Archive – With Us Until You’re Dead (2012)

„Das hast du schön ausgedrückt“, lobt mich der Plattenladenverkäufer, nachdem ich die Musik von Archive beschrieben habe als „deutlich erkennbarer Sound und eine Band, die sich immer wieder neu erfindet“.

Und so klingt auch das achte Studioalbum der wandelbaren Band aus London gleichzeitig bekannt und sehr eigen. Viele Soundschnipsel erklingen nach dem bewährten Muster, bei dem die Band teilweise stark verfremdete (elektronische) Klänge mit Analogem (Streicher, Stimme) vermischt, um so Dramatik zu erzeugen.

Dies geschieht auf „With Us Until You’re Dead“ zunächst durchaus etwas düsterer und bedrohlicher, als auf dem im Rückblick betrachteten eingängigeren „Controlling Crowds“ – man hat fast das Gefühl, die Band lotet weitere Abgründe aus. Weiterlesen „Archive – With Us Until You’re Dead (2012)“

friday’s frequencies

mono

photo von paul graham raven

oder: Ohrniversum, jetzt echt mal.

Twitter und Zoe Keating sei dank, dass die letzte Stunde sehr vergnüglich war, denn in ihrer Post befand sich das neue Album der japanischen Band mono, was sie als super befunden hat. Das wollte ich verifizieren:

Mono sprangen zur Jahrtausendwende auf den gerade losdampfenden Post-Rock-Zug auf und haben mit ihrem neuen Album „Hymn to the Immortal Wind“ ein wahres orchestrales Monster erschaffen. So majestätisch türmen sich die Melodien und Klänge auf, ebben wieder ab, nur um noch gewaltiger zurückzukehren, sodass der Titel des Albums angemessen erscheint. Wunderschön, ebenso wie das Artwork des Albums.

mono bei myspace
biographie bei laut.de

Wir kehren aus Japan zurück und reisen nach Irland, wo die Band God Is An Astronaut mit ihrem gleichnamigen Album musikalisch in eine ähnliche Kerbe schlagen – nur nicht ganz so orchestral-hymnisch, sondern deutlich rockiger und songorientierter. Dem Unterhaltungswert tut das nichts ab, und da sie am 03.September in Bremen sein werden, werde ich wohl mal dort auf ein Konzert gehen…

God Is An Astronaut bei myspace
biographie bei laut.de

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The Lost Weekend / The Devastations im Lido

Was macht man, wenn man voller Elan und gut gelaunt von der Arbeit kommt und noch etwas unternehmen möchte?

Richtig, man geht auf ein Konzert. Dummerweise ist es gestern melancholischer Pop geworden…

Vorm Hauptact tritt ein Support auf, das hat sich so eingebürgert mittlerweile und kommt ja auch allen zugute. Dem Support selber, weil er/sie auf einer gr0ßen Bühne spielen kann, dem Hauptact, weil das Publikum schon einmal aufgewärmt wird und dem Publikum auch, man bekommt ja mehr fürs Geld, vielleicht gar eine unbekannte Band, die man mag.

The Lost Weekend

Bestand – obwohl er beharrlich behauptete, eine gewisse Lisa würde sich schon irgendwann trauen und mit ihm singen, nur aus einem Singer/Songwriter, der Songs ebendiesen Genres feilbot, stilecht nur mit Gitarre bewaffnet. Zwischendurch auch mit additiver Mundharmonika, aber dazu später mehr.
Da saß er also ganz alleine auf der Bühne, dieser komische Kauz und musste etwa 20 musikwütige Menschen unterhalten.
Größtenteils gelang ihm das auch recht gut, wenn auch nicht immer ganz so freiwillig komisch, wie er vielleicht gerne wäre.
So hatte er mit seiner verstimmten Gitarre zu kämpfen, welche dadurch allerdings prächtig mit seinem angepisst-knarzigem Gesang harmonierte. Man darf mich hier nicht missverstehen, ich mochte die Stimme, irgendwo zwischen Eddie Vedder, dem jungen Bob Dylan und dem Ex-Frontmann von Ex-Creed.
Lisa war immer noch nicht aufgetaucht, und so erzählte The Lost Weekend zu seinen Songs, die Geschichten aus seinem Leben erzählen – Geschichten aus seinem Leben.
Das alles waren Dinge, die man so oder so ähnlich und in Variationen schon erlebt hat; einige Songs hatten sehr schöne Akkordfolgen, ebenso wie einige Textzeilen sehr super waren.
Erwähnte Mundharmonika kam zum Einsatz – warum sieht das eigentlich immer so bekloppt aus, wenn ein Gitarrist sich ne Mundharmonika um den Hals hängt? Vielleicht, weil dies absonderliche Gestell an ebensolche Zahnspangen erinnert?
Zweckdienlich wars auf jeden Fall, und um den Sänger und seine Musik zu verstehen, reicht es, zu wissen, dass er mit dem Satz: „Meine Mundharmonika ist kaputt. Ich werde trotzdem auf ihr spielen, damit ihr meine CDs kauft und ich eine neue kaufen kann…“ sogleich auch ein schiefes Lied anstimmte. Ich fands gut, hab mir also die CD nicht gekauft, muhahah!

In der Pause hat die DJende Person entweder musikalische Abgebrühtheit, jede Menge Humor oder ein gewisses Maß an Verrücktheit bewiesen, denn berieselt wurden wir von einer Ambient-Version dieses Megahits von The Darkness. Hört man auch nicht alle Tage.

The Devastations

Kommen aus Australien, da muss man als Neuseelanderfahrener vorsichtig sein… Sie haben dann auch gleich losgelegt und könnten in die Schublade „Nick Cave minus ein wenig von dessen Einmaligkeit“ gesteckt werden. Einige Sounds und Strukturen haben mich entfernt an Archive erinnert, ab und zu dachte ich kurz und unwillkürlich an Sophia.

Vielleicht lags an erwähntem Clash of feelings (Enthusiasmus vs. Melancholie), dass ich mich nicht wirklich auf die Band einlassen konnte. Sie waren gut, keine Frage – aber manchmal fehlte mir ein rockiger(er) Punch, der meiner Ansicht nach einigen Songs gut getan hätte. Ab und zu war mir insbesondere der Bassist zu geradlinig, da hätten es neben den Grundtönen auch gerne einige Fills sein dürfen.
Das Miteinander von (digitalen) Effekten und handgemachtem Pop war recht gefällig, auch wenn der Gitarrist mit einigen technischen Problemen zu kämpfen hatte. Insgesamt fand ich sie so okay, dass ich – hätte ich genug Geld dabei gehabt – mir ne Platte mitgenommen hätte, aber nicht so gut, um 16 Euro für den Abend zu bezahlen.

The Devastations

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