Foo Fighters – Wasting Light (2011)

oder: die Wiederentdeckung des Testosterons.

Dass eine Rockband nicht immer „volles Brett“ geben muss, um zu rocken, haben die Foo Fighters bereits mit den letzten beiden „echten“ Longplayern bewiesen, auf denen leise, verträumte Stellen mit den krachigeren Momenten für eine spannende Dynamik gesorgt haben.

Wer befürchtete, dass den Foos dadurch ein wenig das Fighten abhanden gekommen war, dürfte sich schon mit den ersten Tönen von „Bridge Burning“ beruhigt in die Headbang-Position begeben haben:
Das Album springt mit erfrischendem, wuchtigen Rock aus den Boxen, die Gitarrenverstärker ordentlich aufgedreht. Man darf sich an „One By One“ erinnert fühlen; allerdings ist der Sound deutlich zeitgemäßer und aufgeräumter.

Damit ist dann „Bridge Burning“ auch passend betitelt: das leicht nervöse Intro, welches vom muskulösen Schlagzeug überrollt wird, kappt rigoros die Brücke zum Rausschmeißer „Home“ aus „Echos, Silence, Patience & Grace“ – wer mag, kann sogar eine ordentliche Portion Grunge aus dem Opener heraushören.

Das Tempo bleibt, die Geschwindigkeit ebenfalls – man spürt schon beim zweiten Song, dass es auf diesem Album keine gefühlvollen Balladen geben wird.

„White Limo“ z.B. kann schon fast in Richtung Thrash Metal einsortiert werden; der stark verzerrte Gesang zu den harten Riffs tut da Einiges.
Dave Grohl scheint überhaupt einige Ideen und Erfahrungen vor allem aus seinem kleinen Ausflug mit den „Crooked Vultures“ mitzubringen; viele Stereo-Spielereien und Effekte peppen den Sound auf.
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Doublefooture: Them Crooked Vultures vs. Foo Fighters

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Es musste ja mit einem scheppernden Schlagzeug beginnen: Wenn sich Dave Grohl – Liebhaber brachial-minutiös geschlagener Rhythmen, Josh Homme – Stonerrocker und Steinzeitkönigin – und John Paul Jones – Legende – zusammentun – nun, dann würde ich auch keine Blockflötenklänge erwarten.

Im Gegenteil, dass die Herren Lust am Rock haben, spürt man beim selbstbetitelten Debüt der Crooked Vultures vom ersten Schlag auf die Snare. Da ist er, der kraftvolle, straighte und spielfreudige Stil von Dave Grohl, noch etwas verhalten, aber erkennbar.
Kombiniert mit dem Gesang Hommes, könnte man glatt denken, hier an ein Album mit Outtakes der Queens of The Stoneage gelangt zu sein – klängen nicht die Gitarren wesentlich blueslastiger als bei den Queens.

Überhaupt schafft das Album erstaunlich leichtfüßig die Balance zwischen klanglicher Homogenität und musikalischem Abwechslungsreichtum. Hier und da erinnert der Harmoniegesang an „Songs For The Deaf“ – Zeiten, der eine oder andere Gitarrensound – samt Riff – könnte tatsächlich von Led Zeppelin stammen, und auch das Songwriting erinnert manchmal an diese andere Band des Schlagzeugers – Them Crooked Vultures erfinden den Rock nicht neu, aber verpassen ihm ein paar kurzweilige neue Nuancen.

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Rawk’n’Fuckin‘ Rowl with Dave’n’Fuckin‘ Growl

Während ich noch verzweifelt darüber nachdenke, wie ich diesen Text in Worte fasse, schleicht sich eine Melodie in meinen Kopf.

Nein, eigentlich ist es nicht einmal das, sondern nur ein kleines Riff, eine Akkordfolge, fünf Akkorde, drei bilden einen Aufwärtslauf, die letzten beiden gehen wieder nach unten.
Unhörbar ist es, und beinahe geht es unter im lärmenden Geschrei der Gedanken. Doch es bleibt hartnäckig, bohrt sich in meinen Kopf, und dann ist es schließlich allgegenwärtig: Das bestimmende Riff von „The Pretender“, einem neuen Lied der Foo Fighters, das ich exakt zwei Mal in meinem Leben gehört habe: damals im Plattenladen – und gestern beim Konzert in der Wuhlheide.

Schlimmer wars beim identitätsstiftenden Riff von „Skin And Bones“, das eine geschlagene Woche in meinem Kopf herumspukte.

Vielleicht ist dies das Geheimnis der Fighters: sie machen Songs, die einfach gut sind – und das auf dauerhaft hohem Niveau.
Bereits nach einer Viertelstunde dachte ich, was soll denn noch kommen, die haben ihre Hits doch schon ‚rausgehauen? – und es kam noch eine ganze Menge. Etwa zweieinhalb Stunden lang rockten die Fighters, was das Zeug hielt und ließen uns kaum Zeit, überhaupt Luft zu holen, denn einige Stücke gingen ansatzlos ineinander über.
Dave Grohl war spürbar gut drauf und angesichts der Zuschauermassen entzückt, die Setlist war lang, lang, lang und abwechslungsreich, das Publikum war gut drauf, und die Bühne an sich ist sehr schön – Kollege J hält sie für die schönste Bühne Berlins.

Schön und vor allem schön abwechslungsreich war auch die Setlist, die einen guten Querschnitt durch das Schaffen der Foos darstellte. Die Akustik-/Rockproblematik wurde dadurch gelöst, dass bei einigen Stücken der harte Kern um die „zusätzlichen“ Foo Fighters, die auch schon bei „Skin And Bones“ dabei waren, erweitert wurde.
So kam es dann doch zu ruhigeren, wenngleich auch nicht weniger intensiven Momenten.
Bonuspunkte verdiente sich besonders der Einsatz des gestrichenen Cellos in einem Lied.
Überrascht haben mich die Augenblicke, in denen die Band jammte. Zeitweise sehr bluesig, kam auch immer wieder Stonerrock zum Vorschein, den ich so eher bei Fu Manchu oder Kyuss erwartet hätte.

Wäre man bösen Mutes, könnte man trotzdem behaupten, die Foo Fighters würden seit ihrem ersten Album immer wieder dasselbe Lied machen. Und in der Tat finde ich, dass sie an ihrem Erfolgsrezept – jangliges Intro, stark verzerrter Chorus, durchsetzungsfähiger und präsenter Bass, sowie kraftvolles Schlagzeug, gepaart mit dem meist halb geschrieenen Gesang – wenig geändert haben über die Jahre. Heraus kommt dabei immer wieder guter, solider Rock, der nicht sonderlich komplex ist, aber immer pointiert.

Um es kurz zu machen: Der Gig war großartig und toppte problemlos den an sich auch sehr guten Gig in Hamburg vor einigen Jahren um Längen.

das sagt die zitty

so siehts video aus

auch pointiert, eingängig, ehrlich und sehr, sehr gut

mad music munday

gerade so hörbar taumeln boards of canada aus den boxen, und das liegt weniger an der musikalischen qualität der band, als mehr der unterdrückten dynamik meinerseits – ich habe schon den ganzen tag über laute musik gehört, da wollen die ohren auch einmal ein päuschen, und zudem entsteht dieser kleine beitrag zu fortgeschrittener stunde – wer weiß, ob nicht auch die nachbarn ein päuschen haben wollen…

„wie die musikalische umsetzung eines films von david lynch“ – meint jedenfalls laut.de – sei die musik der beiden, die mitnichten kanadier sind, sondern schotten.

naja.

ganz so vertrackt und verquer finde ich die boc gar nicht. ungewöhnlich, schräg, collagenhaft, gar traumartig manchmal, das stimmt schon. aber zugänglicher beispielsweise als godspeed you! black emperor, die wesentlich eher dem „lynch’schen ideal“ entsprechen – was auch immer das sein mag.

jedenfalls – und dabei beziehe ich mich auf „twoism“, eine ep aus dem jahr 1995 – füllt die platte mit ihren samples (gerne auch mal rückwärts), wabernden synthies, und mitunter schräg klingenden melodiefragmenten eine nische, in der gy!be zu unzugäglich, sigur rós zu überladen sind. geogaddi – als zweites „richtiges“ album ist allerdings um einiges interessanter.

warum ich damals meine zeit mit la bouche, sin with sebastian, shaggy & co. verschwendet habe, weiß wohl nur die bravo…

seventeen evergreen haben meine aufmerksamkeit mit diesem plattencover geweckt, das ich sehr witzig finde – ich wüsste gerne, was für ein spruch auf dem schild steht. der titel des albums spricht ebenfalls für sich…

musikalisch handelt es sich um indiepop mit elektronischen einsprengseln, der beschaulich vor sich hinplätschert und hübsch anzuhören ist – seventeen evergreen haben einige frische ideen, die sie vom allerlei abheben, und die mich letzten endes dazu brachten, mich für sie und nicht für die foo fighters zu entscheiden – sound control behauptet, sie seien irgendwo zwischen my bloody valentine und – boards of canada (aha! anm.d.verf.), aber das finde ich nicht. dataloos einschätzung finde ich, trifft es da besser.

einige sounds und songstrukturen erinnern mich an die etwas abseitigeren lieder von „by the way“ (red hot chili peppers) – insbesondere „grays“ – andere an pulps „this is hardcore“ – und das zeigt, wie facettenreich das album ist.

wie komme ich also von indiepop zu rock? nunja, ich war im plattenladen und habe wild alles zusammengesucht, was mir gefallen könnte, es dann durchgehört und mich für ein album entschieden – wir wollen ja nicht übertreiben, und platten sind teuer.

die chemical brothers mussten also abermals warten, ebenso wie ich mir „an end has a start“ von den editors nicht gekauft habe – gutes album, aber ich mag diesen britkram einfach nicht.

ja, auch das neue album der foo fighters lag auf dem plattenteller, und ich finde „the pretender“ sowas von geil. dave grohl scheint ja inzwischen entdeckt zu haben, dass ein bisschen dynamik der musik gut tut, und nutzt das auch aus. der rest des albums ist irgendwas zwischen passabel, interessant und gewohnter foo-kost – und da wollte ich lieber das unbekannte ausprobieren – sprich „life embarasses me on planet earth“. zudem stehen sie bei den ärschen von sony unter vertrag…

beim normalen durch-den-laden-strolchen habe ich noch immer nicht das piratensongsalbum gefunden. muss ich wohl doch mal amazon bemühen…

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