#30daymusicchallenge – Tag 23: Ein Song, von dem du denkst, jede/r sollte ihn hören.

Herrje. So missionarisch bin ich doch nicht. Ich will gar nicht jeder/jedem einen Song aufdrücken. Ich will ja auch nicht, dass mir welche aufgedrückt werden. Aber wenn es einen Song gibt, den ich immer wieder gerne Menschen zeige, dann den hier:

Er braucht seine Zeit, sich zu entfalten. Er ist sehr langsam aufgebaut, wird behutsam gesteigert. Aber er ist jede Sekunde wert, von überwältigender Schönheit und Traurigkeit. Als ich in Island unterwegs war, kam er mir in den Westfjorden in den Kopf, und ich habe verstanden, dass dieser Song nur hier geboren sein kann. Konkret war es das Crescendo ab 7:30, das mich damals fast zu Tränen gerührt hat.

 

Noch ein kleiner Vortrag (06.03.15 / 17 Uhr)

Liebe Freunde gepflegter (Fahrrad)abenteuer, am Freitag, dem 06. März werden Philipp und ich ein weiteres Mal über unsere kleine Fahrradtour in Island sprechen, und zwar in der Samtgemeindebücherei von Hambergen (bitte dort anmelden!).

F910_0Dass wir nicht nur spannende Bilder haben, sondern auch sehr unterhaltsam davon erzählen können, wie es ist, unter Anderem ein Stadtmountainbike zum Reiserad umzubauen (und mit Ladegerät auszustatten), auf dem Mond zu campieren und mitten auf einer Insel dem Wattenmeer davonzufahren, haben wir schon 40 begeisterten Elmshornern gezeigt – wer dieses Erlebnis also kein zweites Mal verpassen will, sollte sich den Tag dick im Kalender anstreichen – und noch Freunde mitbringen.

Wir beginnen um 17:00 Uhr, und würden uns sehr über zahlreiche Besucher freuen. Der Eintritt ist frei, die Bücherei wird sich aber natürlich gegen Spenden nicht wehren. Wer schon weiß, dass er/sie vorbeikommt, kann gerne einen Kommentar hinterlassen oder ne Mail schreiben, dann können wir besser planen.

Selbstverständlich wird es auch das Buch geben; wer hier noch eine Kaufhilfe braucht, dem seien die wunderbar warmen Worte von Vanessa Giese ans Herz gelegt:

Sascha erzählt kompakt, unterhaltsam und selbstironisch von seiner Tour durch Island, die er gemeinsam mit seinem Kumpel Philipp gemacht hat. Er schreibt über Gegenwind, über Rückenwind, übers Zelten in Vorgärten, über unerwartet heiße Quellen, verwunderte Auto-Touristen, ebenso verwunderte Isländer und ein bisschen auch darüber, was die Tour in ihm  bewirkt hat.

Und jetzt: weitersagen 🙂

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OE2Iceland – Orange ‚Ear in Island

Orange ‚Ear, das sind musikbegeisterte Menschen in Friedrichshain, die es sich zur Aufgabe machen, (außer)gewöhnlichen Musikern ihr Wohnzimmer zu öffnen, eine begrenzte Zuschauerzahl einzuladen, und das Ganze dann zu filmen und das Video frei verfügbar ins Internet zu stellen. Ein Projekt also, das per se begeisternswert ist, und nun haben sich die Erfinder des Ganzen etwas Neues ausgedacht:

Eine kleine Tour durch Island. Im Gegensatz zu bestimmten Bloggern nicht mit dem Fahrrad, sondern mit Videokamera, Filmlicht und Orangen unterwegs, suchen sie nach isländischen Musikern, welche diese Idee ebenso begeisternswert finden und sich mit ihrer Musik filmen lassen.

Ich persönlich finde diese Idee super (Island! Musik! Indiegogo!) und werde einige Seemeilen kaufen. Falls du ebenfalls Interesse hast, kannst du gerne die Kampagne bei indiegogo.com unterstützen.

www.orange-ear.de

Sólstafir – Ótta (2014)

oder: ein typisch isländischer Tag einer typisch isländischen Band.

solstafir„Ótta“ (Dämmerung) ist das fünfte Album der isländischen Rockband Sólstafir und folgt thematisch einem alten isländischen System der Tageseinteilung: acht Blöcke zu je drei Stunden, das ergibt acht Songs, deren Titel beginnend mit Mitternacht einem Tag folgen – abermals bis Mitternacht.

Und so beginnt das Album leise und fast verhalten. Der Sänger Aðalbjörn Tryggvason flüstert beinahe, begleitet von melancholischen Klaviertönen – bis nach zwei Minuten das Soundgewitter auf den Hörer einbricht, bestehend aus treibendem Schlagzeug, massiven Gitarrenwänden, tiefem Bass – und immer mal wieder einem Banjo, wie im schön ausbalancierten, vielschichtigem Titeltrack „Ótta“. Gerade dieses kleine Kunstwerk zeigt deutlich die Stärken der Band: Er ist eingängig, aber komplex, folgt seiner eigenen Dramaturgie; brachialer Gitarrensound und kleine Details wie das erwähnte Banjo sorgen für neuneinhalb Minuten Kopfkino. Metalartige Momente und Stille wechseln sich ab, sodass dieses Kino auch Platz im Kopf hat.
Der Vergleich zu Sigur Rós liegt nahe, wird aber beiden Bands nicht gerecht: es gibt einzelne Elemente wie die gestrichen gespielte Gitarre oder den Wechsel aus Crescendo/Decrescendo, die maßgeblich den Sound beider Bands bestimmen; während Sigur Rós aber vergleichsweise langsamen, atmosphärisch-träumerischen Pop macht, hört man Sólstafir an, dass sie aus einer deutlich härteren Ecke stammen.
Dass sie dennoch ebenfalls sehr atmosphärisch klingen, ist große Kunst.
„Miðdegi“ und „Nón“ sind schnell, ruhelos und hart, und insbesondere der Beginn von „Nón“ klingt wie wütender Post-Hardcore – bevor sich der Song völlig zurückzieht und einer sanften Klaviermelodie Platz macht – die sich selber dann völlig natürlich in ein treibendes Schlagzeug und den geschrieenen Gesang einfügt – groß, ebenso wie das tolle Riff am Ende.Es geht wieder gegen Mitternacht; das sehr stille und melancholische „Miðaftann“ bereitet den Weg für „Náttmál“, dem mit etwas über 11 Minuten längsten Stück des Albums, das eine Art Querschnitt des bereits Gehörten darstellt und noch mal deutlich zeigt, zu was die Band in der Lage ist.

Großes Kino.

Offizielle Homepage: www.solstafir.net
Das Album bei Bandcamp hören: http://solstafir.bandcamp.com/

Ein kleiner Vortrag – mit Buch!

Ich weiß nicht genau, wie Philipp es angestellt hat, aber wir werden am 11.09. um 19:00 Uhr in der Volkshochschule Elmshorn einen Fotovortrag über unsere Islandreise halten.

Philipp verschwindet im Sandsturm.
Philipp verschwindet im Sandsturm.

Wir können beide lebendig und unterhaltsam erzählen, und Reaktionen von Freunden und Familie deuten darauf hin, dass es deutlich spannender wird, als der typische Urlaubs-Dia-Abend 🙂

Wer also noch ein bisschen was über Harald Paul, über Müsliriegel im Sandsturm, über Spiegeleier für Helden und Radler auf dem Mond erfahren will, sei herzlich eingeladen!

In der Hauptsache stehen natürlich die Reise an sich und die Fotos im Vordergrund; ich nehme aber natürlich auch Bücher mit, die gerne käuflich erworben werden können. Gerne auch mit Widmung.

Wie man ein Buch macht (I) – Der Inhalt

tl;dr: Sascha hat vom ersten Buchstaben bis hin zum Buch fast alles beim Island-Reisebericht selber gemacht und teilt seine Erfahrungen. Heute: Inhalte

Ohne guten Inhalt kein gutes Buch
Ich denke, es versteht sich von selbst, dass man für ein gutes Buch zuallererst gute Inhalte braucht. Dies ist oft der härteste Teil; genauso wie die erste Million immer die schwerste ist. Ironischerweise waren die Inhalte im Island-Reisebericht der leichteste Teil von allen: Sie flossen mehr oder minder aus mir heraus, ich musste ihnen nur eine Form geben. Das wird bei meinem ersten Roman deutlich schwerer werden, fürchte ich.

Egal, ob es ein Reisebericht ist, ein Roman oder eine wissenschaftliche Arbeit: es lohnt, sich Gedanken zu machen, was man wem schreibt und warum. Jedes literarische Genre hat sein eigenes Vokabular, seine Regeln, seine Erzählformen. Oder, um es so auszudrücken: Fußballer dürften auf dem Platz deutlich anders miteinander sprechen, als die ewiggleichen  auswendiggelernten und glattgeschliffenen Phrasen in den Interviews suggerieren. Per Mertesacker einmal ausgenommen.

Im Fall des Reiseberichts war die Lage klar: ich wollte gerne denjenigen, die nicht mit auf die Reise gekommen sind, nicht nur einen Bericht darüber geben, was wir gemacht haben, sondern sie mitnehmen und so quasi teilhaben lassen. Dieser Text widerum soll eine Art Mini- Ratgeber sein und Lust machen aufs Buchmachen, deswegen muss es einen Blick hinter die Kulissen geben.

Dramaturgie
Anders als in fiktiven Geschichten folgt ein Reisebericht meist den Erlebnissen auf der Reise, womit der Rahmen vorgeben ist. Daran habe ich mich auch gehalten; ich habe jedoch versucht, mehrere Spannungsebenen einzubringen: Die Reise selber ist in drei Teile gegliedert, den Prolog durch Dänemark, den Zwischenstopp auf den Färöern und der eigentlichen Islandfahrt.
Diese widerum ließ sich gut in die durchfahrenen Regionen („Das Hochland“, „Der ‚Golden Circle‘ „, „Die Westfjorde“ usw.) unterteilen, innerhalb derer ich bis in die einzelnen Etappen gegangen bin.
Eine Sonderrolle bekamen die kursiven Absätze, die bewusst aus einer sehr persönlichen Perspektive geschrieben sind: Zum Einen sollen sie mehr Nähe schaffen (den Leser „mitnehmen“), zum Anderen konnte ich damit Spannungsbögen aufbauen, die sich räumlich und zeitlich besser von den Etappen lösen lassen.
Denn auch ein Reisebericht ist zunächst mal eine Geschichte, die man erzählt. Idealerweise mit sehr hohem Wahrheitsgehalt, aber eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden, ist es auch wert, gut erzählt zu werden.

Diesmal sollte es nach XY gehen
Im Laufe der Reisevorbereitungen habe ich eine Menge Berichte gelesen, viele informativ, viele unterhaltsam. Eine erschreckende Vielzahl von ihnen jedoch begann mit dem Satz: „Diesmal sollte es nach XY gehen“, oder Variationen davon. Man liest es und sitzt dann erst mal da.
Sicherlich informiert ein solcher Anfang schonungslos über das Reiseziel, aber man fragt sich als Leser doch auch: Warum dieses Reiseziel, warum diese Reise? Wie kam es dazu, dass man mit Fahrrad/Auto/Schubkarre unterwegs ist? Für wen geht es überhaupt diesmal nach XY?
Bei mir war der Startpunkt ziemlich klar: es war die Frage, die Philipp in der Uni gestellt hat, und damit begann dann ja auch der Bericht.

Am dritten Baum von links haben wir dann Rast gemacht
Zum guten Erzählen eines Reiseberichtes gehört auch die Entscheidung, wie detailliert man denn erzählen möchte. Ein hoher Detailgrad kommt dem Ziel, den Leser wirklich mitzunehmen, sicherlich näher – wenn er sich nicht mittendrin im Dickicht der Erzählung verliert. So ist vermutlich nicht jeder Baum einen eigenen Eintrag wert – genau so, wie man auch nicht jeden Baum während der Fahrt wahrnimmt. Der eine Baum aber, an dem man Rast gemacht hat, als ein Hund vorbeikam, mit einem Zettel im Maul, auf dem stand: „Diesmal sollte es nach…“, muss, muss, muss unbedingt erwähnt werden, denn er ist wichtiger Teil der Geschichte.
Gutes Erzählen ist auch gutes Filtern.

Den Spaß nicht vergessen
Machen wir uns nichts vor: wir erzählen uns Geschichten, weil wir unterhalten werden wollen. Gute Unterhaltung kann selbstverständlich auch ernst sein, aber wenn man Spaß an einer Sache hat, und Spaß, darüber zu schreiben, dann sollte meiner Ansicht nach der Leser das auch spüren. An manchen Stellen im Reisebericht ist der Stil sehr umgangssprachlich, manchmal überspitze ich oder mache Andeutungen – genauso wie große Teile der Reise einfach spaßig und unterhaltsam waren.
Dazu gehört auch, manchmal aus dem Format auszubrechen. Auch eine gute wissenschaftliche Arbeit kann davon profitieren, dass man seine Tätigkeit ab und zu aus einer selbstironischen Perspektive kommentiert.

Denn das ist ja das Schöne an Texten, die man selber schreibt: Man hat alle Freiheiten.

Ein kleines Buch

Liebe LeserInnen,

ES ist endlich fertig! Ich habe sehr viel länger gebraucht, als ich je vermutet hätte, und es hat jede Menge Energie gekostet, bis es soweit fertig war, dass ich es endlich drucken konnte – aber nun halte ich die ersten Exemplare des Island-Reiseberichts „Eine kleine Radtour – Um und durch Island“ in den Händen!

Ein kleines Buch.
Ein kleines Buch.

Ich finde, sie sind sehr schön geworden, und das ist insbesondere auch denjenigen zu verdanken, die es Korrektur gelesen haben. Euch vielen herzlichen Dank!

Die erste Ladung geht an Familie und Freunde, aber meine Aufgabe wird es nächste Woche sein, die nächsten (leicht verbesserten, ich lerne noch immer dazu) Exemplare zu drucken, damit ihr eure Aufgabe erfüllen könnt – es mir zahlreich aus den Händen zu reißen 🙂

CIMG0717Ein Buch kostet 10€ (das ist nur ein bisschen mehr, als der reine Selbstkostenpreis), wenn ich es persönlich überreiche – ich verschicke es auch gerne, dann kostet es 12,50€. Bei Interesse schickt mir ne Mail an sascha@milchmithonig.de, dann gibts – falls vorrätig – das Buch sofort. Oder ihr kommt in die „Druckwarteschlange“. Wer mag, kann gerne eine ordnungsgemäße Rechnung haben. Solltet ihr eine Widmung wollen oder Spezialwünsche haben, schreibt mir das bitte.

Wer darüber bloggt, bekommt ein Exemplar geschenkt. Ob ihr es verlost, selbst behaltet, oder sonstwas damit anstellt, bleibt euch überlassen. Wichtig ist mir, dass eine aussagekräftige Rezension dabei herauskommt.

Ein weiteres Exemplar verlose ich unter allen Retweetern dieses Tweets:

Übrigens kann man oben unter dem Link „Island – Eine Radtour“ direkt die .pdf herunterladen, aus der ich das Buch erstellt habe – völlig kostenlos und ohne DRM, mit der Aufforderung, es weiterzuverbreiten. Ist das cool, oder was?

Ein kleiner Autor.
Ein kleiner Autor.

Island 2013 – von Akureyri nach Myvatn (12)

Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass wir beim Erreichen größerer Städte grundsätzlich Mistwetter haben. Wir kämpfen uns über die Öxnadalsheiði, also den Pass, der uns nach Akureyri bringen soll – der „Hauptstadt des Nordens„. Es regnet enthusiastisch vor sich hin, während wir mehr Probleme mit dem Wind haben: starke Böen, die immer wieder ihre Richtung ändern, machen unseren Ritt zu einem nicht gerade ungefährlichen Unterfangen – aber die Autofahrer sind mindestens ebenso aufmerksam wie wir. Als wir oben sind und die restlichen etwa 40 Kilometer mehr oder minder rollen können, wird es langsam wieder trocken. Wir haben weit Schlimmeres erlebt.

Düstere Felsenformation
Düstere Felsenformation

Wir sind mehr oder minder durch Akureyri durchgerauscht; nachts angekommen, wollten wir eigentlich eine weitere Nacht bleiben und dann weiterfahren. Da wir nach dem Ausschlafen am nächsten Tag aber ein wenig rastlos sind, beschließen wir, nach dem Besuch der hübschen Innenstadt (Postkarten! Internet! Kuchen!) das schöne Wetter zu nutzen und nach Húsavík weiterzufahren.

Húsavík
Auf dem Weg nach Húsavík ist unser größtes Problem abermals der Wind, dessen starke Böen uns immer mal wieder zu schaffen machen. Den gößten Teil des Weges allerdings fahren wir in den Nordosten, sodass der südwestliche Wind uns in die Karten spielt. Uns fällt auf, dass es langsam, aber sicher Herbst wird; waren die Westfjorde noch vom satten Grün geprägt, mischen sich hier Rot, Braun und Gelb in die Vegetation.

Es wird Herbst
Es wird Herbst
Die Holzgestelle im Vordergrund dienen dem Trocknen von Fisch; der Schnee war gestern noch nicht da...
Die Holzgestelle im Vordergrund dienen dem Trocknen von Fisch; der Schnee war gestern noch nicht da…

Húsavík selbst ist eine kleine Stadt im Norden Islands, die sehr stark von der Fischerei geprägt ist und heutzutage – wie mehr und mehr Orte – stark vom Tourismus abhängig ist. Aufgrund von schlechtem Wetter bleiben wir zwei Tage dort und besichtigen unter Anderem das lohnenswerte Walmuseum. Auf dem Campingplatz treffen wir eine ganze Reihe anderer Touristen, die viele interessante Geschichten zu erzählen haben – die Küche wird zum Gemeinschaftsraum.

Stilechte Leseecke im Museum
Stilechte Leseecke im Museum
Schiffe im Hafen von Húsaík
Schiffe im Hafen von Húsaík

Nach diesem Abstecher in den Norden fahren wir wieder in den Südosten, wieder zurück auf die 1.

Mỳvatn
Schaut man sich eine Dokumentation über Island an, so darf auf keinen Fall eine Einstellung fehlen, die blubbernde, kochende Schlammlöcher zeigt.
Diese Aufnahmen stammen alle aus der Gegend um Mỳvatn – eines großen Sees mitten in einer stark geothermisch aktiven Region.
Als wir durch die Lavafelder zum See fahren, wirkt die gesamte Landschaft so, als hätten gewaltige Hände eine noch gewaltigere Tafel dunkler Schokolade genommen, in abertausende Stücke zerbrochen und wahllos wieder hingeworfen.

Der Mývatn, von Dimmuborgir aus gesehen
Der Mývatn, von Dimmuborgir aus gesehen

Wir parken Zelt und Fahrräder; Philipp kümmert sich um seinen kaputten Schalthebel, während ich einen rudimentären Einkauf mache.
Im Anschluss wollen wir nach Dimmuborgir und albern dort ein bisschen herum. Insbesondere in der Dämmerung kann ich mir gut vorstellen, dass hier Trolle ihr Unwesen treiben – zumindest sieht mancher Felsen erstaunlich lebendig aus…

Dimmuborgir...
Dimmuborgir…
...mystische Gestalten...
…mystische Gestalten…
...und schräge Vögel...
…und schräge Vögel…
...mit Fahrrädern!
…mit Fahrrädern!

Die heiße Quelle, welche eigentlich das heutige Programmhighlight sein sollte, existiert zwar, darf aber nur betreten, nicht bebadet werden. Schade. Dafür nehme ich eine lange Dusche, die deutlich nach faulen Eiern riecht – das Wasser kommt eben direkt aus den heißen Quellen.

Auch wenns leicht schaurig ist: wir hätten gerne hier gebadet!
Auch wenns leicht schaurig ist: wir hätten gerne hier gebadet!
Man kann sich leicht vorstellen, dass hier drunter ordentlich was los ist.
Man kann sich leicht vorstellen, dass hier drunter ordentlich was los ist.

Männer, die auf Schlamm starren
Am nächsten Tag feiern wir zunächst Philipps Geburtstag (in Ermangelung eines Kuchens gibts die Geburtstagskerze im Porridge) – und starren dann auf Schlamm.
Der nach faulen Eiern stinkt.
Und kochend heiß ist.

Vulkan(Miniatur), Sascha(Standardausführung)
Vulkan(Miniatur), Sascha(Standardausführung)

Überall zischt, faucht und spuckt es, und man muss ein bisschen aufpassen, wohin man tritt. Während ich das Gefühl habe, dass zuhause die Erde tief und fest schläft, hat man hier den Eindruck, der Boden schlummere nur, und man könnte ihn aufwecken, würde man nur fest genug auftreten.

Kochend heißer, nach Pups riechender Schlamm
Kochend heißer, nach Pups riechender Schlamm

Als wir wieder loswollen, stellen wir fest, dass einige Teile am Fahrrad die Gelegenheit genutzt haben, um spontan im Schwefeldampf zu oxidieren. Chemie in Action

Riders on the Storm
Nach Myvatn befinden wir uns im „zivilisierten“ Teil des Hochlandes – auf Asphalt, entlang der 1.

Rechts: Schlamm. Bildmitte, nach oben weg: unsere Straße
Rechts: Schlamm. Bildmitte, nach oben weg: unsere Straße

Langsam schließt sich auch dieser große Kreis; wir kommen unaufhaltsam zurück an den Anfang, und damit auch das Ende der Reise.
Unser heutiges Tagesziel heißt Möðrudalur. Dort gibt es die höchstgelegene Farm Islands, sowie einen wunderschönen Campingplatz – auf dem wir nie zelten werden, aber das wissen wir ja noch nicht.
Um dort hin zu kommen, müssen wir noch mal ein bisschen Piste fahren. Möðrudalur liegt an einem alten Ast der 1, der nie asphaltiert wurde. Dafür ist die Piste gut in Ordnung und lässt sich angenehm fahren.
Der kleine Hof mit Café ist wirklich schnuckelig. Die grasgedeckten Häuschen, die Hügel, der klare, blaue Himmel – alles wirkt ein bisschen, als würde gleich ein Hobbit um die Ecke kommen, oder Gandalf mit seiner Pfeife.

Eigentlich wollten wir hier das Zelt aufschlagen... nicht im Bild: der nahende Sturm.
Eigentlich wollten wir hier das Zelt aufschlagen… nicht im Bild: der nahende Sturm.

Es ist um 17 Uhr, als wir einchecken, und ich bin gerade im Begriff, für die Übernachtung zu zahlen, als die Mitarbeiterin meint, sie würden aufgrund des Sturms das Wasser abstellen. Ob wir nicht lieber ein festes Bett wollten?
Ach nö, sagen wir, wir machen uns den Wassersack voll, dann geht das schon. Ob uns denn wirklich bewusst sei, dass ein Sturm komme, mit heftigem Wind und Schnee und so weiter.
Äh, nee, aber erzähl doch mal. Philipp und ich sind jetzt doch interessiert, und der Wetterbericht ist interessanter: da ist hinter uns was richtig Fettes im Anmarsch, und um den 15. September herum gab es auch letztes Jahr schon einen Sturm, der drei Meter Schnee mitbrachte – und so schnell kam, das 10.000 Schafe erfroren bzw. ertrunken sind.
Unser Entschluss steht schnell fest: wir essen jetzt etwas Ordentliches, und dann machen wir die 100 Kilometer bis nach Egilsstaðir noch heute Nacht.

Gesagt, getan, gegessen – und los. Es gab leckeren Kartoffelbrei mit Pemmikan.

Die Gegend um Möðrudalur ist sehr schön; das Hochland hat seine ganz eigenen Farben und Farbstimmungen. Im Reiseführer ist die Gegend als „deprimierend dunkel“ und leer beschrieben – finde ich nicht. Es ist karg und dunkel, ja – aber eben auch faszinierend.

Riders on the storm...
Riders on the storm…
...wunderschön!
…wunderschön!

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, nach Tausenden von Kilometern, unzähligen Erlebnissen, nach Reykjavik, Glymur, Dynjandi, den Westfjorden, nach drei Wochen, wieder hier zu sein. Klar, wir sind in Kreis gefahren, weil wir ja wieder zur Fähre zurück wollen, aber im Kopf sind die Orte und Erlebnisse des Hochlandes unendlich weit fort; und nun kommen wir bis auf 20 Kilometer an Brú vorbei. Ich weiß genau, wie es dort aussieht, was wir dort erlebt haben, wie ich mich dort gefühlt habe – und bin doch ein anderer, als wir am Straßenschild vorbeifahren.

Als wir wieder auf der 1 sind, ist es dunkel, was heißt, dass wir von hier an nichts mehr von der Gegend mitbekommen, ausser dass es bergab geht. Dementsprechend fährt es sich verhältnismäßig angenehm und wir kommen gegen halb zwei in Egilsstaðir an.

Es klingt wie ein dramaturgischer Kniff, ist aber die Wahrheit: eine halbe Stunde, nachdem wir im Zelt sitzen und essen, beginnt es zu regnen – und hört die nächsten zwei Tage nicht auf.

Goldrichtige Entscheidung.

Mehr Island:
Eine kleine Radtour(1) || Prolog(2) || Fæhre und Færöer(3) || Hochland I(4) || Hochland II(5) || Der „Golden Circle“ (6) Reykjavik (7) || Musik (8) || Westfjorde I (9) || Westfjorde II || Westfjorde III

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