Delva – Das Pendel

Delva – Das Pendel

ich höre dich
und hör dich nicht
ich hör dich sprechen
über nichts

ich sehe dich
seh wie du rennst ins nichts

du rennst ins nichts

ich spür wie du die wahrheit suchst
du suchst sie hier
du suchst sie dort
suchst überall
nur nicht in dir selbst

du suchst im nichts

das pendel dort in deiner hand
schwingt hin und her
es teilt die luft

und erzählt dir nichts vom lieben

merkst du nicht wie du
verloren gehst
die welt vor deinen augen verschwimmt
dir entrinnt

stück für stück

du suchst den fehler im großen plan
wer hat ihn nur begangen
was konnte dir dies elend bringen
dich aus dem licht verbannen

ins nichts

man nahm dir all die farben die dich an dein leben banden
und wenn du merkst
dass deine karten logen

stürzt du tief ins nichts

und das pendel dort in deiner hand
schwingt hin und her
es teilt die luft

doch erzählt dir nichts vom leben
merkst du nicht wie du verloren gehst
die zeit vor deinen augen verschwimmt
dir entrinnt

stück für stück

dein leben zieht an dir vorbei
du merkst es längst nicht mehr
das pendel schwingt nicht mehr im wind
es scheint so lange her
dass dieses pendel dich verführte
an lügen zu erblinden
ich kann nur hoffen
dass du dich besinnst
um deinen weg zu finden

komm zurück
komm zurück
das pendel schwingt nicht mehr
nicht mehr
niemals mehr

copyright by delva

www.delva-band.de

Morgan Finlay – New Harbour (2015)

Dear english-speaking readers, welcome, and please scroll down for a translation!

In these times when my mind races about

Close my eyes, let the words come tumbling out

And come back to the moment we’re in right now

Die Musik von Morgan Finlay lädt zum Reisen ein, das hatte ich schon in einer früheren Rezension festgestellt, und es gehört zu seinem Konzept, jedes Album hauptsächlich in einem anderen Land zu schreiben und die dortigen Eindrücke in die Texte und ins Songwriting einfließen zu lassen.

Morgan Finlay - New Harbour
Morgan Finlay – New Harbour

„New Harbour“ ist in Neufundland entstanden, und führt somit die maritimen Ideen von „Fault Lines“ ein wenig weiter – nicht aber, ohne musikalisch und inhaltlich zu wachsen.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger scheint es eine eindeutige Standortbestimmung zu sein, und dementsprechend positiv und optimistisch startet es mit „My Good & Noble Friend“ – einem Gruß an einen fiktiven(?) Freund, dem der Songwriter davon erzählt, dass es ihm den den letzten Jahren gut ergangen ist – die Lebensfreude ist dem Upbeat-Folksong deutlich anzuhören.
Das schöne, durch ein Akkordeon angereicherte „Oh The Good Times“ leitet über zum sehr introspektiven und berührenden „So Courageous“ – der Song ist musikalisch auf das Minimum – Gesang und akustische Gitarre – reduziert, aber das hervorragende Fingerpicking und der warme, emotionale Gesang transportieren die starke Message des Textes wunderbar. „So Courageous“ ist einer jener Songs, die einem ganz unvermittelt ins Ohr kommen, auch wenn man nicht dran denkt.
„Quiet Harbour“ könnte so etwas wie der Bruder seines Vorgängers sein, ist aber mit Flöte, Bouzouki und Schlagzeug für Finlays Verhältnisse schon üppig instrumentiert. Das hervorragende Zusammenspiel dieser Instrumente mit seiner Stimme gibt dieser Auswahl Recht.
Es ist sicherlich eine der größten Stärken dieses talentierten Songwriters, dass er es schafft, mit seinen Songs Geschichten zu erzählen, die sehr nah an seinem eigenen (Er)Leben sind, aber dem Hörer genug Freiraum lässt, die Musik mit dem eigenen Kopfkino zu füllen.
Bei einem Instrumental wie „Microscopic“ erklärt sich das vielleicht von selbst, aber auch das sehr ruhige und intim klingende „Pixels“ nimmt den Hörer sofort auf seine eigene Reise mit.
Das Album schließt mit dem groovigen, entspannten „Until The Next Time“, in dem sich Morgan Finlay verabschiedet – nicht ohne dem Good & Noble Friend deutlich zu machen, dass es auch nach dem Erreichen dieses „Neuen Hafens“ weitere Reisen geben wird – und wo immer er landet, man möchte ihm zurufen:

Meet you at five, we’ll drink to being alive

Wie schon bei den vorherigen Alben, so gibt es auch „New Harbour“ nicht als CD, sondern als Download in Kombination mit einem Booklet. Dieses Booklet beinhaltet auf 61 Seiten nicht nur die Texte, sondern auch sehr schöne, interessante und manchmal lustige Fotos, die auf ihre Weise die Entstehung des Albums dokumentieren – und für sich alleine schon wert sind, gekauft zu werden.

morganfinlay.com

English version:

In these times when my mind races about

Close my eyes, let the words come tumbling out

And come back to the moment we’re in right now

Morgan Finlays music invites to travelling, I realized before, and it seems to be part of his concept to mainly write each album in a different country and incorporate the impressions there into lyrics and songwriting.

Morgan Finlay - New Harbour
Morgan Finlay – New Harbour

„New Harbour“ came to be in Newfoundland and therefore explores the maritime ideas of „Fault Lines“ a little further – not without growing both musically and thematically.
In difference to its predecessor it seems to be an exact definition of bearings, and it starts off accordingly positive and optimistic with the song „My Good & Noble Friend“. This song seems to be for a fictive(?) friend whom the songwriter tells about the good things that happened during the last years – there clearly is a lot of joy in the upbeat-folksong.

The beautiful, through accordion enhanced „Oh The Good Times“ leads to the very introspective and touching „So Courages“ – the song is musically reduced to the bare minimum of voice and guitar, but the great fingerpicking and the warm, emotional voice transport the strong message of the lyrics terriffically. „So Courageous“ is one of those songs coming into your mind, even if you are not thinking about it.
„Quiet Harbour“ could be something like the brother of its predecessor, but with flute, bouzouki and drums it is very well equipped for the likes of Finlay. The excellent interaction between those instruments and his voice rectifies this choice nicely.

It is one of the great strengths of this talented songwriter to both tell stories, which are closed to his own experiences and live, but let enough room for the listener to fill the music with his own impressions. It is self-explanatory, that an instrumental like „Microscopic“ achieves this, but the very quiet and intimate sounding „Pixels“ also invites the listener to his/her own journey.
The album closes with the groovy, relaxed „Until The Next Time“, in which Morgan Finlay says goodbye – not without making clear to his Good & Noble Friend there will be new journeys even after reaching this „New Harbour“ – and wherever he ends up, you just want to call out:

Meet you at five, we’ll drink to being alive

Like its predecessors, „New Harbour“ cannot be bought as a CD, but as a digital download in combination with a booklet. This booklet does not only feature the lyrics on 61 pages, bur also a lot of beautiful, interesting and sometimes funny pictures, which in a way of their own document the rise of the album – they alone would be worth the buy.

morganfinlay.com

The Weyers – Within (2014)

Es beginnt mit der vermutlich traurigsten Nummer, und das ist für ein Rock’N’Roll-Album doch etwas ungewöhnlich. Wer die Gebrüder Weyermann live erlebt hat, ihre ungezügelte Energie spüren konnte, wundert sich zunächst darüber, dass das Album mit „The Kid“ eröffnet wird, einer folkig wirkenden Ballade, die nicht nur dem Großvater gewidmet ist, sondern auch dessen traurige Kindheitsgeschichte erzählt.

The Weyers - Within
The Weyers – Within

Wenn man allerdings genau hinhört, dann zeigen sich auch hier schon die Zutaten, welche die Musik der Weyers auszeichnen: Das hervorragende Gitarrenspiel Adrians, sein charismatischer Gesang, der sich irgendwo zwischen Calexicos Joey Burns und Lives Chris Shinn einordnet, und das druckvolle, groovige Schlagzeugspiel Lukes. Man mag es kaum glauben, aber auch live rocken sie zu zweit so, als stünden sie mit mindestens doppelter Personenanzahl auf der Bühne.

Das Album nimmt mit der dunklen Göttin des Grooves, „Kali“, mächtig Fahrt auf. Keine Ahnung, wie man hier die Füße stillhalten soll, die Nummer geht direkt in die Beine.
Titel Nummer drei, „The Heart of all Things“ scheint das Beste seiner Vorgänger zu vereinen; der Song ist gleichermaßen atmosphärisch wie groovig.

Ihrer Eigendefinition vom „Wüstenrock aus den Bergen“ kommen nirgendwo so nahe wie in „Time Waits“; die schweren, leicht dumpfen Gitarren erinnern vom Sound her stark an Kyuss und ähnliche Genrevertreter, unterstrichen vom kraftvollen Schlagzeug.

Bis zum Titeltrack „Within“ beruhigt sich das Album ein wenig, um mit dem bluesigen „Big Mouth“ das Tempo wieder etwas zu erhöhen:

Live oder als Scheibe: Die Weyers machen Spaß. Ihre Musik ist kraftvoll und dynamisch, rhythmisch geht sie nach vorne, melodisch gibt es viele große Momente. Diese scheinbare Gegensatz macht die Musik spannend.
Kombiniert mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und Humor, sind die „Weyers“ eben doch deutlich mehr, als ihre reduzierte Erfolgsformel: „Dreckige Riffs + rotzige Beats + englische Lyrics = The Weyers“ – auch wenn sich ihre Musik zur Not darauf reduzieren ließe.

„Within“ ist purer, zeitgemäßer Rock’N’Roll, dargebracht in 11 facettenreichen, unterhaltsamen, energetischen, bisweilen treibenden Songs. Man weiß nicht, wie der Großvater das Album gefunden hätte, aber er wäre mit Sicherheit stolz auf das Werk seiner Enkel.

www.the-weyers.com

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#TheWeyers #selfie #newrecord #noclue #dummies

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Marceese – Have Love, Will Travel (2015)

Coverversionen sind ja so eine Sache. Im Falle des späten Johnny Cash mit seinen hervorragenden American Recordings schaffte es der Man in Black, den Songs eine ganz eigene Atmosphäre zu geben; ja, ihnen noch etwas hinzuzufügen – man denke nur an „Hurt“, von dem Trent Reznor sagt, Johnny Cash habe sich den Song so sehr zu eigen gemacht, er sei quasi nicht mehr sein eigener.

Heinos Schwarzen Enzian hingegen möchte man lieber nicht blühen sehen, bzw. hören.

marceeseDer Folk-Sänger Marceese, der sich in seinem letzten Album stark dem Americana-Sound verschrieben hatte, versucht sich am Frühwerk von Kiss aus den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts – und wer jetzt ein „I was made for loving you“ im Stil von Hellsongs erwartet, wird enttäuscht werden – was daran liegt, dass Kiss ihre großen Hits in den Achtzigern hatten.

Nur hier und da erkennt man ein Riff, wie z.B. „Plaster Caster“ – und dessen beschwingter Rhythmus macht dem Sänger und Gitarristen offensichtlich Spaß. Auch das darauf folgende „I Want You“ lebt von der treibenden Basslinie und wird von Marceese mit bekannter rauchiger, warmer Stimme vorgetragen. Das Gitarrenspiel ist tadellos – und das war es dann auch, bis auf gelegentliche Einsprengel einer stark verzerrten Gitarre z.B. Musik reduziert aufs äußerste Minimum, aber dass es sich für den Hörer lohnt, liegt am leidenschaftlichen Vortrag Marceeses.

So klingt gerade „Radioactive“ danach, als entstamme es einer amerikanischen Folkband aus den 50ern, und nicht von einer Glam-Rockband zwanzig Jahre später. Hier lässt Marceese auch ein kleines Bisschen Elvis in seinen Gesang einfließen.

„Got Love For Sale“ – aus dessen Refrain der Albumtitel stammt – geht treibend und dynamisch nach vorne und zeigt vielleicht am deutlichsten, warum diese Verbindung recht fruchtbar ist: das einfache Songwriting und die zurückhaltende, aber zweckdienliche Instrumentierung passen gut zusammen, ergänzt durch die prägnante Stimme des Sängers.

Etwas Hendrix darf bei dem Mann, der das Konterfei seines Helden auf der Gitarre hat, nicht fehlen, und so schreit der Gitarrensound bei „Dirty Livin'“ förmlich nach Hendrix.

Ein interessantes und gutes Coveralbum.

Hinweis: Dieses Album wurde mir dankenswerter Weise von timezone Records zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich gab es vom Label keinerlei Bedingungen, außer meine Meinung dazu kundzutun.

Sólstafir – Ótta (2014)

oder: ein typisch isländischer Tag einer typisch isländischen Band.

solstafir„Ótta“ (Dämmerung) ist das fünfte Album der isländischen Rockband Sólstafir und folgt thematisch einem alten isländischen System der Tageseinteilung: acht Blöcke zu je drei Stunden, das ergibt acht Songs, deren Titel beginnend mit Mitternacht einem Tag folgen – abermals bis Mitternacht.

Und so beginnt das Album leise und fast verhalten. Der Sänger Aðalbjörn Tryggvason flüstert beinahe, begleitet von melancholischen Klaviertönen – bis nach zwei Minuten das Soundgewitter auf den Hörer einbricht, bestehend aus treibendem Schlagzeug, massiven Gitarrenwänden, tiefem Bass – und immer mal wieder einem Banjo, wie im schön ausbalancierten, vielschichtigem Titeltrack „Ótta“. Gerade dieses kleine Kunstwerk zeigt deutlich die Stärken der Band: Er ist eingängig, aber komplex, folgt seiner eigenen Dramaturgie; brachialer Gitarrensound und kleine Details wie das erwähnte Banjo sorgen für neuneinhalb Minuten Kopfkino. Metalartige Momente und Stille wechseln sich ab, sodass dieses Kino auch Platz im Kopf hat.
Der Vergleich zu Sigur Rós liegt nahe, wird aber beiden Bands nicht gerecht: es gibt einzelne Elemente wie die gestrichen gespielte Gitarre oder den Wechsel aus Crescendo/Decrescendo, die maßgeblich den Sound beider Bands bestimmen; während Sigur Rós aber vergleichsweise langsamen, atmosphärisch-träumerischen Pop macht, hört man Sólstafir an, dass sie aus einer deutlich härteren Ecke stammen.
Dass sie dennoch ebenfalls sehr atmosphärisch klingen, ist große Kunst.
„Miðdegi“ und „Nón“ sind schnell, ruhelos und hart, und insbesondere der Beginn von „Nón“ klingt wie wütender Post-Hardcore – bevor sich der Song völlig zurückzieht und einer sanften Klaviermelodie Platz macht – die sich selber dann völlig natürlich in ein treibendes Schlagzeug und den geschrieenen Gesang einfügt – groß, ebenso wie das tolle Riff am Ende.Es geht wieder gegen Mitternacht; das sehr stille und melancholische „Miðaftann“ bereitet den Weg für „Náttmál“, dem mit etwas über 11 Minuten längsten Stück des Albums, das eine Art Querschnitt des bereits Gehörten darstellt und noch mal deutlich zeigt, zu was die Band in der Lage ist.

Großes Kino.

Offizielle Homepage: www.solstafir.net
Das Album bei Bandcamp hören: http://solstafir.bandcamp.com/

Joseph Myers – Puzzles And Places (VÖ 24.10.2014)

myers_puzzles_placesManchmal sind es die kleinen Dinge, welche die großen Geschichten erzählen. Die Zwischentöne, versteckten Details und Imperfektionen. So groß ein Puzzle sein mag, fehlt ein Teil, so fällt es sofort auf.

Der Osnabrücker Joseph Myers erzählt mit seiner warmen, angenehm rauchigen Stimme auf seinem zweiten Soloalbum „Puzzles And Places“ nicht die ganz großen Geschichten, aber das macht vielleicht den Reiz seiner Texte aus: leicht melancholisch, teilweise schwermütig klingend, erzählt er von Dingen, die auch seine Hörer kennen dürften: die Trauer über eine vergangene Beziehung beispielsweise („Waiting“), die Sehnsucht nach einem (inneren) Zufluchtsort („Behind The Clouds“) oder auch die Suche nach einem Sinn im Leben („To Give Up Hope“) – ein emotionaler Herbst.

Passend zum Genre singt Myers häufig nur von der Gitarre begleitet, und das ist auch in sich stimmig. Seine Stimme kann Songs tragen, ist aber manchmal emotional zu ausgeglichen – wenn er davon singt, die Hoffnung nicht aufzugeben, darf er auch gerne einmal schreien (das langgezogene „No“ deutet es ja an).
Musikalisch deutlich spannender – ohne an Seele oder Schönheit zu verlieren – sind allerdings die Stücke, in denen er auf die volle Bandinstrumentierung zurückgreift. So lebt der starke Opener „Puzzles And Places“ vom Zusammenspiel aus Klavier, akkustischem Bass und der teilweise in Effekten verschwindenden Stimme des Sängers.
Die immer mal wieder eingestreuten Klavierakkorde machen sich sehr gut, und was wäre (s)eine Ode an Dänemark ohne Akkordeon?
Was man von Joseph Myers noch erwarten kann, deutet das Highlight „Footsteps“ an, einem sehr schönen Duett mit Marie Katzer, das durch die elektronischen Samples deutlich gewinnt. Man wünscht sich fast, es hätte noch ein, zwei Experimente dieser Art gegeben.

Unterm Strich ist es ein gelungenes Album voller Zwischentöne und versteckter Details geworden, das Lust auf mehr macht. Eine besondere Erwähnung verdient auch die nicht nur sehr schön gezeichnete, sondern auch aus Pappe bestehende Hülle, die in Zeiten digitaler Releases nicht unbedingt selbstverständlich ist.

Joseph Myers wird im Herbst intensiv durch Deutschland touren; unter Anderem:
17.10. in Hamburg, Cafe Brooks,
24.10. in Osnabrück, Bocksmauer (Release Konzert),
25.10. in Lübeck, Kulturcafe Tonfink,
26.10. in Hamburg, Music Club Live,
04.11. in Leipzig, Cafe Könnteman,
08.11. in Berlin, Cafe Bilderbuch,
10.11. in Hamburg, Pony Bar

Viele weitere Tourdaten, Songschnipsel etc. finden sich auf seiner Künstlerseite beim Label timezone records.

Marceese – A-Ramblin‘ And A-Howlin‘ (VÖ: 10.10.2014)

Der Berliner Singer/Songwriter marceese hat bereits bei seinen vorherigen Alben „Straßen Richtung Süden“ und „Young At Heart“ seine Vielseitigkeit innerhalb des Singer/Songwriter-Genres bewiesen. Mit dem nun vorliegenden „A-Ramblin‘ And A-Howlin'“ setzt er sich wieder mit den Spielarten amerikanischer Folkmusik auseinander.

ramblin_cover300Dabei reduziert er die Musik auf das Allernötigste; schon der Opener „Honey Bee“ gibt die Richtung vor: nur Gitarre und Gesang, sehr unproduziert und roh klingend; man ist man sofort drin im Americana-Feeling. Im Gegensatz zum blueslastigen „Young At Heart“ klingt „A-Ramblin’…“ allgemein deutlich mehr nach Roots und teilweise Bluegrass.
Dabei spielt die Instrumentierung natürlich eine wichtige Rolle;  selber eingespielt kommen Gitarre, Bass, Banjo und Mundharmonika zum Einsatz.

Gerade dieses Rohe, Unproduzierte macht den Charme des Albums aus. Es fühlt sich sehr „live“ an, als säße der Musiker neben einem und erzähle mit seinen Songs seine Geschichten.
Dabei legen dieersten fünf Titel ein gutes Tempo vor, bis das melancholische „Every Jack has his Jill“ deutlich langsamer daherkommt.
Die folgende Bluegrass-Nummer „Barking Underdog“ hebt das Tempo wieder deutlich an; hier zeigt marceese wieder seine Stärken: die vordergründig fröhliche Musik kontrastiert mit dem ehrlichen und introspektiven Text.“Looking for a Change“ sticht deswegen heraus, weil es von einem Sample eingeleitet wird, in dem zwei Kinder zunächst „Honey Bee“ singen und dann eines sagt: „Jetzt geht es los“ – der Titel selber ist so trockener Blues, dass es schon fast staubt.
Und das macht seine Musik so gut: marceese bewegt sich mit quasinatürlicher Sicherheit in diesen sehr ursprünglichen Spielarten (amerikanischer) Unterhaltungsmusik und kombiniert diese mit seinen authentischen und sehr lebensnahen Texten. Dabei sind es oft die kleinen Details, die den Reiz des Albums ausmachen, wie z.B. das schöne Intro des ruhigen von „Oh, how I long for.“
„A-Ramblin‘ And A-Howlin'“ ist ein Album, bei dem schon der Titel sehr deutlich macht, was man bekommt – und das wirkt sehr stimmig und empfehlenswert. Es erscheint am 10.10.
marceese ist auf Tour; unter Anderem:

10.10. in Chemnitz (KaffeeSatz)

11.10. in Leipzig (Mühlstraße)

12.10. in Berlin (Grüner Salon)

05.11. in Dresden (Laika)

mehr Daten: Homepage von marceese
Künstlerseite bei timezone records.

Joseph Myers – Denmark

Diese schöne Single stammt aus der Feder des Osnabrücker Singer/Songwriters Joseph Myers, der einen großen Teil seiner Kindheit verbrachte und den schönen, aber auch wehmütigen Erinnerungen diese Hommage widmet.

Aktuell arbeitet er an seinem Album „Puzzles And Places“, welches im Herbst erscheinen soll. Nach dieser Single bin ich mal gespannt; es könnte ein sehr schönes Album werden.

Vorab kann man sich aber ein Bild von seinen Live-Peformances machen, denn Joseph ist aktuell auf Tour (ich persönlich schlage vor, wir treffen uns in der Mathilda):

13.08.2014 Ber­lin, Ä
15.08.2014 Ber­lin, In­ter­soup
16.08.2014 Ber­lin, Ma­thil­da Bar
28.08.2014 Düs­sel­dorf, Till’s Ele­ven
29.08.2014 Mön­chenglad­bach, Kultu­be
11.09.2014 Gie­ßen, Tro­cken und Lieb­lich
12.09.2014 Dort­mund, Salon Fink
13.09.2014 Düs­sel­dorf, Boui Boui Nacht­floh­markt
19.09.2014 Nor­der­ney, Ta­schen­thea­ter
02.10.2014 Mön­chenglad­bach, Kul­tur­kü­che
11.10.2014 Ham­burg, Bal­c­onyTV
17.10.2014 Ham­burg, Café Brooks
24.10.2014 Lübeck, Kul­tur­café Ton­fink (+Band)
25.10.2014 Han­no­ver, La Mu­si­ca (+Band)
26.10.2014 Ham­burg, Music Club Live  (+Band)
30.10.2014 Augs­burg, Ne­ru­da Kul­tur­café (+Band)
31.10.2014 Mün­chen, Kult Café Pepa (+Band)

Homepage: jospephmyers.blogsport.de

Beck – Morning Phase (2014)

beck_morning_light Es wirkt fast, als wolle Beck sich hinter seiner Musik verstecken, so sehr verschwindet seine Stimme hinter dem mächtigen Hall im ansonsten sehr ruhigen und getragenen „Morning“.
Schon mit dem Eröffnungssong wird klar, dass „Morning Phase“ ähnlich wie „Sea Change“ wieder ein deutlich zurückgenommeneres und introspektiveres Album wird, als beispielsweise das von Danger Mouse produzierte „Modern Guilt“ von 2009.
Beck hat sich viel Zeit mit dem neuen Album gelassen, auch weil er es laut eigener Aussage schwer fand, den Blick auf sich selber zu richten.
Nun tut er genau das, und im Vergleich zu seinen anderen Alben ist „Morning Phase“ sehr ruhig geraten; der Spannungsbogen erschließt sich erst nach mehrmaligem Durchhören.
So ganz mag der mit seinen collagenartigen, (selbst)ironischen „alterna-folk“-Songs (Futurama…) bekannt gewordene Beck nicht auf Klangspielereien verzichen; es gibt immer mal wieder rückwärts gespielte Samples oder auch ein wunderbar waberndes Klavier („Unforgiven“) – doch im Großen und Ganzen reduziert sich Becks Musik auf Folk-Instrumentierung und stützt sich auf seine Fähigkeiten als Songwriter. Dabei ist es hervorragend produziert; die Gitarren oder auch das Klavier sind kristallklar aufgenommen und abgemischt.
„Waking Light“ ist musikalisch eines der ersten Highlights – der optimistische Song tut dem Album gut, vor Allem, weil dadurch „Unforgiven“ mit seiner Wehmut (super Gitarrensound!) besser glänzen kann – und es ist doch „nur“ der Wegbereiter für das phantastisch deprimierende „Wave“, in dem Beck das Thema Isolation eindrucksvoll klanglich unterstützt – seine Stimme hat Mühe, sich durch den Hall vernehmbar zu machen.
„Dont Let It Go“ reißt das Ruder wieder in die andere Richtung; es ist ein angenehmer, positiver Folksong.
In der Folge wird das Album wieder etwas leichter, um mit dem großen „Country Down“ einen würdigen Abschluss zu finden.

„Morning Phase“ ist kein Album, dass sich aufdrängt. Es ist auch nicht so spannend und innovativ wie das Frühwerk des Musikers.
Es braucht ein wenig Zeit, um sich zu entfalten und ist eines jener Alben, die man eher nach Kopfhörern verlangen – inhaltlich sowieso, und auch die fast perfekte Produktion ist es wert, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Beck hat sich anscheinend sehr genau überlegt, wie das Album klingen soll, und bis auf den Hall, der manchmal einfach etwas zu viel ist, stimme ich ihm da auch zu.
Ein hörenswertes, handwerklich sehr solides Folkalbum.

Das Album im Stream vorab hören.

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