weisstunoch

weisstunoch
wir hatten uns so
nach diesem sommer gesehnt
und nu isser fast vorbei
weisstunoch
wir hatten uns schnell
an die grünen blätter gewöhnt
und nu isses fast vorbei
der garten bäumt sich auf
ein letztes mal
wirft seine bunten schätze und jetzt bezahl
jajajaja

weisstunoch
wir hatten uns so
nachm bisschen wärme gesehnt
und nu isse fast vorbei
weisstunoch
wir hatten uns schnell
an die kurzen ärmel gewöhnt
und nu isses fast vorbei
wir wissen dass alles was kommt
auch wieder geht
warum tut es dann immer wieder
und immer mehr weh
yeahyeahyeahyeah

Gerhard Gundermann

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Fahrt

Du schaust aus dem Fenster.

Durch den vereisten Atem erkennst du schemenhaft das Draußen, Schnee und die Welt. Schwarz und Weiß, Kälte dort, Wärme hier, die Welt zieht vorbei und du ziehst der Welt vorbei.

Durch den kleinen Spalt ein Luftstrom. Du fröstelst, Gänsehaut. Süßlich brennendes Prickeln auf der Haut, Rückzug in dich selbst.

Die Unbekannte neben dir schläft, die Unbekannten vor dir diskutieren. Du verstehst die Bedeutung ihrer Worte; allein ein Sinn ergibt sich dir nicht. Ihre Unterhaltung scheint verschlüsselt, und doch ist es nur Allerweltsgeplänkel.

Es ist dunkel. Vereinzelt Lichter. Lange Streifen, die vorüberziehen: sie wollen alle in die andere Richtung. Autos sind mächtige, dunkle Wesen mit leuchtenden Augen, die dich suchen.

Das Radio plänkelt leise vor sich hin, auch dort eine unentwirrbare Diskussion. Das unmissverständliche Piepen des Telefons ist die einzige Kommunikation, die du verstehst: es hat Hunger, will aufgeladen werden.

Bist du der Welt fremd geworden?

Ist die Welt es, die sich dir entzieht?

Man redet mit dir.

Wie lange schon?

Dein Hirn strengt sich kurz an, übersetzt, findet eine kurze, prägnante und sogar humorvolle Antwort.

Zurück ans Fenster, und dann: das Radio. Es reicht dir eine Hand. Kalt zwar und nicht recht greifbar, und da ist es: das Lied, in dessen Welt du dich die ganze Zeit schon befunden hast.

 

sigur rós – með suð í eyrum við spilum endalaust

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„Au weia, ist das poppig!“ – das ist in etwa die Kurzform des Gedankens, den ich nach erstmaligem Hören von „Gobbledigook“ – der ersten Singe aus dem neuen Longplayer von sigur rós hatte. Dazu war mir der Rhythmus viel zu hektisch – wo waren nur die Seele, die monströse Emotionalität geblieben, welche den bisherigen Output der Isländer kennzeichneten?

Die ersten Kritiken zu  „með suð í eyrum við spilum endalaust“ klangen dann ebenfalls nicht so, als müsse man das Album unbedingt kaufen – von Fröhlichkeit war da die Rede, von Eingängikeit und Zugänglichkeit – und einem Produzenten, der bereits mit Branchengrößen wie U2 gearbeitet hatte. Das sind per se keine besonders schlechten Attribute, aber mir gefielen Sigur Rós eben insbesondere durch die melancholische Sperrigkeit solch monumentaler Werke wie „()“ oder „Ágætis byrjun“ – schon „Takk“ driftete stellenweise in recht seichten Pop ab.

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