Kurzurlaub in Irland (3)

„Would you like a Schmalzkoeckle?“ – als wir am Abend im Hostel einchecken, begrüßt uns eine Holländerin, die dort mit ihrem Freund übernachtet, und reicht uns selbstgebackene Schmalzteigteilchen, die noch warm sind und hervorragend schmecken.

Noch sind wir einen Schmalzkuchenwurf entfernt von Glendalough in Cork am Fühstückstisch, von dem aus wir einen beeindruckenden Blick auf den beunruhigend nahen und vor allem beunruhigend hoch stehenden Fluss haben. Die Servicekraft erzählt uns, dass es im vergangenen Jahr eine Flut gab, die sogar den Keller überflutet hat. Wir hoffen, dass es dieses Jahr nicht so schlimm wird.

Und machen uns auf den Weg nach Glendalogh, in die Abgeschiedenheit der Wicklow Mountains, um in aller Ruhe Silvester zu feiern. Berg, einsames Hostel… da fehlt nur noch der Schnee, um die Klischeevorstellung zu vervollkommnen.

farmhouse

Das hier wirkt allerdings eher schwedisch als irisch.


Cobh – oder: eine Erinnerung an Australien

Auf dem Weg nach Glendalough kamen wir auch an Cobh vorbei, einer kleinen schönen Küstenstadt mit dem letzten Hafen, an dem die Titanic vor ihrer fatalen Jungfernfahrt anlegte. Eine Plakette, ein Museum und weitere Referenzen erinnern daran. Mehrere Touristen mit Titanic-Einkaufstüten kommen uns entgegen; ich werde wohl nie verstehen, wie man aus diesem Unglück auch noch Kapital ziehen kann¹.

titanic

Gedenkstein für das Titanic-Unglück.

Die Stadt selber ist recht schön, sehr farbenfroh und mit der typisch unübersichtlichen „Hügelarchitektur“. Als Flachlandbewohner fasziniert es mich jedes Mal, wenn auf engem Raum große Höhenunterschiede bebaut werden, sodass manche Gebäude unwirklich hoch erscheinen.
Auch aus einem zweiten Grund macht Cobh einen großen Eindruck auf mich: ich fühle mich stark an die australische Hafenstadt Albany erinnert, die der südliche Endpunkt meiner dortigen Radtour war, und ich versinke unfreiwillig in meinen Gedanken und Erinnerungen.

albany

Albany, bist du es?

vertical

Wie soll man denn hier den Überblick behalten?

Wir fahren alsbald weiter und besichtigen einen weiteren Turm am Fluss, den wir aber nicht betreten können.

Wasser gabs auch, aber dies nur am Strande

Auf dem weiteren Weg Richtung Glendalough durchquerten wir auch Waterford, um dort eine Weile am Strand spazieren zu gehen, eine willkommene und schöne Abwechslung nach den vielen Stunden im Auto.

sunset

Sie hätten schon fegen können, aber wir wollen mal nicht meckern.

Es wurde inzwischen dunkel, sodass wir die Aussicht auf dem Weg nach Glendalough nur erahnen konnten. Es ging aber steil bergauf und war sehr, sehr kurvig, sodass es unweigerlich in die Berge ging.

Glendalough

In dem einfachen, aber sehr ansprechenden Hostel angekommen, wurden wir zunächst mit den Schmalzgebäckstücken empfangen und gingen später in das nahegelegene Hotel, wo es ein tolles Dreigängemenü gab², später dann eine Band, die eher mäßig inspirierte Coverversionen zum Besten gab. Wir zogen uns rechtzeitig vor Mitternacht ins Hostel zurück, wo wir vorm Kamin in aller Stille das neue Jahr begrüßten.

Am nächsten Morgen konnten wir uns dann ein bisschen umschauen; wir nahmen die Holländerin und ihren Freund nach Cork mit, und im Gegenzug zeigten sie uns den nahegelegenen See. Sie waren selber um den See und in die angrenzenden Berge gewandert, was wir mangels adäquatem Schuhwerks und Zeitplans4 nicht gemacht haben. Das ist dann beim nächsten Besuch dran, denke ich mir.

see

Es ist nur eine Vermutung, aber es könnte sein, dass die Luft feuchter ist, als der See.

Die Unterkunft wird mir nicht nur aufgrund der Lage und der freundlichen Mitarbeiter, sondern auch wegen der beeindruckenden Feuerlöschersammlung im Gedächtnis bleiben:

firefirefirefire

Sollte hier mal ein Feuer ausbrechen, wird es gleich ordentlich eingeschüchtert sein.

Dublin

Die Fahrt nach Dublin ist – abgesehen von den 10 Kilometern durch die Berge aus Glendalough heraus – recht kurz und unspektakulär. Wir unterhalten uns mit unseren neuen Freunden, setzen diese dann in einem betont unspektakulär gehaltenen Wohnviertel ab5, und machen uns auf zum Hostel. Die Stimmung ist ein wenig angespannt; meinerseits, weil mir nach dem anstrengenden Jahresende und zwei Wochen ohne Radfahren oder Boulden ein bisschen die Puste ausgeht und mir ehrlich gesagt der Regen auf die Nerven geht, Kathi ist ein wenig ungeduldig, weil sie Dublin liebt und am liebsten alles auf einmal sehen und mir zeigen möchte.

So bringen wir zunächst das Auto zurück zum Flughafen und laufen dann ein bisschen durch den Regen, Dublin anschauen. Eine schöne und beeindruckende Stadt. Irgendwann kommen wir zur Old Jameson Distillery und würden gerne an einer Tour teilnehmen – die sind aber alle schon ausgebucht. Auch für die Story of the Irish– Tour ist es schon zu spät, sodass wir uns in eine Kneipe im berühmt-berüchtigten Stadtteil Temple Bar zurückzogen und anschließend noch lange im Hostel gequatscht haben.

nordmanntanne

„Schahatz, dieses Jahr gibts mal keine Nordmanntanne!“

The Brazen Head

Am nächsten Morgen waren wir etwas spät dran, sodass sich das Spiel der verpassten Führungen wiederholte. Es gab also keinen irischen Whiskey für uns… dafür aber beschlossen wir, unmittelbar vor der Busfahrt zum Flughafen noch im Brazen Head einzukehren, des seit 1198 existierenden und damit wohl ältesten Pubs Irlands6. Hier gab es eine ordentliche Portion Fish & Chips und einen leckeren Ziegenkäsesalat, natürlich ein Guiness bzw. ein Pale Ale – und dann wurde es auch schon Zeit, Richtung Flughafen aufzubrechen.

Es waren sehr schöne, intensive und viel zu kurze Tage. Ich bin mir ziemlich sicher, hier noch mal (mit Fahrrad) zurückzukommen.

goodbye

Goodbye, my friend.

Fußnoten

¹auch wenn die Geschichte als solche natürlich sehr interessant ist; der Film allerdings fällt für mich schon wegen der unerträglichen Trällertrulla Celine Dion flach.

²wir haben nur zwei Gänge geschafft, es war sehr, sehr lecker und satt machend³, und das selbstgebackene Brot war hervorragend.

³wie eigentlich die ganze irische Küche.

4und ja, auch wegen enthusiastisch einsetzenden Regens.

5einen Block vom Google-Europa-Hauptquartier entfernt. Alle Häuser hier gehören supperreichen Google-Mitarbeitenden.

6die Älteren unter uns werden sich sicherlich noch an die Eröffnungsparty erinnern.

Über sushey

twitter.com/milch_mit_honig
Dieser Beitrag wurde unter gesehen, ich und die welt, Unterwegs, wech abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar? Gerne!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s