Grobe Richtung Nord-Nordwest

Vielleicht ist es ein Naturgesetz. Oder in der Verfassung verankert. Oder in der Bibel. Weiß man nicht so genau. Es könnte auch einfach eine merkwürdige gesellschaftliche Konvention sein: An Himmelfahrt setzt man sich auf das Rad und säuft macht eine schöne Tour. Oder so ähnlich.

In meiner Radler-Historie hat es sich ergeben, dass Kollegen/Freunde/Ich das Himmelfahrtswochenende oft¹ genutzt haben, um ebenfalls auf das Rad zu steigen, aber weniger um des Saufens wegen, als vielmehr, dem Radsport zu frönen².

Nach einigem Hin und Her hatte sich für unsere diesjährige Tour ergeben, dass wir uns in Schwerin treffen würden, um von dort über Lübeck und Offendorf nach Ascheberg in Holstein zu fahren – einem schönen kleinen Örtchen am Plöner See. „Wir“, das sind in diesem Jahr – wie schon im Jahr zuvor – Philipp, Jule und Jan.

Ich hatte wenig Lust auf Zug und Fernbus, also bin ich noch am Dienstag Abend in die Pedale getreten und bis nach Fehrbellin geradelt, wo ich das Zelt auf einer Wiese aufgeschlagen habe. Es gab zwischendurch einen heftigen Gewitterschauer – den ich beim Vietnamesen verbracht habe – aber dafür wurde ich mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt.

sonnenuntergang

Das Gebirge des Nordens

Der Mittwoch würde den ganzen Tag aus Radfahren bestehen, soviel war mir von vornherein klar. Mit 163 Kilometern die zweitlängste Tagesetappe, die ich je gefahren bin, und wie die längste Etappe bestand Jeder. Einzelne. Kilometer. Aus. Gegenwind. Man spürt die Kilometer dann wirklich doppelt; nicht umsonst heißt es ja auch, der Wind sei das Gebirge des Nordens. Eine kurze Rekapitulation meiner Gedanken:

Scheiß Wind
Scheiß Wind
Scheiß Wind
Scheiß Wind
Oh! Die Straße macht eine Kurve!
Hurra!
Oh nein! S-Kurve
Scheiß Wind
Scheiß Wind
Mist. Noch 162 Kilometer…

Im Ernst: damals in Dänemark habe ich gelernt, mit Wind umzugehen, also leichten Gang rein, entspannen, go with the flow. Man kann eh nichts gegen den Wind machen. Aber anstrengend ist es schon, auch mental. Der Wind zerrt nicht nur an Haut und Haaren, sondern auch an der Motivation, das muss man sich klar machen. Man muss eben ein bisschen arbeiten, um voran zu kommen. Trotzdem war es wunderbar, durch Brandenburg und Mecklenburg zu zischen, Kilometer zu machen und die Ruhe und Einsamkeit zu genießen.

So habe ich festgestellt: es gibt echt viele Windkraftwerke zwischen Berlin und Schwerin; der Wind ist also nicht immer hinderlich. Und: auch wenn ich hauptsächlich auf Haupt- und Landstraßen unterwegs war: Es werden Radwege gebaut!

Außer einer Menge Schwertransportern – deren Anwesenheit mir Rätsel aufgaben, bis ich gesehen habe, dass ein weiterer Strauß Windkraftwerke gebaut werden – war der Verkehr relativ dünn, und im Laufe der Zeit befindet man sich in einem zen-artigen Stadium nicht nur bewussten Erlebens der Route, sonden auch tiefen Nachdenkens über alles Mögliche – nach dem (Arbeits)stress der letzten Tage eine schöne Entspannung.

Und irgendwann kommt man dann an. In diesem Fall auf einem sehr schönen Zeltplatz direkt am See, wo Philipp schon mit einem kalten Bier wartete.

Fortsetzung; Bericht bei radelmaedchen.de

¹ z.B. 2010, 2013, 2014, 2016

² na gut, es gibt das Bergfest-Bier, das Ankunftsbier, und in besonderen Momenten einen kleinen Whisky

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Über sushey

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2 Antworten zu Grobe Richtung Nord-Nordwest

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