W.E. Bowman – The Ascent of Rum Doodle (1956)

To climb Mont Blanc by the Grepon Route is one thing; to climb Rum Doodle is […] quite another.

Mit diesem Leitsatz beginnt der Expeditionsleiter – Funkname „Binder“ – den (fiktiven) Expeditionsbericht zur Erstbesteigung des ebenfalls fiktiven „Rum Doodle“, laut Bericht 40000 1/2 Fuß hoch, also etwa 13000 Meter¹.

Zunächst stellt Binder sein Team vor, bestehend aus dem Materialbeauftragten Tom Burley, dem Geologen Christopher Wish, dem Kameramann Donald Shute, Humphrey Jungle, Navigator, dem Übersetzer Lancelot Constant und dem Arzt Ridley Prone – nicht ohne dabei in den typischen britischen Pathos der Fünfziger zu verfallen („beyond praise“, „highest praises“, „no leader has been served better“, etc).

Während Binder sein Team in höchsten Tönen lobt, wird schon im ersten Absatz klar, dass die Expeditionsmitglieder nicht ganz die Erwartungen – „make one thing fulfil two purposes“ – erfüllen. So verpasst Jungle das erste Planungstreffen, weil er sich mehrfach und nachhaltig in London verläuft.

Ob das auch für Prone gilt, der zwar ständig krank ist, sich aber immerhin selber behandeln kann, muss der Leser selber beurteilen…

Und so funktioniert diese feine Satire über weite Strecken wie ein Sketch von Monty Python: britisches Understatement („the day was uneventful“, gefolgt von einem langen, ereignisreichen Bericht eines Tages), absurde Charaktere, Situationskomik (z.B. beim ersten Ausprobieren der Funkgeräte), ein übernaiver Erzähler und immer wieder lustige Szenen machen diesen Roman zu einer sehr kurzweiligen und erheiternden Affäre. Immer wieder wird der Pomp und Pathos britischer Expeditionen aus den 50ern brilliant auf die Schippe genommen:

The equipment for this camp had to be carried […] a distance of 500 miles. Five porters would be needed for this. Two porters would be needed to carry the food for these five, and another would carry the food for these two. His food would be carried by a boy. The boy would carry his own food. […]
In all, […] 3,000 porters and 375 boys would be required.

Dabei scheint der Autor durchaus Erfahrungen im Bergsteigen zu haben, denn einige Dinge muss man erlebt haben, um so detailliert davon berichten zu können. Diese Kombination aus Faktenwissen und Humor macht das Buch sehr lesenswert. An manchen Stellen ist die Satire sehr offensichtlich konstruiert – einige Wendungen der Geschichte ergeben sich zwangsläufig aus dem Muster des Humors – was dem Vergnügen aber keinen Abbruch tut.

Diese Satire ist nicht nur für Bergsteiger vergnüglich – auch wenn es nicht schadet, zumindest eine grobe Vorstellung vom Bergsteigen zu haben. Es lohnt sich, sie auf Englisch zu lesen; manche Formulierungen sind „very british“ und dementsprechend nur inadäquat zu übersetzen.

¹ zum Vergleich: Mount Everest ist mit 8847 Metern der höchste reale Berg der Welt

Alle Zitate aus: W.E. Bowman – The Ascent Of Rum Doodle, Vintage 2010

Über sushey

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