Sünndagsschnack (10)

Moin moin,

Immer im Rhythmus
Fast alle Dinge, die ich tue, geschehen in einem bestimmten Rhythmus – ob nun bewusst oder nicht. Ich höre beim Schreiben fast immer Musik, und es ist mittlerweile ein Ritual, nicht nur im Rhythmus des jeweiligen Songs zu tippen, sondern auch immer mal wieder ein kleines Schlagzeug-Fill mitzutrommeln, einen bestimmten Akzent zu setzen, indem ich genau passend die Leertaste oder die Entertaste drücke oder die Maus klicke, usw.
Mir fällt auch immer wieder auf, dass ich Alltagstätigkeiten an der Musik ausrichte – z.B. heute morgen, als ich den Wasserkocher natürlich genau dann mit einem PLING eingeschaltet habe, als das Schlagzeug im Song auch PLING machte. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich als Lichttechniker oft sehr direkt und schnell auf die Bands reagieren muss, und dann ein gewisses Rhythmusgefühl sehr hilfreich ist – ich kann dann z.B. das Highlight eines mir unbekannten Songs unterstützen, weil ich fühle, wann es kommt.
Manchmal tippe ich allerdings auch Unsinn, weil es mir wichtiger ist, im Rhythmus zu bleiben, als korrekt zu tippen… und aus dem gleichen Grund kann ich nicht joggen und Musik hören – bzw. ich müsste mir eine Playlist mit genau meinem Tempo zusammenstellen. Rad fahren und Musik hören wiederum geht ganz wunderbar, vor allem, wenn das Vorankommen beschwerlich ist. Der Flow in dem ich mich beim Radfahren gerne befinde, kommt dann eben durch die Musik von Außen, was manchmal echt hilft.
Übrigens: während des Tippens dieses Textes und beim Überlegen, wie ich formuliere, habe ich natürlich auch „Schlagzeug“ gespielt. Das hat das Schreiben nur unwesentlich verlängert – dafür aber verschönert.

* * *

Stille
Am Dienstag habe ich das Verdi-Requiem gesehen, mit Teodor Currentzis als Dirigent. Ein sehr schönes, stellenweise trauriges und dramatisches Stück Musik und für mich das bisher eindrucksvollste Konzert in der Elbphilharmonie – und das hat sehr viel damit zu tun, wie Currentzis inszeniert und dirigiert. Man nimmt ihm ab, dass er die Musik sehr intensiv lebt und fühlt, und seine extrovertierte Gestik sieht im Video zwar reichlich affektiert aus, ist live aber genau richtig – selten war ich von der ersten bis zur letzten Note so sehr bei/in der Musik, wie hier.
Am Dies Irae kann man die Intensität gut erkennen, besonders im direkten Vergleich zum technisch nicht minder hervorragenden Barenboim. Was aber der Barenboim-Aufnahme fehlt, ist das letzte Bisschen Wahnsinn, was man bei Currentzis spürt – immerhin heißt das Stück übersetzt „Tag der Rache“, da wird wohl schon auch ein bisschen Wahnsinn im Spiel sein.
Man achte alleine auf die Bewegungen der Musiker – die bei Currentzis übrigens im Stehen spielen, was der Musik gut tut, wie ich finde.

Am eindrucksvollsten fand ich allerdings das Ende. Mit der Schlussnote ist das gesamte Orchester samt Dirigent und Chor in der Bewegung „eingefroren“ – und das hat sich auf das Publikum übertragen, das ruhiger und ruhiger wurde, und für einen kurzen Moment – vielleicht eine Minute – war es im Saal absolut still. Wirklich. Kein Gehuste, kein Geraschel, kein Getuschel, keine Bewegungen; nicht einmal Rauschen. Kollektiv. 2300 mal Stille.
Es war wunderschön. Und dafür bin ich Currentzis sehr dankbar, denn dieser Moment war wahnsinnig intensiv und besonders.

Ich mag Menschen, die mir Stille schenken.

* * *

Fünfzehn Sorten Blumenerde
Der Frühling kommt langsam, aber sicher. Die Bäume treiben aus und jeden Tag wird die Welt wieder etwas farbenfroher. Wir haben hier echt viele Zierkirschen, ist mir in den letzten Tagen aufgefallen.
Ich würde gerne meine beiden Balkone bepflanzen, bemöbeln und in eine Art „Dschungel-Wohnzimmer“ verwandeln. Nutzpflanzen und Kräuter sollen dabei sein, aber auch Zierpflanzen. Ich bin also heute in den Baumarkt gelaufen, um mir einen Überblick zu verschaffen – und bin schlicht an der Auswahl dort gescheitert. Es gibt alleine fünfzehn Sorten Blumenerde – unterteilt in Sparten wie „Kräutererde“, „Tomatenerde“, „Sand-Erdgemisch für Kakteen“ usw., zum Teil schon mit speziellem Dünger vorgedüngert, zum Teil eben nicht – ich kann verstehen, dass unterschiedliche Blumen unterschiedliche Erdgemische besonders gern mögen, aber ich war einfach nur hoffnungslos überfordert. Kann man mit Erde etwas falsch machen? Zieht eine Blume angeekelt ihre Wurzeln aus ihrem neuen Bett, nur weil die Mischung nicht ganz passt?
Gut, dachte ich mir, man kann ja grundsätzlich erst einmal mit den Blumenkästen anfangen – die fehlen mir ja auch noch.
Es gibt eine unendliche Auswahl an Plastik-Blumenkästen, von Terracotta-Nachbildungen, Holz-Nachbildungen über Beton-Nachbildungen bis hin zu Stein-Nachbildungen. Was es nicht – oder nur sehr spärlich gibt: Blumenkästen aus echtem Terracotta, aus gewachsenem Holz, aus Stein oder meinetwegen aus Metall. Und auch wenn ich die Blumenkästen in Spe hoffentlich lange nutzen werde: Ich will nicht noch mehr Plastik in die Welt bringen, als unbedingt nötig.

Naja, Fotos von Blumen können ja auch schön sein.

Jümmer schön suutje blieven.

blumenampel_2

Über sushey

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