Auf nach Aarhus (I)- Begegnungen und Begebenheiten

Begegnung bei Faaborg.

Es ist ein heißer, träger Nachmittag in Dänemark, als sich in einer Kleinstadt unweit von Faaborg ein älterer Mann entschließt, seinen Campingstuhl im Vorgarten aufzustellen und dem Nichtgeschehen von Dingen bei einer Dose kühlen Bieres beizuwohnen.
Er hat sich gerade niedergelassen und setzt sein Bier an, als sich auf der Straße von links schnell ein merkwürdiges Gefährt nähert. Der ältere Mann macht die silber-blau-schwarzen Schemen als Fahrrad aus, das von einer sonnencremeverschmierten, staubigen, rotgesichtigen Person gefahren wird, die unter der Schmutz- und Insektenschicht vermutlich ein jüngerer Mann ist. Das Gepäck auf dem Gepäckträger hinter ihm türmt sich in bedenkliche Höhen, und das Schlimmste ist: mit einem irren Grinsen zieht der Radfahrer seine Flasche aus dem Halter, schaut zum älteren Mann und ruft ihm ein lautes „Skål!“ zu, während er um die nächste Kurve verschwindet und der ältere Mann ihm zunächst hinterher schaut und dann kopfschüttelnd einen großen Schluck von seinem Bier nimmt.

Dieser Radfahrer bin ich.

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Stille für zwei

Es ist sehr still, als ich spätnachmittags am Ende einer Radtour in einem Fährhafen ankomme. Die Schilder haben mich um den mit Zäunen abgetrennten Autobereich herumgeführt, wo sich auf etwa 15 Spuren die motorisierten Passagiere sammeln, und zu einem typischen Warte-/Abfertigungsgebäude gebracht, das offen und warm, aber auch komplett leer ist. Überreste von Gleisen und der jahrzehntealte, warm-herbe Geruch von Maschinenöl machen mir klar: das hier war auch mal ein Bahnhof. Ein Blick auf den Fahrplan: die nächste Fähre legt in anderthalb Stunden ab; kein Wunder, dass gerade niemand da ist.
Wobei, so ganz stimmt das nicht: eine Katze begrüßt mich freundlich, aber etwas distanziert. Sie möchte gerne nach draußen und ich erfülle ihr den Wunsch, nachdem ich mich mit der kleinen historischen Fotoausstellung im Innern des Warteraums beschäftigt habe.
Draußen gibt es ein paar Sitzgelegenheiten auf einem kleinen Vorhof, das Schild am Durchgang im Zaun sagt, man solle dort warten, bis das Fährpersonal kommt und Instruktionen gibt; und weil Spätnachmittag und Vorhof gleichermaßen zwar grau, aber nicht unangenehm sind, sitzen die Katze und ich draußen und genießen diesen Moment, der sich so anfühlt, als befänden wir uns in unserer eigenen kleinen Zeitblase. Die Katze setzt sich in etwas Abstand hin und scheint zufrieden mit meiner Anwesenheit, und ich setze mich mit etwas Abstand hin und bin zufrieden mit ihrer Anwesenheit. Ein gegenseitiges unausgesprochenes Einverständnis, die Anwesenheit des Anderen zu schätzen, ohne sich aufdrängen zu müssen.

Ich mache ein paar Fotos von ihr, was sie nicht weiter stört, und so plätschert die Zeit dahin, bis ein Mann in hell leuchtenden Arbeitsklamotten auftaucht, die Katze begrüßt und mir sehr freundlich erklärt, wie das Boarding der Fähre funktioniert. In Kurzform: ich darf schon mit ihm bis zur Fähre vorfahren, soll aber warten, bis sein Kollege auf der Fähre mich reinwinkt. Es ist immer wieder großartig, wie einfach diese Dinge sind, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist.

Bevor dies alles passiert, betritt der Mann das kleine Büro in der Wartehalle, und die Katze folgt ihm. Vermutlich gibt es etwas zu essen und eventuell eine Streicheleinheit.
Auf Wiedersehen. Was für ein schöner Abschied von Dänemark und meinem Urlaub diese Begegnung war.

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