orte und geschichten

Während einer Party haben eine gute Freundin von mir und ich uns zwischendurch fortgeschlichen, um uns das Haus meiner Kindheit anzusehen. Daraus wurde eine Tour durch die verschiedenen Stationen meines Lebens, was mich auf die Idee brachte, alle Orte, die ich schon gesehen habe, aufzulisten.
Und natürlich die eine oder andere Anekdote dazu zu erzählen.

A

Achim – Achim ist auf einem Hügel gebaut. Dieser bestand aus Sand und hatte zur Aufgabe, den Galgen zu tragen. Aufgrund reger Hinrichtungspraktiken entstand bald der Ausspruch „Ach im Sande muss ich sterben!“.
Ach im = Achim…
Julia ist hier geboren.

Ahlten – keiner weiß genau, was Ahlten eigentich ist. Stadtteil von Hannover? Teil von Lehrte? Eigenständige Enklave? Lebenseinstellung? Vermutlich Letzteres.
Ahlten ist ein ehemals gern besuchter Ort; es gibt dort nette Menschen. Bisher am intensivsten in Erinnerung (und Klamotten) geblieben sind mir rote Fusseln aus den dort zuhauf auffindbaren Flokatis.

Ahlten ist vielseitig; man kann dort spielen, feiern, übernachten, frühstücken, grillen und Gegenstände in Cellophan verpacken.

Allertal – ist eine Raststätte zwischen Bremen und Hannover und insofern in historische Sphären gelangt, als dass ich dort oft Rast gemacht habe auf meinen Wegen von und nach Göttingen oder auch von und nach Hannover.

Amsterdam Anunfürsich eine schöne Stadt, wirklich, ich mag Amsterdam. Leider hat sie mir einen beträchtlichen Teil meiner CDs genommen und meinen Freunden noch viel mehr.
In dieser Stadt habe ich erfahren, wie ein Döner mit Ketchup schmeckt, weil ich meiner Freundin nicht olfaktorisch querkommen wollte.
Deswegen hat sie den Knoblauch gegessen…

Appeln In diesem kleinen Dorf neben Beverstedt habe ich ein Jahr lang auf einem Bauernhof gewohnt. Hier begann meine Zeit als Computer“experte“, Gruppenleiter, Toastbrot-Mit-Ketchup-Esser und selbstbewusstes Individuum.
Meine Katzengeschichte stammt aus dieser Zeit.

Auckland Wer behauptet, Auckland sei die Hauptstadt Neuseelands, begeht damit in etwa einen ähnlichen Fauxpas wie Menschen, die der Meinung sind, München sei Deutschlands Hauptstadt.
Neuseeland wird aus Wellington regiert, das sehr viel kleiner, aber ungleich schöner ist.
Auckland ist wie alle großen, hippen Städte: groß, hip und ein bisschen seelenlos. Dafür aber mit nem hübschen Gesicht.

B

Berlin Die alte Dame… was soll ich mehr sagen. Ich liebe Berlin. Alles Weitere steht in meinem Text über meine Reise dorthin. Mittlerweile wohne ich ja auch hier…

Beverstedt In Beverstedt habe ich nie gewohnt, aber immer gelebt. Auch jetzt noch. Dort habe ich in der ev.Jugend angefangen, dort habe ich viele nette Menschen kennengelernt, dort hatte ich meine erste richtige Freundin, meine ersten Partys, sprich: habe angefangen mit den interessanten Dingen meiner Jugend.

Bochum Diese Stadt habe ich genau eine halbe Stunde besucht, nachts, gestresst und um viel, viel Geld ärmer. Außerdem mit zwei Erkenntnissen: Sven und Anna sind tolle Freunde, und : biete niemals betrunken bei eBay…

Borkum Borkum war für ein Jahr lang die Heimat von Almut und einer weiteren Julia, die mein Leben bereichert hat. Mich hat diese Insel zwei Wochen lang geherbergt, in denen ich viel über Almut erfahren habe, viel schöne Musik gehört habe (siehe 2004 – ein Jahr in 13 1/2 Alben) Shrek gesehen und mich dabei selber gekocht habe (in einer viel zu heißen Badewanne) und allgemein Urlaub von der Welt, wie ich sie kannte, genommen habe. Eine gute Erinnerung, wenn auch nicht ausschließlich schön

Bramstedt Mama hat mal beim Autohändler in Bramstedt gearbeitet.
Ansonsten Wegpunkt nach Köhlen, Beverstedt, Appeln oder Stubben. Mit Glück und den richtigen Beziehungen bekommt man hier richtig guten Espresso oder Cappuchino.

Braunschweig Was war es für eine heile Welt: ich gerade so sieben, acht, meine Schwester dementsprechend ein Jahr jünger. Mamas Cousine wohnte hier, und die haben wir besucht. Mama und Papa hatten eine richtig gute Zeit, in der sie beziehungstechnisch einen schönen Sommer erlebten, ich hatte Spaß bei allen möglichen Aktionen wie Tretbootfahren oder Sommerrodeln.

Bremen Bremen, Bremen, Bremen. Klein, arm, grau, verbaut, schön, exzentrisch, nordisch, herb, erlebnisreich, bunt, ein fester Teil meiner selbst.
Vielleicht so wichtig wie Beverstedt, nur größer.

Bremerhaven Bremens kleine Schwester, und doch ganz anders. Die interessantesten Filme meines Lebens habe ich im KoKi gesehen, die ersten Kneipengänger in der Bürger mitgemacht, die Sail besucht und mein „Scrooge“ T-Shirt gekauft. Der Laden ist mittlerweile pleite, so wie halb Bremerhaven.

C

Cambridge Nein, leider ist mit Cambridge nicht die Unistadt in England gemeint, sondern ein kleiner Ort in Neuseeland, in seiner Größe etwa mit Osterholz vergleichbar.
Hier habe ich das erste halbe Jahr in Neuseeland zugebracht und durchaus positive, als auch negative Erinnerungen.
Aber sagen wir so: sollte ich wieder nach NZ fahren, will ich Cambridge und die Familie Parson unbedingt mal besuchen.

Celle und Clausthal-Zellerfeld Wohin fährt man auf Klassenfahrt in Niedersachsen? Richtig, in den Harz. Einmal in der Fünften, einmal in der Siebten. Skifahren macht Spaß, und die Orte sind für Flachlandbewohner viel zu hügelig.

Christchurch liegt auf der Südinsel Neuseelands, am Rande touristisch und zivilisatorisch erschlossenen Gebietes. Ein kleines, nettes Städtchen.

D

Dorum Dorum. Wer um alles in der Welt hat sich diesen Ort ausgedacht?!? Hier gibt es nix ausser nem Museum (ich glaube, über Watt oder so’n Kram), das wir uns in der Vierten angeschaut haben.

Dortmund Anna wohnt hier und war unglücklich. Jetzt wohnt sie noch immer da und ist glücklich. Ich war nur müde und habe deswegen nicht viel von Dortmund gesehen.

G

Görlitz – habe ich sozusagen „auf Durchreise“ gesehen, während wir zum houseofsummer-elektro-festival unterwegs waren. Eine schöne Stadt, bisschen weit ab vom Schuss und teilweise sehr spärlich nur bewohnt…

Göttingen – hier wollte ich mal studieren; an sich ist Göttingen eine schöne Stadt. Als ich aber später viel Zeit wegen und mit meiner damaligen Freundin verbracht habe, schlug die Begeisterung in Abneigung um, denn ich habe es nie erlebt, dass sich in Göttingen die Luft auch nur ansatzweise bewegt hätte. Bin aber vonner Küste und brauch manchmal ein bisschen Wind um die Nase, um mich wohlzufühlen.

H

Haast Haast ist die letzte Bastion der Menschheit, bevor die Wildnis beginnt. Wunderschön gelegen an der Westküste der Südinsel Neuseelands, habe ich eine drei Tage andauernde Reise quer durch Berge, am Meer vorbei, durch einen der schönsten und landschaftlich umwerfensten Teile der Welt gemacht, bevor ich in Haast angekommen bin. Hier gibt es die letzte Tageszeitung, die letzte frische Milch, bevor es dann richtig in die Wildnis geht.

Hambergen Ein kleines Dorf neben Osterholz-Scharmbeck. Es war sozusagen mein „Blind Date“, weil ich vorher in Stubben gewohnt hatte und dann in Neuseeland war: keine Ahnung, wie die Wohnung aussieht, wie mein Zimmer aussieht, wer Mamas Freund ist. Tolle Partys hier gefeiert.

Hamburg Nach Berlin meine zweite Wunschstadt. Ich mochte es, seit ich es kenne. Großartig, über die Autobahn durch den Hafen in die Stadt zu fahren. Das Label Grand Hotel Van Cleef wohnt hier irgendwo. Nur den Fußballverein, den mag ich nicht.

Hamilton Hamilton ist die zweit-oder drittgrößte Stadt in Neuseeland, mit irgendwas zwischen 10 000 und 500 000 Einwohnern, so genau weiß ich das nicht.
In Hamilton bin ich zur Schule gegangen, habe ich ein halbes Jahr gelebt und gewohnt, habe ich Amy und Veronica und all die Anderen kennengelernt…
Ich würde es gerne mal wieder sehen.

Hannover habe ich nie wirklich auf dem Plan gehabt, bis ich hier eingezogen bin. Und als ich es dann endlich auf dem Plan hatte (und andere auch), bin ich hier wieder ausgezogen.

Heine Heine. Böse Menschen verspotten es als „Ghetto“ eines weiteren kleinen Dorfes ganz in der Nähe. Da diese Menschen pinke Mobiltelefone für die größte Errungenschaft des Postkulturellen Zeitalters halten, wollen wir beides einmal unkommentiert lassen.
Heine. Ich bin dort aufgewachsen, habe gelebt, war Kind, habe mit LEGO gespielt, Milch getrunken, auf dem Bauernhof mitgeholfen und wirklich eine tolle Zeit gehabt.
Aber klein ist es, da gibts keinen Zweifel…

J

Jackson Bay Zur Verdeutlichung, wie vereinsamt die Jackson Bay eigentlich liegt, ein paar Zahlen: die gesamte Westküste der Südinsel Neuseelands ist etwa so groß wie Niedersachsen.

Während sich in Niedersachsen allerdings etwa 8 Millionen Menschen tummeln, sind es in der Westküste nur 10000, also fast einhundertmal weniger. Oder auch die Bevölkerung eines Ortes wie Beverstedt.

Weiter gehts. Es gibt in Jackson Bay ungefähr 100 Einwohner. Diese teilen sich eine Telefonleitung, welche eine Kapazität von 16 Teilnehmern hat. Wenn gleichzeitig 17 Leitungen belegt sind, gibts ein Besetztzeichen.
Die Post trägt die Briefe nur ins 40 Kilometer entfernte Haast. Macht nichts, die Straße ist hier ohnehin zu Ende.
Hinter Jackson Bay kommt der Südpol. Aber vorher noch einige Kilometer Gestrüpp, Bäume, Wildnis und Fjorde. Wunderschön, ich habe nie eine tollere Gegend gesehen.

Schauts euch an:
43°59’48.11“ S,
168°42’14.32“ O

Ich habe es da geliebt. Wenn ich mal nicht gefunden werden will, dann bin ich da.

K

Köhlen Ganz in der Nähe von Appeln. SEHR bedeutsamer Ort für mein Leben. Einerseits, weil Werder hier einmal im Jahr ein Spiel hat. Andererseits, weil dies der Ort ist, mit dem Nadine sehr viel zu tun hat.

Köln Stell‘ dir vor, du schläfst in Frankfurt im Bus ein und wachst vor einem verdammt großen Gebäude auf, das nicht nur aussieht wie der Kölner Dom, sondern tatsächlich der Dom IST.
Dabei willst du doch eigentlich nach Hause…
Was den Busfahrer dazu bewogen hat, mitten durch die Kölner Innenstadt zu fahren, weiß vermutlich nur er selber…

Königs Wusterhausen – Berliner (also die, die wirklich schon immer hier gelebt haben und hier aufgewachsen sind) spötteln gerne über KW, wie es von allen genannt wird.
Es liegt im allersüdlichsten Zipfel von Berlin ist mitnichten ein Teil von Berlin sondern eigenständige Enklave in Brandenburg, und als ich hier mal von einer Mitfahrgelegenheit aufgesammelt wurde, hatte ich Gelegenheit, mir eine wunderbare Freakshow anzusehen.

KW ist eigentlich recht hübsch. Es ist die Art von „hübsch“, die Jugendliche dazu bringt, sehr schnell den Führerschein zu machen, um die Schönheit bei einem Bier in einer Kneipe weit, weit weg zu genießen. Also vielleicht das OHZ Berlins.

L

Lehnstedt Meine Sandkastenliebe kommt aus Lehnstedt. Ebenso mein bester Kindergarten-und Grundschulfreund. Nun wohnt meine Tante dort.

Lübeck – Besuche ich in schöner Regelmäßigkeit einmal im Jahr, weil wir aus Offendorf einen Ausflug machen.
Mal abgesehen davon, dass die Stadt wirklich sehr hübsch (weil alt und so gelassen) ist, nicht weiter spektakulär. Es gab hier mal nen richtig guten Plattenladen namens „woAnders“ – den gibts auch jetzt noch – aber die Qualität des Programms hat leider nachgelassen.

O

Offendorf …eine Welt zwei Wochen lang!
Ich kann diesen Ort in seiner vollen Bedeutung nicht auf zwei, drei Zeilen beschreiben.
Mein Text ist da ein recht guter Versuch, kommt aber noch nicht ganz an das ran, was ich ausdrücken will.
Hinfahren, erleben!

Osterholz (allgemein) Was habe ich über diese Stadt gejammert, gemeckert, mich aufgeregt und sie verflucht.
Tatsache ist: Osterholz hat alles, was eine coole Stadt bräuchte – viele nette Menschen, eine nette Lage, nicht allzuschlimme Architektur und gute Anbindung an die nächstgrößere Stadt.
Tatsache ist auch: sie wird von Idioten regiert, die niemals auch nur ansatzweise verstanden haben, was eine Stadt lebenswert macht.
Trotzdem: ich bin hier geboren, ich habe hier gelebt und auch gewohnt, meine ersten WG-Erfahrungen gesammelt, das beste Gymnasium der Welt besucht (hüstel…) und bin froh, nie wieder in Osterholz- Scharmbeck wohnen zu müssen.

Osterholz (speziell) ist der Stadtteil, in dem ich gewohnt habe. Ausserdem befindet sich die Kirchengemeinde, in der ich meinen Zivi ausgeübt habe, dort. Osterholz ist schön, insbesondere, weil sich hier viele alte Gebäude befinden.
Cathrin wohnt hier, und die Tankstelle ist auch in diesem Stadtteil.

P

Paris Paris ist eine wunderbare Stadt. Sie ist schön, groß, verrückt, übertrieben, wahnsinnig, künstlerisch, verspielt und vermutlich noch alles andere auf der Welt.
Ich bin sehr froh, Paris gesehen zu haben (noch dazu mit Jessi zusammen!) und werde an irgendeinem Punkt in meinem Leben dort wohnen, arbeiten und ja, hoffentlich auch leben.

R

Ritterhude wäre ein öder, leerer Fleck in der Landschaft, der sich nur dadurch auszeichnet, dass die Züge sehr schräg stehen, wenn man dort am Bahnhof steht.
Wären da nicht Sven, Almut oder Maike Jansen. Die drei sind einfach toll.

S

Seelow – Fährt man von Berlin aus schnurstracks nach Russland (also wirklich auf einer geraden Linie), dann hat man gute Chancen, an Seelow vorbeizukommen. Mein Ausbilder ist dort aufgewachsen; und auch deswegen haben wir dort ein Wochenende mit der Firma verbracht, um mal an uns und unserem Team zu arbeiten – und jede Menge Spaß abseits der Arbeit zu haben.

W

Waldesbutli – fand 1072 zum ersten Mal urkundliche Erwähnung und wurde vom Autoren dieses kleinen Pamphlets bisher beharrlich ignoriert, was mit Ghettoisierungserfahrungen zu tun hat. Politische Verwicklungen sorgten zum Wunsch, ich solle doch ein paar Worte über dieses beschauliche Dorf inmitten der Achse Bremen-Bremerhaven verlieren. Was hiermit geschehen ist…

Y

Ypsilon Es gibt keinen Ort in Deutschland, der mit Y beginnt. Deswegen ist es das KFZ-Zeichen der Bundeswehr.
Mit der ich nix zu tun haben will, ich bin vaterlandsverräterischer Zivi gewesen, nun also potentielles Kanonenfutter.

3 Antworten zu orte und geschichten

  1. Pingback: 2010 in review « milchmithonig.de

  2. Christel aus Berlin schreibt:

    Als waschechte Berlinerin muss ich zu KW eine kleine Korrektur anbringen: Es ist mitnichten der südlichste Zipfel von Berlin sondern gehört schon zu Brandenburg.
    Die Idee, über sämtliche Orte, Städte und Gegenden in denen du dich bisher aufgehalten hast, etwas zu schreiben, finde ich toll und wunderbar umgesetzt. Macht viel Spaß, das zu lesen.

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    • sushey schreibt:

      Das muss ich dann natürlich umgehend ändern, und sorry für die Unwissenheit.
      Vielen herzlichen Dank für das Lob! Ich freue mich immer sehr, wenn meine Texte gut ankommen, das motiviert auch ungemein für die nächsten Texte🙂

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