Kletterausflug ins Steinerne Meer (1/2)

Das „Steinerne Meer“ ist ein Hochplateau in den Berchtesgadener Alpen und liegt zum Teil im südlichen Bayern, teilweise in nördlichen Österreich. Es ist von zahlreichen Bergen eingerahmt; der bekannteste dürfte der Watzmann sein. Mein Radreisepartner Philipp machte dort einen Gletscherkurs und fragte im Zuge dessen, ob ich nicht Lust auf ein wenig Kletterei hätte.

Nach dem Gletscher kommen die Freunde

Lust hatte ich auf jeden Fall, und im Laufe der Planungen für das Unterfangen begeisterte sich auch ein weiterer Freund, Christian, für unsere Tour. Dass er ein Auto zur Verfügung hatte, würde – neben seiner angenehmen Art – die Logistik unserer Reise deutlich vereinfachen; so setzten wir uns vergangenen Montag ins Auto und brausten hinunter nach Saalfelden, wo wir Philipp trafen.

Übernachtung in der Peter-Wiechenthaler-Hütte

Gleich am Abend steigen wir noch die 1.000 Höhenmeter zur Peter-Wiechenthaler-Hütte in 1.752 Metern auf – wie beim Radfahren fasziniert mich, wie schnell der ganze Körper damit beschäftigt ist, sein eigenes Gewicht und das des Rucksacks nach oben zu bringen – und dementsprechend zu schwitzen. Dabei ist dieser Aufstieg recht einfach und harmlos, jedenfalls verglichen mit dem, was noch kommen wird. Nach gut zwei Stunden können wir den Ausblick auf das nächtliche Saalfelden aus der gemütlichen Urigkeit der Hütte heraus genießen und stellen den Flüssigkeitshaushalt fachgerecht unter Zuhilfenahme lokal hergestellter isotonischer Getränke wieder her, während wir unsere nächsten Tage planen.

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Peter-Wiechenthaler-Hütte bei traumhaftem Wetter.

Klettersteig auf das Persailhorn, und über das Mitterhorn und Breitenhorn zum Riemannhaus

Für den nächsten Tag nehmen uns zunächst einen Klettersteig auf das Persailhorn (2.347m) vor, sowie den Übergang von Mitterhorn und Breitenhorn zum Riemannhaus. Dies wird auch ein Test für uns, wie gut wir mit Klettersteigen klarkommen, denn beide Steige sind mittelschwer bewertet. Auf Anraten einer Kletterin nehmen wir uns die Nordflanke vor, die wesentlich spannender zu klettern sein soll – mit dem Nachteil, eher im Schatten zu sein. So oder so, der Ausblick ist schon vor dem Klettersteig großartig. Der Steig selber zeigt schnell, was mit „schwindelfrei“ und „trittsicher“ gemeint ist. Rechter Hand hält man sich fest, links gehts steil runter, und ich bin froh, nicht in Sneakers, sondern vernünftigen Schuhen unterwegs zu sein¹.

Wir gewöhnen uns schnell dran, die Karabiner am Stahlseil umzuhängen und feste Steine und Felsen von lockeren zu unterscheiden. Christian findet sichtlich Gefallen an der Sache und prescht vor, Philipp steigt hinterher und ich lasse mich immer wieder zurückfallen, um die Aussicht zu genießen und Fotos zu machen. Überhaupt beeindruckt die Aussicht uns Flachland-Tiroler sehr, und auf dem Persailhorn stehend ins tief, tief – und sehr, sehr steil – unter uns liegende Saalfelden zu schauen, ist schon eine besondere Erfahrung.

Eine Gratwanderung

Vom Persailhorn aus geht es – nun ungesichert – über das Mitterhorn und Breitenhorn zur Hütte. Dabei wandern wir viel auf den Graten zwischen den Gipfeln, und hier erfahren wir, dass nicht nur „Trittsicherheit“ und „Schwindelfreiheit“ eine wichtige Rolle spielen, sondern es auch wichtig ist, einen kühlen Kopf zu bewahren. Linker Hand haben wir einen wunderbaren Blick über das Plateau, das in der Tat anmutet, wie ein Meer aus Stein, rechts ist der Abhang Richtung Saalfelden – dazwischen wir auf dem schmalen Grat, der manchmal weniger als 50 Zentimeter breit ist. Im Grunde ist es ja kein Problem, einen schmalen Weg zu überqueren, aber die meisten dieser Wege hatten keinen Abgrund…  Uns kommt ein Trailrunner entgegen, der – nur mit ein wenig Wasser ausgestattet – mehr oder minder über den Grad sprintet. Faszinierend und unverständlich gleichermaßen. Sei es durch den Gletscherkurs oder aus sonstigen Gründen: Philipp macht der Grat scheinbar nichts aus; Christian und ich sind bei Ankunft in der Hütte begeistert, aber auch mental ein wenig erschöpft, sodass wir es uns auf der Sonnenterrasse gut gehen lassen, während Philipp noch eine kleinere Tour zum Selbhorn macht. Abends führen wir dann sehr interessante und auch lustige Gespräche mit dem Trailrunner und seiner Freundin.

Durchs Meer zum Kärlingerhaus

Wie wir schon aus dem Gespräch mit unseren beiden neuen Freunden erfahren hatten, war das Frühstück im Riemannhaus nicht so berauschend, sodass wir uns entschieden, uns unterwegs mit Käse und Salami sowie Müsliriegeln zu verköstigen, um dann im Kärlingerhaus zuzuschlagen. Wir hatten uns auf dieses Ziel geeinigt, um dann zur Ingolstädter Hütte und über das Peter-Wiechmann-Haus einen kleinen Rundkurs zu machen, der zwar keine Klettersteige mehr, aber dafür umso mehr Aussicht bieten würde – und die Möglichkeit, nach Ankunft in den jeweiligen Hütten noch ein paar Abstecher zu machen. So wandern wir also in der Frühe durch das Steinerne Meer, stets ein wenig Höhe verlierend – was mir latent Schmerzen im rechten Bein bereitet, aber der tollen Aussicht keinen Abbruch tut. Durch den Abstieg wandelt sich auch die Landschaft: Waren wir am Anfang inmitten spärlich begraster Felsen unterwegs, wandern wir irgendwann durch größere Büsche und auch Bäume. Uns kommen einige Bergsteiger und Wanderer entgegen, nicht wenige mit Stöckern. Im Kärlingerhaus angekommen, machen wir kurz Rast und beschließen, den pitorresk und mächtig aufragenden Funtenseetauern zu besteigen.

… Fortsetzung folgt.

¹Auch wenn diese inzwischen deutlich ausgelatscht sind und definitiv² ihre letzte Tour gemacht haben.

²So definitiv, wie nach Island und Australien… Jetzt kommen sie aber wirklich³ weg.

³Also wirklich, jetzt.

Über sushey

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