Moderat in der Wuhlheide

„Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mal in der Wuhlheide spielen werde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Allein die Columbiahalle war Wahnsinn. Ich kann gar nicht fassen, dass ich hier bin!“

Sascha Ring ist sichtlich begeistert, und er darf es auch sein. Es wird gerade richtig dunkel, es ist kühl, aber trocken, die Batterie an Blindern beleuchtet die Menge in der ausverkauften Wuhlheide, die vom ersten Ton an begeistert mitging.

Für einen kurzen, sehr zynischen Moment denke ich: „Ich kanns auch nicht fassen.“, denn vorausgegangen waren anderthalb Stunden vor dem Einlass, an dem gar nichts mehr ging. Die Secus hatten ihre Probleme, die paranoiden Sicherheitsvorkehrungen umzusetzen (ich wurde nicht mal auf einem arabischen Flughafen so intensiv abgetastet) und ein Konzept zur gezielten Steuerung der Massen und Entlastung über Nebeneingänge war nicht zu erkennen gewesen. Mit Glück habe war ich zur Hälfte des ersten Songs da – Vorband verpasst, aber immerhin bin ich jetzt endlich drin.

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José González und String Theory im Funkhaus

Man muss ein wenig Angst haben um die Gesundheit des Dirigenten, so sehr schwingt er den Taktstock, hüpft, wiegt und bewegt er sich zum Rhythmus. Mit aufforderndem Winken versucht er, das Crescendo der Bläser noch etwas zu forcieren, dann die Streicher zu etwas expressiverem Spiel zu bewegen, während das Schlagwerk schon seit Minuten einen drängenden Drum’n’Bass-Rhythmus spielt und damit „Down the Line“ einen ganz neuen Charakter verleiht. Das Orchester hat Spaß, das sieht man. Spaß an der Musik, Spaß an seinem Dirigenten und Spaß an dieser Mischung aus Klassik und Pop. Gut zwanzig Musiker auf der Bühne sind konzentriert am Arbeiten – nur der schmale Mann mit dem schwarzen Vollbart und der Akkustikgitarre vorne links neben dem Dirigenten scheint vollkommen entspannt seine hypnotischen Licks zu spielen. In den ruhigeren Momenten wirken Gesang und Gitarrenspiel gleichermaßen sanft und verletzlich – und dabei tragen sie wunderschöne, bisweilen schmerzhafte Melodien und Texte – doch jetzt gerade ist José González in seinem Element und fühlt sich wohl damit, Teil des großen Ganzen zu sein.

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Eindrücke vom Lollapalooza Berlin 2016 – jenseits der Musik (1 von 2)

Die riesige Staubwolke hat sich langsam wieder gelegt, die Puschkinallee ist lange wieder befahrbar, die Bauzäune verschwinden nach und nach aus dem Treptower Park – spätestens morgen soll der Park nach einer Pressemitteilung des Bezirksbürgermeisters wieder komplett begehbar sein.

Da das Festival im Vorfeld für einige Kontroversen gesorgt hatte und mich als Veranstaltungstechniker mit ökologischem Gewissen natürlich auch professionell interessiert, habe ich ein paar Gedanken abseits der Musik gesammelt.

Die Ausgangssituation

Das Lollapalooza ist ein seit etwa 20 Jahren vor allem in den USA existierendes Musikfestival, das laut Aussage des Gründers „die Besten der Szene“ (vorrangig (Alternative) Rock) versammeln will, aber auch allgemein der Kunst und alternativen Kultur einen Raum geben möchte – ohne dabei die ökologische Verantwortung aus dem Blick zu verlieren.
Im letzten Jahr fand das Lollapalooza auf dem Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flughafens statt, was 2016 nicht ging, da auf dem Gelände Geflüchtete untergebracht sind. Die Alternative Treptower Park sorgte im Vorfeld für Kontroversen und Proteste, vor allem wegen der befürchteten Schäden am Sowjetischen Ehrenmal und wegen der gerade abgeschlossenen, 13 Millionen Euro teuren Sanierung (bzw. 17 Millionen laut RBB) des Treptower Parks. Dazu kommen noch die üblichen, bei einer Veranstaltung dieser Größe normalen Bedenken und Proteste wegen Lärmbelästigung, Verkehrschaos und Sinn bzw. Unsinn einer solchen Veranstaltung – legitim, aber nichts Ungewöhnliches.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jede Veranstaltung – so lange sie demokratische Werte vertritt – auch ihre Daseinsberechtigung hat. Ob sie auch sinnvoll ist, muss jede/r für sich selbst entscheiden – ich persönlich halte Love Parade und Karneval der Kulturen mitten in Berlin für nicht nötig, aber tolerierbar, und morgens um fünf Uhr vom Schützenverein geweckt zu werden, weil sie ihre Majestäten abholen ist ein Teil deutscher Kultur, dessen Sinn sich mir völlig entzieht – es gibt Menschen, die sind da anderer Meinung, und das ist auch vollkommen in Ordnung so.

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Eindrücke vom Lollapalooza Berlin 2016 – die Bands

Ich war am vergangenen Wochenende beim Lollapalooza Berlin. Es hatte im Vorfeld ja einige Kontroversen um den Sinn und Unsinn eines Festivals im Treptower Park gegeben; in diesem Beitrag soll es zunächst nur um die Musiker gehen, die ich gesehen habe.

Aurora

Die norwegische Elfe Aurora Aksnes dürfte vielen durch den Song „Running With The Wolves“ bekannt sein, der von einem Telefondienstleister vereinnahmt wurde. Sie durfte mittags auf der Main Stage auftreten und hat einen mehr als soliden, sympatischen Auftritt hingelegt. Mithilfe ihres sphärischen Folk-Pop und einiger wilder Tanzeinlagen schaffte sie es, die große Bühne zu beleben – ihre scheinbar unbekümmerte Art, ihre Freude und der zeitweise an Dolores O’Riordan erinnernde Gesang waren sehr unterhaltsam.

The Temper Trap

„Es ist verdammt heiß hier. Aber ich behalte mein Hemd an – damit ich gut aussehe für euch.“ – dass der Temper Trap-Frontmann Dougy Mandagi sein Handwerk beherrscht, machte er nicht nur mit dieser Ansage deutlich, sondern dem ganzen Auftritt. Der Falsetto-Gesang – an wenigen Stellen leicht wacklig – die spielfreudige Band und zwei Ausflüge ins Publikum sorgten dafür, dass der mit einer Stunde ohnehin knapp bemessene Auftritt sehr kurzweilig wirkte. Dabei spielten sie unter anderem die wohlbekannten „Sweet Disposition“ und „Trembling Hands“, als auch einige Singles aus dem neuen Album. Ebenso wie das Hemd die ganze Zeit an blieb, war auch der Auftritt sehr gelungen.

Es lohnt sich übrigens sehr, in den Stream des australischen Radiosenders triple j hereinzuhören.

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Die Violinistin

Eine schlanke, gepflegte Hand greift den Bogen und führt ihn auf die Saiten. Sie hält ihn in einem perfektem Mittelmaß aus festem, sicheren Griff und Lockerheit, um den Bogen bei aller Präzision entspannt führen zu können. Die Finger der linken Hand scheinen über das Griffbrett zu tanzen; sie wandern auf und ab, manchmal schnell, manchmal langsam. Verweilen kurz zu einem Vibrato und springen dann schnell zur nächsten Note.
Beide Hände arbeiten in Harmonie, um aus der Geige das Bestmögliche an Musik herauszuholen – sie spielen miteinander, sie spielen mit der Geige, es ist eine komplexe Interaktion.
Diese Hände hatten vorher – teils zum Aufwärmen, teils aus Nervosität – einen dieser kleinen Stressbälle bearbeitet, doch jetzt mit ihrer Hauptaufgabe beschäftigt, funktionieren sie zuverlässig wie kleine Maschinen.

Die Violinistin ist ein hübscher Mensch. Schlank, gepflegt und recht natürlich mit nur wenig Make-Up. Das blonde, leicht graumelierte Haar, das sie meistens zu einem Zopf gebunden trägt, steht ihr ebenso gut, wie ihre zurückhaltende, freundliche Art. Da sie nur Englisch spricht und ein wenig Deutsch versteht, schaut sie meist ein wenig verwundert-konzentriert, wenn sie versucht, einem Gespräch zu folgen.
Sie hat ein freundliches Gesicht; die spitzen Wangenknochen, die gezupften Augenbrauen und der schmale Mund lassen sie manchmal ein wenig streng erscheinen, vor allem, wenn sie sich konzentriert. Die großen dunklen Augen aber schauen meistens freundlich, manchmal gar etwas spitzbübisch – ihren Sinn für Humor muss man nicht lange suchen.

Auf der Bühne trägt sie ein schlichtes schwarzes Kleid mit Spitzenärmeln, was ihre Schönheit noch mehr zur Geltung kommen lässt. Die Haare hat sie hochgesteckt; im Laufe des Konzertes werden sich einzelne Strähnen lösen, was das durch nun mehr Make-Up und volle Konzentration strenger wirkende Gesicht kontrastiert.

Sie schaut auf ihr Notenblatt und beginnt zu spielen. Für den Beobachter reduziert sich ihre Welt auf den Raum zwischen ihr und Notenblatt. Sie schaut nur selten auf in ihren Pausen, bleibt mit ihrem Blick auf den Noten. Sie bewegt sich nur, wenn sie spielt. Es gibt wenig Interaktion mit dem Publikum.

Doch für sie selber scheint sich eine ganz andere Welt zu öffnen. Sie liest die Noten nicht nur, sie erlebt die Musik in ihrem Kopf. Wenn sie spielt, dann folgt sie in ihren Bewegungen den Melodien, die sie spielt. In den intensiveren Stellen neigt sie sich förmlich in das Notenblatt hinein, während sie die entspannteren Parts sehr gerade sitzend aber locker durchspielt. An dramatischen Punkten sticht sie beinahe mit dem Bogen zu – ab und an löst sich hier eine Strähne; manchmal fällt ihr eine ins Gesicht, die sie geistesabwesend wegpustet.

Ihr Spiel hat eine beinah hypnotische, fesselnde Wirkung. Beim Zuschauen verspürt man einen Sog; man möchte bei ihr sein und ihre Musik so spüren wie sie. Man möchte ihr Musik schreiben, die sie noch mehr fesselt. Man möchte die Augen schließen und die Musik genießen – und lässt den Blick doch auf der Geige und dem Gesicht der Violinistin. Von ihrem Spiel geht eine spürbare Energie aus, die über die reinen Noten hinausgeht.

Manchmal kommt die Violinistin für einen Moment zurück in die reale Welt. Dann blitzen ihre Augen kurz und sie lächelt verschmitzt – vielleicht erinnert sie sich in diesem Moment an etwas Lustiges, freut sich, dass sie einen schwierigen Part gemeistert hat oder kommuniziert mit ihrer Kollegin. Doch sehr schnell wird ihr Blick wieder streng und fokussiert.

Und irgendwann ist das Konzert vorbei.

Sie hat ihre letzten Noten gespielt und lässt den Bogen sinken. Die Geige klemmt noch zwischen Schulter und Kopf, und als sie den Bogen vorsichtig beiseite gestellt hat, nimmt sie ebenso vorsichtig, fast zärtlich ihre Geige und setzt sie ab. Langsam weicht ihre konzentrierte Anspannung dem Bewusstsein darüber, gute Arbeit abgeliefert zu haben. Ihr ernster Blick weicht sich ein wenig auf. Ein wenig verschüchtert wirkend, lächelt sie ins Publikum, erst zaghaft, dann bestimmter.

Der erste Klatscher durchbricht die Stille.

Morgan Finlay – The Landmark Tour

mf-landmark-tour-origMein guter Freund und Lieblings-Singer/Songwriter Morgan Finlay ist wieder auf Tour und wird im Herbst/Winter vor allem durch Deutschland reisen und seine Songs zum Besten geben. Wer ihn live erlebt hat, weiß, dass seine Konzerte immer unterhaltsam, emotional und schön sind. Morgan genießt eher die intime Atmosphäre kleinerer Kneipen und spielt auch schon mal im Wohnzimmer. Dabei überlässt er es den Zuschauern, selber festzulegen, was der Abend wert war.

Ich finde, dieser Mann ist nicht nur jede Unterstützung wert, sondern auch ein spannender Musiker und überaus freundlicher, offener und sehr, sehr unterhaltsamer Mensch. Worauf wartet ihr noch?

24.10 at the Mausefalle, in Bonn (Germany)

25.10 at an exclusive MF IndieGoGo house concert, in Untereisesheim (Germany)

26.10 at an MF Inner Circle Studio show, in Wuppertal (Germany)

28.10 at an exclusive MF IndieGogo house concert, in Schwerin (Germany)

29.10 with Mathew James White at the Raucherkate Wattenbek, in Wattenbek (Germany)

30.10 with Mathew James White for the ISSFO at Cafe Instinkt, in Sankt Peter-Ording (Germany)

31.10 with Christoph Schellhorn at Suedpunkt, in Nurnberg (Germany)

1.11 with Christoph Schellhorn at Scala, in Adorf (Germany)

2.11 with Christoph Schellhorn at Laden 16, in Reichenbach (Germany)

3.11 with Christoph Schellhorn at TBA, in Prague (Czech Republic)

5.11 with Christoph Schellhorn at the Kulturhof, in Zickra (Germany)

6.11 at Dachboden, in Chemnitz (Germany)

7.11 at a private loft show, in Leipzig (Germany)

8.11 at Erreichbar, in Berlin/Kreuzberg (Germany)

9.11 at an afternoon living room concert, in Berlin/Kreuzberg (Germany)

11.11 with Christoph Schellhorn at Herzog Heinrich, in Wolfenbuettel (Germany)

13.11 with Christoph Schellhorn at the Strohalm, in Erlangen (Germany)

14.11 with Christoph Schellhorn at the Kulturschranne, in Dachau (Germany)

15.11 with Christoph Schellhorn at Mary’s Coffee Pub, in Wiener Neustadt (Austria)

16.11 with Christoph Schellhorn at the New Backstage, in Bad Fischau (Austria)

dredg im Kesselhaus Berlin (02.05.)


dort gefunden.

Es gibt Dinge im Leben, die brauchen mehrere Auslöser, um zum dauerhaften Bestandteil zu werden.
So war eine Berufsschulfreundin und Kollegin schon frühzeitig begeistert von dredg und erzählte auch viel über die Musik. Ich war neutral-interessiert, aber wirklich auseinandergesetzt habe ich mich erst mit der Musik, als ich das oben verlinkte Video gesehen habe.
Das Video ist toll, der Song einer jener perfekten Songs, die so einfach und natürlich und doch unerreichbar scheinen.

Es war dann vielleicht auch mehr das Konzept an sich, zwei Alben komplett hintereinander durchzuspielen, das mich davon überzeugte, dieses Konzert ansehen zu wollen – interessanterweise mit genau jenen zwei Personen, denen ich dredg zu verdanken habe.

Es begann also mit „El Cielo„, einem Album über Schlafstörungen, das der Band vermutlich auch die eine oder andere schlaflose Nacht bereitet hat; die Musiker waren während der ersten zwei Songs sichtlich nervös und darum bemüht, die Musik möglichst perfekt und fehlerfrei auf die Bühne zu bringen.
Aber nicht zuletzt aufgrund des kraftvollen, energetischen und präzisen Spiels des Schlagzeugers fing sich die Band schnell und groovte sich ein.
Bis auf ein kurzes „Thank you“ hier und da bestand die Interaktion mit dem Publikum darin, zu spielen – aber das Publikum schien damit mehr als einverstanden, und spätestens bei der Upbeat-Nummer „Convalescent“ war der Funke vollständig übergesprungen.
Kurz darauf überraschte der Dino Campanella durch gefühlvolles Klavierspiel, nur um bei „Eighteen People Living in Harmony“ seine Fills und Breaks wieder gewohnt kraftvoll und präzise zu spielen.
Überhaupt meisterte die Band die vielen Tempo-und Rhythmuswechsel sehr souverän – „Man soll schon noch hören, dass die Band spielt, CDs kann ich zuhause hören“.
Dass das konzeptuelle Korsett die Musiker durchaus auch ein wenig einschränkte, zeigte sich im zweiten Teil des Konzertes:
Gavin Hayes riss eine Saite seiner Slide-Gitarre. Er versuchte noch, sie zu wechseln, was sich aber nicht mit dem Singen vereinbaren ließ. In der kurzen folgenden Pause wirkten sie ein wenig ratlos, bis der Mark Engles sich ein Herz nahm und kurzerhand den Slide-Teil von „Sang Real“ spielte – zur sichtlichen Verblüffung des Schlagzeugers.

Gegen Ende des ersten Teils spielten sie noch zwei Songs als Zugabe und bedankten sich artig – schnörkellos und konsequent.

Der zweite Teil des Konzertes gestaltete sich gänzlich anders.
Bühne, Licht, Band waren komplett gleich, aber zum Einen war nun ein teilweise anderes Publikum da, zum Anderen schien es, als habe die Band sich einen Teil ihrer Kräfte aufgespart (was ich absolut nachvollziehen kann, gerade für den Sänger wird es wahnsinnig anstrengend gewesen sein) und löse nun die Handbremse.
Natürlich ist auch die Dramaturgie von „Catch Without Arms“ eine völlig andere – „El Cielo“ wirkt auf einem hohen Niveau dynamisch, trotzdem ausgewogen und balanciert, während „Catch Without Arms“ sehr rockig beginnt, um am Ende ein wenig zu verflachen.
Für das Konzert wäre es umgekehrt spannender gewesen, aber das ohnehin begeisterte Publikum hat sich davon nicht stören lassen.

So entstand recht schnell ein „Mini-Moshpit“, und der nun auch komplett gefüllte Saal feierte das Konzert, das Album, die Band, die im Vergleich zur auch schon guten Performance vorher jetzt Vollgas gab.
Der gute Sound der Halle und der gute Mix gaben ihr Übriges dazu – das Schlagzeug klang sehr druckvoll, Bassist und Gitarrist waren im Spektrum deutlich voneinander getrennt, und viele kleine Effekte und Klangspielereien kamen gut herüber – allerdings wirkte der Sänger manchmal einen Tick zu leise.

Wenn man sich vor Augen hält, wie perfektionistisch die Band veranlagt ist, kann man sich vorstellen, wie die Stimmung bei „Sang Real“ war – dass das Publikum davon nur wenig mitbekommen hat, ist ihnen hoch anzurechnen. Es wäre auch müßig gewesen, sich weiter darüber zu ärgern, denn das Publikum hatte weiterhin große Lust auf Band und Musik – Berlin ist da nicht immer so.
Das Lachen am Ende war gespenstisch dreidimensional abgemischt; am Anfang dachte ich tatsächlich, es käme aus dem Publikum.

Als Schlusspunkt spielte Hayes ein hypnotisches Riff, das er gar nicht mehr beenden wollte – „I could carry this on forever.“ – und die Band stieg ein in ein emotionales, rockiges, perfektes Stück Musik – natürlich „Down To The Cellar“ – der Song, mit dem – für mich – alles begann.

A Perfect Circle.

Midlake im Heimathafen Neukölln (10.03.14)

Zu meinem achtzehnten Geburtstag habe ich – neben vielen anderen Dingen – auch eine Glasfaserkugel geschenkt bekommen, die sich dadurch auszeichnet, dass die Spitzen schön leuchten, während die Fasern selber nicht ganz so auffallen.

midlake

Irgendwann saß ich mit einer Freundin vor dieser Kugel und starrte hinein, und für einen Augenblick fühlte es sich so an, als tauchte man in ein kleines Universum ab; ich verlor mich regelrecht in der Kugel.
Mitten im Konzert von Midlake – das Schlagzeug polterte, die Gitarren zwurbelten, der Bass wummerte, und die Querflöte(!) setzte zu einer ihrer Melodien ein – wurde der Backdrop – die Abbildung einer solchen Kugel – so beleuchtet, als drehe sie sich, und ich erinnerte mich an die Geschichte, während ich mich ein bisschen in der Melange aus Seventies-Prog-Rock und Folk verlor.

Denn so klingen sie, die Jazzstudenten aus Texas: eine ordentliche Prise Siebziger, ein wenig Radiohead, etwas Psychedelia, Folk, Rock. Das Ganze verspielt, mal mit der Gitarre, dann wieder der Querflöte im Vordergrund, immer etwas schwermütig. Die Herren verstehen, wie sie ihre Instrumente spielen können und lassen auch eher die Musik sprechen, als die große Show zu machen – was kein Nachteil ist.

Sie haben viele Stücke des neuen Album „Antiphon“ gespielt; zwischendurch wirkte es so, als würden sie ausgiebig jammen – aber bei dieser Art Musik sind die Grenzen da ohnehin fließend.
Die verbale Kommunikation mit dem Publikum war so weit eingeschränkt, dass der Sänge nach etwa zwei Dritteln des Sets sich zu Wort meldete und etwas verlegen meinte: „Ahm, we are Midlake…“; Alles in Allem jedoch machte der Auftritt Spaß, vielleicht gerade auch, weil der Fokus so sehr auf die Musik gelegt wurde.
Zeitweise habe ich mich an Petur Ben erinnert gefühlt, ab und an auch ein wenig an Sophia.
Für einen Eindruck: Antiphon

Die Vorband „Israel Nash“ bestand aus zwei Menschen – ebenfalls aus Texas – die mit Zither und Gitarre bewaffnet eine ruhigere Variante des Folk zum Besten gaben. Das war nicht wirklich innovativ, aber stilistisch gut passend zu Midlake.

Ein gutes, unterhaltsames Konzert und eine kleine Reise in ein Universum, wie man es nur in einer Glasfaserkugel finden kann.

Ein Satz noch zur Veranstaltungsstätte: Der Heimathafen Neukölln ist ein wunderschöner Saalbau mit Theater und Konzerten, und auch der Konzertsaal macht optisch mit seinem Holzfußboden, dem Stuck an der Decke und den Kronleuchtern Einiges her. Leider gibt es aber so viele glatte Flächen, dass der Nachhall des Raumes die Klangqualität schon deutlich beeinflusst hat.

Morgan Finlay im Café Shila | 11.12.13 | 21 Uhr

finlay Morgan Finlay ist zur Zeit auf Deutschlandtour und bringt sein neues Album „Fault Lines“ sowie diverse neue und alte Songs unter die Leute.
Dabei macht er natürlich auch einen Zwischenstopp in Berlin; unter anderem wird er genau in einer Woche – am 11.12.13 (was für ein geiles Datum!) – im Café Shila hier in der TU Berlin auftreten.
Wer sich Morgan mal „in echt“ anschauen und erleben möchte, sei herzlich eingeladen. Alle anderen dürfen natürlich auch gerne vorbeikommen!

Der Eintritt ist frei; um Spenden in den Hut / zahlreiches Kaufen seines Albums wird gebeten 🙂

www.morganfinlay.com

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