Des Wahnsinns dicke Eier | Rob Zombie – Hellbilly Deluxe 2

Man wähnt sich zunächst in einer großen Halle oder etwas Ähnlichem. Der Wind pfeift, und von irgendwo her spielt eine Surfgitarre – und plötzlich fällt der musikalische Hammer, und man stellt fest, man ist keineswegs in einer alten Fabrikhalle, sondern im Titeltrack von Rob Zombies neuem Longplayer „Hellbilly Deluxe 2“.
Bleibt noch zu erwähnen, dass das Riffmonster sich „Jesus Frankenstein“ nennt und damit ganz wunderbar in die allgemeine Titelgebung des Albums einreiht – mit „Werewolf Women of the SS“ als Höhepunkt.

Die Musik selber ist eine stampfende, rumpelnde, breitbeinige Mischung aus Rock, Cockrock und Rockabilly. Nicht selten erinnert eine einsam gezupfte Akustikgitarre, die von einem Wall of Sound überrollt wird, an Volbeat  – die Dänen gefallen dabei aber mehr, weil sie nicht ganz so straight wohlbekannte Pfade betreten.

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sunday tunes

Volbeat – Guitar Gangsters & Cadillac Blood

Guitar Gangsters & Cadillac Blood
Volbeat - Guitar Gangsters & Cadillac Blood

„Scheiße, das ist ja fast Rockabilly!“ entfuhr es meinem Kollegen, als ich ihm zum ersten Mal Volbeat vorspielte. Äh, das ist korrekt.
Und auch wieder nicht, denn was die Dänen so interessant macht, ist die Mischung aus harten Gitarrenriffs, Rockabilly-mäßig arrangierten Songs und einer Stimme, die zwischen Elvis und Life of Agony liegt – selten war ich mit der Stimme eines Sängers so einverstanden.
Dass die Band nach nur drei Alben schon so unverwechselbar und trotzdem vielseitig ist, lässt sich vielleicht mit der Beschreibung des neuen Albums „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ erklären:

Athmosphärisch beginnt es, mit einem Wüstenrock-Intro, bei dem man förmlich den Sand knirschen hört. Eine Akustikgitarre spielt einsam ein paar Töne vor sich hin – bis ein Metalriff zum Titeltrack „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ – nun, nicht überleitet, sondern sich förmlich in die Stille hereinschneidet. Die Rhythmusgruppe beginnt zu stampfen, die Gitarren sägen weiter, und über dem allen thront die Stimme von Michael Poulsen mit ordentlich Rock’n’Roll-Timbre.

In der Art geht es weiter. „Mary Anns Place“ und „Wild Rover of Hell“ sind thrashig wie gutgelaunte Metallica, „Maybelenne I Hofteholder“ wurde irgendwie mit einer Zeitmaschine aus den Sixties geholt, und sogar vor Ska („Still Counting“) und einem Hank-Williams-Cover („So Lonesome I Could Cry“) scheuen die Dänen nicht zurück.

„Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ ist ein unverwechselbares, originelles und abwechslungsreiches Album, das sein hohes Level konstant durchhält. Und auch den Bezug zum Rockabilly; wer den nicht mag, wird mit Volbeat nichts anfangen können. Alle anderen werden Spaß haben!

www.volbeat.dk

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Feist – The Reminder

Feist - The Reminder
Feist - The Reminder

Deutlich ruhiger, dafür schöner, geht Feist zu Werke. Ihr semi-akustisches Set im melancholischen ersten Song „So Sorry“ klingt beinah ebenso zerbrechlich, wie ihr Gesang. „I Feel It All“ stellt sich schon fast als Antithese des vorangegangenen Songs dar, denn er ist wesentlich selbstbewusster vorgetragen und stärker instrumentiert.
Es steckt tatsächlich Energie in dieser Frau!
Die sie in „The Park“ gleich wieder ein wenig zurücknimmt. Feist kreiert hier eine Intimität, die so auch von Chan Marshal stammen könnte – durch die analoge Aufnahmetechnik, die Hintergrundgeräusche und den blechigen Gesang gewinnt der Song an Identität.
Überhaupt leben die Lieder, die Leslie Feist schreibt, stark durch die zurückhaltende, wechselnde, aber immer stimmige Instrumentierung. Hier ein paar Pianotönte eingestreut, dort eine angezerrte Gitarre, Glockenspiel oder zwei, drei langgezogene Töne auf der Trompete.
Dies alles kreiert schöne Lieder, die wunderbar zu einem langsamen Sonntagnachmittag passen.
Und gerade wenn man denkt, das ist jetzt alles zu ruhig, irgendwo plätschert alles nur noch vor sich hin, kommt mit dem Cover „Sea Lion Woman“ eine treibende Nummer, die zum Mitgrooven anregt, und danach geht es deutlich energischer zur Sache – ohne, dass die Songs jetzt weniger schön wären, Feist hat einfach nur einen Gang hochgeschaltet, was dem Album guttut.
Insgesamt fließt das Album locker-flockig vor sich hin, und es ist Feists hervorragendem Songwriting und der angesprochenen Instrumentierung zu verdanken, dass es nicht in Pop-Belanglosigkeiten abrutscht, sondern ein Kleinod zwischen Pop und Folk bleibt.
Wer mag, kann die CD haben, ich werd sie mir nochmal als Vinyl kaufen…

www.listentofeist.com

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Guitar Gangsters & Cadillac Blood

Mensch, mach die Räume nicht so eng! denke ich noch, während ich schneller trete, um noch vor dem Taxi auf die Straße einzubiegen, links und rechts von mir flimmern die Begrenzungsstreifen, beide in einer anderen Frequenz, weil sie unterschiedlich lang sind und ich denke noch, das ist ja wie beim Plattenspieler, wenn man da die Geschwindigkeit ändert, dann flimmern die Streifen ja auch anders und zeigen einem, wie schnell der Teller sich gerade dreht, doch dann muss ich mich wieder auf die Straße konzentrieren, was nicht sehr einfach ist, weil es spät ist, sehr spät und dunkel und weil ich natürlich feiern war, wie man das so macht an einem Freitag, es hatte ja zuerst mit einem verpassten Konzert begonnen – Volbeat, schade – und davor, am Schreibtisch hatte ich schon gedacht, ich komme hier ja gar nicht mehr los, weil mein Fahrrad einen Platten hatte, was ich bis abends ignoriert hatte und weil Linux nicht ganz so wollte wie ich, ich dem Problem aber auf die Spur gekommen bin und wenn man dann so drin ist in einem Problemlösungsprozess, dann vergisst man alles um sich herum, und als dann mein Tee kalt war und ich mir neuen machen wollte, kam ich zur Besinnung und wollte los, ich war auch schon auf halbem Wege zum Huxleys, bis mir dann aber aufgefallen ist, dass mein Fahrradschloss – denn das Rad hatte ich beim Herunterladen von Updates schnell geflickt – sich noch in meinem Rucksack befand, den ich nicht brauchte, weil ich nur mein Portemonnaie und meine Ohrenstöpsel mitgenommen hatte, aber auch mit angekettetem Rad wollten sie mich nicht reinlassen und so musste ich umdenken und bin nach kurzem Herumtelefonieren dazu gekommen, mich mit Freunden im White Trash zu treffen, wo allfreitäglich ein Live-Metal-Karaoke-Singen stattfindet, also, das muss man sich jetzt so vorstellen, dass da eine Band live, also in Echt jetzt, mit Instrumenten und allem, spielt und man sich aus einer Liste einen Song aussuchen kann, den man in Begleitung der Band dann singt, das klang von der Beschreibung her richtig spannend, aber ich war noch ein bisschen skeptisch, weil Karaoke nun mal nicht so mein Ding ist, Singstar aber wieder Spaß macht und ich ja für solche schrägen Sachen immer zu haben bin, wie übrigens eine ganze Menge anderer Menschen auch, knackevoll wars, und weil das Bier so teuer war, konnte ich immer nur in den Pausen zwischen den Karaokeblöcken schnell raus und zum Späti, aber das hat sich gut getroffen, denn die Raucher wollten eh immer raus, und so haben wir dann gemeinsam draußen gestanden und gefroren, uns unterhalten und dabei jede Menge Spaß gehabt, und die Mischung machts, finde ich, also zwischen Musik und Unterhaltung – und es war auch sehr gute Musik – und unterschwellig habe ich gedacht, das ist jetzt ne tolle Situation, weil man sich normalerweise in der Disco oder im Club weniger unterhält, – zumindest ich – weil ich das immer sehr anstrengend finde, gegen den Lärm anzuschreien, die Mischung machts also, aber das war mir nicht so sehr bewusst, als ich dort stand, das Becks in der Hand, da habe ich mehr die Situation im Ganzen genossen, da macht man sich nicht so Gedanken um das, was dahintersteckt, jedenfalls nicht so, wie O. und ich als wir uns am Ende des Abends in eine Kneipe gesetzt und noch ein letztes Bier getrunken haben, während wir über Gott, die Welt im Allgemeinen und Frauen im Speziellen unterhalten haben, wie man das halt so macht am Ende des Abends, und dann sind wir auseinandergegangen, O. in die Bahn und ich auf mein Rad, kalt ist es, schweinekalt und spät, sehr spät und dunkel und von dort hinten kommt ein Taxi, ich höre es, bevor ich es sehe, und während ich am Computer sitze und diesen Text schreibe und dazu Volbeat aus den Boxen knallen und die Reste des gestrigen Abends emotional (in meinem Kopf) und toxikologisch (in meinem Körper) sind, zaubert es sich in mein Gesicht, ganz heimlich und leise.

Ein Lächeln.

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