Grobe Richtung Nord-Nordwest

Vielleicht ist es ein Naturgesetz. Oder in der Verfassung verankert. Oder in der Bibel. Weiß man nicht so genau. Es könnte auch einfach eine merkwürdige gesellschaftliche Konvention sein: An Himmelfahrt setzt man sich auf das Rad und säuft macht eine schöne Tour. Oder so ähnlich.

In meiner Radler-Historie hat es sich ergeben, dass Kollegen/Freunde/Ich das Himmelfahrtswochenende oft¹ genutzt haben, um ebenfalls auf das Rad zu steigen, aber weniger um des Saufens wegen, als vielmehr, dem Radsport zu frönen².

Nach einigem Hin und Her hatte sich für unsere diesjährige Tour ergeben, dass wir uns in Schwerin treffen würden, um von dort über Lübeck und Offendorf nach Ascheberg in Holstein zu fahren – einem schönen kleinen Örtchen am Plöner See. „Wir“, das sind in diesem Jahr – wie schon im Jahr zuvor – Philipp, Jule und Jan.

Ich hatte wenig Lust auf Zug und Fernbus, also bin ich noch am Dienstag Abend in die Pedale getreten und bis nach Fehrbellin geradelt, wo ich das Zelt auf einer Wiese aufgeschlagen habe. Es gab zwischendurch einen heftigen Gewitterschauer – den ich beim Vietnamesen verbracht habe – aber dafür wurde ich mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt.

sonnenuntergang

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Dänisches Eis ist wirklich besser (1/3)

„Das ist jetzt ein wenig dekadent, aber auch ganz schön geil.“, denke ich, während ich an meinem riesigen Eis schlecke; drei Kugeln – Lakritz, Oreo und Schokosorbet – von monströser Größe. Ich sitze mit Philipp in Kopenhagens berühmter Fußgängerzone, die an diesem Sonntagabend nur noch von ein paar versprengten Touristen und notorischen Biertrinkern belebt wird. Ein langer, heißer Tag neigt sich langsam dem Ende zu, und das Eis bietet einen würdigen Abschluss.

Wie man zu einem Eis in Kopenhagen kommt? Natürlich mit dem Rad!

Zur Spreequelle, nach Usedom, nach Hause, und an der Elbe entlang¹ sind wir ja schon geradelt, immer Himmelfahrt und das dazugehörige lange Wochenende als Anlass nehmend, zu schauen, wie weit man denn so kommt an den paar Tagen. Das weit kommen ist interesssanterweise im Vergleich zur Frage: „Wie kommen wir eigentlich zurück?“ das mit Abstand kleinere Problem. Doch dazu später mehr.

Unsere Reisegruppe reduzierte sich dieses Jahr auf Philipp und mich², und nach einigen Gedankenspielen und Planereien gab es folgenden Plan: ich würde am Mittwoch Abend zu Philipp nach Ascheberg in Holstein (30 Km von Kiel entfernt) fahren, um gemeinsam mit ihm nach Kopenhagen zu radeln – unsere erste Zweiertour seit Island.

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Reise nach Hause

Wegfahren, um heimzukommen
Mich beschleicht ein seltsames Gefühl auf dem Weg zwischen Dörverden und Bremen.
Normalerweise, denke ich, fährt man los, um möglichst weit von Zuhause wegzukommen.
Wir passieren ein Schild, das mir zeigt, dass wir vier Kilometer weiter an einem Teil meiner Verwandschaft väterlicherseits vorbeiradeln.
Doch jetzt ist es so, dass wir immer näher nach Hause kommen – jedenfalls Philipp und ich. Ich kenne die Gegend immer besser, und spätestens als Bremen am Horizont auftaucht, bin ich, nunja, zuhause.

Für Raphael und Christopher ist es die ganz normale alljährliche Himmelfahrtstour, und nach Usedom und der Spreetour sowie der Elbtour hatte ich vorgeschlagen, uns am Weserradweg zu versuchen – für mich auch wegen der geographischen Nähe eine schöne Gelegenheit, meine Familie zu besuchen.

(Sich) Regen bringt Segen
So fanden wir uns am Mittwoch Abend bei strömenden Regen im Fernbus wieder; laut Busfahrerin war der Verkehr „die reinste Hölle“ – wovon wir aber nichts gespürt haben.
Vom Regen allerdings schon; selbst Oma hatte schon angerufen und mit ernstem Ton verlautbart: „So wird das aber nichts, Junge. Du hast da was vergessen.“ – und ich dachte, es sei etwas schiefgelaufen mit dem anberaumten Grillen oder der Unterkunft, aber: „Du hast ja noch gar kein gutes Wetter bestellt.“
Ich konnte sie beruhigen und sagte, so sei das heutzutage, da würde erst im letzten Moment geliefert, aber das Wetter würde in den Süden ziehen, und spätestens am Freitag – wenn wir bei ihr wären – hätten wir bestes Grillwetter.
Und das hatten wir dann auch.

Frühstück mit Vergangenheit
Wie es ein erstaunlicher Zufall so wollte, startete unsere Route genau vor meinem ehemaligen Lieblingscafe in Hannover. Wir begannen den Tag also mit der Freundin, bei der wir übernachten durften, und ihrer Schwester im Cafe Safran mit einem üppigen Frühstück.
An der gegenüber verlaufenden Ihme begannen wir dann die Tour.
Schon am ersten Abend in Dörverden bestaunten wir unsere geröteten Gesichter; dabei war es doch den ganzen Tag über bewölkt gewesen.

Wir verschwinden im Feld
Wir verschwinden im Feld

Bis auf ein paar Jugendgruppen kurz hinter Hannover und die gelegentliche Gruppe Radfahrer ist erstaunlich wenig los gewesen – was aber vielleicht auch an der Route lag, die uns unter Anderem zwanzig Kilometer zwischen Mittellandkanal und Weser quer durchs Land führte.

„Quer durchs Land“ kann man übrigens durchaus wörtlich verstehen, wie man im Bild oben sieht.

„Keine Angst, die Hunde hören zu 98%…“
In Stolzenau kamen wir dann nicht nur an den südlichsten Punkt, an dem ich je die Weser erblickt hatte, sondern hatten auch eine nette Bergfestpause in einem Cafe direkt neben der Weser.
Nach fester und flüssiger Stärkung setzten wir den Weg fort.

Wo die Weser einen Bogen macht...
Wo die Weser einen Bogen macht…(Pension Weserbogen)

Von nun an ging es flussaufwärts und gut voran.
Der Weserradweg verläuft beiderseits der Weser, aber selten genau neben ihr.
So kamen wir durch viele kleine Dörfer und Siedlungen – und dann genau fünf Minuten vor der ausgemachten Zeit zu der hübschen und überaus freundlichen Pension Weserbogen.
Das üppige Frühstück mit sieben Sorten Käse, vier Sorten (selbstgemachter) Wurst und etlichen Marmeladen ist noch mal eine Extraerwähnung wert.

Nach Hause kommen oder: so langsam kenne ich es hier
Hinter Dörverden liegt Verden; wo ich viele Aktionen mit der Evangelischen Jugend veranstaltet und mitgemacht habe.

Bremen beinhaltete die Programmpunkte „Weserstadion“, „Schnoor„, „Marktplatz“ und „Stadtmusikanten“, um alsdann über das Blockland in Richtung des Dorfes zu fahren, in dem ich aufgewachsen bin.

Hinter mir: auf das Eis wartende Mitradler.
Hinter mir: auf das Eis wartende Mitradler.

Nach einer Eispause mussten wir uns ein wenig sputen, waren aber dann pünktlich zum Grillen da.
Schwester C war erstaunt: „So pünktlich warst du ja noch nie.“ – „Ja, wenn ich Rad fahre, kann ich die Zeiten besser einschätzen.“
Es war ein sehr schöner und lustiger Abend mit Familie und Radlergruppe.

Vor der Fähre ist nach der Fähre
Der Weg nach Bremerhaven war vor Allem bestimmt vom Gegenwind. Hinter dem Deich waren wir zumindest ein wenig geschützt; Raphael und Christopher führten ein interessantes Fachgespräch über Versicherungen, und auch ansonsten war die Stimmung gut.

Ein Fischbrötchen und ein Treffen mit guten Freunden später stand dann das Verbindungsstück nach Wischhafen an – zumindest windtechnisch gut, denn nun fuhren wir in den Nordosten und hatten den Wind nicht mehr direkt von vorn. Dafür mussten wir aber die Weser verlassen und querfeldein fahren.
Während mein Detailwissen langsam nachließ, übernahm nun Philipp die inhaltliche Führung der Reise.
Im Sonnenuntergang über die Elbe zu schippern, hat seinen besonderen Reiz, und nicht zuletzt wegen des Rückenwinds waren die 40 Kilometer nach Elmshorn trotz Anfahrschwierigkeiten gut zu bewältigen – auch wenn wir da schon 100 Kilometer in den Knochen hatten.

Glückstadt Hafen
Glückstadt Hafen

In Elmshorn
Lustiger Abend in Elmshorn war lustig.

Am nächsten Morgen haben wir das Fahrradmuseum der Fahrradgruppe Rückenwind besichtigt – eine spannende Sammlung von Oldtimer-Fahrrädern und solchen, die es einmal werden.

Fahrradmuseum Elmshorn
Fahrradmuseum Elmshorn

Dabei durften wir schon den neuen Kalender anschauen, in dem die alten Räder hervorragend in Szene gesetzt wurden, wie wir fanden.
Man kann den Kalender hier bestellen: www.one-year-of-bicycles.com

Neben den Oldtimern gab es auch ein sehr aktuelles Liegerad; vor Allem Christopher und ich fanden großen Gefallen am Fahrgefühl und an der Straßenlage; allein die niedrige Bauweise macht es für die Stadt unpraktisch.

Um allerdings überhaupt ins Museum zu kommen, haben wir einen kleinen Umweg genommen, der uns zur Fähre Kronsnest brachte – die kleinste Fähre Deutschlands. Die dreißig Meter brachten wir zum Glück ohne Seekrankheit hinter uns…

Heimfahren, um wegzukommen
Ursprünglich war angedacht gewesen, sich noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit in Hamburg anzuschauen. Allerdings wären wir erst sehr spät in Berlin gewesen, und da es mit den Zügen grad passte, sind wir gleich weiter gefahren.
Im vollen Zug habe ich gelesen oder hing meinen Gedanken nach. Neben der Freude über die vollendete und gelungene Tour dachte ich über das Konzept von „Heimat“ und „Zuhause“ nach – das Eine ist dort, wo man herkommt, das Andere eher dort, wo man sein will, und manchmal ist Beides eins, aber manchmal eben auch nicht.

Deich, Schafe, Radler, Elbe, blauer Himmel.
Deich, Schafe, Radler, Elbe, blauer Himmel.

Man kann auch zu bestimmten Zeitpunkten „nach Hause“ kommen, habe ich festgestellt: weil ich erst ein Mal vorher in Elmshorn gewesen bin, schwang auch eine gehörige Portion Island mit, als ich dort war.

Die geplanten Routenverläufe:

Tag 1: Hannover – Dörverden

Tag 2: Dörverden – Heine

Tag 3: Heine – Elmshorn

Der tatsächliche Routenverlauf:

www.gpsies.com

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