A4 drucken konnte. Ein nicht minder geniales Script nahm mir die Arbeit ab, das alles von Hand zu machen…
Beim Drucken haben sich die Marginalien etwas verzerrt, sodass ich ein bisschen experimentiert habe. Deswegen wirken die Marginalien in der .pdf kleiner, als sie im gedruckten Buch sind.

Cover und Bindung
Das Buch sollte eine Klebebindung bekommen, sowie ein Softcover (also wie ein Taschenbuch) – eine kostengünstige und gute Variante, wie ich finde. Dies ist einer der wenigen Schritte, die ich nicht selber gemacht habe.
Allerdings musste ich das Cover selber berechnen – vor allem der Buchrücken ist interessant. Es gibt da verschiedene Formeln – ich habe es mit einer Schieblehre direkt gemessen. Gerade beim Cover sollte man etwa zwei Millimeter Rand nach oben/unten, links/rechts lassen, damit man alles bündig abschneiden kann.

Teil I: Inhalt | Teil II: Arbeiten am und im Text

Über sushey

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4 Antworten zu Wie man ein Buch macht (III) – Produzieren

  1. ma schreibt:

    Da dennkt man.. och ich schreibe mal eben ein Buch. A B E R wieviel Aufwand, Nerven, Ausdauer und und und dazugehören stellt man dann erst fest, wenn man es in die Tat umsetzt. Ich finde es ist Dir sehr gut gelungen und natürlich wünsche ich Dir „reissenden Absatz“ und erstmal Glückwunsch für die ersten verkauften 50 und mach weiter so. Ma

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  2. sushey schreibt:

    Danke🙂

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