Sünndagsschnack (33)

Moin moin,

Hummelbesuch
Heute unter strahlend blauem Himmel und kräftig scheinender Sonne die erste Hummel auf dem Balkon gesichtet 🙂 Man glaubt es kaum, aber der Frühling scheint endgültig zu beginnen. Und unabhängig davon, ob ich jetzt raus kann oder nicht: Boy, habe ich keinen Bock mehr auf Winter, Grau, Regen. GEH WEG.

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Virtuelles Verreisen
Was tut man, wenn man nicht verreisen kann: Richtig, man macht einen #UrlaubfürdieAugen. Schöne Aktion!

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Lieblingstweets im Mai

Kinners, der Mai ist schnell vergangen… vergehen nicht so schnell: Die Lieblingstweets des Monats!

https://twitter.com/JzudemD/status/1124203789395857408

https://twitter.com/HrDings_ausBums/status/1130052840699912192

Sünndagsschnack (15)

Moin moin,

Bemerknisse zur Wahl
Ich wohne so dicht am Wahllokal, dass ich kurz versucht war, einfach die Muster-Wahlunterlagen auszufüllen und als Papierflieger rüberzuwerfen. Wäre aber vermutlich eher so semi angekommen und wohl auch nicht akzeptiert wurden. Der (sehr kurze) Weg dorthin war mit (sehr vielen) Pfeilen behängt, was mich kurz daran erinnert hat:

… aber die Situation war in der Tat etwas unübersichtlich, denn es wurden etwa fünf Wahlbezirke auf zwei Eingänge verteilt, was auch schon rein mathematisch schwierig ist.
Über die lange Schlange vor der Kabine habe ich mich anfangs eher gefreut als geärgert, deutete sie doch auf eine hohe Wahlbeteiligung hin. Allerdings wirkte die überwiegende Mehrheit rein alterstechnisch so, als sei sie noch mit der Zentrumspartei aufgewachsen, was vermuten lässt, dass sie wohl eher nicht das Rezo-Video kennen und/oder eine Partei wählen, die nicht aktiv und lobbygesteuert an der Zerstörung unserer Gesellschaft und/oder des Planeten arbeitet.

Und damit, liebes Wahlergebnis, hast du die einmalige Gelegenheit, mich positiv zu überraschen. Enttäusch mich nicht.

Ich hoffe allerdings wirklich, dass die Wahlurnen selbst nicht sinnbildlich für das Demokratieverständnis der etablierten Parteien stehen, denn das waren – tada! – umfunktionierte Mülltonnen. Dass man im Sinne effizienter Zeitersparnis die Wahlergebnisse gar nicht erst zählt, sondern die Tonnen mit dem ganzen Papierkram gleich an die Straße stellt, ist mit Sicherheit im Sinne einer liberalen Partei. Gar nicht erst rumlindnern, sondern die Fakten gleich entsorgen.

Wie richtige Profis.

Es kann auch sein, dass die Schlangen so lang waren, weil es erstens in Hamburg drei Wahlen gab (Bezirkswahl (2 x 5 Stimmen) und Europawahl (1 x 1 Stimme)), zweitens der Europawahlzettel länger ist, als mein legendärer Auslandskrankenschein aus den Neunzigern, der mir gefaxt wurde und aus etwa zehn A4-Seiten bestand – die das Fax als ein großes Stück Papier ausgespuckt hat. Mit diesem gewaltigen Papyrus bin ich dann über das Ijsselmeer gesegelt, aber das ist eine andere Geschichte.

So, aktives Wahlrecht erledigt, es wird langsam mal Zeit, mich intensiv mit den Möglichkeiten passiven Wahlrechts zu beschäftigen.

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Bemerkungen zu Bemerknissen
Das wunderbare Wort „Bemerknis“ stammt – jedenfalls in meiner Welt – von der nicht minder wunderbaren Frau Nessy. Sie benutzt es, um Gedanken und Erlebnisse festzuhalten, die sie so macht. Und ich mag das Wort. Es ist nicht ganz so formal wie eine Bemerkung – erst recht nicht, wie eine Anmerkung – es ist aber auch nicht so pompös-groß wie ein ganzes Erlebnis. Es klingt ein bisschen niedlich, gemütlich und leicht pastellfarben. Es sollte in den Duden aufgenommen werden. Und ist für einen Sonntagnachmittag gar nicht so verkehrt.
Es gibt einige Wörter in meinem Leben, die ich direkt mit Personen verbinden kann und die durch die Referenz, aber auch als Wort mein Leben bereichern. Übers Schlummern hatte ich ja schon geschrieben. Mit meinen Großeltern verbinde ich viele plattdeutsche Ausdrücke. Und den nonchalanten Gebrauch des Wörtchens „fucking“ kenne ich nicht erst durch Rezo, sondern schon lange vorher von einer ehemaligen Kollegin, die nun in fucking Köln lebt. Trotzdem ist es nach wie so sie, welche dieses Wort in meinem Kopf spricht. Eigentlich wäre es mal spannend, einen Text mit allen Wörtern zu machen, die ich einer Person zuordnen kann, und diese spricht es dann auch an der Stelle aus.

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Umwege erhöhen die Ortskenntnis
Ich vermute, es gibt wenige Sprichwörter, die mein Leben so genau charakterisieren, wie dieses. Ja, es ist eine Platitüde (das wird jetzt anscheinend mit Doppel-t geschrieben und ist somit noch platter als ich dachte, lol ey), und ja, ich kann auch geradlinig, aber in Kombination mit ohne Smartphone und der unweigerlichen Frage: „Aber du warst hier noch nie, oder? Wie findest du dich zurecht?“ führt es manchmal dazu, dass ich ganz physisch auf dem Rad nicht immer die kürzeste Strecke fahre – und im Laufe der Zeit die absurdesten Straßen kenne, die zum Teil nicht einmal Einheimischen etwas sagen. Vielleicht sollte ich doch über eine Karriere als Taxi- oder Rikscha-Fahrer nachdenken.

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Jümmer schön suutje blieven.

mops

Sünndagsschnack (14)

Moin moin,

12 Jahre
Gestern war ich genau 12 Jahre bei WordPress angemeldet und habe seitdem – mal mehr, mal weniger – gebloggt. milchmithonig.de gibt es tatsächlich schon länger – genaue Zahl habe ich nicht im Kopf, aber es muss was um 16 Jahre sein – hui.
In der Zeit habe ich – inkl. diesem Beitrag hier – 780 Beiträge geschrieben, also bummelig 65 im Jahr oder einen in der Woche. Das ist doch mal ordentlich, und angesichts des Wenig-Bloggens in der jüngeren Vergangenheit (also vor dem Sünndagsschnack) schon auch ein bisschen überraschend. Ich habe Sachen ausprobiert (Döner-Kalle…), den ruhmreichen SVW begleitet, mit Elaine einen mir erstaunlich nahestehenden Charakter gefunden. Über das Radfahren habe ich eh schon immer geschrieben, und Musik sowieso.
Manchmal gab es Kommentare hier auf der Seite, ab und an einen Like, oder in den Tagen nach einem Beitrag einen Kommentar vom Kollegen oder Freunden – und ich freue mich, dass doch so viele Menschen milchmithonig lesen, Spaß dran haben und mich quasi begleiten. Danke!

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Eine fundamentale Erkenntnis
Vor einiger Zeit hatte ich eine fundamentale Erkenntnis, und das spannende ist, dass sie viele Themen und Entscheidungen meines Alltagslebens sehr prägnant zusammenfasst. Interessanterweise haben nämlich folgende Fragen eine und dieselbe Antwort:

Warum nutzt du kein Spotify/Amazon Prime/Netflix?
Was ist so schlimm an 15 verschiedenen Blumenerden?
Wieso bestellst du in Restaurants oft dasselbe?
Wieso hast du so wenige Klamotten (und trägst sie so lange)?
[Außer T-Shirts, davon kann man nie genug haben, Anm. des Autors]
Wieso hast du noch immer kein Sofa?
Wieso hast du kein Smartphone?
Warum tust du dich schwer, Komplimente zu bekommen?
Warum kaufst du dir so wenig Schnickschnack?
Warum bist du abends/am Wochenende/wenn du frei hast, nicht in jeder freien Minute unterwegs?
Warum hörst du nicht immer Musik, wenn du sie doch liebst?
Warum fährst du eher Rad bei Kälte, als wenn es zu warm ist?
Es ist Bombenwetter, wieso bist du nicht draußen?
Warum machst du so viele Schwarz-Weiß-Bilder?
usw.
sie alle haben dieselbe Antwort:

Weil ich mit Mangel besser klarkomme, als mit Überfluss.
Weil ich mit Stille besser klarkomme, als mit Lärm.
Weil ich eher verzichten will, als verschwenden.

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Werder
Die Bundesliga-Saison ist vorbei, und Werder hat sehr knapp einen Europapokalplatz verpasst. Das ist schade. Aber auch nicht wirklich dramatisch. Für mich viel, viel wichtiger: Werder hat zum ersten Mal seit Jahren wieder das Gefühl vermittelt, dass systematisch daran gearbeitet wird, die Mannschaft und Spielidee zu verbessern. Die Mannschaft hat fast gegen jeden Gegner versucht, ihr Spiel durchzusetzen, und ja, ich habe mich auch über manch unnötigen Punktverlust geärgert, aber zum ersten Mal seit Jahren ist Werder wieder mutig und selbstbewusst. Zudem dreht Pizarro noch eine Ehrenrunde, was kann es Schöneres geben? Ich glaube, dass mit Kohfeldt jetzt ein Trainer gefunden wurde, der – wie das Team – gute Voraussetzungen mitbringt und noch weiter wachsen und besser werden kann. Und ich freue mich drauf, diesen Weg in der neuen Saison am Radio, im Liveticker, und vielleicht auch ein, zwei Mal im Stadion zu begleiten.

Jümmer schön suutje blieven.

Aufgang

Lieblingstweets im April

https://twitter.com/LoaderB0t/status/1114487568148652033

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Sünndagsschnack (13)

Moin moin,

Welcher kreative Typ bist du?
Ein bekannter Hersteller für Foto-bearbeitungs-Software hat ein Psychoquiz programmiert, das die Frage beantworten soll, welcher kreative Typ man denn sei. Persönlich halte ich von solchen Quizzes nicht besonders viel – ich verorte die Aussagekraft irgendwo zwischen Glückskeks und Kalenderspruch – aber es macht mir viel Spaß, die Fragen zu beantworten und währenddessen zu reflektieren, ob ich eher meine Kreativität oder eher meine Durchhaltefähigkeit als „Secret Weapon“ betrachte.
Noch dazu ist das Quiz visuell ansprechend gestaltet, hat ein klares Konzept und Struktur – und das wiederum entspricht meinem kreativen Typ.
Vermutlich ist das Quiz Teil einer Werbekampagne, aber man kann es machen, ohne persönliche Daten eingeben zu müssen (und damit ist es eher ein unpersönliches persönliches Quiz, aber das nur am Rande) und die Animationen können einen verregneten Sonntag aufhübschen.

mycreativetype.com

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Vom Lieben und Benutzen
Wo wir gerade schon am Reflektieren sind. Darüber kann man mal nachdenken:

„Menschen wurden erschaffen um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen um benutzt zu werden.
Der Grund warum sich die Welt im Chaos befindet, ist weil Dinge geliebt werden und Menschen benutzt.“

Dalai Lama

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Vom Haben und Brauchen
Eigentlich mag ich den Spruch „Haben ist besser als brauchen.“ ganz gerne. Er hat so etwas von leicht großspurigem Ausgerüstetsein nach dem Motto „Ich kaufe schon mal den 5000-PS-Rasenmähertrecker, falls das mit den Blumenkästen auf dem Balkon was wird und wer weiß wie schnell man an einem verregneten Sonntag dasitzt und sich denkt: „Hätte ich jetzt mal den 5000-PS-Rasenmähertrecker.““ – wenn man den Spruch positiv sehen will, hat er was von „Vorbeugen ist besser als heilen“, und im schlimmsten Fall endet er damit, dass man an eben einem solchen Sonntag mit einer Dreilagenfünfundzwanzigwetterzoneneverestfunktionsjacke für schlanke 499€ vorm Bäcker steht und die billigsten Schrippen kauft, weil die ganze Kohle schon für Rasenmähertrecker und Jacke draufgegangen ist.

Ich würde vermutlich daneben stehen und ein schönes Franzbrötchen kaufen, gekleidet in meiner Fahrradjacke, die ich seit etwa 10 Jahren besitze, fast täglich trage, viel erlebt habe und die mittlerweile buchstäblich auseinanderfällt. Ich brauche tatsächlich eine neue Jacke, aber ich will keine neue Jacke haben, denn die alte ist doch super, ich liebe sie (sorry, Dalai Lama), und genau dieses schöne, einfache, haltbare Modell kann man in der Form gar nicht mehr bekommen, und das lässt mich etwas ratlos zurück.

Ist es so, dass wir brauchen, was wir haben, oder doch eher, dass wir es brauchen, was zu haben?

Jümmer schön suutje blieven.

festgemacht

Sünndagsschnack (12)*

Moin moin,

*eigentlich ja Mondagsschnack, aber da der Montag ja noch zu Ostern gehört und quasi ein Sonntag ist, UND es heute sogar einen Tatort gab, finde ich, kann es trotzdem Sünndagsschnack heißen.

Life in plastic, it’s fantastic!
In den letzten Jahren ist mir aufgefallen, dass immer mehr Reisende ihre Koffer in meterweise Frischhaltefolie einpacken; der Einwickelservice wird ja auch in immer mehr Flughäfen angeboten. Ich finde das etwas befremdlich (und Umweltverschmutzung/Rohstoffverschwendung, aber ich will da jetzt kein (Plastik)fass aufmachen), der Koffer ist doch schon die perfekte Schale für die Klamotten. Aber ich vermute, weil das gute Stück teuer war und schick aussehen soll, muss es dann vor Transportspuren geschützt werden. Dazu wickelt man es in die Frischhaltefolie, so weit, so logisch. Was macht man aber, um die Frischhaltefolie vor Kratzern zu schützen? Die ist ja schon auch empfindlich… Eigentlich wäre es doch cool, wenn man eine harte Schale dafür hätte, vielleicht so etwas wie – einen größeren Koffer..? Das erinnert mich irgendwie daran… Was mich allerdings wirklich erstaunt – Tchibo ist noch nicht draufgekommen, eine Silikon-Kofferhülle zu produzieren, normalerweise sind sie doch unschlagbar in solchen Dingen.

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Das Leben als Textadventure
Ich habe als Kind und Jugendlicher sehr gerne diese Bücher gelesen, bei denen man regelmäßig selber entscheiden durfte/musste, wie es weiter geht. Es gibt ja auch ein ganzes Computerspielgenre – sogenannte Textadventures – die oft beginnen mit Du erwachst in einem dunklen Raum…
Im Unterschied zu einem Textadventure bin ich aber selten in einem Kerker/einer Höhle/einem anderen gruseligen Ort, wenn ich in dunklen Räumen erwache, sondern meistens in meinem Schlafzimmer, und die Blase drückt. Was aber häufiger passiert, insbesondere bei Auto-/Radfahrten durch die Heimat – ist, dass ich auf Orte treffe, an denen ich mich entscheiden musste, und damit dann mein Leben zu dem gemacht habe, dass es ist. Hier ist das Haus des Architekten, bei dem du mal Praktikum machen wolltest, zum Beispiel, oder auch Hier ist die andereSchule, auf die du hättest gehen können, usw. – und das finde ich spannend. Es ist weniger so, dass ich mit Entscheidungen hadere – das tue ich sehr, sehr selten – aber eher die Möglichkeit erforsche, die hätte sein können. Das macht mitunter viel Spaß und spannender Nebeneffekt: quasi nebenbei wandert man an den entscheidenden Stellen des eigenen (echten) Lebens entlang und sieht so, welchen Weg man gekommen ist.

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Kurt
„Ich bin mit zwei Kurts zusammengezogen. Einem ganzen Kurt und einem Halbtagskurt. Jana und Kurt haben sich entschieden, dass sie ihr Sorgerecht teilen, vor allem wenn Kurt schon extra aufs Land zieht. Und so pendelt das Kind nun wochenweise zwischen seinen beiden Oranienburger Zuhauses hin und her: zwei Häuser, zwei Kinderzimmer, unterschiedliche Regeln und alle Menschen, die er liebt.
Und dann bin da noch ich.“

Lena ist die Protagonistin im neuesten Buch von Sarah Kuttner, und sie ist mit anderthalb Kurts zusammen. Und der Absatz oben fasst die Geschichte sehr gut zusammen: Lena versucht, ihren Ort in diesem Beziehungsgeflecht zu finden, liebt ihren Freund sehr, weiß aber zum Beispiel nicht, ob sie den kleinen Kurt lieben darf und ob sie das überhaupt will (dass sie es tut, wird schnell klar) – und dann passiert die Katastrophe: der kleine Kurt stirbt durch einen Unfall. Lena ist nun erst Recht verunsichert, weiß nicht, ob sie trauern darf und weiß nicht, ob und wie sie Kurt in dessen Trauer helfen kann. Und wie die Beziehung überhaupt weitergehen kann.

Dieses Thema ist unwahrscheinlich schwer und bedrückend, doch Sarah Kuttner schafft es, einen ernsten, leichten Ton zu finden, der sehr authentisch und berührend ist – all das hängt auch damit zusammen, dass Lena ein unglaublich sympathischer Charakter ist – wie beide Kurts auch. Und so ist das Buch kein Psychodrama. Es ist aber auch keine leichtfüßige Coming-Of-Age-Story. Es ist eine Erzählung über Trauer. Wie man damit umgehen kann. Über die Kraft der Liebe. Darüber, seinen Ort in dieser Konstellation zu finden. Und warum ein Viereck-Rasensprenger besser ist, als ein Bogenrasensprenger. Auf Kuttnersche Art ernst, leichtgewichtig und sehr nah. Ein tolles Buch.

Jümmer schön suutje blieven.

frühling

Sünndagsschnack (11)

Moin moin,

Die ersten fünf Minuten eines Buches lesen
Neulich hat mir ein Kollege ein Buch in die Hand gedrückt, mit den Worten, er habe „nur die ersten fünf Minuten“ gelesen. Was für eine super Formulierung; einerseits ist genauso klar, dass er sich nur kurz mit dem Anfang beschäftigt hat, als hätte er gesagt: „nur die ersten fünf Seiten“, andererseits gibt sie dem Lesen eines Buches eine gewisse Lebendigkeit; aus dem schnöden Seitenumblättern wird etwas Dynamisches. Man verbringt Zeit mit einem Buch, manchmal mehr, manchmal weniger, und im Gegensatz zum Film ist dies keine linear verbrachte Zeit, sondern sie verteilt sich meistens auf mehrere Abende, vielleicht eine durchwachte Nacht, einen verregneten Sonntag, einen Nachmittag am Strand. Außerdem mag ich es, wenn man Formulierungen so zweckentfremdet, dass sie trotzdem präzise zutreffen.

* * *

Hagel in der Petersilie
Am Samstag hat das Aprilwetter alles gehalten, was es verspricht: es begann frühmorgens mit – Schnee. Richtig große, schöne Flocken, die sanft und lautlos zur Erde fielen, und ich drehte mich mit dem Gedanken: „wäre schön, wenn sie liegen bleiben“ wieder um. Ich erwachte ein Stündchen später zu strahlendem Sonnenschein. „Keine Schneedecke, aber auch nicht schlecht“, dachte ich, „würde ich für nen Samstag nehmen.“. Zwei Tee, einem leichten Frühstück und eine ausführliche Internet-Session später brach ich bei Bewölkung zum Supermarkt auf. Um am glänzenden Boden und dem frischen, erdigen Geruch von Regen zu erkennen, dass es einen Platzregen gegeben haben musste. Der Nachhauseweg wurde begleitet von Hagelkörnern, die nicht richtig wussten, ob sie nun Hagel, Nieselregen, Schnee oder Schneeregen sein sollten, nur um kurze Zeit später dann in echten Hagel überzugehen, der mir die
frisch gesäte Petersilie hätte verhageln können, wenn nicht… (nun ja, siehe letzte Woche).

* * *

Schnee im Lavendel
Im Unterschied zu letzter Woche habe ich aber nun in der Tat einen ersten Schritt in der Bepflanzung meiner Balkone gemacht: Der örtliche Blumenladen hat kleine Zinkeimer mit Haken dran, perfekt, um sie an die Brüstung zu hängen. Und – oh Zufall – kleine Töpfe mit Lavendel, die genau dort hinein passen. Nun passt Lavendel perfekt in mein Blumen-Dating-Profil: Sieht gut aus, riecht gut, redet nicht zu viel, kommt alleine klar und ist winterhart. Und vor allem: in diesem Portionierungsformat konnte ich ihn perfekt nach Hause transportieren. Zudem kann ich die Palette, in der die Töpfe standen – vom Aussehen her wie eins dieser Muffinbleche für den Backofen – super als Anzuchtschale für die Petersilie und andere Pflanzen nehmen.

Jümmer schön suutje blieven.

souterrain

Sünndagsschnack (10)

Moin moin,

Immer im Rhythmus
Fast alle Dinge, die ich tue, geschehen in einem bestimmten Rhythmus – ob nun bewusst oder nicht. Ich höre beim Schreiben fast immer Musik, und es ist mittlerweile ein Ritual, nicht nur im Rhythmus des jeweiligen Songs zu tippen, sondern auch immer mal wieder ein kleines Schlagzeug-Fill mitzutrommeln, einen bestimmten Akzent zu setzen, indem ich genau passend die Leertaste oder die Entertaste drücke oder die Maus klicke, usw.
Mir fällt auch immer wieder auf, dass ich Alltagstätigkeiten an der Musik ausrichte – z.B. heute morgen, als ich den Wasserkocher natürlich genau dann mit einem PLING eingeschaltet habe, als das Schlagzeug im Song auch PLING machte. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich als Lichttechniker oft sehr direkt und schnell auf die Bands reagieren muss, und dann ein gewisses Rhythmusgefühl sehr hilfreich ist – ich kann dann z.B. das Highlight eines mir unbekannten Songs unterstützen, weil ich fühle, wann es kommt.
Manchmal tippe ich allerdings auch Unsinn, weil es mir wichtiger ist, im Rhythmus zu bleiben, als korrekt zu tippen… und aus dem gleichen Grund kann ich nicht joggen und Musik hören – bzw. ich müsste mir eine Playlist mit genau meinem Tempo zusammenstellen. Rad fahren und Musik hören wiederum geht ganz wunderbar, vor allem, wenn das Vorankommen beschwerlich ist. Der Flow in dem ich mich beim Radfahren gerne befinde, kommt dann eben durch die Musik von Außen, was manchmal echt hilft.
Übrigens: während des Tippens dieses Textes und beim Überlegen, wie ich formuliere, habe ich natürlich auch „Schlagzeug“ gespielt. Das hat das Schreiben nur unwesentlich verlängert – dafür aber verschönert.

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Stille
Am Dienstag habe ich das Verdi-Requiem gesehen, mit Teodor Currentzis als Dirigent. Ein sehr schönes, stellenweise trauriges und dramatisches Stück Musik und für mich das bisher eindrucksvollste Konzert in der Elbphilharmonie – und das hat sehr viel damit zu tun, wie Currentzis inszeniert und dirigiert. Man nimmt ihm ab, dass er die Musik sehr intensiv lebt und fühlt, und seine extrovertierte Gestik sieht im Video zwar reichlich affektiert aus, ist live aber genau richtig – selten war ich von der ersten bis zur letzten Note so sehr bei/in der Musik, wie hier.
Am Dies Irae kann man die Intensität gut erkennen, besonders im direkten Vergleich zum technisch nicht minder hervorragenden Barenboim. Was aber der Barenboim-Aufnahme fehlt, ist das letzte Bisschen Wahnsinn, was man bei Currentzis spürt – immerhin heißt das Stück übersetzt „Tag der Rache“, da wird wohl schon auch ein bisschen Wahnsinn im Spiel sein.
Man achte alleine auf die Bewegungen der Musiker – die bei Currentzis übrigens im Stehen spielen, was der Musik gut tut, wie ich finde.

Am eindrucksvollsten fand ich allerdings das Ende. Mit der Schlussnote ist das gesamte Orchester samt Dirigent und Chor in der Bewegung „eingefroren“ – und das hat sich auf das Publikum übertragen, das ruhiger und ruhiger wurde, und für einen kurzen Moment – vielleicht eine Minute – war es im Saal absolut still. Wirklich. Kein Gehuste, kein Geraschel, kein Getuschel, keine Bewegungen; nicht einmal Rauschen. Kollektiv. 2300 mal Stille.
Es war wunderschön. Und dafür bin ich Currentzis sehr dankbar, denn dieser Moment war wahnsinnig intensiv und besonders.

Ich mag Menschen, die mir Stille schenken.

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Fünfzehn Sorten Blumenerde
Der Frühling kommt langsam, aber sicher. Die Bäume treiben aus und jeden Tag wird die Welt wieder etwas farbenfroher. Wir haben hier echt viele Zierkirschen, ist mir in den letzten Tagen aufgefallen.
Ich würde gerne meine beiden Balkone bepflanzen, bemöbeln und in eine Art „Dschungel-Wohnzimmer“ verwandeln. Nutzpflanzen und Kräuter sollen dabei sein, aber auch Zierpflanzen. Ich bin also heute in den Baumarkt gelaufen, um mir einen Überblick zu verschaffen – und bin schlicht an der Auswahl dort gescheitert. Es gibt alleine fünfzehn Sorten Blumenerde – unterteilt in Sparten wie „Kräutererde“, „Tomatenerde“, „Sand-Erdgemisch für Kakteen“ usw., zum Teil schon mit speziellem Dünger vorgedüngert, zum Teil eben nicht – ich kann verstehen, dass unterschiedliche Blumen unterschiedliche Erdgemische besonders gern mögen, aber ich war einfach nur hoffnungslos überfordert. Kann man mit Erde etwas falsch machen? Zieht eine Blume angeekelt ihre Wurzeln aus ihrem neuen Bett, nur weil die Mischung nicht ganz passt?
Gut, dachte ich mir, man kann ja grundsätzlich erst einmal mit den Blumenkästen anfangen – die fehlen mir ja auch noch.
Es gibt eine unendliche Auswahl an Plastik-Blumenkästen, von Terracotta-Nachbildungen, Holz-Nachbildungen über Beton-Nachbildungen bis hin zu Stein-Nachbildungen. Was es nicht – oder nur sehr spärlich gibt: Blumenkästen aus echtem Terracotta, aus gewachsenem Holz, aus Stein oder meinetwegen aus Metall. Und auch wenn ich die Blumenkästen in Spe hoffentlich lange nutzen werde: Ich will nicht noch mehr Plastik in die Welt bringen, als unbedingt nötig.

Naja, Fotos von Blumen können ja auch schön sein.

Jümmer schön suutje blieven.

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