Neues aus Australien

Der Wald, aus 53 Metern Höhe
Der Wald, aus 53 Metern Höhe

Ich bin nun etwa einen Monat in Australien, sitze in einem Backpackers in Walpole und warte, dass das Wetter etwas besser wird. Der Besitzer hier meinte gestern lachend: „Wettermäßig kannst du hier alle vier Jahreszeiten innerhalb von Stunden haben.“ als ich ihn fragte, ob das Wetter wirklich so schlimm werden würde, wie der Wetterbericht meinte (90-95% Regenwahrscheinlichkeit, Sturm möglich). Und tatsächlich folgen Schauer auf Sonnenschein auf Schauer, mit etwas Wind dazwischen (gut, dass meine nächste Etappe teilweise durch den Wald und größtenteils über ungeschütztes Terrain geht…).

Ich bin aber auch etwas müde – und das nicht nur körperlich – und so kommt mir die Pause recht gut gelegen. Das Haus ist nett, die Leute freundlich, es ist warm und trocken, und ich habe überhaupt kein Problem damit, den Tag auf dem Sofa zu verlümmeln. Morgen geht es weiter – sofern nicht die Welt untergeht – und es werden drei harte Tage, bevor ich die letzte Etappe des Munda Biddi Trail in Angriff nehme. Ich werde dann die südliche Hälfte von Jarrahwood bis Albany gemacht haben, etwa 600 Kilometer durch den australischen Bush, größtenteils tatsächlich off road, wie man es sich vorstellt – an vielen Stellen ist der Weg so schmal und zugewachsen, dass man nur hintereinander fahren könnte, wäre man mit Mehreren unterwegs.

Links: Aufhang. Rechts: Abhang. Oben: Regen.
Links: Aufhang. Rechts: Abhang. Oben: Regen.

Ich bin allerdings alleine unterwegs; aus den verschiedensten Gründen habe ich die Gemütlichkeit der Farm verlassen und mich auf die Räder gemacht. Es kribbelte einfach in den Beinen.

Das Kribbeln ist mittlerweile einem leichten, permanenten Gefühl des Ausgepowertseins gewichen; wenn man sich vorstellt, dass der Trail an den meisten Stellen in einem schlechteren Zustand ist, als ein alter deutscher Feldweg, kommt der Wahrheit sehr nahe. Die Macher des Trails versuchen, Straßen so weit es geht zu vermeiden, und an manchen Stellen, wenn der Trail parallel zur Straße verläuft, ist man doch versucht… aber nein, ich will das echte Offroad-Erlebnis, und so versuche ich, die Umgebung und das Gefühl der Einsamkeit zu genießen, während das klamme Gebüsch mir von links und rechts ins Gesicht und die nur-noch-so-einigermaßen-funktionierende-Regenjacke klatscht.

Da können wir nicht drüber... da können wir nicht drunter... da gehen wir drumrum!
Da können wir nicht drüber… da können wir nicht drunter… da gehen wir drumrum!

Man stellt sich unter „Australien“ meistens weite, rote, sonnige Wüsten vor, mit Uluru irgendwo zentral im Bild. Doch die Westküste kann im Winter sehr nass sein, mit monsunartigen Regenfällen. Die Menschen verlassen sich darauf, denn Regenwassertanks sind für viele die einzige Wasserversorgung – und die müssen in den neun regenlosen Monaten ausreichen – mehr gibt es nicht.

So lässt sich die Frau gestern im Supermarkt sehr gut verstehen, die sich Regen wünschte und sehr ernst reagierte, als ich spaßeshalber meinte, ich würde als Radfahrer gerne drauf verzichten. Ich bin einen Tag lang durch verbrannten Wald gefahren; schwarze Bäume und das Wetter sorgten für eine merkwürdige, post-apokalyptische Stimmung. Es war eines der größten Feuer in Australien, das Anfang des Jahres 100 Hektar Wald zerstört hat und insbesondere die Ortschaft Northcliffe massiv bedrohte. Sowas lässt einen den Regen in anderem Licht sehen.

Teile des Munda Biddi Trails wurden ebenfalls zerstört, eine Hütte beschädigt.
Teile des Munda Biddi Trails wurden ebenfalls zerstört, eine Hütte beschädigt.

Die Tour ist bislang auch eine Reise in meinem Kopf. In den letzten Wochen und Monaten sind eine Menge Dinge passiert (gut und schlecht), ich spüre, wie viel ich in Island gelernt habe. Das Körperliche ist eine Sache, das Psychische eine ganz andere. Nachts mutterseelenallein im Stockdunklen in der Hütte sitzen hat seinen eigenen Charme, aber nach zwei Tagen Einsamkeit freut man sich auch wieder über andere Menschen…

Drei Viertel dieses kleinen Abenteuers sind um; ich bin gespannt, wie es ist, wenn ich in Albany ankomme. Danach muss ich irgendwie wieder nach Margaret River; und es gibt verschiedene Möglichkeiten: den Bus (hm…), einfach die gleiche Strecke zurück (nee…), entlang der Highways die Küste hoch (klingt gut).

Ich bin gespannt, was kommt; Fahrrad und ich sind guter Dinge!

Panorama mal andersherum...
Panorama mal andersherum…

Tag am Strand (#aussie2015)

Inzwischen bin ich nach langem Flug, Landung in Perth und längerer Autofahrt in Margaret River angekommen, bzw. auf der Farm, die etwa eine halbe Stunde im Outback liegt. Mit „Outback“ ist wirklich Wildnis gemeint; ich kann mich nicht erinnern, wann ich nachts so viele Sterne und vor allem die Milchstraße gesehen habe. Vielleicht 2012 in Schweden.

Franka muss noch mindestens bis Mittwoch nächster Woche arbeiten, so gibt es bisher nur Aufgaben auf der Farm zu erledigen, und kleinere Tagestrips. Gestern ging es entlang der Westküste zu zahlreichen Stränden:

Eine der zahlreichen bewohnten Buchten.
Eine der zahlreichen bewohnten Buchten.
Dramatische Gischt (in Echt noch dramatischer)
Dramatische Gischt (in Echt noch dramatischer)

Mein Mitbewohner meinte, es gäbe in Australien rund 3700 Strände. Das heißt, man könnte für die nächsten 10 Jahre jeden Tag einen anderen Strand besichtigen. Ob das erstrebenswert ist, sei dahingestellt, aber schön sind die Strände auf jeden Fall.

Eine Art Lagune.
Eine Art Lagune.

Die salzige Luft, der Wind um die Nase – super!

Felsen im Meer. Ohne Gischt.
Felsen im Meer. Ohne Gischt.

Wir haben sogar ein kleines Känguru gesehen. Das war aber nicht die erste Begegnung; die Viecher laufen und hüpfen hier so herum, wie Rehe in Deutschland – zu etwa genau den gleichen unpassenden Zeiten an genau den gleichen unpassenden Orten…

G'day Mate!
G’day Mate!

Dies und das – und Australien

Die Tour mit Staubkind war ein recht großer Erfolg. Nachdem ich die Band zunächst mit Toffifee bestochen hatte, konnte ich sie alsbald auch von meinen technischen Kompetenzen überzeugen. Ich konnte (und durfte) in meinen Job hinein wachsen, der mir Spaß macht und den ich auch weiterhin machen werde. Festivals sind noch immer eine eigene Nummer im Vergleich zu den normalen Konzerten, aber hier sehe ich zum Glück auch mal mehr, als nur den Hintereingang des jeweiligen Veranstaltungshauses…

Eine Veranstaltung, an die ich mich länger erinnern werde, ist der Berlin Music Video Award. Hier sollen vor allem kleine Indiebands eine Chance bekommen, sich zu präsentieren. In den drei Tagen bekamen wir 140 Musikvideos unterschiedlichster Coleur zu sehen; die Beiträge von Coldplay und Prodigy zeigen, dass der Preis ernst genommen wird. Im Unterschied zur sonstigen Lichtjobs bei Konzerten eine nette Abwechslung.
Hier die paar Videos, die bei mir hängengeblieben sind, sei es, weil sie lustig, sehr gut gemacht, beeindruckend, großartig, musikalisch interessant, niedlich oder einfach nur schräg sind:

Eine fast langweilige Saison hat der ruhmreiche SVW hinter sich. Der Beginn war mit dem letzten Platz, einer verunsicherten Mannschaft und der Trennung von Dutt natürlich denkbar schlecht. Doch Skripnik hat es irgendwie geschafft, der Mannschaft nicht nur Leben, sondern auch das Werder-Gen einzuhauchen. Seitdem läuft es für die Werder-Verhältnisse der letzten Jahre wieder recht zufriedenstellend. Ich finde gut, dass die den Europa-Pokal verpasst haben, denn dafür ist der Kader (noch) nicht gut/breit genug. Aber was Eichin und Skripnik auf die Beine stellen, scheint sehr vernünftig zu sein. An Dutt – der das Kunststück schaffte, vom 18. zum 18. zu wechseln und trotzdem nicht abzusteigen – die besten Wünsche. Nr.1 nach Schaaf war eben sehr, sehr schwer.

Das Relegationsspiel mit einem HSV-Fan zu schauen, war hingegen sehr aufregend – vor allem die 91. Minute. Junge, ist der auf und ab gehüpft… aber er hat das Spiel hervorragend zusammengefasst: „Beide Mannschaften haben gezeigt, dass sie in der 2. Liga nichts verloren haben – und in der 1. auch nicht.“. Jo.
Ich wünsche Beiersdorfer und Labbadia, dass sie den Kahn endlich mal auf Kurs bekommen. Denn seien wir mal ehrlich: das wahre Nordderby ist Werder-HSV.
Allerdings finde ich auch, wenn sie jetzt ein drittes Mal in die Relegation kommen, sollten sie schon aus Prinzip direkt absteigen.

Ich bin jetzt bei Telegram. Der Whatsapp-Konkurrent tut zumindest so, als würde er Nutzerrechte und Datenschutz respektieren – und läuft auf meinem Computer (auch wenn Whatsapp das mittlerweile auch tut). Wer mich anschreiben will: Nutzername ist sushey. (Kommt alle auf die gute Seite :-))

21 der 25 weltweit giftigsten Spinnen, Haie, Krokodile, 50 Giftschlagen, Quallen, Giftfische, eine merkwürdige Sportart, die irgendwas zwischen Ostereiersuche, Rugby und Prügelei ist – Australien ist das ideale Land, um von Mitte Juli bis Ende September mit dem Rad hindurch zu fahren. Der australische Winter wird vom Wetter her dem isländischen Sommer wohl recht nahe kommen. Ob es dann wieder ein Buch geben wird, weiß ich noch nicht – ich gehe aber stark davon aus.

Auf jeden Fall stimmt die Beleuchtung, denn die Lumotec Cyo Premium ist schweinemäßig hell. Interessanterweise stört sie im Sensorbetrieb den Funktacho so sehr, dass er kaum noch ein Signal bekommt – wenn ich sie aber „hart“ einschalte, dann fast gar nicht. Wunder der Technik.

Meine Technik beim Bouldern wird glücklicherweise auch immer besser. Langsam komme ich in eine Form, die mir gefällt. Was das Bouldern mir bedeutet, habe ich gestern in einem Tweet zusammengefasst:

Erwähnte ich schon die Weyers? Die sind nicht nur Vorband von Staubkind, sondern auch feine Musiker und Menschen.

PEACE OUT!

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Boston Strangler – We’re Camping Out (2001)

Als ich in Neuseeland auf einem Konzert der „Lads“ war, spielte eine Vorband, die ich beinahe besser fand, als den eigentlichen Hauptact. Es handelte sich um vier AustralierInnen, die einen Folkrock spielten, den man sich in etwa so vorstellen muss, wie eine Mischung aus Nick Drake und Katzenjammer.

Ich hatte viel Spaß und habe mir natürlich vor Ort das Debütalbum „We’re Camping Out“ gekauft, auf dem 12 wahre Perlen nur darauf warteten, gehört zu werden.

Das Besondere dieses Albums ist die Mischung aus Energie und Poesie; die zwei Mädels und zwei Jungs teilten sich nicht nur Live die Instrumente und Gesangparts, auch lyrisch hatte jede(r) etwas beizusteuern.
So hat der Opener „Dusty Spring, Muddy Water“ nicht nur einen schönen Titel, sondern Zeilen wie „Take me to the shore, let’s open our heart, let’s soften our core“ tragen zur Gänsehautstimmung bei dem nur von gezupfter Gitarre und gestrichenem Cello begleiteten Lied bei – Katzenjammers „Wading in Deeper“ lässt grüßen… Weiterlesen „Boston Strangler – We’re Camping Out (2001)“

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