Sünndagsschnack (9)

Moin moin,

Schlummern
Heute morgen bin ich relativ früh aufgewacht – nach alter UND nach neuer Zeit – und habe mir gedacht: „Ach, ich schlummere noch ein bisschen.“ – und hab ebendies getan.
Mit einem leichten Grinsen, denn erstens gibt es wenig Dinge, die so schön sind, sich ohne Zeitdruck noch mal umdrehen zu können, und zweitens, weil es das Wort „schlummern“ originär nicht in meinem Sprachschatz gab. Ich habe es, seit ich 17/18 war, von einer Freundin ausgeliehen – und nicht wieder hergegeben. Einerseits, weil ich das Wort mag. Schlummern, das klingt nicht nach einem richtigen Schlaf, wie dem alltäglichen, ordinären Siebenstundenschlaf, den ich Nacht für Nacht habe. Es klingt auch nicht nach einem Nickerchen oder Mittagsschläfchen. Nein, „Schlummern“ ist etwas anderes. Es klingt unruhiger, abenteuerlicher. Drachen schlummern, stets um ihren Goldschatz bedacht. Schlummern ist eher ein Zustand zwischen Wachsein und Schlafen, der Moment, in dem aus zusammenhängenden Gedanken wirres, zusammenhangloses Zeug wird, das man sich zu Träumen zusammenstrickt. Ich mag diesen Zustand, und ich mag, wenn ich bemerke, dass mir die Gedanken entgleiten und sie ein Eigenleben entwickeln.

Das ist die eine Hälfte des Grinsens.

Die andere Hälfte kommt daher, dass ich jedes Mal, wenn ich mir das Wort „Schlummern“ vergegenwärtige, es in ihrer Stimme passiert, und es ist eine schöne Stimme. Das „Schlu“ sehr vollmundig ausgesprochen, so sehr, dass es fast eine physische Präsenz bekommt. Ihre Stimme ist sehr melodiös, fast ein Sing-Sang, und diese Vollmundigkeit passt zu den manchmal ganz leicht übertriebenen Betonungen. Gleichzeitig spricht sie ein ganz kleines bisschen wie durch zusammengepresste Zähne, was die Betonungen quasi wieder „einfängt“.

Gottseidank habe ich keinen Goldschatz, sonst wäre das Schlummern eine reichlich anstrengende Tätigkeit.

* * *

Nicht mehr am Schlummern: Die Natur
Die Natur wiederum wacht endgültig aus dem Winterschlaf auf. Die Bäume bekommen Blüten, man sieht mehr Tiere, trifft mehr unfitte Radfahrer, das Sonnenlicht bekommt eine andere Qualität. Wenn ich auf meinem Arbeitsweg durch den Wald fahre, riecht es wieder nach moderiger Erde, Holz, Wald. Höchste Zeit, meinen Balkon zu bepflanzen. Dazu brauche ich noch fast alles, angefangen bei Töpfen über Erde bis hin zu Pflanzen. Immerhin: im Supermarkt gabs ein Hopfen-Starterset (Samen mit diesen gepressten Erdpads), und während ich nicht glaube, dass der Hopfen ausreicht für ein Bier, mag ich die Pflanze an sich und ihren herben Geruch.
Insgesamt soll es eine Mischung aus Nutz- und Zierpflanzen werden, und ich bin mal gespannt, wie sich das Ganze entwickelt.

* * *

Jümmer schön suutje blieven.

möwe

Bionade und Cashews

frühling

Die rauchige Stimme des Bluessängers scheppert ebenso vor sich hin, wie seine Gitarre. Entspannt, aber mit Aussage; pointiert und doch auch emotional.
Aus allen Richtungen drängen sich Gesprächsfetzen zu mir, aus der Küche kommt das Brutzeln der Burger und Pommes, sowie anderer Köstlichkeiten.
Das laute TAKTAKTAK des Kochs, der gerade etwas zerschneidet, schwingt für einen kurzen Moment mit dem Blues in Takt, doch dann trennen sich die Rhythmen wieder und offenbaren sich als die Individuen, die sie immer waren.

Mit einem Zischen wird eine Bierflasche geöffnet – ob man daran wohl erkennen kann, was für eine Marke es ist? –  Eis klappert plockplockplock in die Gläser, gefolgt vom satten, sich kurzzeitig wiederholenden schwuschplipplatsch des Cocktailshakers.

Es ist eine schöne Kulisse, die ich verlasse, und bevor ich mein Rad loskette – Fahrradketten sind urbane Schlangen, denke ich, sie schlingen sich wie eine Boa um ihr Opfer, würgen es, um es vor der Entführung durch Diebe zu bewahren – kaufe ich schnell noch eine Bionade und eine Dose Cashewkerne im Späti.
Nachdem das Schellen der Klingel nur nur eine nebulöse Erinnerung ist, erfüllt das Summen des Kühlschrankes den Raum, gefolgt von der kurzen Konversation mit dem Kassierer.
Ich kehre zu dem Rad und der Schlange zurück. Man sollte sie Boa Antidieba nennen, denke ich und schmunzele. Es wäre die einzige Schlange der Welt, die man aufschließen kann…

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