Tag 16: An welchem ich mich inspirieren lasse

oder:

The setting sun is set in stone
And it remains for me alone
To carve my own and set it free (Moloko: „Statues“)

Im heutigen Buch kommt eine Statue vor. Eher beiläufig wird sie erwähnt und hat auch recht wenig Bedeutung in Hinsicht auf die Geschichte, aber sie hat mich zu einer kleinen Kurzgeschichte inspiriert:

Die Statue des unbekannten Künstlers

16. Buchfrage: 9.Buch in deinem Regal von rechts.

Chuck Palahniuk – Diary

„Diary“ war fast so ein Fall wie „Oh, Play that thing“ – ich fand es sehr anstrengend zu lesen, auch wenn ich die Geschichte durchaus erzählenswert fand. Wechselnde, introvertierte Perspektiven, Gedankenflüsse, Rückblenden – man muss hellwach dabei sein. Eher nix für mich – in der Horizontalen penne ich recht schnell ein 😉
Im Groben und Ganzen geht es um eine Künstlerin – Misty – welche ein „Coma-Diary“ schreibt – ihr Mann liegt nach einem Selbstmordversuch im Koma. Während sich langsam ihre Trauer in Hass und dann Verachtung verwandelt, beginnt sie nach langer Zeit wieder, Bilder zu malen. Zunächst zögernd, doch dann mit wachsender Intensität, und so langsam entspinnt sich eine Geschichte, die es in sich hat.
„Diary“ hat mich ein bisschen ratlos hinterlassen – ich habe es gerne gelesen, war aber erleichtert, dass das reine Lesen vorbei ist – und gleichzeitig habe ich mich unwohl gefühlt – eben, wie wenn man einer Statue gegenübersteht und irgendein Teil tief, tief in deinem Kopf fest glaubt, dass sie eines Tages ihre Augen aufschlägt…

Die Statue des unbekannten Künstlers

statue von shadowplay
photo von shadowgate

Draußen im Wald, auf der kleinen Lichtung, die so leicht zu übersehen ist, weil sie von dichtem Gestrüpp fast vollständig umwuchert wurde.

In der Ruhe der Abgeschiedenheit, überschattet von großen, alten, knorrigen Bäumen, von der Welt getrennt durch dorniges Gebüsch und fast verschluckt durch das Efeu, das an ihr hinaufrankt, steht eine Statue.

Verhüllt in ihrem steinernen Umhang ragt sie aus dem ewigen Grün heraus; seit Jahren war kein Mensch mehr an dieser Stelle. Es gibt niemanden mehr, der wüsste, wer hier abgebildet ist und warum – oder wer überhaupt der unbekannte Künstler war, und weshalb die Statue inmitten dieser Lichtung steht.

Es mag in den vergangenen Jahrzehnten die eine oder andere Person gegeben haben, die zufällig über die Statue gestolpert sein mag – doch die nächste Siedlung ist so weit entfernt, dass auch diese spärlichen Besuche seltener und seltener geworden sind.

Dunkle Linien mäandern durch das ehemals schneeweiße Gesicht und zerteilen es in tausend Stücke, allesamt wie durch Magie in Form gehalten. Hier und dort sind Stellen herausgebrochen; dunkelgrünes Moos, Wasser und Frost haben nach und nach größere und kleinere Brocken aus der Statue gesprengt. Weiterlesen „Die Statue des unbekannten Künstlers“

Ein fucking Event (2/3)

fucking event
Es ist beinah einen Monat her, dass ich mir Sarah Kuttners „Mängelexemplar“, „Diary“ von Chuck Palahniuck und „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrematt gekauft habe.

Zeit also für einen Zwischenbericht:

„Mängelexemplar“ – Sarah Kuttner

Ich begann also mit dem Buch, das ich – ohne Frau Kuttner zu nahe treten zu wollen – als literarisches Milky Way empfinde – ein großartiger, süßer Snack für zwischendurch. Ich möchte hier nicht missverstanden werden. Eine Protagonistin, die unter Panikattacken leidet und ihr Leben nicht auf die Reihe bekommt, das ist schon eine Geschichte, die unter die Haut geht. Aber die Art und Weise, auf die das Ganze erzählt wurde, gibt dem Ganzen eine gewisse Leichtigkeit, die es mir ermöglicht, das Buch als schnellen Spaß für zwischendurch zu betrachten.
Wirklich bemerkenswert sind einige der Wortspiele und Formulierungen, und hier gebe ich der Autorin Recht: Wenn etwas scheiße ist, dann sollte man das auch so aufschreiben, da brauchts keine blumigen Worte. Weiterlesen „Ein fucking Event (2/3)“

Ein fucking Event

… so oder zumindest sehr ähnlich beginnt Sarah Kuttners „Mängelexemplar“.

literarisches mixtapeliterarisches mixtape

Als ich heute meiner demokratischen Pflicht Genüge getan hatte, überkam mich ein sonderbares Gefühl. Hunger? Durst? Ich entschied mich fürs Lesen.

Da ich nicht genau wusste, was ich wollte (und vermute, dass „Mängelexemplar“ recht schnell ausgelesen sein wird), habe ich mir gleich noch zwei weitere Bücher mitgenommen: „Diary“ von Chuck Palahniuk (selbstredend auf Englisch) und „Besuch der alten Dame“ von Dürrematt – ja, ich bin auf den Geschmack gekommen…

Eine Art literarisches Mixtape.

Kurzerhand entschloss ich mich zu einem Experiment: Vermutlich werde ich mich eh nicht entscheiden können, welches Buch ich zuerst, welches dann und welches ich zum Schluss lesen werde – dementsprechend werde ich sie wohl eher durcheinander lesen und so zum Gesamtevent verbinden. Ein möglicher Plan wäre es, nach jeder Seite das Buch zu wechseln, aber das ist vielleicht etwas over the top…

Wenn ich bei all dem Durcheinander nicht völlig den Verstand die Fassung verliere, werde ich dann über das Erlebnis in seiner Gesamtheit schreiben…

p.S.: und wer taucht wohl im vorwort von „Mängelexemplar“ mit einem Zitat auf? Richtig, Chuck Palahniuk. Als wärs ein Zufall.

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