Earl Grey schmeckt auch nicht mit Spiritus (Himmelfahrt Teil 2)

Eine schöne Szene am Abend

Die Szene ist beinahe schon lächerlich kitschig, aber das macht sie nicht minder schön: Die Sonne geht im Meer unter, das ruhig an den Strand plätschert. Der Teekessel hängt über dem Lagerfeuer; und wenn man den Blick an der Bucht entlang gleiten lässt, dann zeigen sich noch mehr Lagerfeuer. Blick nach oben, und der Himmel verläuft vom Pink-Orange über Türkis, Blau ins Schwarz der Nacht, und vereinzelt kommen die Sterne heraus.

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Wasserkocher, oldschool. Bild von Philipp Konietzko

Die Fahrräder haben ihr Tagwerk getan, das in diesem Fall in Schwerin begonnen hatte. Ursprünglich sind wir mit Jule und Jan, unseren letztjährigen Mitstreitern, vor dem Schweriner Schloss verabredet gewesen, das gerüchtehalber ausnahmsweise mal frei von Gerüsten sein sollte. Der Gemütlichkeit halber, und weil in der Stadt das Frühstück nur zu Himmelfahrtspreisen zu haben war, trafen wir uns dann aber in der Bahnhofsbäckerei. Nach einem Abstecher über das Schloss – laut Jule unabdingbar, wenn man denn schon in Schwerin war – ging es durch die abermals überraschend hügelige Holsteiner Schweiz in Richtung Küste.

Himmelfahrt – oder: Sonnenschein und trunkene Menschen – und das langsamste Fischbrötchen der Welt.

Wie es sich für einen Himmelfahrtstag gehört, war das Wetter wunderbar, und auch der Wind hatte ein Einsehen – für meine Begriffe war es quasi windstill. Es waren irre viele Radfahrer unterwegs – wie überraschend – und viele grüßten freundlich zurück, wenn wir an ihnen vorbei fuhren oder ihnen begegneten. Eine Dame war allerdings damit beschäftigt, überhaupt voran zu kommen, und so lautete ihr kerniger Kommentar: „Als erstes kaufe ich mir Montag ein e-Bike!“ – nun ja. Mal schauen, ob ich in dem Alter noch selber treten kann…
Selbstverständlich trafen wir auch auf die klassische Himmelfahrtsgruppe, die mit dem Bollerwagen, komischen Hüten und im Zustand fortschreitender Trunkenheit unterwegs war. Doch je mehr wir Richtung Küste und in dünner besiedelte Gegend kamen, desto weniger wurden die Begegnungen.

kornfeld

Es rauscht das Meer. Äh. Kornfeld.

In Wismar machten wir dann unsere Mittagspause. An einer vielversprechenden Fischbude machten wir Halt – nicht ahnend, dass diese Bude problemlos den Titel „langsamste Fischbude der Welt“ erhalten könnte. Das Essen war wirklich lecker, aber die Dame hinter dem Tresen hat meine Portion Pommes Stück für Stück einzeln in die Fritteuse getan. Sei’s drum, Philipp hat eine Runde Traubenzucker ausgegeben, um die Wartezeit zu überbrücken. Danach ein kurzer Stadtbummel, und nach einem riesigen Eis – nicht so gut wie das in Dänemark, aber auch gut – fuhren wir an der Steilküste entlang, bis wir nach einigem Hin und Her einen Ort zum Übernachten fanden – direkt auf dem Strand. Hier war es wirklich schön, und zum Zwecke der Gemütlichkeit gab Philipp eine Runde Tee aus. Jan hatte sich einen starken Earl Grey ausgesucht, der auch nach mehrmaliger Verdünnung noch immer sehr bitter schmeckte. „Kein Wunder“, dachte ich, „ist ja Earl Grey.“ – aber der schmeckt eigentlich nicht bitter. Philipps Diagnose, eine Zehntelsekunde, nachdem er den Tee probiert und sofort wieder ausgespuckt hatte: „Da ist ja Spiritus drin. Da ist wohl der Brenner ausgelaufen.“ Uppsie. Jan scheint den kleinen Faux Pas aber gut weggesteckt zu haben.

bucht

Bild von Philipp

Fortsetzung folgt. Darin: der Besuch eines Zeltplatzes, der Nichtbesuch einer Stadt und ein Vogel, der Fledermaus sein will.

Zum 1.Teil.

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Eine Antwort zu Earl Grey schmeckt auch nicht mit Spiritus (Himmelfahrt Teil 2)

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