Sünndagsschnack (9)

Moin moin,

Schlummern
Heute morgen bin ich relativ früh aufgewacht – nach alter UND nach neuer Zeit – und habe mir gedacht: „Ach, ich schlummere noch ein bisschen.“ – und hab ebendies getan.
Mit einem leichten Grinsen, denn erstens gibt es wenig Dinge, die so schön sind, sich ohne Zeitdruck noch mal umdrehen zu können, und zweitens, weil es das Wort „schlummern“ originär nicht in meinem Sprachschatz gab. Ich habe es, seit ich 17/18 war, von einer Freundin ausgeliehen – und nicht wieder hergegeben. Einerseits, weil ich das Wort mag. Schlummern, das klingt nicht nach einem richtigen Schlaf, wie dem alltäglichen, ordinären Siebenstundenschlaf, den ich Nacht für Nacht habe. Es klingt auch nicht nach einem Nickerchen oder Mittagsschläfchen. Nein, „Schlummern“ ist etwas anderes. Es klingt unruhiger, abenteuerlicher. Drachen schlummern, stets um ihren Goldschatz bedacht. Schlummern ist eher ein Zustand zwischen Wachsein und Schlafen, der Moment, in dem aus zusammenhängenden Gedanken wirres, zusammenhangloses Zeug wird, das man sich zu Träumen zusammenstrickt. Ich mag diesen Zustand, und ich mag, wenn ich bemerke, dass mir die Gedanken entgleiten und sie ein Eigenleben entwickeln.

Das ist die eine Hälfte des Grinsens.

Die andere Hälfte kommt daher, dass ich jedes Mal, wenn ich mir das Wort „Schlummern“ vergegenwärtige, es in ihrer Stimme passiert, und es ist eine schöne Stimme. Das „Schlu“ sehr vollmundig ausgesprochen, so sehr, dass es fast eine physische Präsenz bekommt. Ihre Stimme ist sehr melodiös, fast ein Sing-Sang, und diese Vollmundigkeit passt zu den manchmal ganz leicht übertriebenen Betonungen. Gleichzeitig spricht sie ein ganz kleines bisschen wie durch zusammengepresste Zähne, was die Betonungen quasi wieder „einfängt“.

Gottseidank habe ich keinen Goldschatz, sonst wäre das Schlummern eine reichlich anstrengende Tätigkeit.

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Nicht mehr am Schlummern: Die Natur
Die Natur wiederum wacht endgültig aus dem Winterschlaf auf. Die Bäume bekommen Blüten, man sieht mehr Tiere, trifft mehr unfitte Radfahrer, das Sonnenlicht bekommt eine andere Qualität. Wenn ich auf meinem Arbeitsweg durch den Wald fahre, riecht es wieder nach moderiger Erde, Holz, Wald. Höchste Zeit, meinen Balkon zu bepflanzen. Dazu brauche ich noch fast alles, angefangen bei Töpfen über Erde bis hin zu Pflanzen. Immerhin: im Supermarkt gabs ein Hopfen-Starterset (Samen mit diesen gepressten Erdpads), und während ich nicht glaube, dass der Hopfen ausreicht für ein Bier, mag ich die Pflanze an sich und ihren herben Geruch.
Insgesamt soll es eine Mischung aus Nutz- und Zierpflanzen werden, und ich bin mal gespannt, wie sich das Ganze entwickelt.

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Jümmer schön suutje blieven.

möwe

Lieblingstweets im März

https://twitter.com/me1tingice/status/1107178835148193794

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Sünndagsschnack (8)

Moin moin,

Meine Computermausratte ist unsterblich
Ich habe eine Maus – ich nenne sie aufgrund ihrer Größe liebevoll Ratte – und sie geht und geht einfach nicht kaputt. Inzwischen ist sie fast 20 Jahre alt, trägt mehr als deutliche Gebrauchsspuren (manche davon ganz leicht eklig, wie das sich ablösende Gummi der Daumenauflage), das Herstellerlogo ist verblasst (inzwischen hat der Hersteller auch ein neu designtes Logo), aber da beißt die Ratte keinen Faden ab – sie verrichtet stur ihren Dienst. Manchmal muss man die Kugel reinigen (ja, Kugel. Gab es vor dem Laser), aber das selten und es ist schnell gemacht. Durch die Kugel hat die Maus noch richtig Trägheit, was ich gar nicht so schlecht finde – man spürt, was man tut…
Der Hersteller hat sich allerdings ironischerweise keinen Gefallen getan. Ich würde mir ja eine neue Maus kaufen, die Qualität der alten hat mich ja überzeugt. Aber ich weigere mich, so lange sie nicht irreparabel kaputt geht.

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Katzen-Dating
Ich habe mich neulich mit einer Freundin darüber unterhalten, ob ich eine Katze haben möchte (an sich gerne) und wie das dann wohl funktionieren könnte (eher nicht). Denn ich mag Katzen sehr gerne und Katzen mich auch, aber ich wohne nicht im Erdgeschoss, bin unter der Woche lange weg und auch sonst gerne mal unterwegs (wobei – ich könnte mir vorstellen, dass es Katzen gibt, die auch in der Lenkertasche mitfahren würden – hmmm…), was ich insgesamt als katzeninkompatibel bewerte. Ein Alternativvorschlag war, ich könne ja eine alte Katze aus dem Tierheim holen, die gewohnt ist, drinnen und allein zu wohnen. Nachdenkenswert, und beim ersten Stöbern bin ich auf diese Seite gekommen: Katzenvermittlung des Hamburger Tierschutzvereins – und finde die schon ziemlich gut gemacht. Zu jedem Tier ein Profil mit Verhalten, Eigenschaften, Persönlichkeitsmerkmalen – irgendwie Online-Dating mit Katzen.
Nach wie vor bin ich nicht davon überzeugt, dass eine Katze sich in meiner Wohnung und mit meinem Lebenswandel wohl fühlen würde, aber eine Patenschaft ist beschlossene Sache – ich weiß nur noch nicht, für wen…

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Schwarz-Weiß sehe ich mehr, als in Farbe
Ich habe die meisten Fotos in letzter Zeit mit einem alten, analogen 50mm-Objektiv von Canon gemacht (deswegen sitzt der Fokus auch nicht immer, ähem…) und die Kamera auf schwarz-weiß umgeschaltet, eigentlich nur, weil ich das für ein Projekt brauchte.
Inzwischen stelle ich aber fest, dass mir die scheinbare Einschränkung hilft, mich auf das Wesentliche eines Bildes zu konzentrieren, nämlich Komposition und Aussage. Und da lenken die Farben eher mal ab. Natürlich finde ich Farben enorm wichtig und freue mich riesig auf die Farbexplosion im Frühling, wenn die Blumen blühen – aber die Reduktion auf schwarz-weiß hilft mir, Strukturen zu erkennen. Und da ja die Kamera eh beides aufnimmt, habe ich immer die Wahl. Bei den Stühlen z.B. hat mich hauptsächlich die Gleichmäßigkeit der Reihen fasziniert, und die leicht verschobene Symmetrie mit dem Fensterrahmen. Ganz ohne Farbe würde das Bild aber viel, viel weniger wirken, als mit. Hätte ich allerdings 100% Sättigung gewählt, hätten die Farben viel zu sehr abgelenkt, deswegen habe ich die Farben entsättigt – außerdem gibt das so einen schönen 70er-Jahre-Look, der hier genau passte.

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Jümmer schön suutje blieven.

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Sünndagsschnack (7)

Moin moin,

Schön hässlich
Seit einiger Zeit spiele ich mit der Idee eines Fotoprojektes, bei dem ich eine Serie von Bildern mache, die meinen Stadtteil möglichst trist und hässlich zeigen (und eher die Vorurteile bestätigen würden), und eine Serie, die eben die schönen und besonderen Stellen zeigt. Ob man den Stadtteil dann als schön oder hässlich oder irgendwo dazwischen empfindet, da muss man sich – nunja – selber ein Bild machen.
Das gestrige Schmuddelwetter kam wie gerufen, um ein paar Fotos für den hässlichen Part zu machen, und so verknüpfte ich den Samstagseinkauf mit einem Spaziergang. Weitere Vorgaben, die ich mir selber machte: ich nutze nur ein altes analoges Objektiv von Canon (50mm, an APS-C mit Adapter also eher 80/85mm; die große Offenblende von 1,8 sowie der fehlende Autofokus machen ihren eigenen Reiz aus) und fotografiere möglichst schwarz-weiß. Da die Kamera jpg und raw fotografiert, hat das den witzigen Nebeneffekt, dass ich im Sucher schwarz-weiß sehe, das jpg auch schwarz-weiß ist, ich aber im raw ein ganz normales Farbbild habe, sollte ich doch lieber Farbe nutzen wollen.
Die Motivsuche ist ebenfalls interessant: niemand schaut sich gern unschöne Motive an. Und so ist es eine Herausforderung, etwas zu finden, das nicht wirklich schön ist, aber das Bild so zu gestalten, dass man sich das Bild trotzdem gerne anschaut.
Es kamen gestern überraschend viele Bilder heraus, aber der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen.

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(Tanz)Performance
Ich habe mir am Donnerstag eine Tanzperformance angeschaut. Darauf wäre ich nie gekommen, hätte ein Kollege mich nicht mitgenommen. Einige der dargestellten Bilder waren sehr eindrucksvoll; hier hätte ich gerne Fotos gemacht. Schaut selbst:
„Omphalos“ auf Kampnagel

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Entspannte(res) Bouldern
Das Bouldern ist bei mir in letzter Zeit viel zu kurz gekommen. An den Wochenenden war ich viel unterwegs, unterwochs war es oft sehr voll (eben z.B. mit (Tanz)Performances). Bis dato war ich immer nur im Flashh, eine große, schöne Halle mit vielen Routen. Vor allem auch einigen Routen im Dach, die mag ich besonders gerne. Da Bouldern natürlich totaler Trendsport ist, ist die Halle auch immer schön überlaufen.
Diese Woche war ich dann im Salon Du Bloc, einer im Vergleich extrem kleinen Boulderhalle. Ich hatte am Anfang dann auch ein leicht beengtes Gefühl, habe dann aber festgestellt, dass hier deutlich weniger „Styler“ unterwegs sind, sondern Leute, die sich aufs Klettern konzentrieren. Das im Zusammenhang mit dem Saunagang – der im sehr moderaten Eintrittspreis enthalten ist – sorgte im Kopf für Entspannung wie lange nicht mehr. Größe ist also nicht immer alles.

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Jümmer schön suutje blieven.

Briefkästen

Sünndagsschnack (6)

Moin moin,

Auf den Hund gekommen
Am Freitag war ich in einer Kneipe und machte ausführlich Bekanntschaft mit einem Hund, der anscheinend Gefallen an mir gefunden hatte. In einer Mischung aus zutraulich und aufdringlich legte er seinen Kopf auf meinen Schoß und ließ sich ausführlich streicheln. Nachdem ihm das anscheinend zu langweilig geworden war, streunerte er Richtung Theke und irgendwann auch dahinter, woraufhin die Tresenkräfte mich aufforderten, doch meinen Hund da weg zu holen, weil er da nichts zu suchen hatte. Verständlich – dass er dort nichts verloren hatte, und dass sie mich verantwortlich machten – und zum Glück tauchte der echte Besitzer schnell auf und holte den Hund dort weg.
Im Folgenden drehten sich unsere Gespräche um Haustiere, und meine Abneigung, ein Tier in meiner Wohnung zu halten – wegen mangelnden selbstbestimmten Auslaufs, meiner Arbeitszeiten etc. wurde von der Idee gekontert, mir doch z.B. eine ältere Katze zu holen, die keinen Auslauf möchte, und ihr so ein schönes Gnadenbrot zu verschaffen, schöner jedenfalls als im Tierheim. Überlegenswert.

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Zum Ausdrucken von Fotos
Ich habe ein paar meiner besseren Fotos als Poster an der Wand hängen, und das weniger, weil ich denke, dass es so wichtig ist, dass ich sie gemacht habe, sondern eher, weil ich mich über die Motive freue und darüber, dass sie gut geworden sind. Und weil ich denke, dass Fotos nicht auf Festplatten herumliegen, sondern an Wänden hängen sollten. Nebeneffekt: Man kommt mit Besuchern zwangsläufig ins Gespräch über die Bilder, wie man sie gemacht hat und die Motivauswahl. Einer meiner Besucher erwähnte eher beiläufig, dass er eines der Bilder als Computer-Hintergrund nutzt, und das hat mich mit sehr großer Freude erfüllt. Und ihn hoffentlich auch, wenn er drauf schaut.

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Fotografieren als Meditation
Etwa 90% meiner Fotos sind des Ausdruckens nicht wert, größteneils, weil ich sie technisch einfach (noch) nicht so gut machen kann, wie ich es gerne hätte. Ein nicht geringer Teil ist schlicht unscharf, oft passt die Lichtstimmung nicht, oder das fertige Bild sagt einfach nicht aus, was ich aussagen möchte. Und auch wenn es beim Fotografieren insbesondere von Tieren (Möwen…) manchmal sehr schnell gehen muss, entspannt mich das Fotografieren sehr. Manchmal probiere ich mich einige Minuten lang an einem Motiv, ohne eigentlich zu merken, wie die Zeit vergeht. Für die Möwe, die mein Besucher als Hintergrund nutzt, stand ich etwas eine Viertelstunde lang da, mit dem Finger am Auslöser, bis sie endlich die Bewegung gemacht hat, die ich erhofft hatte. Ergebnis: schönes Bild und eine Viertelstunde Entspannung trotz Hochspannung. Oder eben auch: Konzentration aufs Wesentliche.

Jümmer schön suutje blieven.

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Laufente.

Sünndagsschnack (5)

Moin moin,

Nachbarn (oder auch nicht)
Ich war am Wochenende in der alten Heimat, Geburtstag feiern. Eine runde Sache mit Kohltour und allem Drum und Dran, fast das ganze Dorf eingeladen – aber eben nur fast. Ich konnte kein richtiges Muster erkennen, bis ich die Info bekam, dass nur Nachbarn und Leute aus der Freiwilligen Feuerwehr eingeladen waren. Sowie Freunde, Landvolk und Kegelverein. Und es dann eben einige Leute gab, die aus diesem – scheinbar engmaschigen – Netz gefallen waren. Wobei die Definition von „Nachbar“ schon recht abenteuerlich war: selbstverständlich alle Menschen in der unmittelbaren Umgebung, aber auch alle, die man mit unverstelltem Blick sehen konnte. Allerdings musste man auch deutlich länger als 10 Jahre im Dorf wohnen, sonst galt man nicht als „Nachbar“, sondern „neu hinzugezogen“. Ob man in dem Fall als „unsichtbar“ galt, und die länger als 10 Jahre dahinter Wohnenden dann automatisch als „Nachbarn“ galten, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Soviel war klar: ich bin definitiv nicht als Nachbar da gewesen. War trotzdem eine sehr schöne Feier.

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Fahrt durch den Hafen
Am Samstag habe ich dann selber Besuch bekommen – drei Menschen, die definitiv keine Nachbarn sind, mal Kommilitone, mal Kollege und definitiv Freund sind – und da wir alle Lust auf eine Radtour hatten, sind wir durch Hamburg gekurvt – in der Hauptsache Wilhelmsburg und Finkenwerder. Landschaftlich vielleicht nicht die schönste Gegend, aber der Hafen mit seinen Schienenfahrzeugen, Kränen, Containerbrücken, Schiffen und Lichtern hat definitiv seinen eigenen Charme. Ist in meine Liste potentieller Fotospots aufgenommen.

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Wenn ich Werder im Fernsehen sehe…
…dann spielen sie selten überzeugend (einer der Freunde aus Berlin würde nun sagen: „Das tun sie doch eh nie.“), und langsam habe ich ein ungutes Gefühl, wenn ich in die Kneipe gehe. Auch der anderen wegen, die doch ein schönes Spiel sehen wollen. Beim Fußball ist es einfach so: Die Samstags-Radiokonferenz bleibt mein Medium. Das macht Spaß, ist rasant, dramatisch, hat deutlich weniger Werbung als Sky, und ich kann nebenher Fahrrad putzen/reparieren, Wohnung pflegen, essen, whatever.

Jümmer schön suutje blieven.

Lieblingstweets im Februar

…der Monat war so schnell rum, da hab ich doch fast die Lieblingstweets vergessen…

https://twitter.com/MarcelDykiert/status/1093824904854683648

https://twitter.com/Areas_Abandoned/status/1098272137045893121

https://twitter.com/stoewer/status/1098443447374106624

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