Marceese – A-Ramblin‘ And A-Howlin‘ (VÖ: 10.10.2014)

Der Berliner Singer/Songwriter marceese hat bereits bei seinen vorherigen Alben „Straßen Richtung Süden“ und „Young At Heart“ seine Vielseitigkeit innerhalb des Singer/Songwriter-Genres bewiesen. Mit dem nun vorliegenden „A-Ramblin‘ And A-Howlin'“ setzt er sich wieder mit den Spielarten amerikanischer Folkmusik auseinander.

ramblin_cover300Dabei reduziert er die Musik auf das Allernötigste; schon der Opener „Honey Bee“ gibt die Richtung vor: nur Gitarre und Gesang, sehr unproduziert und roh klingend; man ist man sofort drin im Americana-Feeling. Im Gegensatz zum blueslastigen „Young At Heart“ klingt „A-Ramblin’…“ allgemein deutlich mehr nach Roots und teilweise Bluegrass.
Dabei spielt die Instrumentierung natürlich eine wichtige Rolle;  selber eingespielt kommen Gitarre, Bass, Banjo und Mundharmonika zum Einsatz.

Gerade dieses Rohe, Unproduzierte macht den Charme des Albums aus. Es fühlt sich sehr „live“ an, als säße der Musiker neben einem und erzähle mit seinen Songs seine Geschichten.
Dabei legen dieersten fünf Titel ein gutes Tempo vor, bis das melancholische „Every Jack has his Jill“ deutlich langsamer daherkommt.
Die folgende Bluegrass-Nummer „Barking Underdog“ hebt das Tempo wieder deutlich an; hier zeigt marceese wieder seine Stärken: die vordergründig fröhliche Musik kontrastiert mit dem ehrlichen und introspektiven Text.“Looking for a Change“ sticht deswegen heraus, weil es von einem Sample eingeleitet wird, in dem zwei Kinder zunächst „Honey Bee“ singen und dann eines sagt: „Jetzt geht es los“ – der Titel selber ist so trockener Blues, dass es schon fast staubt.
Und das macht seine Musik so gut: marceese bewegt sich mit quasinatürlicher Sicherheit in diesen sehr ursprünglichen Spielarten (amerikanischer) Unterhaltungsmusik und kombiniert diese mit seinen authentischen und sehr lebensnahen Texten. Dabei sind es oft die kleinen Details, die den Reiz des Albums ausmachen, wie z.B. das schöne Intro des ruhigen von „Oh, how I long for.“
„A-Ramblin‘ And A-Howlin'“ ist ein Album, bei dem schon der Titel sehr deutlich macht, was man bekommt – und das wirkt sehr stimmig und empfehlenswert. Es erscheint am 10.10.
marceese ist auf Tour; unter Anderem:

10.10. in Chemnitz (KaffeeSatz)

11.10. in Leipzig (Mühlstraße)

12.10. in Berlin (Grüner Salon)

05.11. in Dresden (Laika)

mehr Daten: Homepage von marceese
Künstlerseite bei timezone records.

Was man so hört (und warum)

Erstaunlicherweise habe ich keine Liste von Alben und Songs, die ich 2012 kennengelernt und/oder viel gehört habe. Vermutlich liegt das daran, dass Musik einfach passiert – ich höre irgendwo etwas, das mich interessiert, lese Musikblogs oder klicke mich bei Youtube von Album zu Album…

Aber es gibt Alben, zu denen ich immer wieder zurückkomme; deren Musik bestimmt später das Gefühl, das ich in bestimmten Phasen habe (Wishbone Ash z.B. höre ich fast ausschließlich in den Lernphasen vor den Klausuren…)

Die letzte Schallplatte, die ich gekauft habe, war „Philharmonics“ von Agnes Obel. Ihr Song „Riverside“ begleitet mich ja schon seit Längerem, und ist eines der Lieder, die mir auch nach einmaligem Hören immer mal wieder unvermittelt in den Kopf gekommen sind. Das Album selber ist eine schöne Ansammlung solcher Perlen wie dem Titelsong „Philharmonics“ oder auch dem Werbesong einer Telefonfirma.
Ich nenne es Kammerpop.
[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=Lzy7PyKGvJ4%5D Weiterlesen „Was man so hört (und warum)“

R.E.M. – Automatic For The People (1992)

Ein großer, dunkler Raum an einem Herbstabend. Es ist bereits empfindlich kühl, und es herrscht die leicht merkwürdige introvertierte Stimmung, die einen immer dann erreicht, wenn man herunterkommt von den aufregenden Dingen des Tages.

Ich befinde mich auf der Südinsel Neuseelands, und es ist kein Zufall, dass ich gerade hier meine intensivsten Erfahrungen mit „Automatic For The People“ mache. Ich nehme zusammen mit etwa 20 anderen Austauschschülern an einer organisierten Rundreise um die Insel teil, die wesentlich „wilder“, abwechslungsreicher und schöner erscheint als der Rest des Landes.
Wie das so ist mit mir, brauche ich immer wieder Auszeiten, um die Eindrücke zu sortieren, Meinungen zu bilden und ja, auch um Musik zu hören.
Ich habe seit etwa einem Jahr damit begonnen, mich intensiver mit R.E.M. auseinanderzusetzen, und während „New Adventures in HiFi“ sich zu meinem Favoriten mausert, schätze ich die Ruhe und die Dunkelheit, aber auch die Wärme, die von „Automatic…“ ausgeht – und so ist es kein Wunder, dass ich das Album in fast vollkommener Dunkelheit höre, um mich auf die Musik konzentrieren zu können. Weiterlesen „R.E.M. – Automatic For The People (1992)“

Mumford & Sons – Babel (2012)

oder: Und täglich grüßt der Mumford

„Mumford & Sons“, das klingt nach einem alten Kleinwarenhändler aus einer Nebenstraße in London – eröffnet 1886 von Charles Mumford, als Kolonial- und Kurzwarenladen, der den Laden 45 Jahre lang führt und schließlich an seinen Sohn Charles Jr. weitergibt, welche das Sortiment behutsam modernisiert, aber ansonsten den Laden im Sinne seines Vaters – Gott habe ihn mittlerweile selig – weiterführt.

Und wer weiß, vielleicht gibt es einen solchen Laden irgendwo. Mit Sicherheit gibt es eine Band desselben Namens, deren Debütalbum „Sigh No More“ im Herbst 2009 für Furore gesorgt hat und die jetzt mit „Babel“ einen neuen Longplayer vorlegt.

Ganz wie in der kleinen Geschichte am Anfang verhält es sich mit „Babel“: das Album ist eine direkte Fortsetzung seines Vorgängers, und insofern sehr guter, unterhaltsamer Folk Rock. Die prägnante Stimme des Sängers, sowie das omnipräsente, schnell gespielte Banjo haben ohnehin einen hohen Wiedererkennungswert, aber auch die Art und Weise, wie die Songs aufgebaut sind, gleicht stark dem ersten Album – wie man schon bei den ersten Takten des Titelsongs „Babel“ merkt.

Das Problem an der Sache – und hier verlassen wir die Analogie mit dem Laden – ist genau das: ein „Sigh No More“ reicht völlig aus. Es ist ein gutes Album mit den zwei Knallern „Little Lion Man“ und „I Gave You All“, und das war 2009 spannend, aber die Band hätte ruhig etwas mutiger sein dürfen. Denn wenn man den x-ten Song á la „I Will Wait“ gehört hat – der an sich nicht schlecht ist, aber mit der immergleichen Dramaturgie aus Acapella-Teil, abgelöst durch einen stampfenden Rhythmus – wünscht man sich einen Song, der nach einem anderen Kochrezept gebacken ist.

„Ghosts That We Knew“ sticht trotz seiner Machart heraus; es ist ein sehr schönes, vergleichsweise ruhiges Stück.
Auch „Hopeless Wanderer“ ist für sich betrachtet sehr schön und leicht melodramatisch – muss sich aber mit „I Gave You All“ vergleichen lassen.

An „The Boxer“ – das Cover des Simon & Garfunkel – Klassikers ist einer von drei Bonus-Songs der Special Edition – lässt sich das Dilemma am besten festmachen: der Song klingt exakt so, wie man sich „The Boxer“ von Mumford & Sons gecovert vorstellt – und ist ein bisschen zu zahm für eine Band, die auch schon Glastonbury gerockt hat.

www.mumfordandsons.com – Offizielle Internetseite
Meine Meinung zu Sigh No More

Archive – With Us Until You’re Dead (2012)

„Das hast du schön ausgedrückt“, lobt mich der Plattenladenverkäufer, nachdem ich die Musik von Archive beschrieben habe als „deutlich erkennbarer Sound und eine Band, die sich immer wieder neu erfindet“.

Und so klingt auch das achte Studioalbum der wandelbaren Band aus London gleichzeitig bekannt und sehr eigen. Viele Soundschnipsel erklingen nach dem bewährten Muster, bei dem die Band teilweise stark verfremdete (elektronische) Klänge mit Analogem (Streicher, Stimme) vermischt, um so Dramatik zu erzeugen.

Dies geschieht auf „With Us Until You’re Dead“ zunächst durchaus etwas düsterer und bedrohlicher, als auf dem im Rückblick betrachteten eingängigeren „Controlling Crowds“ – man hat fast das Gefühl, die Band lotet weitere Abgründe aus. Weiterlesen „Archive – With Us Until You’re Dead (2012)“

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