Kopfüber

Die Sonne scheint mir ins Gesicht, und so drehe ich meinen Kopf nach oben, weiter und weiter, bis ich an die Decke stoße, die aus hölzernen Latten besteht.
Das dunkle Holz bildet einen schönen Kontrast zu dem fast wolkenlosen, tiefblauen Ozean, der sich unter mir erstreckt. Die Bäume, welche aus der Decke sprießen – viele mit zarten Knospen – ragen bis in diesen Ozean hinein und umrahmen das Haus, welches auf seinem spitzen Dach balanciert und doch fest verankert scheint.

Ein laues Lüftchen weht und spielt mit der vorsichtigen Wärme der Sonne auf der Haut. Ein widersprüchliches Gefühl; gegensätzlich, aber nicht unangenehm.

Vor dem Haus spazieren Menschen oder fahren mit dem Rad; ihre Stimmen kündigen sie an, bevor ich sie sehe. Unterhaltungsfetzen aufschnappe, die wie kleine Schiffchen vorbeisegeln. „Wie geht es euch dort an der Decke?“ möchte ich fragen und weiß, sie würden mich nicht verstehen. Vielleicht würden sie sich auch durch die Frage erst bewusst, was sie machen, sich erschrecken und herunterfallen. Für immer entschweben, losgelassen wie ein Luftballon.

Ihre Gespräche vermischen sich mit den Gedanken in meinem Kopf. Ein widersprüchliches Gefühl; gegensätzlich, aber nicht unangenehm.

Boote röhren. Vögel zwitschern. Verkehr rauscht. Menschen reden. Räder knirschen.  Schilf raschelt. Wind weht. Die Welt ist voll von Geräusche, die von überallher kommen. Ich nehme sie auf, höre sie, versuche sie bewusst wahrzunehmen. Im Geiste wandere ich von den größten Geräuschen hin zu den kleinsten, versuche die einzelnen Stimmen im Rauschen auszumachen und zu hören.

Ein stiller Moment trotz der scheinbaren Reizüberflutung. Ein widersprüchliches Gefühl; gegensätzlich, aber nicht unangenehm.

Ich liege auf einem Steg in der Rummelsburger Bucht und habe meinen Kopf so gedreht, dass ich die Welt überkopf sehe. Geräusche kann ich nicht überkopf sehen, aber auch so bietet sich mir ein spannendes Bild und ich stelle mir vor, das Haus und die Bäume würden wirklich an der Decke schweben und könnten in den Himmel fallen, der mir jetzt vorkommt wie ein Meer.

Schwindlig und fest am Boden liegend. Überkopf und richtigherum. Sonne und Wind. Gedanken und Gespräche. Stille und Geräusche. Wartend und voll im Augenblick.

Widersprüchliche Gefühle; gegensätzlich, aber nicht unangenehm.

Über sushey

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