Musik in High Fidelity

Es hatte sich zufällig ergeben, dass ich mir mal wieder „High Fidelity“ gegriffen habe, jenes bezaubernde Debüt von Nick Hornby, in dem es vordergründig um Musik geht und hintergründig um Beziehungen. Zu Frauen, zu anderen Menschen, und – zumindest beim Protagonisten und Ich-Erzähler – sich selbst.

Bei so Menschen wie dem Protagonisten – und in Abstrichen auch bei mir – läuft beim Lesen eines solchen Buches automatisch der Soundtrack im Kopf mit; kenne ich eines der angesprochenen Lieder, „spielt“ mein Kopf es auch.

Da ich nicht weiß, wie man bei youtube eine Playlist erstellt (Schritt eins, vermutlich: sich bei youtube anmelden), gibts hier die Videos eins nach dem anderen. Es gibt nicht jedes im Buch erwähnte Lied (das sind einfach zu viele), aber zumindest die meisten:

I never really got over Charlie. That was when the important stuff, the stuff that defines me, went on.
Some of my favourite songs:

We’re in a quiet street in Holloway, carefully placed to attract the bare minimum of walk-past punters; and the people that live here don’t seem terribly interested in my Stiff Little Fingers white label (twenty-five quid to you – I paid seventeen in 1986) or my mono copy of Blonde On Blonde.

I cannot imagine what kind of conversation we’d have if I were to tell Dick about my weekend. He’d probably just crumble to dust if I explained that Laura had left. Dick’s not big on that sort of thin; in fact, if I were ever to confess anything of a remotely personal nature – that I had a mother and father, say, or that I’d been to school when I was younger – I reckon he’d just blush, and stammer, and ask if I’ve heard the new Lemonheads album.

Barry puts his hand into his leather jacket pocket, produces a tape, puts it in the machine and jacks up the volume. Within seconds the shop is shaking to the bass line of ‚Walking On Sunshine‘, by Katrina and the Waves. It’s february. It’s cold. It’s wet. Laura has gone. I don’t want to hear ‚Walking On Sunshine‘. Somehow it doesn’t fit my mood.

They [The Beatles] belong to me, not to me and Laura, or me and Charlie, or me and Alison Ashworth, and though they make me feel something, they won’t make me feel anything bad.

There are many songs that I’ve been trying to avoid since Laura went, but the song that Marie LaSalle opens with, the song that makes me cry, is not one of them. The song that makes me cry has never used to make me cry before; in fact, the song that makes me cry used to make me puke.

I stand up to go, and then get back on my knees; I just want one last, lingering look.
‚Can I buy this Otis Redding single off you?‘
‚Sure. Ten pee.‘
‚Oh, come on. Let me give you a tenner for this, and you can give the rest away for all I care.‘
‚OK. Because you took the trouble to come up here. And because you’ve got principles. But that’s it. I’m not selling them to you one by one.‘

Dies ist etwa ein Viertel der Geschichte. Im nächsten Abschnitt erzählt der Protagonist davon, wie er Laura kennengelernt hat und welche Musik er als DJ aufgelegt hat. Aber das gibts ein anderes Mal 🙂

Alle Zitate aus: Nick Hornby: „High Fidelity“, Penguin Books, 2000

Tag 25: An welchem ich mich heldenhaft verhalte.

oder: Wenn alle Drachen ausgestorben sind, werdet ihr feststellen, dass man genauso heroisch gegen Stoffhasen kämpfen kann.

Ich nehme an, wir alle haben noch die Szene aus Monty Pythons „Sinn des Lebens“ vor Augen, als der Protagonist von einem Stoffhäschen angegriffen wird, oder?

Now to something completely different.

Über „Stranger Than Fiction“ hatte ich schon geschrieben; deswegen werde ich es hier nicht tun und einen Augenblick warten…

Zu Ende gelesen? Gut!

Natürlich war ich derjenige in der „Schatzinsel“, der letzten Endes den Schatz gehoben und sich aller Feinde heorisch entledigt hat.
Selbstverständlich  war ich dabei, als wir Gollum ausgetrickst haben und wir durch ein Reich voller Gefahren gereist sind.
Und ich war es natürlich, der dem Mann in Schwarz durch die Wüste folgte. Was hätte ich denn auch anderes tun sollen?

In solchen Momenten sehe ich mich gerne so: … doch irgendwie wäre mir das Leben eines Helden dieses Kalibers dann doch reichlich anstrengend (man erinnere sich an meine Fehlerliste), und deswegen wäre

Buchfrage 25: Ein Buch, bei dem die Hauptperson dich ziemlich gut beschreibt

eben kein Heroenschinken, sondern eher etwas weniger Actionlastiges, Antiheldisches.
Als Erstes fiel mir natürlich Herr Lehmann ein, haben wir doch beide eine Barkeepervergangenheit und leben in Berlin – aber Herr Lehmann ist mir doch ein bisschen zu lethargisch.
Man stelle sich mich so vor:
und nun noch schwarze Haare und allgemein John-Cusack-mäßiger… und voila! wir sind bei High Fidelity von Nick Hornby.
Eines der wenigen Bücher, bei dem ich sowohl Buchvorlage, als auch Film äußerst vergnüglich fand. Der (Anti)held unserer Geschichte – Rob- versucht sein Beziehungsleben auf Vordermann zu bringen, scheitert dabei immer wieder an sich selber und hört eine ganze Menge Musik währenddessen. Er ist nicht ganz so lethargisch wie Herr Lehmann, aber an Stellen begriffstutzig, an denen man es nicht glauben möchte, alles in allem aber ein durch und durch liebenswerter Typ 😉
Die Geschichte lebt selbstverständlich von Nick Hornbys enormen Kenntnissen englischer Popkultur und dem Widerpart Barry – sein fieser, neurotischer Umgang mit Musik und deren Hörern ist einfach super…
Zudem ist mir der Platten-Sortieralgorithmus des Helden sympatisch – auch wenn ich nie Top5-Listen gemacht habe.
Es gab einen solchen Laden tatsächlich, und die beiden Verkäufer dort sind als DJs unter dem Namem Rob & Barry aufgetreten, ich habe dort meinen ersten Plattenspieler und viele, viele gute Platten gekauft – aber leider ging der Laden den Gang allen Kapitalistischen: er wurde mangels Umsätzen platt gemacht und durch ein Mehrzweck-Büro-Ärzte-Wohnhaus ersetzt.

Tag 24: An welchem ich Fehler begehe

oder: Sind wir nicht alle Mängelexemplare?

Während ich mich gestern noch genüsslich über den Unsympath ausgelassen habe, wird es heute Zeit, mich meinen eigenen Fehlern zu stellen.

Ich bin ungeduldig.

ICH! ÜBERTREIBE! MANCHMAL! MASSLOS!

Ärgernisse halte ich manchmal zu lange zurück.
Um sie dann explosionsartig zu entladen.
Und treffe dabei manchmal den Falschen.

Ich neige zu Faulheit – ich habe bloß keine Zeit dafür, denn

Manchmal verzettele ich mich, müsste eigentlich an drei Orten gleichzeitig sein, und muss notgedrungen Menschen enttäuschen.

Ich bin perfektionistisch.
Und sehe dann nicht den Wert dessen, was ich gut gemacht habe.

Und allzu oft lasse ich meine Dämonen ein Urteil über mich fällen, das mir nicht gut tut.

Ich finde es dann immer wieder erstaunlich, dass es Menschen gibt, die mich trotz meiner offensichtlichen Fehler mögen, die Wert auf mein Urteil legen, die sich von dem, was ich sage – und schreibe – beeinflussen lassen – und das offensichtlich gerne, wenn die die Kommentare hier richtig deute.
Ich will keine Streicheleinheiten. Ich glaube, dass ich mich mittlerweile ganz gut mit mir arrangiert habe, und glücklicherweise haben meine Dämonen Höhenangst (weswegen ich so gerne klettere). Ich wollte nur, dass ihr wisst, dass ich mir meiner Fehler bewusst bin und hart dran arbeite.

24. Buchfrage: Ein Buch, von dem niemand vermutet hätte, dass du es gelesen hast.

Seltsame Frage. Alle meine Bücher haben in einem gewissen Sinne mit mir zu tun und sind deswegen erwartbar – sonst hätte ich sie ja nicht. Als ich mein Regal durchsucht habe, fiel mir aber eines ins Auge, das ich normalerweise links liegen gelassen hätte – „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner.

 

Junge Frau mit Depressionen, geschrieben von einer Musikmoderateuse, deren flippiges Auftreten mich nur so halb begeistert hat – ein Autor, der viel über Musik schreibt, der ebenfalls zu Popkultur zählt und im Alphabet gar nicht so weit weg ist – Nick Hornby – klingt schon eher nach meinem Beuteschema.
„Mängelexemplar“ also. Ich habe es gelesen – recht schnell, sind ja nicht so kompliziert, die Sätze – und gemocht. Denn die junge Frau ist bemerkenswert unniedlich – eigentlich will sie nur irgendwie klarkommen, doch da sind diese Panikattacken… Sarah Kuttner hat ihrer Protagonistin einen erstaunlich normalen Lebensweg mitgegeben, mit dem ich mich gut identifizieren konnte.
Zudem – und das hat mich überzeugt – ist das Ende zwar positiv, aber nicht kitschig-gut – und das mag ich.

„Mängelexemplar“ also.

 

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