Tag 25: An welchem ich mich heldenhaft verhalte.

oder: Wenn alle Drachen ausgestorben sind, werdet ihr feststellen, dass man genauso heroisch gegen Stoffhasen kämpfen kann.

Ich nehme an, wir alle haben noch die Szene aus Monty Pythons „Sinn des Lebens“ vor Augen, als der Protagonist von einem Stoffhäschen angegriffen wird, oder?

Now to something completely different.

Über „Stranger Than Fiction“ hatte ich schon geschrieben; deswegen werde ich es hier nicht tun und einen Augenblick warten…

Zu Ende gelesen? Gut!

Natürlich war ich derjenige in der „Schatzinsel“, der letzten Endes den Schatz gehoben und sich aller Feinde heorisch entledigt hat.
Selbstverständlich  war ich dabei, als wir Gollum ausgetrickst haben und wir durch ein Reich voller Gefahren gereist sind.
Und ich war es natürlich, der dem Mann in Schwarz durch die Wüste folgte. Was hätte ich denn auch anderes tun sollen?

In solchen Momenten sehe ich mich gerne so: … doch irgendwie wäre mir das Leben eines Helden dieses Kalibers dann doch reichlich anstrengend (man erinnere sich an meine Fehlerliste), und deswegen wäre

Buchfrage 25: Ein Buch, bei dem die Hauptperson dich ziemlich gut beschreibt

eben kein Heroenschinken, sondern eher etwas weniger Actionlastiges, Antiheldisches.
Als Erstes fiel mir natürlich Herr Lehmann ein, haben wir doch beide eine Barkeepervergangenheit und leben in Berlin – aber Herr Lehmann ist mir doch ein bisschen zu lethargisch.
Man stelle sich mich so vor:
und nun noch schwarze Haare und allgemein John-Cusack-mäßiger… und voila! wir sind bei High Fidelity von Nick Hornby.
Eines der wenigen Bücher, bei dem ich sowohl Buchvorlage, als auch Film äußerst vergnüglich fand. Der (Anti)held unserer Geschichte – Rob- versucht sein Beziehungsleben auf Vordermann zu bringen, scheitert dabei immer wieder an sich selber und hört eine ganze Menge Musik währenddessen. Er ist nicht ganz so lethargisch wie Herr Lehmann, aber an Stellen begriffstutzig, an denen man es nicht glauben möchte, alles in allem aber ein durch und durch liebenswerter Typ 😉
Die Geschichte lebt selbstverständlich von Nick Hornbys enormen Kenntnissen englischer Popkultur und dem Widerpart Barry – sein fieser, neurotischer Umgang mit Musik und deren Hörern ist einfach super…
Zudem ist mir der Platten-Sortieralgorithmus des Helden sympatisch – auch wenn ich nie Top5-Listen gemacht habe.
Es gab einen solchen Laden tatsächlich, und die beiden Verkäufer dort sind als DJs unter dem Namem Rob & Barry aufgetreten, ich habe dort meinen ersten Plattenspieler und viele, viele gute Platten gekauft – aber leider ging der Laden den Gang allen Kapitalistischen: er wurde mangels Umsätzen platt gemacht und durch ein Mehrzweck-Büro-Ärzte-Wohnhaus ersetzt.

Tag 24: An welchem ich Fehler begehe

oder: Sind wir nicht alle Mängelexemplare?

Während ich mich gestern noch genüsslich über den Unsympath ausgelassen habe, wird es heute Zeit, mich meinen eigenen Fehlern zu stellen.

Ich bin ungeduldig.

ICH! ÜBERTREIBE! MANCHMAL! MASSLOS!

Ärgernisse halte ich manchmal zu lange zurück.
Um sie dann explosionsartig zu entladen.
Und treffe dabei manchmal den Falschen.

Ich neige zu Faulheit – ich habe bloß keine Zeit dafür, denn

Manchmal verzettele ich mich, müsste eigentlich an drei Orten gleichzeitig sein, und muss notgedrungen Menschen enttäuschen.

Ich bin perfektionistisch.
Und sehe dann nicht den Wert dessen, was ich gut gemacht habe.

Und allzu oft lasse ich meine Dämonen ein Urteil über mich fällen, das mir nicht gut tut.

Ich finde es dann immer wieder erstaunlich, dass es Menschen gibt, die mich trotz meiner offensichtlichen Fehler mögen, die Wert auf mein Urteil legen, die sich von dem, was ich sage – und schreibe – beeinflussen lassen – und das offensichtlich gerne, wenn die die Kommentare hier richtig deute.
Ich will keine Streicheleinheiten. Ich glaube, dass ich mich mittlerweile ganz gut mit mir arrangiert habe, und glücklicherweise haben meine Dämonen Höhenangst (weswegen ich so gerne klettere). Ich wollte nur, dass ihr wisst, dass ich mir meiner Fehler bewusst bin und hart dran arbeite.

24. Buchfrage: Ein Buch, von dem niemand vermutet hätte, dass du es gelesen hast.

Seltsame Frage. Alle meine Bücher haben in einem gewissen Sinne mit mir zu tun und sind deswegen erwartbar – sonst hätte ich sie ja nicht. Als ich mein Regal durchsucht habe, fiel mir aber eines ins Auge, das ich normalerweise links liegen gelassen hätte – „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner.

 

Junge Frau mit Depressionen, geschrieben von einer Musikmoderateuse, deren flippiges Auftreten mich nur so halb begeistert hat – ein Autor, der viel über Musik schreibt, der ebenfalls zu Popkultur zählt und im Alphabet gar nicht so weit weg ist – Nick Hornby – klingt schon eher nach meinem Beuteschema.
„Mängelexemplar“ also. Ich habe es gelesen – recht schnell, sind ja nicht so kompliziert, die Sätze – und gemocht. Denn die junge Frau ist bemerkenswert unniedlich – eigentlich will sie nur irgendwie klarkommen, doch da sind diese Panikattacken… Sarah Kuttner hat ihrer Protagonistin einen erstaunlich normalen Lebensweg mitgegeben, mit dem ich mich gut identifizieren konnte.
Zudem – und das hat mich überzeugt – ist das Ende zwar positiv, aber nicht kitschig-gut – und das mag ich.

„Mängelexemplar“ also.

 

Tag 20: An welchem ich mir Luft verschaffe

oder: Schon wieder ein Mörder…

Normalerweise soll milchmithonig.de ein Ort sein, der dem Getränk entspricht: warm, süss und nicht mehr, aber eben auch nicht weniger als ein netter Moment.

Heute aber greife ich eher ins Klo, inhaltlich gesehen: die

Top Three der Dinge, die mir stinken

1. Die Politik von CDU/FDP
Für einen kurzen Moment dachte ich, es könnte nicht so schlimm werden mit der Koalition. Die SPD gerade mit einer Identitätskrise, die Grünen auf dem Weg zum Erwachsenwerden, die Linke ebenfalls – und die CDU mit einer Frau der Wissenschaft als Chefin. Eine promovierte Physikerin muss doch zu was nutze sein, oder?
Es kam anders, wie wir wissen. Die Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke ist eine unverfrorene Frechheit, der Aussenminister ein ausgemachter Idiot, die Politik so asozial, dass die komplette Regierung abgeschafft gehört. Nur wohin mit ihnen? Gorleben als Endlager für ausgediente Politiker ist mir zu unsicher…

2. Das Wetter
Ich bin wirklich gerne mit dem Rad unterwegs. Es ist schnell, effizient, sauber und tut mir körperlich gut. Warum spielt das Wetter dann nicht mit? Immerhin tue ich was für das Klima! Aber eine halbe Stunde zur Uni radeln, und das bei einem Wetterchen, bei dem man nicht den berühmten Hund vor die Tür jagt – ist nicht wirklich knorke.

3. Quatschende Kommilitonen
Zugegeben: Elektrotechnik morgens um acht ist wirklich nicht so prickelnd – vor allem, wenn der Prof Mathematik benutzt, die ich erst in einem halben Jahr „richtig“ kennenlerne. Da neigt man schon mal dazu, gemeinsam mit dem Nachbarn das Wochenende zu rekapitulieren. In einem Hörsaal, der 500 Personen fasst, ist das nicht wirklich geil. Vor allem, wenn man auch noch kackdreist „Nö“ sagt, wenn man um Ruhe bittet. 1000 Jahre schlechten Sex und Pickel am Arsch, ihr Kackbratzen!

Jenseits meines Horizontes
gehts weiter… Natürlich gibt es viel, viel, viel mehr Dinge, über die ich mich ereifern könnte/müsste, und es gibt viel ernstere Themen, als quatschende Idioten in vollen Hörsälen. Aber das würde eindeutig den Rahmen des Beitrags, sowie von milchmithonig.de sprengen.

20. Buchfrage: Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast.

Patrick Süskind – Das Parfum

Im Großen und Ganzen haben wir so einige gute Bücher in der Schule gelesen.
Dürrematts „Richter und sein Henker“ oder auch „Die Physiker“ habe ich auch nach der Schule mit großem Genuss gelesen; als wir in Englisch das Thema „Utopische/Dystopische Literatur“ hatten – mit den üblichen Verdächtigen „Animal Farm“ oder auch „1980“ – hatte ich erstaunlicherweise die beste Note – und mir in der mündlichen Prüfung zu dem Thema das Abi gerettet.

„Das Parfum“ begeisterte mich, weil Süskind ähnlich wie Sebastian Haffner in einem Stil schreibt, der bemerkenswert eloquent und leichtfüßig gleichzeitig daherkommt. Beide Autoren beschreiben in sehr schöner Sprache den Ekel, den sie vor einem Mann und dessen System auf der einen, und einem Mann, der ausserhalb eines Systems agiert, auf der anderen Seite haben.
In Süskinds Fall allerdings glücklicherweise fiktiv.

Ich fand „Das Parfum“ faszinierend, weil er mit Grenouille Baptiste einen solch abstoßenden Charakter zur Hauptfigur gemacht hat – ein Serienmörder, der wenig Charme besitzt und eigentlich nur geliebt werden will – und deswegen geliebten Menschen die Dinge nimmt, die er selber nicht hat: ein lebenswertes Leben und ihren Geruch.

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