Mit Linux, MacOS und Raspberry Pi Musik streamen

tl;dr: Sascha will gerne von jedem Musikgerät in der Wohnung Musik an die Anlage streamen können und hat das mit einem Raspberry Pi 3 gemacht. Für die Ungeduldigen: Raspberry Pi 3 mit Runeaudio (Archlinux), Stream vom MacBook über AirPlay, Stream vom Linux-Laptop über DLNA (Pulseaudio + paprefs + pulseaudio-dlna-plugin).

Musik vom Rechner an die Anlage streamen

Seit einiger Zeit gibt es in meinem Haushalt einen Linux-Laptop, ein MacBook, ein iPhone und meine alte analoge Anlage, die nur über Phono- und Cinch-Eingänge verfügt. Weil ich keine Lust auf die ständige Kabeltauscherei und -wechselei hatte – aber von jedem Gerät aus Musik über die Anlage hören will – kam der Gedanke, die Musik von den Geräten einfach zu streamen. Apple iTV und google Chromcast kamen für mich nicht in Frage, da zu teuer, abgekapselt, Datenschutzbedenken (beide Geräte schicken Daten nach Hause, natürlich nur zu Zwecken, den Service zu verbessern. Nee, is klar.). Selber machen hatte für mich weitaus mehr Charme, einmal abgesehen davon, dass es auch unschlagbar günstig ist. Somit blieb als Lösung der Raspberry Pi.

raspi_stream

1. Schritt: Raspberry Pi + Betriebssystem + Medienspieler

Ich habe mir also einen Raspberry Pi 3 besorgt. Mit Netzteil kostet das Ding knapp 40€, abhängig vom Händler bekommt man für ein paar Euro zusätzlich noch ein Gehäuse oder eine SD-Karte. Beides brauchte ich nicht, da unnötig bzw. vorhanden.

Raspberry Pis sind kleine Rechner (die Platine ist kreditkartengroß), in der neuesten Variante mit Quadcore-Prozessor und 1GB RAM, also etwa so leistungsfähig wie ein Mittelklasse-Smartphone. Zudem verbraucht er maximal 3 Watt, also weniger als z.B. das Radio. Eine Festplatte gibt es nicht; das Betriebssystem kommt von der Micro-SD-Karte. Zusätzlichen Speicher kann man über USB anschließen.

Lange Zeit habe ich mit osmc experimentiert, das ist eine Raspbian-Installation mit Kodi als einziger Anwendung. Kodi wurde mal für die xBox entwickelt, ist nun Open Source und ein richtiges Medienzentrum, das quasi alles abspielen kann, was dafür gedacht ist: Musik in allen denkbaren Formaten, Internetradio, Filme, andere Streams wie Netflix, Spotify, etc. Es setzt eigentlich einen Fernseher voraus, man kann aber einen Teil der Einstellungen über eine Weboberfläche machen, bzw. über ssh direkt in den Konfigurationsdateien. Das ging auch einigermaßen gut, aber wirklich sinnvoll ist es nur, wenn man einen Fernseher hat (ich hab keinen).

RuneAudio

Die zweite – nun verwendete Lösung – ist RuneAudio. Das ist eine Anwendung, die nur auf (bestmögliche) Wiedergabe von Musik spezialisiert ist. Dabei sind die Entwickler so weit gegangen, dass sie eine Version von ArchLinux genommen haben, diese so angepasst haben, dass sie auf kleinen Rechnern wie dem Raspi wunderbar läuft, dem Ganzen eine gut nutzbare Anwendung verpasst haben – und diese kann man komplett über die schön und übersichtlich gestaltete Weboberfläche steuern und konfigurieren. Man braucht keinen Bildschirm und kein ssh – die Weboberfläche ist wirklich gut nutzbar.

Ich habe also das Image auf die SD-Karte gepackt (siehe Anleitungen unten); und über die Eingabe von rune.local im Browser kommt man direkt auf die Oberfläche – das ist ähnlich wie beim Router. Und genau wie beim Router muss man im gleichen Netzwerk sein.

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Eindrücke vom Lollapalooza Berlin 2016 – die Bands

Ich war am vergangenen Wochenende beim Lollapalooza Berlin. Es hatte im Vorfeld ja einige Kontroversen um den Sinn und Unsinn eines Festivals im Treptower Park gegeben; in diesem Beitrag soll es zunächst nur um die Musiker gehen, die ich gesehen habe.

Aurora

Die norwegische Elfe Aurora Aksnes dürfte vielen durch den Song „Running With The Wolves“ bekannt sein, der von einem Telefondienstleister vereinnahmt wurde. Sie durfte mittags auf der Main Stage auftreten und hat einen mehr als soliden, sympatischen Auftritt hingelegt. Mithilfe ihres sphärischen Folk-Pop und einiger wilder Tanzeinlagen schaffte sie es, die große Bühne zu beleben – ihre scheinbar unbekümmerte Art, ihre Freude und der zeitweise an Dolores O’Riordan erinnernde Gesang waren sehr unterhaltsam.

The Temper Trap

„Es ist verdammt heiß hier. Aber ich behalte mein Hemd an – damit ich gut aussehe für euch.“ – dass der Temper Trap-Frontmann Dougy Mandagi sein Handwerk beherrscht, machte er nicht nur mit dieser Ansage deutlich, sondern dem ganzen Auftritt. Der Falsetto-Gesang – an wenigen Stellen leicht wacklig – die spielfreudige Band und zwei Ausflüge ins Publikum sorgten dafür, dass der mit einer Stunde ohnehin knapp bemessene Auftritt sehr kurzweilig wirkte. Dabei spielten sie unter anderem die wohlbekannten „Sweet Disposition“ und „Trembling Hands“, als auch einige Singles aus dem neuen Album. Ebenso wie das Hemd die ganze Zeit an blieb, war auch der Auftritt sehr gelungen.

Es lohnt sich übrigens sehr, in den Stream des australischen Radiosenders triple j hereinzuhören.

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Die Violinistin

Eine schlanke, gepflegte Hand greift den Bogen und führt ihn auf die Saiten. Sie hält ihn in einem perfektem Mittelmaß aus festem, sicheren Griff und Lockerheit, um den Bogen bei aller Präzision entspannt führen zu können. Die Finger der linken Hand scheinen über das Griffbrett zu tanzen; sie wandern auf und ab, manchmal schnell, manchmal langsam. Verweilen kurz zu einem Vibrato und springen dann schnell zur nächsten Note.
Beide Hände arbeiten in Harmonie, um aus der Geige das Bestmögliche an Musik herauszuholen – sie spielen miteinander, sie spielen mit der Geige, es ist eine komplexe Interaktion.
Diese Hände hatten vorher – teils zum Aufwärmen, teils aus Nervosität – einen dieser kleinen Stressbälle bearbeitet, doch jetzt mit ihrer Hauptaufgabe beschäftigt, funktionieren sie zuverlässig wie kleine Maschinen.

Die Violinistin ist ein hübscher Mensch. Schlank, gepflegt und recht natürlich mit nur wenig Make-Up. Das blonde, leicht graumelierte Haar, das sie meistens zu einem Zopf gebunden trägt, steht ihr ebenso gut, wie ihre zurückhaltende, freundliche Art. Da sie nur Englisch spricht und ein wenig Deutsch versteht, schaut sie meist ein wenig verwundert-konzentriert, wenn sie versucht, einem Gespräch zu folgen.
Sie hat ein freundliches Gesicht; die spitzen Wangenknochen, die gezupften Augenbrauen und der schmale Mund lassen sie manchmal ein wenig streng erscheinen, vor allem, wenn sie sich konzentriert. Die großen dunklen Augen aber schauen meistens freundlich, manchmal gar etwas spitzbübisch – ihren Sinn für Humor muss man nicht lange suchen.

Auf der Bühne trägt sie ein schlichtes schwarzes Kleid mit Spitzenärmeln, was ihre Schönheit noch mehr zur Geltung kommen lässt. Die Haare hat sie hochgesteckt; im Laufe des Konzertes werden sich einzelne Strähnen lösen, was das durch nun mehr Make-Up und volle Konzentration strenger wirkende Gesicht kontrastiert.

Sie schaut auf ihr Notenblatt und beginnt zu spielen. Für den Beobachter reduziert sich ihre Welt auf den Raum zwischen ihr und Notenblatt. Sie schaut nur selten auf in ihren Pausen, bleibt mit ihrem Blick auf den Noten. Sie bewegt sich nur, wenn sie spielt. Es gibt wenig Interaktion mit dem Publikum.

Doch für sie selber scheint sich eine ganz andere Welt zu öffnen. Sie liest die Noten nicht nur, sie erlebt die Musik in ihrem Kopf. Wenn sie spielt, dann folgt sie in ihren Bewegungen den Melodien, die sie spielt. In den intensiveren Stellen neigt sie sich förmlich in das Notenblatt hinein, während sie die entspannteren Parts sehr gerade sitzend aber locker durchspielt. An dramatischen Punkten sticht sie beinahe mit dem Bogen zu – ab und an löst sich hier eine Strähne; manchmal fällt ihr eine ins Gesicht, die sie geistesabwesend wegpustet.

Ihr Spiel hat eine beinah hypnotische, fesselnde Wirkung. Beim Zuschauen verspürt man einen Sog; man möchte bei ihr sein und ihre Musik so spüren wie sie. Man möchte ihr Musik schreiben, die sie noch mehr fesselt. Man möchte die Augen schließen und die Musik genießen – und lässt den Blick doch auf der Geige und dem Gesicht der Violinistin. Von ihrem Spiel geht eine spürbare Energie aus, die über die reinen Noten hinausgeht.

Manchmal kommt die Violinistin für einen Moment zurück in die reale Welt. Dann blitzen ihre Augen kurz und sie lächelt verschmitzt – vielleicht erinnert sie sich in diesem Moment an etwas Lustiges, freut sich, dass sie einen schwierigen Part gemeistert hat oder kommuniziert mit ihrer Kollegin. Doch sehr schnell wird ihr Blick wieder streng und fokussiert.

Und irgendwann ist das Konzert vorbei.

Sie hat ihre letzten Noten gespielt und lässt den Bogen sinken. Die Geige klemmt noch zwischen Schulter und Kopf, und als sie den Bogen vorsichtig beiseite gestellt hat, nimmt sie ebenso vorsichtig, fast zärtlich ihre Geige und setzt sie ab. Langsam weicht ihre konzentrierte Anspannung dem Bewusstsein darüber, gute Arbeit abgeliefert zu haben. Ihr ernster Blick weicht sich ein wenig auf. Ein wenig verschüchtert wirkend, lächelt sie ins Publikum, erst zaghaft, dann bestimmter.

Der erste Klatscher durchbricht die Stille.

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