Die Fähre wartet schon

Es ist soweit. Vier Wochen Island (plus zwei Wochen Freunde/Familie und eine Woche Dänemark) nehmen ihr unweigerliches Ende.
Ich hatte es ja schon geschrieben: einerseits ist es schön, in den unkomplizierten Luxus zurückzukommen, andererseits hat das Radfahren in den letzten Wochen so viel Raum eingenommen, dass ich gefühlt nach den 26 Kilometern gestern erst aufgewärmt war.
Dabei hatte es die Strecke trotz ihrer Kürze in sich: erstens ging es über 600 Meter hoch; andererseits hatte ein Schneesturm Island in den letzten Tagen fest im Griff, sodass wir einerseits viel Wind, andererseits auch ein bisschen Schnee hatten:

Doch noch Schnee
Doch noch Schnee

Aber letzten Endes sind wir gut herüber gekommen und hatten eigentlich auch ne Menge Spaß – und haben auf dem Zeltplatz aus Mitleid ein Spiegelei bekommen 🙂

Heute ist das Wetter super, die Berge hier im Fjord haben alle einen Puderzuckerüberzug, und Seydisfjördur ist echt ein hübsches kleines (Künstler)örtchen.

Zelten in Island
Zelten in Island

Mir fehlt gerade die innerliche Ruhe (und der Laptop hier ist nur geliehen), um einen guten Text zu schreiben. Das wird in den nächsten Wochen kommen, schön thematisch geordnet. Soviel sei gesagt: wir hatten gestern einen sehr schönen Abend mit den anderen Reisenden, die auf die Fähre warten, der Urlaub an sich war annähernd perfekt, wir hatten für isländische Verhältnisse extrem gutes Wetter, dem Fahrrad geht es gut, Philipp und mir auch.

Es wird auch noch viel, viel mehr Fotos geben, kann aber etwas dauern. Wir lesen uns!

Boot
Boot

Prolog

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Es ist ein merkwürdiges Gefühl, das mich gerade schlaflos sein lässt. Das große Abenteuer steht unmittelbar bevor, doch gerade fühlt es sich noch unendlich weit weg an – und ein anderer Urlaub, eine andere Welt, neigt sich dem Ende zu.

Die vergangenen zwei Wochen waren sehr besonders, und sie als „Zwischenetappe“ auf dem Weg nach Island zu betrachten, wird den Erlebnissen der vergangenen Tage nicht ansatzweise gerecht. Sie waren so dicht gepackt mit Gesprächen, Treffen, Grillen, Orten, Vergangenheit, Grillen, Vorbereitungen, Gegenwart, Grillen und Zukunft, dass auch schon das Eiswettessen meiner Tante und meiner Mutter scheinbar unendlich weit zurück liegt, weil in den zwölf Stunden seitdem ein weiteres Grillen bei Freunden, zwei, drei Details fürs Gepäck und ein Besuch des Weserstrandes in Rechtenfleth – wo ich vor etwa 15 Jahren zuletzt war – liegen.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich zwei Wochen am Stück in der alten Heimat war, seit ich von hier weggegangen bin, und jetzt geht es erst richtig los – Samstag ist die Einschulung meines kleinen Neffen, und Sonntag Abend werde ich in Elmshorn sitzen, mal wieder grillen, und die letzten Details mit Philipp planen und packen, um dann am Montag früh endgültig aufzubrechen.

Wir werden uns in Dänemark mit den dort campierenden Tante und Onkel treffen, worauf ich mich sehr freue – und uns Schritt für Schritt bzw. Kurbelumdrehung um Kurbelumdrehung Island nähern.

Das Gepäck, welches ich physisch bewegen kann – und muss – ist größtenteils gepackt; der Schlafsack darf noch etwas atmen, bevor ich ihn in die Tasche stopfe.

Im Kopf muss ich allerdings erst einmal ein bisschen Platz schaffen, was vermutlich ein paar Kilometer in Anspruch nimmt (der erste Schritt ist dieser Blogpost) – zu eindrücklich und letzten Endes auch voll waren die vergangenen Tage.

Die eine Schwester, die sich im Seilgarten eine Etage höher getraut hat als noch im vergangenen Jahr, die andere, die sehr gastfreundlich und über alle Maße großzügig war. Die vielen tollen Begegnungen mit Freunden und Familie und auch dem ein oder anderen Bekannten, was beide Parteien gleichermaßen überrascht hat. Haake Beck. Das Fußballtraining mit dem Neffen, der so stolz drauf ist, dasselbe Trikot wie Sebastian Mielitz zu tragen – er will Torwart werden…Die Tante, die ihr eigentlich gutes, aber kaum benutztes Fahrrad hervorkramt.
Viele, viele Kilometer mit dem Rad, teilweise bei großer Hitze, und an Orte, die ich lange nicht gesehen habe.

Und so wurde aus einer Zwischenetappe ein Prolog, ein Vorspann zu etwas anderem nicht minder Großem, aber völlig Verschiedenem. Was könnte hier besser passen, als der Titel des ersten Albums von Sigur Rós, das ich je gehört habe:

„Ágætis byrjun“

Ein guter Anfang.

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