Bücher 2014

Einige der Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Da ich immer wieder welche vergesse, hat diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Neil Gaiman: American Gods
Neil Gaiman hat ein besonderes Talent, Geschichten fesselnd, spannend, bildhaft und immer auch ironisch zu erzählen.
In „American Gods“ stellt sich der in den USA lebende Engländer die Frage, was eigentlich mit den Mythen, Sagen und Gottheiten passiert, welche aus dem alten Europa in die neue Welt herübergenommen wurden – und langsam in Vergessenheit geraten.
„American Gods“ ist ein spannend verwobener Thriller.
Es ist „real“ Fantasy – eine Parallelwelt neben unserer.
Und es ist eine verdammt gut erzählte Geschichte!

Jonas Johansson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Ich habe im Laden mehrmals durch das Buch geblättert und mich gefragt, ob es sich wohl lohnt, es zu lesen.
Dankenswerter Weise habe ich es zu Weihnachten geschenkt bekommen und konnte es noch im Januar lesen. Die Geschichte ist stellenweise sehr lustig, meistens jedoch ins Lächerliche gezogen und teilweise nur albern, wozu auch der stark umgangssprachliche Stil beiträgt. Ohne das ärgerlich unglaubwürdige Ende nette Unterhaltung und immerhin eine stark positiv geprägte Geschichte.

Marlen Haushöfer: Die Wand
Es scheint sich einzubürgern, dass mir hervorragende Bücher von Österreichern zufällig begegnen. Dieses fand ich in „meinem“ Studentencafe in der Uni…
Die namenlose Protagonistin verbringt ein paar Urlaubstage bei Freunden in den Bergen, als sie eines Morgens erwacht und feststellt, dass das Tal von einer unsichtbaren Wand eingefasst ist und alle Menschen verschwunden sind. Sie gewöhnt sich langsam an ihr neues Leben, das bestimmt ist vom Rhythmus der Natur und der Tiere, um die sie sich kümmert – und entfremdet sich immer mehr von ihrem alten Leben und auch sich selbst.
Eine klassische Robinsonade mit einem einfachen Stil, welcher der Protagonistin gut steht – nur an den Nachkriegston („Einmal, es war um den 12. herum, …“ „Später, es muss im August gewesen sein, …“) kann ich mich nicht wirklich gewöhnen.

Marc Elsberg: Blackout
Die Geschichte von „Blackout“ ist schnell erzählt: in Europa bricht fast die gesamte Stromversorgung in einer Kettenreaktion zusammen, was innerhalb von wenigen Tagen zu Chaos, Gewalt und bürgerkriegsähnlichen Szenarien führt.
Dabei basiert die Geschichte auf dem real existierenden Arbeitsbericht zum selben Thema und ist so hervorragend recherchiert, dass es schon ordentlich beunruhigend ist.
Wie allerdings anscheinend viele zeitgenössischer Autoren, deren Arbeit auf erschöpfender Recherche beruht (Schätzing, Eschenbach), hat auch Elsberg ein Problem damit, Charaktere mit Tiefe und Profil zu entwickeln – selbst die plottreibenden Protagonisten wirken arg skizzenhaft.
Trotzdem, aufgrund des Szenarios, das für mich allein aus studientechnischen Gründen schon höchst spannend ist, durchaus des Lesens wert.

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe
Über die Geschichte brauche ich wohl nicht viel zu erzählen, und ich weiß nicht, wie oft ich sie inzwischen auf Deutsch und auf Englisch gelesen habe. Erschreckend und augenöffnend fand ich, wie viel ich immer wieder vergessen bzw. nicht verstanden habe. Aber so ist es immer wieder spannend 🙂

Wolfgang Herndorf: Tschick
Einer dieser „typisch deutschen Gegenwartsromane“ wie „Linksaufsteher“, „Warmduscher“ und wie sie nicht alle heißen – dachte ich. Und habe mich eines höchst unterhaltsamen Besseren belehren lassen. „Tschick“ ist ein toller Jugendroman, sprachlich gelungen, spannend erzählt; ein Roadmovie, ein „Coming of age“ – glücklicherweise ohne allzu erwachsen zu werden. Ich freue mich, es gelesen zu haben und werde mir auch die anderen Bücher von Herndorf reinziehen.

John Niven: Music from Big Pink
John Niven schreibt direkt, hart, offen. Seine Romane sind sprachlich wie dramaturgisch keine Offenbarung, aber sie sind unterhaltsam und authentisch. „Music from Big Pink“ erzählt eine mögliche Entstehungsgeschichte dieses größten Albums von The Band. Interessant ist die Perspektive, denn der Ich-Erzähler ist ein kleiner Drogendealer, der stets im Fahrtwasser der Band mitschwimmt und mit ihnen bekannt ist, ohne sonderlich viel zu bedeuten.

Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
DAS Buch des Jahres für mich. Sprachlich unerreichbar gut; eine verwobene Liebesgeschichte, die sich über Jahre und Orte hinzieht, mal gut läuft und mal nicht. Dazu stets philosophische Betrachtungen des Erzählers, welche die Geschichte mal kommentieren, mal erklären. Eines dieser Bücher, bei denen jede weitere Seite ein bittersüßes Erlebnis ist: man will unbedingt weiterlesen, aber es soll nicht enden. Ich finde, dieses Buch sollte zur Allgemeinbildung eines jeden Menschen gehören.

Matt Ruff: Fool on the hill
Ein Hund, der den Himmel riecht. Ein professioneller Lügner, der Drachen steigen lässt. Eine Schaufensterpuppe, die Amok läuft. Ein Kater ohne Schwanz, aber mit viel Courage. Eine Elfe, die sich in einen Menschen verliebt. Menschen, die sich in Menschen verlieben. Menschen, die sich in andere Menschen verlieben. Ein Küchenchef, der wahrhaftig wahnsinnig ist. Und vieles mehr, kunstvoll zusammengewoben, bis die vielen Handlungsstränge in der Climax ein stimmiges Ganzes ergeben. Dieser Fantasy-Roman macht Spaß und ist höchst unterhaltsam, auch wenn man ihm manchmal anmerkt, dass er die Abschlussarbeit eines Literaturstudiums ist.

Siri Hustvedt: Sorrows of an American
Ich möchte Siri Hustvedts Bücher niemals in irgendeiner Übersetzung lesen. Zu schön ist ihre Sprache, zu bildhaft und eloquent, an manchen Stellen lyrisch. Die Geschichte erzählt aus der Perspektive eines Psychologen, dessen Vater gestorben ist, und der sich gemeinsam mit seiner Schwester daran macht, einige Ungereimtheiten aus der Vergangenheit seines Vaters zu klären. Was mir an Siri Hustvedts Geschichten wirklich gefällt – abseits der Sprache – ist der sorgfältige und vielschichtige Aufbau ihrer Charaktere, sowie die introspektive Perspektive, die sie gerne einnimmt. Ähnlich wie „Die unerträgliche Leichtigkeit…“ eines der Bücher, auf deren Genuss ich ungerne verzichtet hätte.

Paul Auster: Invisible
Vielleicht liegt es daran, dass ich ähnliche Schönheit erwartet habe, wie in den Geschichten seiner Frau. Vielleicht auch, dass mich die Geschichte nicht wirklich gefesselt hat, obwohl sie eigentlich jede Menge Spannung verspricht: Mann, Frau, zweiter Mann, Dreiecksbeziehung, Mann und Mann zudem auch beruflich verwoben. Ein gutes Buch und eine gute Geschichte; vielleicht habe ich einfach zu viel erwartet.

Henning Mankell: Wallanders erster Fall
Bei Mankell wusste ich sehr genau, was mich erwartet. Knapper, fast schroffer Stil, ein Kommissar, den seine Fälle mitnehmen, und bei dem man schon früh merkt, dass die Geschichten nicht spurlos an ihm vorbeigehen werden. Ich mag Wallander, weil ich mich mit ihm identifizieren kann. „Wallanders erster Fall“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, welche die Geschichte des wohl berühmtesten schwedischen Polizisten näher erläutern.

Gerade versuche ich mich – zum wiederholten Male – an Oh, Play That Thing von Roddy Doyle – eine klassische 20er/30er amerikanische Gangstergeschichte. Der Protagonist – irischer Einwanderer – arbeitet als Kleinganove und trifft irgendwann Louis Amstrong. An sich ein interessantes Thema, aber anstrengend, weil introspektiv mit vielen Gedankensprüngen, und die wörtliche Rede – von der gibt es viel – ist blöde formatiert.

Mein erstes Mal…

Dass ich ein ebook lese.
Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit. Immerhin hatte ich ja das schicke Tablet gewonnen, und ein Anwendungsgebiet dieser Geräte ist es ja, auch ebooks darstellen zu können. So hatte ich also die Kindle-App schon von Anfang an installiert und auch mal bei Amazon hereingeschaut, was es denn so gäbe.
Tatsächlich gibt es dort auch einige Bücher für umsonst; z.B. viele Werke von Jules Verne, oder auch Goethes Faust.
Auch ist es möglich, sich von jedem digitalen Buch zunächst eine Art Probeversion herunterzuladen, die man dann später gegen Entgeld vervollständigen kann.
Die öffentlichen Bibliotheken sind leider – auch wegen der stark unflexiblen Haltung der Verlage – noch nicht so weit, wie ich gehofft hatte. Ebooks auszuleihen, ist also eher etwas für die Zukunft (allerdings kann ich mir in der Uniblibliothek viel Fachliteratur herunterladen).
Während der Veranstaltung, die ich gestern betreut habe, überkam es mich dann aber. Verrückterweise habe ich ein paar Wochen vor den nächsten Klausuren unheimlich viel Lust auf geschriebene Worte; ich habe den Eindruck, ich bräuchte jetzt dringend ein Buch, zu Testzwecken natürlich digital. Weiterlesen „Mein erstes Mal…“

Tag 7: An welchem ich mich erinnere

oder: Memento Mori

Ich habe mich schon oft – spätestens aber, seit ich damals Memento gesehen habe – gefragt, wer ich wohl wäre, hätte ich keinerlei Erinnerungen. Könnte ich mich selber definieren und eine Persönlichkeit aufbauen, oder würde ich einfach nur existieren, zum immerwährenden Leben im Jetzt verdammt?
Ich vermute, ich könnte keinerlei Meinungen bilden (aber auch keine Vorurteile), ich hätte keinerlei Vergleichswerte (aber eben auch keine Traumata) und wäre fortwährend gezwungen, mein Weltbild – das sich über lange Jahre gebildet und verfestigt hat, manchmal aber auch radikal umgeworfen wurde – ständig neu zu gestalten. Das wäre anstrengend…
Umgekehrt ist es ein Segen, dass ich wenigstens einige Dinge vergesse – leider oft die Falschen, wie ich während der Mathewiederholung in der Uni gemerkt habe…
Dazu passend gibt es die Geschichte mit den Goldfischen: Angeblich haben die nur ein sehr kurzes temporales Gedächtnis. Befinden sich also zwei Fische in einem Glas, so haben sie ständig den Eindruck, wem neuen zu begegnen; sie begrüßen sich also den ganzen Tag…
Vielleicht erklärt das auch, warum es nicht die Goldfische sind, die besser rechnen können als Computer

7. Buchfrage: Ein Buch, das dich an jemanden erinnert

Wie sollte mich ein Buch nicht an jemanden erinnern? Ich meine, der Großteil meiner Bücher ist mir geschenkt worden, und selbst wenn nicht, dann verbinde ich meistens eine Person mit dem Buch. Sei es, dass mir die Person das Buch empfohlen hat, mit mir das Buch kaufen war, es selber irgendwo stehen hatte…

Eine besondere Erinnerung gehört dem Buch „Neverwhere“ von Neil Gaiman, welches ich von einer Schulfreundin geliehen bekommen habe. Ohne eine besonders enge Bindung zu ihr zu haben, verband uns eine gemeinsame Zeit der Jugendarbeit; wir sind beide (samt einigen anderen) gleichzeitig ins Ausland gefahren, und so weiter. Während ihrer Facharbeit für die Schule hat sie sich ausgiebig mit Kellerasseln beschäftigt, das fand ich irgendwie cool.

„Neverwhere“ ist eine gute Geschichte; der Protagonist lebt im London der heutigen Zeit – bis er ein Mädchen von der Straße aufliest. Die ist nämlich in einem Parallellondon zuhause, in welchem der Protagonist natürlich in allerlei Ungemach verwickelt wird – und vermutlich auch vielen Kellerasseln begegnet, wenn auch unbewusst… Neben der Welt, deren Beschreibung Tim Burtonsche Bilder in mir weckt, ist die Sprache ein Genuss. Es folgt eines der besten Zitate in englischer Sprache. das ich kenne:

„Oh, Messire Maquis. I think I can confidently state, with no risk of contradiction from any parties here present, that you have taken leave of whatever senses you are reputed to have had. You are,“ he confided, „if you will permit the vulgarism, completely off your head.“

Dies aus dem Munde eines brutalen Schlägers, der alles frisst, was ihm in den Weg kommt.

Ich habe ihr das Buch nie zurückgegeben…

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