Lieblingstweets im April

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Sünndagsschnack (13)

Moin moin,

Welcher kreative Typ bist du?
Ein bekannter Hersteller für Foto-bearbeitungs-Software hat ein Psychoquiz programmiert, das die Frage beantworten soll, welcher kreative Typ man denn sei. Persönlich halte ich von solchen Quizzes nicht besonders viel – ich verorte die Aussagekraft irgendwo zwischen Glückskeks und Kalenderspruch – aber es macht mir viel Spaß, die Fragen zu beantworten und währenddessen zu reflektieren, ob ich eher meine Kreativität oder eher meine Durchhaltefähigkeit als „Secret Weapon“ betrachte.
Noch dazu ist das Quiz visuell ansprechend gestaltet, hat ein klares Konzept und Struktur – und das wiederum entspricht meinem kreativen Typ.
Vermutlich ist das Quiz Teil einer Werbekampagne, aber man kann es machen, ohne persönliche Daten eingeben zu müssen (und damit ist es eher ein unpersönliches persönliches Quiz, aber das nur am Rande) und die Animationen können einen verregneten Sonntag aufhübschen.

mycreativetype.com

* * *

Vom Lieben und Benutzen
Wo wir gerade schon am Reflektieren sind. Darüber kann man mal nachdenken:

„Menschen wurden erschaffen um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen um benutzt zu werden.
Der Grund warum sich die Welt im Chaos befindet, ist weil Dinge geliebt werden und Menschen benutzt.“

Dalai Lama

* * *

Vom Haben und Brauchen
Eigentlich mag ich den Spruch „Haben ist besser als brauchen.“ ganz gerne. Er hat so etwas von leicht großspurigem Ausgerüstetsein nach dem Motto „Ich kaufe schon mal den 5000-PS-Rasenmähertrecker, falls das mit den Blumenkästen auf dem Balkon was wird und wer weiß wie schnell man an einem verregneten Sonntag dasitzt und sich denkt: „Hätte ich jetzt mal den 5000-PS-Rasenmähertrecker.““ – wenn man den Spruch positiv sehen will, hat er was von „Vorbeugen ist besser als heilen“, und im schlimmsten Fall endet er damit, dass man an eben einem solchen Sonntag mit einer Dreilagenfünfundzwanzigwetterzoneneverestfunktionsjacke für schlanke 499€ vorm Bäcker steht und die billigsten Schrippen kauft, weil die ganze Kohle schon für Rasenmähertrecker und Jacke draufgegangen ist.

Ich würde vermutlich daneben stehen und ein schönes Franzbrötchen kaufen, gekleidet in meiner Fahrradjacke, die ich seit etwa 10 Jahren besitze, fast täglich trage, viel erlebt habe und die mittlerweile buchstäblich auseinanderfällt. Ich brauche tatsächlich eine neue Jacke, aber ich will keine neue Jacke haben, denn die alte ist doch super, ich liebe sie (sorry, Dalai Lama), und genau dieses schöne, einfache, haltbare Modell kann man in der Form gar nicht mehr bekommen, und das lässt mich etwas ratlos zurück.

Ist es so, dass wir brauchen, was wir haben, oder doch eher, dass wir es brauchen, was zu haben?

Jümmer schön suutje blieven.

festgemacht

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Sünndagsschnack (12)*

Moin moin,

*eigentlich ja Mondagsschnack, aber da der Montag ja noch zu Ostern gehört und quasi ein Sonntag ist, UND es heute sogar einen Tatort gab, finde ich, kann es trotzdem Sünndagsschnack heißen.

Life in plastic, it’s fantastic!
In den letzten Jahren ist mir aufgefallen, dass immer mehr Reisende ihre Koffer in meterweise Frischhaltefolie einpacken; der Einwickelservice wird ja auch in immer mehr Flughäfen angeboten. Ich finde das etwas befremdlich (und Umweltverschmutzung/Rohstoffverschwendung, aber ich will da jetzt kein (Plastik)fass aufmachen), der Koffer ist doch schon die perfekte Schale für die Klamotten. Aber ich vermute, weil das gute Stück teuer war und schick aussehen soll, muss es dann vor Transportspuren geschützt werden. Dazu wickelt man es in die Frischhaltefolie, so weit, so logisch. Was macht man aber, um die Frischhaltefolie vor Kratzern zu schützen? Die ist ja schon auch empfindlich… Eigentlich wäre es doch cool, wenn man eine harte Schale dafür hätte, vielleicht so etwas wie – einen größeren Koffer..? Das erinnert mich irgendwie daran… Was mich allerdings wirklich erstaunt – Tchibo ist noch nicht draufgekommen, eine Silikon-Kofferhülle zu produzieren, normalerweise sind sie doch unschlagbar in solchen Dingen.

* * *

Das Leben als Textadventure
Ich habe als Kind und Jugendlicher sehr gerne diese Bücher gelesen, bei denen man regelmäßig selber entscheiden durfte/musste, wie es weiter geht. Es gibt ja auch ein ganzes Computerspielgenre – sogenannte Textadventures – die oft beginnen mit Du erwachst in einem dunklen Raum…
Im Unterschied zu einem Textadventure bin ich aber selten in einem Kerker/einer Höhle/einem anderen gruseligen Ort, wenn ich in dunklen Räumen erwache, sondern meistens in meinem Schlafzimmer, und die Blase drückt. Was aber häufiger passiert, insbesondere bei Auto-/Radfahrten durch die Heimat – ist, dass ich auf Orte treffe, an denen ich mich entscheiden musste, und damit dann mein Leben zu dem gemacht habe, dass es ist. Hier ist das Haus des Architekten, bei dem du mal Praktikum machen wolltest, zum Beispiel, oder auch Hier ist die andereSchule, auf die du hättest gehen können, usw. – und das finde ich spannend. Es ist weniger so, dass ich mit Entscheidungen hadere – das tue ich sehr, sehr selten – aber eher die Möglichkeit erforsche, die hätte sein können. Das macht mitunter viel Spaß und spannender Nebeneffekt: quasi nebenbei wandert man an den entscheidenden Stellen des eigenen (echten) Lebens entlang und sieht so, welchen Weg man gekommen ist.

* * *

Kurt
„Ich bin mit zwei Kurts zusammengezogen. Einem ganzen Kurt und einem Halbtagskurt. Jana und Kurt haben sich entschieden, dass sie ihr Sorgerecht teilen, vor allem wenn Kurt schon extra aufs Land zieht. Und so pendelt das Kind nun wochenweise zwischen seinen beiden Oranienburger Zuhauses hin und her: zwei Häuser, zwei Kinderzimmer, unterschiedliche Regeln und alle Menschen, die er liebt.
Und dann bin da noch ich.“

Lena ist die Protagonistin im neuesten Buch von Sarah Kuttner, und sie ist mit anderthalb Kurts zusammen. Und der Absatz oben fasst die Geschichte sehr gut zusammen: Lena versucht, ihren Ort in diesem Beziehungsgeflecht zu finden, liebt ihren Freund sehr, weiß aber zum Beispiel nicht, ob sie den kleinen Kurt lieben darf und ob sie das überhaupt will (dass sie es tut, wird schnell klar) – und dann passiert die Katastrophe: der kleine Kurt stirbt durch einen Unfall. Lena ist nun erst Recht verunsichert, weiß nicht, ob sie trauern darf und weiß nicht, ob und wie sie Kurt in dessen Trauer helfen kann. Und wie die Beziehung überhaupt weitergehen kann.

Dieses Thema ist unwahrscheinlich schwer und bedrückend, doch Sarah Kuttner schafft es, einen ernsten, leichten Ton zu finden, der sehr authentisch und berührend ist – all das hängt auch damit zusammen, dass Lena ein unglaublich sympathischer Charakter ist – wie beide Kurts auch. Und so ist das Buch kein Psychodrama. Es ist aber auch keine leichtfüßige Coming-Of-Age-Story. Es ist eine Erzählung über Trauer. Wie man damit umgehen kann. Über die Kraft der Liebe. Darüber, seinen Ort in dieser Konstellation zu finden. Und warum ein Viereck-Rasensprenger besser ist, als ein Bogenrasensprenger. Auf Kuttnersche Art ernst, leichtgewichtig und sehr nah. Ein tolles Buch.

Jümmer schön suutje blieven.

frühling

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