#30daymusicchallenge – Tag 3: Ein Song, der dich an den Sommer erinnert.

Ich hätte über den zwanzigsten Geburtstag dieses Albums schreiben wollen. Im Herbst 2016 gab es diesen runden Feiertag für eines der unterschätztesten Alben von R.E.M. „Automatic For The People“ ist das Herbstalbum der Band, „Out of Time“ der vielleicht überschätzteste Longplayer; doch das Album, was meinen Sommer 1999 geprägt hat, war „New Adventures In Hi-Fi“. R.E.M. rockig, rastlos, laut. Ich höre es bis heute gerne, das eklektische „How The West was Won…“, das leicht prollige „Wake-Up Bomb“, das leicht verträumte „New Test Leper“, das entspannte „Undertow“, das leicht desillusionierte „E-Bow The Letter“, das dramatische „Leave“, das rastlose „Departure“, das schöne „Bittersweet Me“, das merkwürdige „Be Mine“, das fatalistische „Binky the Doormat“, das schräge „Zither“, das krachige „So Fast, So Numb“, „Low Desert“, das man wohl am besten bei schöner Abenddämmerung hört, und schließlich und endlich das wundervolle „Electrolite“. Sie haben schönere Songs gemacht, berührendere, „Automatic“ bleibt unerreicht – aber „New Adventures“ ist mein heimlicher Favorit, ein Album, das – zumindest im Kopf – immer dann läuft, wenn die Sonne scheint, wenn ich im Auto unterwegs bin, wenn ich reise. Ich bin dann mal weg:

R.E.M. – Automatic For The People (1992)

Ein großer, dunkler Raum an einem Herbstabend. Es ist bereits empfindlich kühl, und es herrscht die leicht merkwürdige introvertierte Stimmung, die einen immer dann erreicht, wenn man herunterkommt von den aufregenden Dingen des Tages.

Ich befinde mich auf der Südinsel Neuseelands, und es ist kein Zufall, dass ich gerade hier meine intensivsten Erfahrungen mit „Automatic For The People“ mache. Ich nehme zusammen mit etwa 20 anderen Austauschschülern an einer organisierten Rundreise um die Insel teil, die wesentlich „wilder“, abwechslungsreicher und schöner erscheint als der Rest des Landes.
Wie das so ist mit mir, brauche ich immer wieder Auszeiten, um die Eindrücke zu sortieren, Meinungen zu bilden und ja, auch um Musik zu hören.
Ich habe seit etwa einem Jahr damit begonnen, mich intensiver mit R.E.M. auseinanderzusetzen, und während „New Adventures in HiFi“ sich zu meinem Favoriten mausert, schätze ich die Ruhe und die Dunkelheit, aber auch die Wärme, die von „Automatic…“ ausgeht – und so ist es kein Wunder, dass ich das Album in fast vollkommener Dunkelheit höre, um mich auf die Musik konzentrieren zu können. Weiterlesen „R.E.M. – Automatic For The People (1992)“

R.E.M. – Collapse Into Now

Es beginnt mit der mächtigen Nonchalance, mit der auch die Wintersonne morgens in die Augen scheint, wie um zu sagen: „Schau her, es ist zwar noch nicht Kurzehosenwetter, aber ich bin wieder da!“


So ungefähr legt das passend betitelte „Discoverer“ los – ein für R.E.M. – Verhältnisse wuchtiges Gitarrenriff mit einer fetten Bassdrum (live wird es ein Knaller) macht aus der Midtemponummer ein wenig mehr, als sie eigentlich ist. Es fühlt sich ein bisschen so an wie zu besten „New Adventure“ – Zeiten: das leicht rastlose Live-Gefühl.

„All The Best“ schlägt in die gleiche, krachige Kerbe, bevor „Überlin“ ein wenig ruhiger und introvertierter daherkommt. Der Titel kommt übrigens nicht von ungefähr; das Album ist nur 10 Radminuten von meiner Wohnung entfernt entstanden – warum erfahre ich das eigentlich erst jetzt?!?

„Oh My Heart“ ist ungewöhnlich instrumentiert – unter anderem Akkordeon – und schlägt mit seinem 3/4 Takt einen sehr folkigen Weg ein; Mike Stipes Stimme passt hervorragend in den Song, den er mit einer Mischung aus Distanz und Leidenschaft singt. Weiterlesen „R.E.M. – Collapse Into Now“

mad moosic munday – automatic for the cover

„Even though we know that Automatic For The People came out fifteen years ago, and we can clearly recall purchasing the neon yellow cassette back in the fall of 1992, it’s increasingly difficult to hear the album without imagining that its songs have somehow always existed in the world.“ – Matthew Perputa

Was für ein schönes Zitat – aber was ist es auch für ein schönes, melancholisches, tolles Album, das R.E.M. da gemacht haben. Gerade, weil es so schön ist, hebe ich es mir für richtig besondere Momente auf, und im Grunde will ich es auch nur komplett durchhören, ohne Unterbrechung.
Vor etwa einem Jahr habe ich mir die ein Tribute-Album heruntergeladen, das aus Coverversionen dieses Albums besteht, die verschiedene Bands aufgenommen haben.
Seitdem lag es auf meiner Festplatte und wurde nicht mehr angerührt – bis gestern.
Von der Vorstellung her klingt dieses Vorhaben in etwa so, als würde man z.B. den Liebesbrief eines anderen neu schreiben. Dann allerdings ist Musik auch immer etwas Öffentliches. Sobald ich ein Lied geschrieben und anderen vorgespielt habe, ist es zwar noch immer meine kleine Welt, die ich da erschaffen habe, aber zum Teil gehört dieses Lied auch denjenigen, die es hören, die davon beeinflusst werden oder inspiriert oder zumindest – auch das ist legitim – provoziert.

Ich habe also das Album heruntergeladen und wurde nicht enttäuscht – einige Cover sind beinah wie eigenständige Songs. Spannend zu hören, was aus einem Lied werden kann, wenn man es anders interpretiert.

Mein Vorschlag also: Kauft euch Automatic For The People im Original, hört es euch an, lernt es kennen, sofern ihr es nicht schon lange kennt. Und dann ladet das Coveralbum herunter. Ist übrigens völlig legal.

Übrigens gibt es an gleicher Stelle je ein Radiohead- und ein Björk – Coveralbum…

Stereogum – tribute to Automatic
Stereogum – tribute to OK Computer
Stereogum – tribute to Post.

so this is sunday…

… und folgerichtig habe ich den tag genutzt, um eher, äh, herumzuhängen. fedora wollte nicht so wie ich, aber immerhin habe ich ein vernünftiges plugin für mp3s gefunden, sodass ich die schon vorher heruntergeladenen musikstücke (alle legal über tonspion.de!) mal probehören konnte, zuvorderst die „Tribute To Automatic“ – coversammlung, die sich mit dem wunderbaren, von mir sehr geschätzen „Automatic For The People“ von R.E.M. beschäftigt – das gesamte album wurde lied für lied von verschiedenen bands in verschiedenen stilrichtungen interpretiert – „man on the moon“ wird so beispielsweise von den shout out louds eine bossa-nova-funk-version umgestaltet, die eher entfernt an das sonstige oevre der schweden erinnert…
alles in allem kommt das tribute-album lange nicht an die tiefe, herzergreifende schönheit von automatic heran – aber es ist unterhaltsam, und ich finds immer wieder spannend, wie unterschiedlich man ein und dasselbe lied interpretieren kann.

ähnliches gibt es auch von radioheads „ok computer“ – allerdings sind diese bands nicht so bekannt und bleiben näher an den originalen: download.

etwas größeres ohrenkino sind kwoon, bei denen ich mich erst einmal davon überzeugen musste, dass sie wirklich franzosen sind und keine isländer, denn manchmal erinnern sie mich schon stark an diese andere band aus island. sehr schöne, stellenweise bedrückende musik – „I Lived On the Moon“ könnte mir musikalisch noch weiter gehen; es klingt für mich wie eine – eindrückliche und sehr gute, aber entwicklungsfähige – skizze, und das video ist richtig super:

hier gibts dann ähnliches live, das ist „Eternal Jellyfish Ballet“ von kwoon.

sehr viel ruhiger, aber nicht weniger schön, geht bonnie prince billy zu werke (habe ich schon mal über ihn geschrieben?). der singer-songwriter sieht aus, als hätte er das ende des bürgerkriegs in amerika verpasst, aber meine güte, wenn man gute musik macht, kann man die zeit schon mal vergessen, oder?

bonnie prince billy – cursed sleep

wir sind ja jung, dynamisch und flexibel, und deswegen habe ich auch über zwei filme zu berichten, die ich mag:

der nebel – nach einer kurzgeschichte von stephen king. weniger horror als vielmehr spannung. eine gute, wenn auch simple geschichte, endlich mal ein konsequentes (und grausames) ende – was will man mehr? überzeugendere monster, die cgis waren schon unglaubwürdig. ansonsten: sehenswert!

broken flowers – mr. so wenig mimik wie möglich bill murray nebst einigen hochkarätigen schauspielerinnen als abgehalfterter don juan auf der suche nach der frau, die behauptet, er habe einen sohn. schönes, subtil witziges roadmovie, das ich schon immer mal sehen wollte.

zum abschluss ein kleines schmankerl von imogen heap. euch allen eine schöne woche!

 

bild: www.nordische-musik.de

die geschichte des don juan

cover me!

 

 

mad music munday

emilie simonheute soll es mal wieder einen ganz normalen mad music munday geben, mit musik, die ich in den letzten tagen (neu) entdeckt habe…

ich beginne mit sia furler, auf die ich aufmerksam wurde, weil die schlussszene meiner lieblingsserie six feet under mit einem song von ihr vertont wurde. dort präsentiert sie sich ähnlich wie cat power mit schönem gesang zu sparsamer akustischer instrumentierung. wenn wikipedia recht hat, dann kann sie aber auch trip hop – mal schauen!

wo wir grad bei schlussszenen sind: die dritte staffel von grey’s anatomy endet wohl mit nem song, den michael stipe und chris martin singen. anscheinend ne coverversion, aber so genau habe ich mich noch nicht damit beschäftigt.
der song jedenfalls hat mir ganz gut gefallen, und wenn er auch arg kitschig ist, so finde ich, dass sich die stimmen sehr gut ergänzen. damit ihr auch mal was tut, hier kein link sondern der hinweis, dass ihr das video findet, wenn ihr die namen der beiden bei youtube eingebt…

last.fm hat mir gestern eine band gespielt, die ich 2002 kennengelernt habe und von der ich dachte, es gäbe sie längst nicht mehr, aber pustekuchen!
flunk
scheinen lebendiger zu sein denn je, mit einigen neuen (und anscheinend abwechslungsreichen!) releases seitdem.
„for sleepyheads only“ habe ich mir damals im „woAnders“ gekauft (siehe Lübeck bei orte und geschichten), und weil ich damals so auf trip hop/ downbeat/ wieauchimmer man es nennen mag, stand (und es auch heute noch gerne mag), war die platte ne nette ergänzung neben air, massive attack und portishead – obwohl flunk ein gutes stück poppig und oberflächlich daherkommen, ist ihnen ne schöne coverversion von „blue monday“ gelungen, wie ich finde.

überhaupt air. die haben unlängst ein neues album herausgebracht, dass mich auch nach mehrmaligem hören ein wenig zwiespältig sein lässt. bei laut.de gibts ne schöne rezension, die das ganze recht gut einfängt. kaufen werde ich sie vermutlich trotzdem, wegen der guten songs, und um die sammlung zu vervollständigen. und bevor irgendwelche „copy kills“-mutanten auf die idee kommen, mich verdammen/verhaften/verklagen zu wollen: ist alles ganz legal, ich habe das webwheel benutzt.

wo wir schon bei pop sind (und bei franzosen): emilie simon ist es wert, mal wieder erwähnt zu werden. eigentlich hatte ich die cd nur wegen des covers (frau mit käfern drauf) gekauft, aber auch musikalisch hat sie so manche perle geschaffen. unbedingt mal anhören!

hat eigentlich mal einer diese (vielleicht) schräge platte mit piratensongs gehört, die gore verbinski und johnny depp zusammengestellt haben?
nee?
dachte ich mir!
naja, dann mal bis zum nächsten mad music munday…

Sundays Sad Songs

Am Anfang eine These: die besten Songs, die ich kenne, sind allesamt traurig oder melancholisch. Nun bin ich kein in dunklen Ecken heulender Emo und ich habe auch viel Spaß an fröhliche(re)n Songs, aber wenn ich mal überlege, welche Lieder mich wirklich im Allerinnersten bewegen, dann sind sie eben – nunja, bewegend.

Hier also die unsortierte und garantiert nicht erschöpfliche Liste der Top Ten der mich beeindruckenden Sad Songs:

Archive – Again

Mein ehemaliger Mitbewohner Marius kam irgendwann mal in mein Zimmer, legte mir die „You All Look The Same To Me“ auf den Tisch und sagte nicht mehr als „unbedingt anhören, die sind der Hammer!“ – wofür ich aber keine Zeit hatte, bis wir abends im Auto saßen, um nach Oldenburg zu fahren.
Dort haben wir ihn dann endlich gehört. Abermals Marius: „Anhören, umbringen.“ Gut, dass wir es beide nicht getan haben…
Langsam baut er sich auf, der Song, ganz langsam, vorsichtig und behutsam. Eine Mundharmonika, Gitarre sachte im Arpeggio gespielt und die erste Strophe lautet „You’re tearing me apart“. Wow. Schon jetzt gänsehautverdächtig, obwohl – bliebe dies das einzige, wäre der Song wohl nicht weiter bemerkenswert. Aber wie für Archive typisch braucht das Ding über sechzehn Minuten, um sich voll zu entfalten und ähnelt vom Aufbau und den Sounds an Pink Floyds „Shine on, you Crazy Diamond“. Thematisch gehts hier wir dort um verlorene Beziehungen und die Probleme, die der Protagonist damit hat.
Es endet, wie es begann: mit einem Arpeggio.

Cat Power – Metal Heart

Cat Power geht da wesentlich reduzierter und ruhiger, aber sehr, sehr gefühlvoll zu Werke. Nur mit Gitarre, einem bisschen Schlagzeug und gedoppelter Stimme bewaffnet, muss das Herz wirklich aus Metall sein, um nicht wenigstens ein bisschen zu bluten, wenn Chan Marshal sich über ihr egoistisches Gegenüber beklagt.

Calexico – Service and Repair

Calexico beklagen sich nicht, sondern sind allenfalls sehnsüchtig. Es geht wie immer um die amerikanisch-mexikanische Grenze – man fühlt sich förmlich in ein kleines Kaff versetzt, in dem der Mechaniker der örtlichen Werkstatt den Strom vorbeikommender hoffnungsvoller Menschen beobachtet, die von ihm nur ein bisschen „service and repair“ wollen – und er weiß, dass auch die hoffnungsvollsten Pläne nur allzuschnell schiefgehen können. Vielleicht, weil er auch mal welche hatte? Musik: wie immer TexMexCalypsoFolk.

Sigur Rós – Olsen Olsen

Eines vorweg: ich finde die Musik von Sigur Rós im Allgemeinen berückend schön, da kann man nehmen, was man will. Das gesamte agaetis byrjun ist ein wunderbares Album, und da viele Stücke ineinander übergehen, sollte man es auch komplett durchhören.
„Olsen Olsen“ mit dem gefühlvollen Klavierintro und dem absteigenden Basslauf gleich am Anfang ist allerdings seine Art musikalischer Fokus, um den herum sich das Album spinnt. Recht pompös imstrumentiert, mit Slidegitarre, Orchester, Klavier, Bass und Falsettogesang, bleibt der Song als solcher doch recht einfach und nahe dem Klavierthema – schön, gnadenlos schön – und nach acht Minuten haut die gestrichene Gitarre einem um die Ohren, um das Ende einzuleiten, bei dem der Song förmlich auseinanderbricht – holla. Vielleicht nicht „sad“ in dem Sinne, aber auf jeden Fall eines Sonntags würdig 🙂

Smashing Pumpkins – To Sheila

Um ehrlich zu sein, fand ich die Pumpkins in den gefühlvolleren Momenten immer wesentlich besser, als in den rockigen. „To Sheila“ ist ein solcher Moment, und meiner Meinung nach haben sie nie einen besseren Song gemacht. Weil, nunja, Billy Corgan wirklich mal irgendwie singt, weil der Song in der Hauptsache durch den Gesang und die im Arpeggio gespielte Gitarre lebt, weil man den guten Billy einfach in den Arm nehmen möchte. Punkt.

Nine Inch Nails – Hurt

„Hurt“ ist ebenfalls ein Song, der mich beeindruckt, weil er mit so viel Gefühl und Herzblut gesungen wird, obwohl der Sänger nicht wirklich ein Sangeskünstler ist. Habe ich zum ersten Mal auf einer Fahrt durch Bremerhaven gehört, und dass ich mich daran erinnern kann, sagt viel darüber aus, welche Wirkung dieser Song hatte. Abermals die einfachsten Mittel: ein Klavierthema, sich ständig wiederholend, ein einfaches Gitarrenriff und die Liveatmosphäre mit dem unheimlichen Rauschen. Inhaltlich richtig heftig, Zeilen wie
„I hurt myself today, to see if I still feel“ passen zur morbiden Stimmung, die das gesamte Lied verbreitet.

Pink Floyd – Comfortably Numb in der „Pulse“-Version

Die 94er Version dieses Songs – ohne Roger Waters – ist um einiges dramatischer und düsterer als die originale Aufnahme aus „The Wall“. Das Thema – Katatonie und Taubheit – wird musikalisch klasse umgesetzt und mündet in einem der besten Gitarrensoli, das ich kenne, weil David Gilmour hier nicht unbedingt superschnell, aber sehr gefühlvoll spielt, und das Ding einfach kein Ende zu nehmen scheint; es geht einfach immer weiter…

Aimee Mann – Wise Up

Aimee Mann macht es mir echt schwer, einen Song auszusuchen. Weil z.B. das gesamte „Lost in Space“ in einer verträumten, melancholischen Stimmung daherkommt. Weil „Save Me“ irgendwie mehr im Rampenlicht stand. Als ich mir die Cd gekauft habe, dachte ich an „Wise Up“ – musikalisch, wusste aber nur von „Save Me“. „Wise Up“ ist meine Wahl, ich finde es wunderschön!

R.E.M. – Drive

Strenggenommen ist dieser Song nicht wirklich „sad“, aber wenigstens ordentlich melancholisch.
„Drive“ kommt vom großartigen „Automatic For The People“ und ist der perfekte Opener für dieses Überalbum. Ich stelle mir gerade vor, ich würde als Astronaut meiner Raumstation für immer entschweben – da wäre es der angemessene Song… auch geeignet für Sommerabende.

Imogen Heap – The Moment I Sait It

Imogens Musik lebt stark durch ihren manchmal zerbrechlich wirkenden Gesang, und „The Moment I Said It“ ist da keine Ausnahme, eher im Gegenteil. Sie besingt einen nächtlichen Streit, bei dem ihr Partner nach einer Äußerung von ihr das Haus verlässt. Sie hofft, dass nichts passiert, und diese Hoffnung wird schön getragen durch eine hypnotische Melodie, doch das dunkle Cello und ihr Gesang machen recht deutlich, dass sich diese Hoffnung nicht bestätigen wird… manchmal macht dieser Song mir Angst, weil man genau den einen Punkt hören kann, an dem alles schiefgeht und die Hoffnung platzt, und das alles nur durch eine Veränderung des Klangs, da bräuchte es den Text gar nicht…

Ich bin mir sicher, dass ich haufenweise gute Musik vergessen habe. „Aber wie kannst du denn nicht an xyz denken, der ist doch tausendmal schöner, trauriger, whatever?“ – Stimmt, „X&Y“ oder irgendwas von Coldplay hätte drin sein können, vielleicht auch „One“ von U2. Aber diese zehn Dinger begleiten mich schon seit Ewigkeiten und tauchen immer wieder auf – und sind mit Sicherheit nicht die einzigen zehn Lieder, die mich je bewegen werden…

bad music munday

cannot unhear what i heard…

cannot unhear what i heard…

„Around the Sun“ von R.E.M. sei, so schrieb (vermute ich) einer der geschätzten Schreiberlinge vom musikexpress, das eine Album, von dem er sich wünschte, sie hätten es nicht geschrieben.
Bis dahin nämlich hatten die vier drei aus Athens, Georgia schon viel in ihrem Leben getan, nur eines nicht: ein doofes Album geschrieben. Dann kam „Around the Sun“, welches einen faden Beigeschmack hatte und letzten Endes genauso identitätslos wie das weiße Cover geblieben ist.

Um das Album näher zu beschreiben, reicht es, „Automatic For The People“ zu nehmen, und die Seele, den Gänsehautfaktor, abzuziehen, sich „New Adventures in HiFi“ anzuhören – freilich ohne das Sonntagabend-Abgefuckt-Homeless-Gefühl – oder auch „Monster“ ohne die rohe, lärmende Energie.

Selbst das meiner Ansicht nach überbewertete „Out of Time“ mit seinen catchy Popsongs, oder das introvertiert-experimentelle „Up“ haben viele, viele Momente, die „Around the Sun“ fehlen, und das sind die Momente, die dem Album ein Gesicht geben, irgendwas, an das man sich erinnert.

Schade. Aber: vergessen wirs und warten aufs nächste Killeralbum von R.E.M.

Das kommen wird, ganz bestimmt.

Ganz bestimmt wiederkommen wird der 24. Januar. Gleichbetiteltes Lied von Lambchop ist leider der einzige Lichtblick (aber was für ein geiler!) vom Doppelalbum „AwCmon/NoYouCmon“, das ich mir gekauft hatte, weil – wieder mal – der Musikexpress es mir empfohlen hatte. Man hätte aus den quälend langweiligen zwei Stunden eine annehmbare Dreiviertelstunde machen können, was ich ursprünglich auch vorhatte, Brenner sei dank.
Dass dieses Projekt in Vergessenheit geraten ist, sagt eine Menge darüber aus, was Lambchop mir bedeuten…

Eher bedeutungsschwanger texten Prefab Sprout vor sich hin, und zwar so schlecht, dass ich sie ursprünglich für Furyähnliche englischtextende Deutsche gehalten habe. Nix da! Es sind Angelsachsen.
Leider kann ich mich an den Titel des Albums nicht erinnern, und wiederfinden gerade auch nicht, was ich aber recht emotionslos hinnehme.
Das Einzige, was dieses Album für mich bedeutsam macht, ist die Tatsache, dass es die erste CD ist (und auch die bisher einzige),
die ich gekauft, aber nicht zu Ende gehört habe – ich bezweifle, dass ich den ersten Track überhaupt ganz gehört habe…

Ach ja: Lambchop und Prefab Sprout sollen angeblich zur guten Seite des Country gehören. Ich frage mich langsam: gibt es da überhaupt eine gute Seite…?

Gänzlich der (vermeintlich) guten Seite hat sich Neal Morse verschrieben. Ich wurde auf ihn aufmerksam, weil er ein richtig guter Progger ist, der schön komplexe und trotzdem gut hörbare Songs schreibt. „Testimony“ ist musikalisch auch nicht schlecht, aber inhaltlich schon arg darauf fokussiert, dass der gute Neal Gott gesehen hat oder wird oder vielleicht gerade sieht und deswegen alles furchtbar wunderbar ist. Das kann er auch gerne tun und finden, aber sowas gehört ins Reader’s Digest und nicht auf eine CD, pfui! Oder wenn, dann wenigstens besser vertextet.

Weitere Griffe ins Klo:

  • Dieser verdammte Brithype.
    „Aber, aber“ werdet ihr da sagen, „wie kannst du sowas sagen, die sind doch alle richtig cool, die Kaiserchiefarcticmonkeybabyshambleuswklone. Du hast doch keine Ahnung. Hast du sie dir mal richtig angehört?“
    Leider ja. Geschlagene vier Stunden lang im indiesten Club Hannovers. Immer wieder dasselbe: Tanzbarer, treibender Beat, pseudocooler Text, angezerrte Gitarren und ab und zu mal irgendein Special Effect. Super.
    Und etwa so spannend wie Forsthaus Falkenau.
  • „Slow Sunday“
    Habe ich live in Hannover gesehen. Kommen ihrem Titel musikalisch erstaunlich nahe und sind in etwa dasselbe wie ungewürzter Tofu: eine gute Idee, leider völlig fad umgesetzt.
  • napster.com mit einer völlig unbrauchbaren mp3-Flatrate.
    Damit wir uns richtig verstehen: ich finde es okay, für Musik zu zahlen. Nur will ich dann auch ein Produkt, das seinen Preis wert ist. Musikflatrate, das klingt dann erstmal richtig toll: nen Zehner pro Monat und ab geht die Post.
    Leider hat man damit auch die musikalische Seele an napster verkauft, weil sämtliche von dort gekaufte Musik ein wertloser Haufen Datenmüll ist, sobald man die Flatrate nicht mehr bezahlt.
    Schade, gute Idee, bekloppte Umsetzung.

Jetzt muss ich aufhören. Ich brauche gute Musik, Tom Waits z.B. oder auch Imogen Heap oder Alle Alben Von R.E.M. Vor Around The Sun, oder The Shins…

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