Auf Tour

Es begann mit einem kleinen, unscheinbaren Gespräch Ende März, beim Thailänder unweit des K17, wo ich oft Licht für Konzerte mache. Ob ich jemanden kennen würde, der sich vorstellen kann, Backliner¹ für eine befreundete Band machen. Die Bezahlung sei fair, die Leute nett, die Arbeit erträglich. Nein, sagte ich, direkt wen kennen würde ich nicht, aber was seien denn überhaupt die Termine…

Und so kam ich dieses Mal nicht zu einer Radreise – auch wenn die Parallelen in der Entstehungsgeschichte unübersehbar sind – aber zu einer Reise der ganz anderen Art: Ich würde im April und im Mai mit Staubkind² auf Tour gehen und für sie den Packesel machen.

Im Lichtermeer.

Im Lichtermeer.

Begleitet werden wir von Hannes Kreuziger , einem Singer/Songwriter, der nur mit seinem E-Piano unterwegs ist und in seinen Liedern viel vom Leben, vom Lieben und dem ganzen Umzu erzählt. Er hat schon viel erlebt und lässt das Publikum daran teilhaben.

Hannes.

Hannes.

Die beiden Brüder Weyermann sind nicht nur menschlich ein Erlebnis – ihr kerniger, ehrlicher, analoger Rock’n’Roll macht einfach Spaß!

The Weyers in Action.

The Weyers in Action.

Während ich mich darüber freute, neue Städte und Menschen kennenzulernen, meinte die Tonfrau nur lapidar: „Du bist ja optimistisch, was deine Arbeitszeiten betrifft…“ – inzwischen weiß ich, dass sie Recht hatte.

Görlitz
So ging es zu Ostern – zunächst noch im Sprinter – nach Görlitz. Für mich gleichermaßen spannend und aufregend, denn sowas kannte ich noch nicht – zum Glück war ein erfahrener Backliner dabei, der mir alles zeigte. Ich kam mir vor wie Falschgeld, aber viel falsch gemacht hatte ich anscheinend nicht, denn Band, Techniker und ich konnten sich die weitere Liaison gut vorstellen.
Görlitz selber ist eine spannende Stadt, mit deutscher und polnischer Hälfte, viel Altstadt und nicht minder viel Geschichte. Hier hatte ich tatsächlich zwei Stunden Zeit, um mit dem Keyboarder und dem Gitarristen durch die Stadt zu spazieren. Konzert, Abbau, alles im Sprinter verstauen, morgens um 5 in Berlin, ab in den ICE, um (fast) pünktlich bei Oma am Osterfrühstückstisch zu sitzen.

Cottbus
Mein erstes Mal im Tourbus. Schöne Sache: man nimmt das Bett quasi mit. Die Fahrt im Nightliner ist wirklich vergnüglich und der Busfahrer ein Original. Wichtigste Regel: wenn man abends weggeht, muss man den Tourausweis am Lenkrad liegen lassen, damit der Busfahrer weiß, wer noch fehlt.
Zum ersten Mal auch komplett für die Technik verantwortlich. Zum Glück ist die Band nicht nur nett, sondern auch entspannt und professionell. Das macht mir das Leben leichter, und der Puls ist nur während des Konzerts auf Anschlag. Bis auf eine verstimmte Gitarre (der Sänger stimmt seine Gitarre tiefer, was ich nicht wusste) geht alles gut, von Cottbus gesehen hab ich nichts, von Band und Bühne viel, und weiter gehts nach

Jena
Ich kenne die Stadt schon recht gut. Der Veranstaltungsort ist schön für die Zuschauer, aber furchtbar für mich – überall Treppen. Dass ein sehr lieber Mensch vor Ort ist, freut mich sehr, auch wenn ich wenig Zeit habe. Leider muss der Bus auch recht früh wieder los; es geht nach

München
hier war ich noch nie, aber außer dass wir morgens eine Runde drehen, um einen Bäcker zu finden, der offen hat (sonntags in München…), sehe ich nichts von der Stadt. Dafür läuft das Konzert glatt und macht auch mir zum ersten Mal richtig Spaß. Auf der Heimfahrt kommen wir noch an der Allianz-Arena vorbei – ein Minimalziel, wenn man schon in München ist.

Unter der Woche habe ich recht viel in Berlin zu tun. Dann steigen wir in den Bus nach
Hannover
im Musikzentrum lässt die Band es krachen, danach feiert der Keyboarder seinen Geburtstag irgendwo in der Innenstadt zu Soulmusik. Die Crew ist erwartungsgemäß schnell müde, aber Hauptsache, wir waren dabei!

Staubkind. Lichtprobe in Hannover.

Staubkind. Lichtprobe in Hannover.

In Wilhelmshaven steige ich aus dem Bus – und rieche als erstes das Meer. Fein! Der Veranstaltungsort ist schön, die Menschen dort sehr freundlich und bemüht – nur das Publikum könnte zahlreicher sein. Die Band rockt trotzdem, und am Ende nimmt meine Schwester mich mit, die andere Schwester hat am Folgetag Konfirmation.

Die Konfirmation war sehr schön. Im Anschluss bin ich mit einem sehr lieben Menschen wieder nach Jena gefahren. Am Donnerstag diesen lieben Menschen nach Frankfurt/Main gebracht, um dann nach Berlin zurückzukommen – aber nur für ein paar Stunden, in denen ich eine kleine Radtour gemacht habe, unter anderem zur High-Deck-Siedlung – sehr eindrucksvoll.

Noch des Nachts haben wir wieder den Bus geentert, um zunächst nach Osnabrück zu fahren. Wir werden sehr freundlich begrüßt – ich bekomme sogar ein frisch gemachtes Rührei. Nichts gegen die Stadt, aber ein bisschen grau und bieder ist sie ja schon… ich frage mich, wie sie vor der Zerstörung ausgesehen hat? Vielleicht so schön wie

Aschaffenburg
– aber hier habe ich tatsächlich nur den Veranstaltungsort gesehen (und auch nur den Hinterhof, ich war nicht mal am Haupteingang…). Dabei ist die Stadt wunderschön und somit auf meiner Wiederbesuchsliste. Für mich ein Tag, der nicht so rund läuft – kleinere Flüchtigkeitsfehler, es flutscht nicht so richtig. Die Band selber legt ein super Konzert hin.

Weiter geht es am Wochenende in Wuppertal und Zwickau.

Wir sehen uns!

Tourausweis.

Tourausweis.

¹ der Backliner sorgt dafür, dass Technik (und Musiker) im Anhänger, wahlweise Bus verstaut werden, bringt am Veranstaltungsort Technik (und Musiker) auf die Bühne und sorgt für einen technisch reibungslosen Ablauf des Konzerts (Wasser und Handtücher für die Musiker, zwischendurch Gitarren stimmen, etc.) Ganz wichtig: am Ende des Konzerts gibt es Luftballons, die muss ich alle aufblasen.
Am Ende baut der Backliner die Technik ab, verstaut sie fachkundig, sucht die Musiker, verstaut diese ebenfalls, und ist allgemein sowas wie Mädchen für alles. Muss man mögen, macht aber Spaß, wenn mans mag. Was der Sänger sagt, stimmt: ich bin oft als erster wach und gehe als letzter in den Bus.

² Unheilig in gut.

Advertisements

Über sushey

twitter.com/milch_mit_honig
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar? Gerne!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s