Eindrücke vom Lollapalooza Berlin 2016 – jenseits der Musik (1 von 2)

Die riesige Staubwolke hat sich langsam wieder gelegt, die Puschkinallee ist lange wieder befahrbar, die Bauzäune verschwinden nach und nach aus dem Treptower Park – spätestens morgen soll der Park nach einer Pressemitteilung des Bezirksbürgermeisters wieder komplett begehbar sein.

Da das Festival im Vorfeld für einige Kontroversen gesorgt hatte und mich als Veranstaltungstechniker mit ökologischem Gewissen natürlich auch professionell interessiert, habe ich ein paar Gedanken abseits der Musik gesammelt.

Die Ausgangssituation

Das Lollapalooza ist ein seit etwa 20 Jahren vor allem in den USA existierendes Musikfestival, das laut Aussage des Gründers „die Besten der Szene“ (vorrangig (Alternative) Rock) versammeln will, aber auch allgemein der Kunst und alternativen Kultur einen Raum geben möchte – ohne dabei die ökologische Verantwortung aus dem Blick zu verlieren.
Im letzten Jahr fand das Lollapalooza auf dem Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flughafens statt, was 2016 nicht ging, da auf dem Gelände Geflüchtete untergebracht sind. Die Alternative Treptower Park sorgte im Vorfeld für Kontroversen und Proteste, vor allem wegen der befürchteten Schäden am Sowjetischen Ehrenmal und wegen der gerade abgeschlossenen, 13 Millionen Euro teuren Sanierung (bzw. 17 Millionen laut RBB) des Treptower Parks. Dazu kommen noch die üblichen, bei einer Veranstaltung dieser Größe normalen Bedenken und Proteste wegen Lärmbelästigung, Verkehrschaos und Sinn bzw. Unsinn einer solchen Veranstaltung – legitim, aber nichts Ungewöhnliches.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jede Veranstaltung – so lange sie demokratische Werte vertritt – auch ihre Daseinsberechtigung hat. Ob sie auch sinnvoll ist, muss jede/r für sich selbst entscheiden – ich persönlich halte Love Parade und Karneval der Kulturen mitten in Berlin für nicht nötig, aber tolerierbar, und morgens um fünf Uhr vom Schützenverein geweckt zu werden, weil sie ihre Majestäten abholen ist ein Teil deutscher Kultur, dessen Sinn sich mir völlig entzieht – es gibt Menschen, die sind da anderer Meinung, und das ist auch vollkommen in Ordnung so.

Der Park nach dem Festival

Ich wollte mir selber ein Bild machen und bin vorgestern und gestern im Treptower Park unterwegs gewesen, soweit das inmitten der Abbauarbeiten möglich war. Schon während des Festivals waren die Bauzäune ordentliche Barrieren, welche die Massen gezielt gelenkt haben. Die Wege waren größtenteils durch Alu- bzw. Kunststoffplatten geschützt, die man auch aus Konzerten im Stadion kennt, ebenso alle Rasenflächen, welche Aufbauten zu (er)tragen hatten. Die frei begehbaren Rasenflächen – insbesondere vor den Bühnen – waren schon während des Festivals überansprucht, was durch die trockene Hitze zusätzlich forciert wurde. Meiner Meinung nach sind das aber keine substanziellen Schäden; auch Stellen, die nicht durch das Festival beansprucht wurden, sind inzwischen trocken und staubig. Sicherlich wird man Teile des Rasens neu ansäen bzw. nachverdichten müssen, aber das ist ja das Schöne am Rasen: etwas Regen und ein wenig Ruhe, und der macht das von alleine. Ich denke, hier wird ein kleiner Teil der massiven Kaution, die im Vorfeld hinterlegt wurde, gut angelegt sein.
Was die durch das Grünflächenamt vorgenommenen Bauten (Wege, Befestigungen, Einfassungen etc.) betrifft, kann ich keine konkrete Aussage machen. Da aber vieles abgedeckt bzw. durch Bauzäune unbegehbar war, vermute ich, dass hier kein nennenswerter Schaden entstanden ist. Der Bezirksbürgermeister hat eine Pressemitteilung veröffentlicht, die zu einem ähnlichen Schluss kommt.

Das Festival selber

Rein musikalisch fand ich das Festival gelungen, auch wenn von der Alternativkultur aus der Eigenbeschreibung nicht viel zu sehen war. Auf der Alternative Stage tummelten sich meistenteils international bekannte Schwergewichte wie New Order, The Temper Trap, Róisín Murphy (Moloko) oder (Absolute) Beginner, dazu kommen noch die Hauptbühnen mit Acts wie Paul Kalkbrenner, Kings Of Leon, Radiohead, Kaizer Chiefs, etc. – allesamt wohlbekannt und hochkarätig, aber für ein Festival, das für sich alleine durch den Namen in Anspruch nimmt, etwas „außergewöhnlich Beeindruckendes“ zu sein und auch jenseits der Musik Alternativkultur fördern zu wollen, war es meiner Meinung nach zu sehr am Mainstream orientiert. So hätte ich mir gewünscht, dass z.B. auch unbekannte berliner Bands zu sehen sind – was aber zugegebenermaßen bei einem Festival dieser Größe und dieses Aufwands schwer umzusetzen ist. Laut Aussage der Festivalchefin ist zumindest angedacht, mehr mit Berliner Museen und Galerien zu kooperieren. Ich denke, man wird bei der vierten oder fünften Auflage sehen, wohin der Weg geht.

Im zweiten Teil: Ökologie, Umweltschutz, Ganzheitlichkeit.

Über sushey

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