Sünndagsschnack (29)

Moin moin,

Die Ladenzeile vor meinem Haus
Mein Haus liegt ein bisschen zurückgesetzt von der Straße. Direkt an der Straße gibt es ein Haus mit einer Ladenzeile, an der ich jeden Tag mindestens zwei Mal vorbeikomme. Bislang befanden sich darin ein allgemeines Coaching-Studio (was/wen auch immer sie worin auch immer coachen), ein Nagelstudio und das Büro eines CDU-Politikers. Ganz allgemein ist diese Ladenzeile also für mich persönlich nur minimal weniger interessant als eine mit, sagen wir, einem Späti, einer gemütlichen Kneipe und einem Buchladen.
Um so spannender wurde es, als der Politiker auszog. Ich meine, come on, es wird wohl nicht schwer sein, etwas zu finden, das positiver, lebensbejahender und fröhlicher ist, als ein CDU-Politiker. Muss ja nicht gleich ein Späti sein.
Konrad Adenauer wurde also abgenommen und es gab zunächst weiße, nackte Wände. Das Mobiliar wurde ausgetauscht durch ein weißes Kallax und ein paar nichtssagende Stühle an einem nichtssagenden Tisch. Es stehen nun mehrere leere Glas-Blumenvasen auf den Fensterbänken.

Dann kamen die Lamellenvorhänge.

Das sind diese Lamellenvorhänge, wie sie nur zwei Berufsgruppen auf dieser Welt benutzen: Zahnärzte – und: Bestatter.

Es kam schlimmer: Das Schaufenster bewirbt nun Paar- und Familientherapien in drei A2-Postern, die nur aus Text bestehen, scheinbar direkt in den Neunzigern designt wurden und in etwa so fröhlich sind wie eine Darmspiegelung an einem verregneten Novembertag. Diese Poster hängen direkt über den leeren Blumenvasen, und direkt dahinter verbergen die Lamellen jeden weiteren Blick in das mit Sicherheit positiv, bunt und hoffnungsfroh gestaltete Studio.

Dann doch lieber wieder Konrad Adenauer.

* * *

Jümmer schön suutje blieven.

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Sünndagsschnack (28)

Moin moin,

Herbsturlaub in Dänemark
Ich war ja noch mal für eine Woche in Dänemark, genauer in Henne Strand und hatte dort einen wunderbaren, erholsamen, sehr schönen Urlaub. Einige der Bilder, die ich dort gemacht habe, kann man sich anschauen, wenn man mag: flickr.
Einen Blogeintrag dazu möchte ich an sich auch noch machen, komme aber gerade nicht richtig dazu…

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Unter dem Sand
Man sieht es auf den Fotos schon ganz gut: es gibt einige unschöne Hinterlassenschaften aus der Geschichte, die ihre deutlichen Spuren in Dänemark hinterlassen haben und noch hinterlassen. Die zahlreichen Bunker in den Dünen sind sehr sichtbar; jahrzehntelang lauerte in Dänemark eine unsichtbare tödliche Gefahr: im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurden an der Westküste als Teil des sogenannten „Atlantikwalls“ 2,2 Millionen Minen gelegt. Diese Minen mussten alle geräumt werden, unmittelbar nach dem Krieg von deutschen Kriegsgefangenen.
Diese Geschichte wird sehr eindringlich in einem dänischen Film erzählt: Unter dem Sand. Dieser Film wurde genau an dem Strand gedreht, an dem ich im Urlaub war.

In der Zeit gibt es dazu eine hervorragende Rezension.

2012 wurde Dänemark offiziell als minenfrei erklärt.

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Altes Land
Man kann im Urlaub ja nicht nur Bunker gucken, da wird man ja rammdösig. Ich habe mir das Buch „Altes Land“ von Dörte Hansen mitgenommen, das vermutlich viele LeserInnen schon längst kennen. Wer es noch nicht kennt: unbedingt lesen! Dörte Hansig erzählt die berührende Geschichte über Heimat und Einsamkeit, über (Aus)Flüchte und übers Ankommen, über starke und schrullige Charaktere, über Wärme und Kälte. Allein sprachlich fand ich das Buch toll; das Schicksal der einzelnen Charaktere berührt – auch wenn viele Erzählstränge nur angedeutet bleiben; der gescheiterte Journalist zum Beispiel kommt mir zu schnell und zu gut davon.

Gespräch über das Buch im Spiegel.

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Jümmer schön suutje blieven.

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Sünndagsschnack (27)

Hej hej,

Kiwanuka
Ich hatte ja unlängst über Michael Kiwanukas tolles Album „Love and Hate“ geschrieben – und mir gerade sein brandneues selbstbetiteltes Werk angehört. Tolle Musik! Nicht ganz so melodramatisch wie der Vorgänger, aber nichtsdestotrotz genau das Richtige für nen entspannten Sonntagabend.

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Strandspaziergang
Und warum ist der Abend so entspannt? Weil ich seit gestern in Henne Strand bin und hier ein fantastisches Häuschen bewohne und den ganzen Tag über so wichtige Dinge vorhabe, wie Essen (sehr wichtig!), am Strand spazieren gehen und Fotos machen. Dazu Wein trinken und über das Leben und dessen zahlreiche Begleiterscheinungen philosophieren. Sehr empfehlenswert!

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Jümmer schön suutje blieven.

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