Sünndagsschnack (31)

Moin moin,

Tolle Künstlerin
Ich schaue mir gerne die Videos des Landschafts- und Reisefotografen Elia Locardi an. Ich mag die Art, wie er seine Fotos angeht, wie er sich Zeit lässt und immer versucht, den perfekten Moment und die perfekte Komposition zu finden. Seine Nachbearbeitung finde ich manchmal etwas zu heftig, aber das ist ja auch Geschmackssache.
In seiner Serie „Moments in Time“ trifft er sich auch immer wieder mit anderen KünstlerInnen, und Sara Lando hat mich sehr beeindruckt. Ich finde großartig, wie sehr ihre Kunst eine Mischung aus digial und analog ist, wie sehr es um den Prozess geht und um Offenheit, das Entdecken und Spielen, und weniger um ein (festgelegtes) Endergebnis. Und damit kann ich mich sehr identifizieren, bei mir kommt auch immer etwas anderes raus, als ich mir eigentlich vorgenommen habe 🙂
Tatsächlich finde ich ihren Ansatz so spannend, dass ich mir fest vorgenommen habe, dieses Jahr etwas Ähnliches auszuprobieren.

Weiterlesen „Sünndagsschnack (31)“

Von der Schwierigkeit, einen ökologisch halbwegs unbedenklichen Schlafsack zu kaufen

tl;dr: Ich brauche einen Schlafsack, und Vaude ist die einzige Firma, die überhaupt Angaben zur Umweltverträglichkeit macht.

Es kann kalt werden in Australien, musste ich zu meinem Erstaunen feststellen – vor allem, wenn man im europäischen Hochsommer ins Flugzeug steigt.¹

Mein leichter Sommerschlafsack reicht da wenn überhaupt nur sehr, sehr knapp aus. Den Winterschlafsack, mit dem ich in Island unterwegs war, hatte ich ausgeliehen, und wollte ihn aus mehreren Gründen nicht mitnehmen. Hauptgrund: mit knapp 3Kg und einem Packmaß, das alleine eine Fahrradtasche füllt, ist er nicht gerade praktisch.

...auch wenn er selbst auf dem Deich schön warm ist.
…auch wenn er selbst auf dem Deich schön warm ist.

Auch in Hinsicht auf vermutlich kommende zukünftige Touren habe ich mich entschieden, einen neuen Schlafsack zu kaufen. Dabei standen für mich zunächst folgende Kriterien im Vordergrund:

  • Kunstfaser (Daune ist feuchtigkeitsempfindlich und tierschutzmäßig bedenklich)
  • kleines Packmaß (muss ja transportierbar sein, ne)
  • geringes Gewicht (siehe Packmaß)
  • Komfortbereich um 0°, Limit bei -5°, Extrem irgendwo zweistellig
  • bezahlbar (Maximum 200€, da ich auch noch mehr Zeug brauche)

Aus den Kriterien ergaben sich vor allem zwei Modelle: Ajungilak Winter Kompakt, Deuter Exosphere -4. Beide mit beeindruckenden Werten zu Packmaß und Wärmeleistung; den Ersten gibt es gerade beim Onlinehändler im Paket mit einer hervorragenden Isomatte, der Zweite besticht durch seine Dehnbarkeit – ich liege gerne mit angewinkelten Beinen auf der Seite.

Ein wenig googlen nach dem besten Preis – und dann die böse Überraschung: im Ökotest 2010 fällt der Ajungilak mit „ungenügend“ durch, der Exosphere ist nur marginal besser. Hauptkritikpunkte: (vermutlich) krebserregende Farbstoffe, Materialien, die nur extrem schwer abbaubar sind, Herstellungsprozesse unklar, aber vermutlich sehr umweltbelastend; und so weiter.

Das alles passt überhaupt nicht zu meiner Vorstellung, mit dem Rad durch (zumindest teilweise) unberührte Natur zu reisen – und diese auch einigermaßen spurlos wieder zu verlassen. Ich kann mich nicht über Plastikholzbohlen ereifern, wenn das Brett vor meinem Kopf selber eine solche ist.

Nur die Natur und ich.  Und  polyfluorierte Kohlenwasserstoffe, Farbstoffe, Teflon, etc?
Nur die Natur und ich. Und polyfluorierte Kohlenwasserstoffe, Farbstoffe, Teflon, etc?

Nun weiß ich, dass sich in den letzten Jahren in der Outdoorbranche Einiges getan hat. Patagonia produziert seit jeher mit wiederaufbereiteten Materialien, Vaude ist Vorreiter, was nach Bluesign produzierte Produkte betrifft – angeblich das weltweit strengste Ökolabel; andere Hersteller schließen sich an. Es gibt also durchaus Nachhaltigkeitsbestrebungen, auch wenn die Werbung sich immer noch drauf konzentriert, vor allem die Unverwüstlichkeit der Kleidung herauszustellen.

Bei Schlafsäcken zählen in erster Linie Packmaß und Wärmeleistung, so war es ja auch in meiner Prioritätenliste. Doch nach dem Ökotestbericht dachte ich ein wenig nach. Wollte ich wirklich mit einem Schlafsack reisen, der nicht nur umweltschädliche, sondern auch potenziell gesundheitsbelastende Stoffe emittiert? Das zaghafte „nein“ in meinem Kopf wurde langsam, langsam lauter als das Rascheln der Geldscheine – denn ein umweltverträglicher Schlafsack würde wohl kaum billiger zu haben sein, als ein konventioneller.

Zunächst die Nachfrage bei Ökotest: Gibt es vielleicht einen aktuellen Test? In den vergangenen fünf Jahren sind eine Menge neuer (umweltverträglicher) Materialien und Herstellungsverfahren entstanden. Antwort: leider nein.

Also muss ich vom Status Quo ausgehen. Wie sieht es denn mit den Herstellerinfos aus? Alle geben genau an, welches Polyamid, Polyester, etc. sie benutzt haben – aber weitergehende Umweltinfos? Computer says no.

Ohne Werbung machen zu wollen – Vaude sind die Einzigen, die zumindest angeben, unter welchem Ökolabel ihre Schlafsäcke entstanden sind – dies sind Bluesign und Greenshape, letzteres von Vaude entwickelt und der Nachhaltigkeit verpflichtet. Sie lassen beide genug Schlupflöcher für Sauereien („bis zu 90%“, „größtenteils“, usw.) – aber ich nehme Vaude ab, dass sie ihre Nachhaltigkeitsstrategie wirklich ernst meinen.

Es gab also zwei Modelle, die meinen (angepassten) Kriterien entsprachen: der Vaude Sioux 800 und der Vaude Arctic 800. Beide nach Bluesign/Greenshape hergestellt, einer etwa 100€, der andere bei 250€ angesiedelt (der höhere Preis kommt durch geringeres Gewicht bei höherer Wärmeleistung).

Jetzt noch mit ein bisschen Glück nach einem Sonderangebot gefahndet, und bei 175€ habe ich mich dann für den Arctic 800 entschieden, der leichter, wärmer und eben teurer als der Sioux ist.

Den Kauf verstehe ich dabei auch als klares Statement für mehr Nachhaltigkeit gerade in der Outdoorbranche. Ich kann höchst selten mit Geld um mich werfen. Jede Investition in Kleidung, Material, Equipment lasse ich mir mehrmals intensiv durch den Kopf gehen und überlege, ob sie wirklich, wirklich nötig und sinnvoll ist. Gerade muss ich mir keine existenziellen Sorgen machen, sodass ich tatsächlich in der Lage bin, den Schlafsack auch zu bezahlen. Und in diesem kann ich dann hoffentlich nicht nur körperlich tief und fest und gut schlafen; er soll mir ja noch einige Jahre erhalten bleiben.

¹Der ökologische Fußabdruck des Fluges – 8832 Kg CO2 laut klimanko.de – bereitet mir Alpträume, wenn ich näher drüber nachdenke – aber das tue ich an dieser Stelle lieber nicht. Die Kompensation kostet 200€, die ich eigentlich hätte mitkalkulieren müssen. Mal sehen, ob ich mir das leisten kann.

Prolog

IMG_2118

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, das mich gerade schlaflos sein lässt. Das große Abenteuer steht unmittelbar bevor, doch gerade fühlt es sich noch unendlich weit weg an – und ein anderer Urlaub, eine andere Welt, neigt sich dem Ende zu.

Die vergangenen zwei Wochen waren sehr besonders, und sie als „Zwischenetappe“ auf dem Weg nach Island zu betrachten, wird den Erlebnissen der vergangenen Tage nicht ansatzweise gerecht. Sie waren so dicht gepackt mit Gesprächen, Treffen, Grillen, Orten, Vergangenheit, Grillen, Vorbereitungen, Gegenwart, Grillen und Zukunft, dass auch schon das Eiswettessen meiner Tante und meiner Mutter scheinbar unendlich weit zurück liegt, weil in den zwölf Stunden seitdem ein weiteres Grillen bei Freunden, zwei, drei Details fürs Gepäck und ein Besuch des Weserstrandes in Rechtenfleth – wo ich vor etwa 15 Jahren zuletzt war – liegen.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich zwei Wochen am Stück in der alten Heimat war, seit ich von hier weggegangen bin, und jetzt geht es erst richtig los – Samstag ist die Einschulung meines kleinen Neffen, und Sonntag Abend werde ich in Elmshorn sitzen, mal wieder grillen, und die letzten Details mit Philipp planen und packen, um dann am Montag früh endgültig aufzubrechen.

Wir werden uns in Dänemark mit den dort campierenden Tante und Onkel treffen, worauf ich mich sehr freue – und uns Schritt für Schritt bzw. Kurbelumdrehung um Kurbelumdrehung Island nähern.

Das Gepäck, welches ich physisch bewegen kann – und muss – ist größtenteils gepackt; der Schlafsack darf noch etwas atmen, bevor ich ihn in die Tasche stopfe.

Im Kopf muss ich allerdings erst einmal ein bisschen Platz schaffen, was vermutlich ein paar Kilometer in Anspruch nimmt (der erste Schritt ist dieser Blogpost) – zu eindrücklich und letzten Endes auch voll waren die vergangenen Tage.

Die eine Schwester, die sich im Seilgarten eine Etage höher getraut hat als noch im vergangenen Jahr, die andere, die sehr gastfreundlich und über alle Maße großzügig war. Die vielen tollen Begegnungen mit Freunden und Familie und auch dem ein oder anderen Bekannten, was beide Parteien gleichermaßen überrascht hat. Haake Beck. Das Fußballtraining mit dem Neffen, der so stolz drauf ist, dasselbe Trikot wie Sebastian Mielitz zu tragen – er will Torwart werden…Die Tante, die ihr eigentlich gutes, aber kaum benutztes Fahrrad hervorkramt.
Viele, viele Kilometer mit dem Rad, teilweise bei großer Hitze, und an Orte, die ich lange nicht gesehen habe.

Und so wurde aus einer Zwischenetappe ein Prolog, ein Vorspann zu etwas anderem nicht minder Großem, aber völlig Verschiedenem. Was könnte hier besser passen, als der Titel des ersten Albums von Sigur Rós, das ich je gehört habe:

„Ágætis byrjun“

Ein guter Anfang.

Island mit dem Rad

Ich hab also nichtsahnend und unschuldig in der Uni gesessen und versucht, herauszufinden, wie man denn eigentlich studiert (Anm. d. Redaktion: der hat doch noch immer keine Ahnung…), als Philipp mit einem Vorschlag ankam:
Er hätte vor, im nächsten Sommer nach Island zu fahren – mit Fähre und Rad – und dann Island radelnd zu erkunden und zu durchqueren, und ob wir nicht selber Lust hätten, oder jemand kennen würden, der/die Lust hätte, mitzukommen.

Einer hatte, und der nächste Sommer ist angekommen…

Die unerschrockenen Radler
Die unerschrockenen Radler

Und so werde ich mich am 11. August mit Sack und Pack und vor allem auf meinem Rad zunächst von Hambergen nach Elmshorn aufmachen. An der Fähre Glückstadt erwartet mich dann hoffentlich Philipp, und nachdem wir uns die laut Philipp sehr eindrucksvolle Fahrradsammlung seines Vaters ausgiebig angeschaut haben, machen wir uns dann am nächsten Tag weiter auf und durchqueren Dänemark in Süd-Nord-Richtung, denn in Hirtshals wartet schon die Fähre, Abfahrt 17.08.¹

Nach zwei Tagen Aufenthalt auf den Färöern werden wir dann am 22.08 in Island anlanden – und dürfen auf den ersten 12 Km gleich mal einen Höhenunterschied von 600 Metern überwinden. Weiterlesen „Island mit dem Rad“

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: