Sünndagsschnack (13)

Moin moin,

Welcher kreative Typ bist du?
Ein bekannter Hersteller für Foto-bearbeitungs-Software hat ein Psychoquiz programmiert, das die Frage beantworten soll, welcher kreative Typ man denn sei. Persönlich halte ich von solchen Quizzes nicht besonders viel – ich verorte die Aussagekraft irgendwo zwischen Glückskeks und Kalenderspruch – aber es macht mir viel Spaß, die Fragen zu beantworten und währenddessen zu reflektieren, ob ich eher meine Kreativität oder eher meine Durchhaltefähigkeit als „Secret Weapon“ betrachte.
Noch dazu ist das Quiz visuell ansprechend gestaltet, hat ein klares Konzept und Struktur – und das wiederum entspricht meinem kreativen Typ.
Vermutlich ist das Quiz Teil einer Werbekampagne, aber man kann es machen, ohne persönliche Daten eingeben zu müssen (und damit ist es eher ein unpersönliches persönliches Quiz, aber das nur am Rande) und die Animationen können einen verregneten Sonntag aufhübschen.

mycreativetype.com

* * *

Vom Lieben und Benutzen
Wo wir gerade schon am Reflektieren sind. Darüber kann man mal nachdenken:

„Menschen wurden erschaffen um geliebt zu werden. Dinge wurden erschaffen um benutzt zu werden.
Der Grund warum sich die Welt im Chaos befindet, ist weil Dinge geliebt werden und Menschen benutzt.“

Dalai Lama

* * *

Vom Haben und Brauchen
Eigentlich mag ich den Spruch „Haben ist besser als brauchen.“ ganz gerne. Er hat so etwas von leicht großspurigem Ausgerüstetsein nach dem Motto „Ich kaufe schon mal den 5000-PS-Rasenmähertrecker, falls das mit den Blumenkästen auf dem Balkon was wird und wer weiß wie schnell man an einem verregneten Sonntag dasitzt und sich denkt: „Hätte ich jetzt mal den 5000-PS-Rasenmähertrecker.““ – wenn man den Spruch positiv sehen will, hat er was von „Vorbeugen ist besser als heilen“, und im schlimmsten Fall endet er damit, dass man an eben einem solchen Sonntag mit einer Dreilagenfünfundzwanzigwetterzoneneverestfunktionsjacke für schlanke 499€ vorm Bäcker steht und die billigsten Schrippen kauft, weil die ganze Kohle schon für Rasenmähertrecker und Jacke draufgegangen ist.

Ich würde vermutlich daneben stehen und ein schönes Franzbrötchen kaufen, gekleidet in meiner Fahrradjacke, die ich seit etwa 10 Jahren besitze, fast täglich trage, viel erlebt habe und die mittlerweile buchstäblich auseinanderfällt. Ich brauche tatsächlich eine neue Jacke, aber ich will keine neue Jacke haben, denn die alte ist doch super, ich liebe sie (sorry, Dalai Lama), und genau dieses schöne, einfache, haltbare Modell kann man in der Form gar nicht mehr bekommen, und das lässt mich etwas ratlos zurück.

Ist es so, dass wir brauchen, was wir haben, oder doch eher, dass wir es brauchen, was zu haben?

Jümmer schön suutje blieven.

festgemacht

Elaine ist durchsichtig

Elaine fühlt sich ein bisschen wie ihre Spiegelung im dunklen Fenster, als sie von ihrem Laptop aufblickt: irgendwie da, aber halbseiden, durchsichtig, ein wenig verschwommen – und nicht ganz real.

Es liegt auch ein wenig daran, dass die einzige Lichtquelle ihres ansonsten dunklen Zimmers eben jener Laptop ist, und so kann sie ausser ihrem eigenen Gesicht und dem hellen Pulli mit den lustigen Streifen, die dessen Licht reflektieren, nicht viel erkennen – sie kommt sich vor wie ihre eigene Geistererscheinung und schaudert ein wenig.

Jenseits ihrer Reflektion, quer über den ebenfalls dunklen Hinterhof geschaut, erblickt sie ein warm beleuchtetes Fenster.

Es gehört zu einer Küche, und Elaine erblickt zwei Personen, die dort am Tisch sitzen, rauchen, trinken und sich unterhalten.

Es muss ein schöner Abend für beide sein; sie unterhalten sich angeregt, sind dabei aber entspannt, lächeln sich an – jetzt steht sie auf und zeigt ihm etwas, und er schaut es an, nickt und stellt es behutsam auf den Tisch, bevor er sein Bier greift, einen kurzen Schluck nimmt, und dann, offensichtlich von ihr angeregt, zu lachen beginnt und sie anstubst.

Müsste sie sich einen perfekten Moment vorstellen, dann wäre dies einer: zwei Menschen, völlig entspannt, im Einklang miteinander und sich selbst. Es gibt keine Erwartungen, denn sie haben bereits alles, was sie sich wünschen könnten.

Elaine hat mal von der Theorie der multiplen Universen gehört, nach der es nicht nur ein einziges Universum gibt, sondern unzählige Universen, die sich gegenseitig durchdringen.

Wenn sie in dieses Küchenfenster schaut, dann braucht sie keine physikalische Definition um zu wissen, dass die beiden Menschen dort in dieser Küche ein kleines Universum für sich sind.
Elaine stellt sich vor, dass die gesamte Welt verschwindet, und nur noch dieses Küchenfenster existiert, mit den beiden Menschen drin, die sich unterhalten und sich selbst völlig genug sind.

Elaine muss durch ihre eigene Reflektion schauen, um das Küchenfenster zu sehen, und wenn sie sich lange drauf konzentriert, dann verschwindet sie – und seltsamerweise ist sie positiv berüht von diesem Gedanken.

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