Sünndagsschnack (12)*

Moin moin,

*eigentlich ja Mondagsschnack, aber da der Montag ja noch zu Ostern gehört und quasi ein Sonntag ist, UND es heute sogar einen Tatort gab, finde ich, kann es trotzdem Sünndagsschnack heißen.

Life in plastic, it’s fantastic!
In den letzten Jahren ist mir aufgefallen, dass immer mehr Reisende ihre Koffer in meterweise Frischhaltefolie einpacken; der Einwickelservice wird ja auch in immer mehr Flughäfen angeboten. Ich finde das etwas befremdlich (und Umweltverschmutzung/Rohstoffverschwendung, aber ich will da jetzt kein (Plastik)fass aufmachen), der Koffer ist doch schon die perfekte Schale für die Klamotten. Aber ich vermute, weil das gute Stück teuer war und schick aussehen soll, muss es dann vor Transportspuren geschützt werden. Dazu wickelt man es in die Frischhaltefolie, so weit, so logisch. Was macht man aber, um die Frischhaltefolie vor Kratzern zu schützen? Die ist ja schon auch empfindlich… Eigentlich wäre es doch cool, wenn man eine harte Schale dafür hätte, vielleicht so etwas wie – einen größeren Koffer..? Das erinnert mich irgendwie daran… Was mich allerdings wirklich erstaunt – Tchibo ist noch nicht draufgekommen, eine Silikon-Kofferhülle zu produzieren, normalerweise sind sie doch unschlagbar in solchen Dingen.

* * *

Das Leben als Textadventure
Ich habe als Kind und Jugendlicher sehr gerne diese Bücher gelesen, bei denen man regelmäßig selber entscheiden durfte/musste, wie es weiter geht. Es gibt ja auch ein ganzes Computerspielgenre – sogenannte Textadventures – die oft beginnen mit Du erwachst in einem dunklen Raum…
Im Unterschied zu einem Textadventure bin ich aber selten in einem Kerker/einer Höhle/einem anderen gruseligen Ort, wenn ich in dunklen Räumen erwache, sondern meistens in meinem Schlafzimmer, und die Blase drückt. Was aber häufiger passiert, insbesondere bei Auto-/Radfahrten durch die Heimat – ist, dass ich auf Orte treffe, an denen ich mich entscheiden musste, und damit dann mein Leben zu dem gemacht habe, dass es ist. Hier ist das Haus des Architekten, bei dem du mal Praktikum machen wolltest, zum Beispiel, oder auch Hier ist die andereSchule, auf die du hättest gehen können, usw. – und das finde ich spannend. Es ist weniger so, dass ich mit Entscheidungen hadere – das tue ich sehr, sehr selten – aber eher die Möglichkeit erforsche, die hätte sein können. Das macht mitunter viel Spaß und spannender Nebeneffekt: quasi nebenbei wandert man an den entscheidenden Stellen des eigenen (echten) Lebens entlang und sieht so, welchen Weg man gekommen ist.

* * *

Kurt
„Ich bin mit zwei Kurts zusammengezogen. Einem ganzen Kurt und einem Halbtagskurt. Jana und Kurt haben sich entschieden, dass sie ihr Sorgerecht teilen, vor allem wenn Kurt schon extra aufs Land zieht. Und so pendelt das Kind nun wochenweise zwischen seinen beiden Oranienburger Zuhauses hin und her: zwei Häuser, zwei Kinderzimmer, unterschiedliche Regeln und alle Menschen, die er liebt.
Und dann bin da noch ich.“

Lena ist die Protagonistin im neuesten Buch von Sarah Kuttner, und sie ist mit anderthalb Kurts zusammen. Und der Absatz oben fasst die Geschichte sehr gut zusammen: Lena versucht, ihren Ort in diesem Beziehungsgeflecht zu finden, liebt ihren Freund sehr, weiß aber zum Beispiel nicht, ob sie den kleinen Kurt lieben darf und ob sie das überhaupt will (dass sie es tut, wird schnell klar) – und dann passiert die Katastrophe: der kleine Kurt stirbt durch einen Unfall. Lena ist nun erst Recht verunsichert, weiß nicht, ob sie trauern darf und weiß nicht, ob und wie sie Kurt in dessen Trauer helfen kann. Und wie die Beziehung überhaupt weitergehen kann.

Dieses Thema ist unwahrscheinlich schwer und bedrückend, doch Sarah Kuttner schafft es, einen ernsten, leichten Ton zu finden, der sehr authentisch und berührend ist – all das hängt auch damit zusammen, dass Lena ein unglaublich sympathischer Charakter ist – wie beide Kurts auch. Und so ist das Buch kein Psychodrama. Es ist aber auch keine leichtfüßige Coming-Of-Age-Story. Es ist eine Erzählung über Trauer. Wie man damit umgehen kann. Über die Kraft der Liebe. Darüber, seinen Ort in dieser Konstellation zu finden. Und warum ein Viereck-Rasensprenger besser ist, als ein Bogenrasensprenger. Auf Kuttnersche Art ernst, leichtgewichtig und sehr nah. Ein tolles Buch.

Jümmer schön suutje blieven.

frühling

Werbeanzeigen

Über sushey

twitter.com/milch_mit_honig
Dieser Beitrag wurde unter .txt, Sünndagsschnack abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar? Gerne!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s