Und was machst du,

wenn du oben angekommen bist?

Elaine ist einigermaßen irritiert. Alex hat ihr die Frage vor etwa 20 Minuten gestellt, und ausser einem spontan hingestammelten „Naja, dann bin ich oben. Ich könnte herunterschauen.“ ist sie noch nicht zu einer befriedigenden Antwort dieser Frage gekommen.

Es ist ruhig seitdem. Schweigend gehen sie nebeneinander her, Schritt für Schritt. Alex weiß, wann es angebracht ist, nichts zu sagen, und Elaine mag ihn sehr dafür.

Und doch hat er diese irritierende Frage gestellt. Sie klingt so einfach, logisch und konsequent. Wer irgendwo heraufgeht, tut dies zu einem Zweck.

„Und was machst du, wenn du oben angekommen bist?“ – Elaine dreht diese Frage in ihrem Kopf hin und her; wie eine Forscherin ein Insekt, so will sie sie zwischen ihren Fingern halten und von allen Seiten beleuchten.

Elaine tut sich so schwer mit der Antwort, denn für sie gibt es selten ein „oben“. Also, den Weg dahin, den gibt es häufig.

Elaine ist immer auf dem Weg nach irgendwohin, doch sie ist bisher noch nicht so oft irgendwo angekommen. Im räumlichen Sinne natürlich schon, aber im übertragenen Sinne eben selten.

Sie bewundert Menschen, die so erscheinen, als seien sie angekommen, und manchmal machen diese Menschen ihr auch ein bisschen Angst.

Es geht hinauf, immer weiter. Die Sonne scheint ihr auf den Rücken, und wenn sie und Alex kurz Pause machen, dann riecht sie die Frische des Frühlings.

Es geht voran, und das findet sie gut.

„Und was machst du, wenn du oben angekommen bist?“

Elaine weiß es nicht wirklich. Es ist auch nicht wichtig. Irgendwas wird sich schon ergeben, und wenn es nur die Aussicht ist, die sie genießen werden.

Sie kommen gut voran, und bald schon sind sie oben.

Oben angekommen.

Sie beglückwünschen sich zu dem Aufstieg, schauen sich um, schnaufen einmal ordentlich durch.

Und dann geht Elaine an die Kante.

Sie breitet die Arme aus, der Wind weht ihr um die Nase, lässt sie kurz die Luft anhalten und dann wieder atmen. Es rauscht in ihren Ohren, und als sie die Augen schließt, verschwindet die Welt für einen Moment.
Sie lehnt sich in den Wind, lässt sich von ihm tragen und stellt sich vor, sie könne fliegen.

Für einen Augenblick fühlt sie sich frei, schwerelos und glücklich.

Frei von allem. Von ihrem eigenen Gewicht, von den Gedanken, den Stimmen, die das Rauschend es Windes verdrängt.

Sie genießt den Moment, kurzzeitig aus der Welt entflüchtet, kurzzeitig sich selber entkommen.

Elaine dreht sich zu Alex um: „Siehst du, das mache ich, wenn ich oben bin.“ sagt sie, und es ist einer der seltenen Momente, denkt Alex, in denen Elaine wirklich glücklich aussieht.

Mein erstes Mal…

im Hochseilgarten

Im Hochseilgarten an der Jacobsleiter
Im Hochseilgarten an der Jacobsleiter

Ein Hochseilgarten ist ein Parcours von mehreren in zehn bis fünfzehn Metern Höhe zwischen Bäumen gespannten Seilen. Die einzelnen Strecken zwischen den Bäumen sollen überwunden werden, wobei sie sich in ihrem Aufbau unterscheiden. Je nach Aufgabe stehen fest eingebaute Hilfsmittel wie andere Seile, Strickleitern oder auch Schlingen zur Verfügung. Da jede einzelne Aufgabe von mindestens einer Person bewältigt werden soll, die durch mindestens zwei Personen gesichert wird, kann man Hochseilgärten prima als Methode der gruppenpädagogischen Erlebnispädagogik einsetzen – es gab auch Gruppenaufgaben, an denen die ganze Gruppe gleichzeitig beteiligt war.

Bisher hatte ich schon einige Male als Trainer mit Jugendgruppen im Niedrigseilgarten gearbeitet – das funktioniert ähnlich, allerdings sind die Seile auf Kniehöhe gespannt – und wusste, wie ein Hochseilgarten in Theorie funktioniert.

Heute kam die Praxis dazu; es war das erste von drei Seminaren einer Ausbildung zum Sicherheitstrainer in Hochseilgärten, die ich quasi nebenbei mache. Dazu gehört es natürlich, die Aufgaben selber einmal überwunden zu haben.
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