Sünndagsschnack (15)

Moin moin,

Bemerknisse zur Wahl
Ich wohne so dicht am Wahllokal, dass ich kurz versucht war, einfach die Muster-Wahlunterlagen auszufüllen und als Papierflieger rüberzuwerfen. Wäre aber vermutlich eher so semi angekommen und wohl auch nicht akzeptiert wurden. Der (sehr kurze) Weg dorthin war mit (sehr vielen) Pfeilen behängt, was mich kurz daran erinnert hat:


… aber die Situation war in der Tat etwas unübersichtlich, denn es wurden etwa fünf Wahlbezirke auf zwei Eingänge verteilt, was auch schon rein mathematisch schwierig ist.
Über die lange Schlange vor der Kabine habe ich mich anfangs eher gefreut als geärgert, deutete sie doch auf eine hohe Wahlbeteiligung hin. Allerdings wirkte die überwiegende Mehrheit rein alterstechnisch so, als sei sie noch mit der Zentrumspartei aufgewachsen, was vermuten lässt, dass sie wohl eher nicht das Rezo-Video kennen und/oder eine Partei wählen, die nicht aktiv und lobbygesteuert an der Zerstörung unserer Gesellschaft und/oder des Planeten arbeitet.

Und damit, liebes Wahlergebnis, hast du die einmalige Gelegenheit, mich positiv zu überraschen. Enttäusch mich nicht.

Ich hoffe allerdings wirklich, dass die Wahlurnen selbst nicht sinnbildlich für das Demokratieverständnis der etablierten Parteien stehen, denn das waren – tada! – umfunktionierte Mülltonnen. Dass man im Sinne effizienter Zeitersparnis die Wahlergebnisse gar nicht erst zählt, sondern die Tonnen mit dem ganzen Papierkram gleich an die Straße stellt, ist mit Sicherheit im Sinne einer liberalen Partei. Gar nicht erst rumlindnern, sondern die Fakten gleich entsorgen.

Wie richtige Profis.

Es kann auch sein, dass die Schlangen so lang waren, weil es erstens in Hamburg drei Wahlen gab (Bezirkswahl (2 x 5 Stimmen) und Europawahl (1 x 1 Stimme)), zweitens der Europawahlzettel länger ist, als mein legendärer Auslandskrankenschein aus den Neunzigern, der mir gefaxt wurde und aus etwa zehn A4-Seiten bestand – die das Fax als ein großes Stück Papier ausgespuckt hat. Mit diesem gewaltigen Papyrus bin ich dann über das Ijsselmeer gesegelt, aber das ist eine andere Geschichte.

So, aktives Wahlrecht erledigt, es wird langsam mal Zeit, mich intensiv mit den Möglichkeiten passiven Wahlrechts zu beschäftigen.

* * *

Bemerkungen zu Bemerknissen
Das wunderbare Wort „Bemerknis“ stammt – jedenfalls in meiner Welt – von der nicht minder wunderbaren Frau Nessy. Sie benutzt es, um Gedanken und Erlebnisse festzuhalten, die sie so macht. Und ich mag das Wort. Es ist nicht ganz so formal wie eine Bemerkung – erst recht nicht, wie eine Anmerkung – es ist aber auch nicht so pompös-groß wie ein ganzes Erlebnis. Es klingt ein bisschen niedlich, gemütlich und leicht pastellfarben. Es sollte in den Duden aufgenommen werden. Und ist für einen Sonntagnachmittag gar nicht so verkehrt.
Es gibt einige Wörter in meinem Leben, die ich direkt mit Personen verbinden kann und die durch die Referenz, aber auch als Wort mein Leben bereichern. Übers Schlummern hatte ich ja schon geschrieben. Mit meinen Großeltern verbinde ich viele plattdeutsche Ausdrücke. Und den nonchalanten Gebrauch des Wörtchens „fucking“ kenne ich nicht erst durch Rezo, sondern schon lange vorher von einer ehemaligen Kollegin, die nun in fucking Köln lebt. Trotzdem ist es nach wie so sie, welche dieses Wort in meinem Kopf spricht. Eigentlich wäre es mal spannend, einen Text mit allen Wörtern zu machen, die ich einer Person zuordnen kann, und diese spricht es dann auch an der Stelle aus.

* * *

Umwege erhöhen die Ortskenntnis
Ich vermute, es gibt wenige Sprichwörter, die mein Leben so genau charakterisieren, wie dieses. Ja, es ist eine Platitüde (das wird jetzt anscheinend mit Doppel-t geschrieben und ist somit noch platter als ich dachte, lol ey), und ja, ich kann auch geradlinig, aber in Kombination mit ohne Smartphone und der unweigerlichen Frage: „Aber du warst hier noch nie, oder? Wie findest du dich zurecht?“ führt es manchmal dazu, dass ich ganz physisch auf dem Rad nicht immer die kürzeste Strecke fahre – und im Laufe der Zeit die absurdesten Straßen kenne, die zum Teil nicht einmal Einheimischen etwas sagen. Vielleicht sollte ich doch über eine Karriere als Taxi- oder Rikscha-Fahrer nachdenken.

* * *

Jümmer schön suutje blieven.

mops

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Über sushey

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2 Antworten zu Sünndagsschnack (15)

  1. Svenja schreibt:

    Bin ein bisschen gerührt von der fucking Erwähnung 🙂 Meld dich mal, hab noch die gleiche Nummer. Liebe Grüße aus Köln!

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  2. filibustershut schreibt:

    „Bemerknis“ – unbedingt in den Duden damit! Wunderschönes Wort!

    Gefällt 1 Person

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