Sünndagsschnack (2)

Moin moin,

Un-Umarmung
Eine Szene, die ich schon vor anderthalb Wochen beobachtet habe, die mich aber trotzdem weiterhin berührt: Eine Familie im Restaurant. Mutter, Vater, Sohn (etwa 8 Jahre), Tochter (ca. 4). Der Sohn geht auf Toilette, und als er wiederkommt, freut seine Schwester sich und breitet die Arme für eine Umarmung aus – doch er ignoriert sie und setzt sich direkt an den Tisch. Man spürt förmlich, wie die Kleine mit dieser Zurücksetzung zu kämpfen hat; für einen Moment weiß sie nicht, was sie damit anfangen soll. Dann schüttelt sie sich – körperlich wie emotional, vermute ich – und erzählt ihrer Mutter scheinbar unbekümmert eine Geschichte.
Mich hat das sehr berührt. Der Junge wird mit sich selbst beschäftigt gewesen sein – oder er hatte wirklich keine Lust auf eine Umarmung – und vielleicht bin ich übermäßig sentimental, aber ich dachte: „Vielleicht sind dies genau die kleinen Verletzungen und Enttäuschungen, die sich über die Jahre ansammeln und es einem später schwer machen, warm, offenherzig und vertrauensselig zu sein.“
Vielleicht hätte ich mich in dem Augenblick auch einfach nur selber über eine Umarmung gefreut.

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Hobenköök
Wir bleiben im Restaurant, wechseln aber die Location: Ich war in der Hobenköök essen, und es war wirklich gut. Ein bisschen hip, ein bisschen teuer, ein bisschen sehr gut. In der Karte steht zu jedem Essen, von welchem Produzenten die Zutaten kommen – alle regional, alles saisonal – und das Essen ist sehr norddeutsch. Was ich vor allem gut fand: man kann mit diesen Vorgaben auch interessantes vegetarisches Essen machen – Kohlrabi mit Johannisbeersoße ist wirklich lecker, ebenso wie gebratene Petersiliewurzel oder frittierter Wirsing. Mir gefällt die Markthallenatmosphäre, und beim Weg von der Toilette zurück habe ich einen Schlenker durch das Gin- und Rumregal gemacht.
Also: Essen super, Atmosphäre noch auf der gemütlichen Seite von hip, Preise gehoben. Nichts für die tägliche Mittagspause, aber durchaus einen Besuch wert.

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Container muss man blanchieren
Ich habe vor etwa zwei Wochen in Blankenese im Ponton Up’n Bulln einen tollen Grünkohl gegessen – übrigens mit demselben Kollegen, der mir die Hobenköök gezeigt hat, er ist gebürtiger Hamburger und zeigt mir nun seine Lieblingsorte – und vorgestern war der dann mit seiner Abteilung dort. Der Ort ist großartig; man sitzt quasi auf der Elbe und kann den Schiffsverkehr hautnah beobachten. Es ist schon sehr beeindruckend, wenn die großen und kleinen Schiffe dort vorbeikommen – insbesondere wenn eins die Kurve nicht kriegt. Das war am Tag nach dem Abteilungsessen. Zum Glück ist niemandem etwas passiert, und so drehte sich das Gespräch schnell darum, ob man Container, die auf den Teller fallen, eher frittiert oder blanchiert. Ist ja ganz klar, die sind schon hart genug, die müssen blanchiert werden.

Ob blanchiert oder frittiert: guten Start in die Woche!

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Jümmer schön suutje blieven.

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Sünndagsschnack

Moin moin,

Spaß mit der Bahn I
über die Bahn zu meckern ist ja inzwischen Volkssport und in etwa so spannend, wie eingeschlafene Füße. Deswegen muss ich hier mal eine Schranke, äh Lanze brechen: ich bin vergangene Woche nach Bad Kissingen und Retour gefahren, musste insgesamt jeweils drei Mal den Zug wechseln, und alle beteiligten Zugbegleitenden waren überaus freundlich und humorvoll. Und trotz Humors sind wir sogar pünktlich angekommen.

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Kurorte
Überhaupt Bad Kissingen. Ein befremdliches Erlebnis. Der Ort ist nicht nur gefährlich weit im Süden (Here be dragons Seehofers!) und die Leute sprechen komisch und haben sonderbare Rituale – das Konzept „Kurort“ als solches ist außerordentlich kurios: Der Ort ist gepflastert mit Hotels, (Reha)kliniken und Alteleuteangeboten (Stützstrümpfe! Blutdruckmessgeräte!), und man muss eine tägliche Imortseinsgebühr zahlen, die sich „Kurtaxe“ nennt. Dafür hat man die einmalige Gelegenheit, völlig überteuertes und stark eisenhaltiges Leitungswasser zu kaufen (nennt sich „Heilwasser“), was ja, wenn man genau drüber nachdenkt, wenn es wirklich wirken würde, dem Rehaklinikgeschäft das, nunja, Wasser abgraben würe.

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Spaß mit der Bahn II
Man sollte denken, eine einfache Fahrt Hamburg – Bremen sollte die Bahn nicht überfordern. Doch dann: „Ersatzzug ohne Platzreservierungen“ – naja egal. Platzreservierungen mache ich eh nicht – „Kommt 10 Minuten später“ – wird knapp mit dem Umsteigen in Bremen – „Heute auf nem anderen Gleis“ – nun fange ich doch an, mir Gedanken zu machen – kommt als nächstes die Ansage: „Nach Bremen fährt er auch nicht mehr.“? Fuhr er aber doch. Und selbst das Umsteigen hat noch geklappt. Aufgeregt habe ich mich nicht. Eingeschlafene Füße sind ja auch nur das Resultat einer falschen Körperhaltung vorher.

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Das Fortnite-Ministerium
Der hoch geschätzte Johnny Häusler ist für Wahlrecht ab 12:

  • und während ich darüber nachdenke, dass ich eigentlich dafür bin, junge Leute früher in politische Entscheidungen einzubeziehen und ihnen Verantwortung zu geben, kommt aus des Neffen Zimmer ein lautes Poltern, Geschrei und allerlei anderer Lärm, und während ich denke: „Prügelei mit Einbrecher?“, „Entführungsversuch durch Außerirdische?“ oder dergleichen, kommt die Antwort: „Livekonzert bei Fortnite. Ich hab mit Tomaten geworfen, fands aber eigentlich gut.“. Über die Schönheit dieser Antwort muss ich noch sinnieren, aber eins ist klar: wenn Kinder und Jugendliche entscheiden dürfen, haben wir innerhalb von Sekunden ein Fortnite-Ministerium. Aber so lange ich virtuelle Tomaten werfen kann, kann es ja auch ganz unterhaltsam sein.

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Jümmer schön suutje blieven.

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Lieblingstweets im Januar

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