Der erwachsene Titel

tl;dr: Sascha ist der Meinung, dieser WM-Titel ist ebenso ein Resultat von harter Arbeit, wie auch des Erwachsenwerdens der Nationalmannschaft.

Nun ist er also endlich unter Dach und Fach, der erste Titel der “Ära Löw”. Es hat “zehn Jahre für diesen Scheiß” (Podolski) gedauert, doch nun ist er geschafft. Der Weltmeistertitel. Die Vollendung der Unvollendeten, die Typwerdung derjenigen, denen auch so mancher gestern freudtrunkener Fan noch vor dem Finale bescheinigt hätte, eben keine Typen zu sein.

Lässt man den Pathos, der gerade bei “Iron-Schweini” zum Umfallen zelebriert wird, einmal beiseite, betrachtet man mit etwas Abstand die Leistungen der Nationalmannschaft, kommt man darauf, dass es im Grunde Podolski mit seinem Satz, den er Schweinsteiger zuraunte, die Situation am besten beschrieben hat.

Sicherlich hat die Nationalmannschaft auf dem Weg zu diesem Titel auch das nötige Quäntchen Glück gehabt, und Talent sowie technische Fertigkeiten konnte man den Spielern niemals absprechen.

So sind mit Spanien und Italien die stärksten Gegner der vergangenen Jahre früh ausgeschieden. Nach dem Finale gestern bin ich mir allerdings sicher, dass auch sie geschlagen worden wären.

Sinnbildlich dafür sehe ich zwei Spiele.

Das 4:4 gegen Schweden

Man muss sich das einmal vorstellen: da führt man bis zur 60. Minute 4:0, beherrscht das Spiel. Dann kommen Schweden, Schlendrian und Ibrahimovic, und schon steht es 4:4. Die Mannschaft war nicht in der Lage, den als sicher geltenden Vorsprung über die Zeit zu bringen, vielleicht auch aus dem Bewusstsein (und Selbstverständnis) heraus, man könne ja schön spielen und jederzeit noch ein Tor machen.

Mehr als der Mannschaft wird dieses Spiel Löw gezeigt haben, dass man nicht stur an einer Taktik festhalten sollte, sondern durchaus flexibel sein kann, ohne die eigene Spielidee zu verraten. Selten habe ich die Nationalmannschaft taktisch so variabel gesehen, wie bei dieser WM. Natürlich wollten sie selber das Spiel gestalten, schön spielen, Tore machen. Und ja, als es 4:0 gegen Brasilien stand, gingen mir Gedanken an Schweden durch den Kopf. Es endete ungleich besser, wie wir alle wissen – was aber daran liegt, dass die Mannschaft eine gute Balance aus Offensive und Defensive gefunden hat, dass sie gelernt hat, einen Gang herauszunehmen, wenn es geht, einen wieder hochzuschalten, wenn es sein muss – und zwischendurch, wenn es die Situation erfordert, das ganze Getriebe zu wechseln.

Das ganze kombiniert mit Kampfgeist, und den gabs vor allem im

2:1 gegen Algerien

Die Bayern wirkten ratlos, damals im “Finale dahoam” gegen Chelsea, und auch in den Spielen gegen Real in dieser Saison. Ihr Matchplan fruchtete nicht, weil die gegnerische Mannschaft hinten dicht machte und sich auf Konter beschränkte (Real sehr viel schöner als Chelsea). Gerade gegen Real hat mich sich gewünscht, Kroos würde sich endlich einmal ein Herz fassen und aus der zweiten Reihe abziehen. Doch sie liefen weiter an, versuchten sich bis zur Grundlinie zu kombinieren und den Ball ins Tor zu tragen. So war anscheinend die einzig vorgegebene Taktik – und die funktionierte nicht. 180 Minuten lang. Ich bin mir sicher, Löw hat sich das auch angesehen, gerade in Hinsicht auf taktische Variabilität.

Und dann kam das Spiel gegen Algerien. Ein anstrengendes 0:0 gegen eine Mannschaft, die alles, aber auch wirklich alles, was sie hat, in die Waagschale wirft und sehr, sehr kompakt steht.

Die Nationalmannschaft hat inzwischen gelernt, taktisch variabel zu spielen. Sie versuchen vieles, scheitern aber ein ums andere Mal. An der Abwehr, am Torwart, am Willen der Algerier. Doch die Mannschaft blieb konzentriert (Schweden…) und verzweifelte eben nicht (Bayern vs. Real), sondern kämpfte sich weiter durch die Verlängerung – und schoss die beiden entscheidenden Tore.

Im Finale

dann kamen alle diese Faktoren zusammen. Ein unglaublicher Torwart in Topform, ein glänzender Boateng, der selbst, als er so erschöpft ist, dass er kaum noch laufen kann, alle Zweikämpfe gewinnt. Ein Höwedes, der zwar nach vorn nicht viel zustande bringt, aber hinten links zuverlässig dicht macht. Hummels, der unterstützt und Unterstützung braucht. Lahm in Topform. Özil, dem vieles nicht so gelingt, wie man es kennt und erhofft, aber sehr mannschaftsdienlich spielt. Klose, Müller gefährlich und unberechenbar wie immer. Kroos nicht mit seinem besten Spiel, aber einer guten Leistung. Kramer, der Unglücksrabe, bis zur Auswechslung konzentriert. Schürrle stets gefährlich, Götze mit dem genialen Moment.

Und Schweinsteiger. Stehend K.O., zweimal von den Argentiniern ausgeknockt, blutend vom Platz – und kaum getackert, steht er wieder auf und fordert den Ball, noch bevor er auf dem Platz steht. Es gab Spiele, da hat man gespürt, dass er innerlich aufgegeben hatte. Wer ihn nach der Verletzung auf dem Platz gesehen hat, wusste, dass alleine diese Geste jedem seiner Mitspieler unmissverständlich klar machte: Jetzt erst recht.

In diese Rolle musste Schweinsteiger herein wachsen. Er musste reifen, genauso wie Löw. Vielleicht brauchten sie tatsächlich diese zehn Jahre für diese Scheiße:

Ein Titel, der gewonnen wurde. Den sie sich erspielt, erarbeitet haben. Und der, mehr als alles andere, erwachsen wurde.

 

 

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

geschafft.

3:0

2:1

6:1

4:4

3:0

4:1

3:0

3:0

3:0

5:3

4:0

2:2

1:0

2:1

1:0

7:1

1:0

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

ist dies das leben

und ist dies das leben?

all das hetzen, all das streben,

das rasen und das schleichen

nach zielen, von denen wir nicht wissen,

ob wir sie erreichen.

 

ist dies das leben?

das zittern und das beben,

das bangen,

das harren und hoffen

- manchmal ergebnisoffen.

 

ist dies das leben?

zu nehmen und zu geben,

manchmal zuviel und manchmal nicht genug

das ist doch betrug

an dir,

an mir,

am leben

 

so ist es eben.

Veröffentlicht unter Uncategorized | 3 Kommentare