Sünndagsschnack (20)

Moin moin,

hui, twinnich Sünndagsschnacks schon. Kinners, dat ging flott. De Feierei mok wi mit Nummer tweeunfofftich, dann is de Serie een Joar old.

Vishult
Es gibt ja diesen großen schwedischen Möbelladen, der neben Möbeln, Gedöns und Kötbullar auch fertig gerahmte Bilder verkauft. Motivauswahl, Druckqualität etc. sind meiner Meinung nach okay, aber – ähnlich wie die Möbel – eher Fast Food als dauerhaft. Aber damit scheinen sie den Zeitgeist zu treffen, und es wird ja niemand gezwungen, dort einzukaufen.
Ein Fotograf aus den Niederlanden hat sich mit einem bestimmten Bild aus Amsterdam beschäftigt, und dieses Video fasziniert auf mehreren Ebenen. Dort ist zum einen die Entstehungsgeschichte des Bildes selber, der – scheinbar – zufällige Auswahlprozess des Designchefs, die kitschige Nachbearbeitung mit dem roten Fahrrad, die Trivialität des Motivs und das Bild selber, das weit von Perfektion entfernt ist – siehe die Hinweise auf den vollen Mülleimer und die Tauben. Gleichzeitig ist das Video ein sehr interessanter Spiegel von Gesellschaft und Konsum.
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Kleine Nordschleife

In diesem Jahr lagen Himmelfahrt und Familienfeiereien so günstig beisammen, dass ich beschlossen habe, beides zu kombinieren und aus der locker an einem Tag schaffbaren Strecke Hamburg – Heimat eine kleine Nordschleife zu machen und ein bisschen an der Nordseeküste entlang zu fahren – aus Hamburg kommend die Elbe runter, Cuxhaven auslassend Richtung Bremerhaven und dann entlang der Küste Richtung Jadebusen, und von dort Richtung Familie – so in etwa.

Auf der falschen Fähre ins Alte Land

Nanu, denke ich, als wir aus Blankenese zielsicher an Cranz vorbei nach Finkenwerder fahren, habe ich die falsche Fähre erwischt? – und tatsächlich war es so, dass ich am Anleger einem Irrtum aufgesessen bin – meine eigentliche Fähre wäre erst später gekommen. War aber nicht weiter schlimm; so lange ich auf der linken Elbeseite war, war alles gut. So bin ich immerhin am Airbus-Werk vorbei gekommen, das wollte ich mir auch schon immer mal anschauen.

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Sonnenbad

Im Alten Land dämmerte es langsam, aber es war sehr entspannt, am Deich entlang zu fahren. Der Himmel in Hamburg ist ja immer n büschen kitschig, was natürlich zur Stimmung beigetragen hat.

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Im Borsteler Hafen

Sehr spät abends kam ich dann am Campingplatz an und habe den leisesten Zeltaufbau aller Zeiten veranstaltet, um die Nachbarn nicht zu stören.

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Kurztrip nach Hause

„Junge, bist du denn am Sonntach auch dabei?“

„Jo.“

Meine Oma hatte uns zum Geburtstag eingeladen, und mit ein paar freien Tagen und großer Radreiselust beschloss ich, doch mal mit dem Rad von Berlin zur Familie zu fahren – irgendwo zwischen Bremen und Bremerhaven, rund 400 Kilometer. Seit ein Freund vor ein paar Jahren die entgegengesetzte Strecke hinter sich gebracht hatte, um mich zu besuchen, schwirrte dieser Plan lose im Kopf herum – meistens aus Zeitmangel beziehungsweise dem Vorhaben, möglichst viel Zeit mit der Familie und möglichst wenig Zeit mit dem Da-Hin-Kommen zu verbringen, nicht näher verfolgt.

Nun aber war ich am Donnerstag morgens abfahrbereit. Ich chattete noch kurz mit einer Freundin: „Wann willst du eigentlich los?“ – „Wenn ich das Müsli aufgegessen habe.“ – „Gute Antwort, so logisch.“, und sattelte dann auf.

Die Strecke bei gpsies.com

Meiner Streckenplanung folgend würde ich Berlin über Spandau verlassen, dann entlang der Havel und der Elbe zur Lüneburger Heide fahren, und von dort ist es dann nur noch ein HammelKatzensprung nach Hause. Knapp 400 Kilometer, für mich also in zweieinhalb Tagen gut machbar. Ein wenig Sorgen bereiteten mir die vorhergesagten Gewitter, doch es war eher das Gegenteil der Fall: Temperaturen jenseits der 30° und drückende Schwüle machten mir ein bisschen zu schaffen – und auch meine Streckenplanung, die ich schön entlang der Spree gelegt hatte – und nun muss ich mit vollem Gepäck Treppen steigen, weil die Promenade nicht überall barrierefrei zugänglich ist. Das muss ich mal besser nachplanen. Nach der Spree kommt der Spandauer Damm, der gefühlt Ewigkeiten lang ist – und endlich, nach 35 Kilometern geht es das erste Mal in den Wald. Und wie es in den Wald geht, einige Abschnitte sind sehr – rustikal.

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Während ich das Foto machte, stachen mich etwa 500.000 Mücken.

Nun ja. Ich wollte es ja gerne über Stock und Stein haben. Ziel erfüllt, würde ich sagen. Den weitaus größten Teil der ganzen Tour bin ich aber über asphaltierte Radwege neben Landstraßen unterwegs gewesen, und das lässt sich ziemlich gut fahren.

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…auf ’ne Runde um den Plöner See (Himmelfahrt Teil 3)

Als das GPS-Gerät einen Pfad vorschlägt, der etwa einen Meter breit ist, schwanke ich irgendwo zwischen Begeisterung („Das Ding kennt selbst solche Wege?“) und leichtem Argwohn („Was, wenn der Weg schmaler wird oder wir wieder in einer Sandkuhle landen?“).

Es ist sehr angenehm, in der Hitze durch den Wald zu fahren. Den ersten Abschnitt des heutigen Tages fuhren wir vom Strand nach Travemünde durch eine unangenehm drückende Hitze; doch statt eines Gewitters klart sich die Luft gegen Nachmittag auf, und der Wald mit seinem Wechselspiel aus Licht und Schatten tut richtig gut.

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Licht und Schatten. Bild von Philipp Konietzko.

Es tut ebenfalls gut, ein wenig abseits der Straßen und des Autoverkehrs durch Waldwege zu fahren, da sind wir uns alle einig. Dabei ist auch der Weg von Travemünde nach Offendorf angenehm zu fahren gewesen; größtenteils sind wir auf Radwegen parallel zur wenig befahrenen Landstraße unterwegs gewesen. Dabei hat die Holsteinische Schweiz alle Trümpfe ausgespielt, die sie hat: Traumwetter, viele Getreidefelder, Wiesen, Mais, Bäume, Büsche – und Karls Erdbeerhof.

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Grobe Richtung Nord-Nordwest

Vielleicht ist es ein Naturgesetz. Oder in der Verfassung verankert. Oder in der Bibel. Weiß man nicht so genau. Es könnte auch einfach eine merkwürdige gesellschaftliche Konvention sein: An Himmelfahrt setzt man sich auf das Rad und säuft macht eine schöne Tour. Oder so ähnlich.

In meiner Radler-Historie hat es sich ergeben, dass Kollegen/Freunde/Ich das Himmelfahrtswochenende oft¹ genutzt haben, um ebenfalls auf das Rad zu steigen, aber weniger um des Saufens wegen, als vielmehr, dem Radsport zu frönen².

Nach einigem Hin und Her hatte sich für unsere diesjährige Tour ergeben, dass wir uns in Schwerin treffen würden, um von dort über Lübeck und Offendorf nach Ascheberg in Holstein zu fahren – einem schönen kleinen Örtchen am Plöner See. „Wir“, das sind in diesem Jahr – wie schon im Jahr zuvor – Philipp, Jule und Jan.

Ich hatte wenig Lust auf Zug und Fernbus, also bin ich noch am Dienstag Abend in die Pedale getreten und bis nach Fehrbellin geradelt, wo ich das Zelt auf einer Wiese aufgeschlagen habe. Es gab zwischendurch einen heftigen Gewitterschauer – den ich beim Vietnamesen verbracht habe – aber dafür wurde ich mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt.

sonnenuntergang

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Mit Odysseus von Kopenhagen nach Berlin (3/3)

… als der ICE in den Bahnhof einrollt, wollen Philipp und ich es nicht wirklich wahrhaben – in den Dingern darf man ja nur Klappies mitnehmen, wenn überhaupt. Auch die Schaffner geben uns unmissverständlich zu verstehen, dass wir gerne einsteigen können, aber dann die Räder draußen bleiben müssen. Wir stehen etwas betröppelt am Bahnsteig. Wat nu?

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…und wie kommt der ICE nach Dänemark? Klar, mit der Fähre!

Zum Glück sind diese Schwierigkeiten weit von uns entfernt, als wir auf dem sehr gepflegten Campingplatz ankommen. Es ist knalleheiß, die Fahrt hierher war ein wenig öde, da immer geradeaus und an der Hauptstraße entlang, und wir lassen uns zunächst häuslich nieder – auf der grünen Wiese mit Tisch-Bank-Kombination machen sich die Zelte und Fahrräder richtig gut.

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Noch ein kleiner Vortrag (06.03.15 / 17 Uhr)

Liebe Freunde gepflegter (Fahrrad)abenteuer, am Freitag, dem 06. März werden Philipp und ich ein weiteres Mal über unsere kleine Fahrradtour in Island sprechen, und zwar in der Samtgemeindebücherei von Hambergen (bitte dort anmelden!).

F910_0Dass wir nicht nur spannende Bilder haben, sondern auch sehr unterhaltsam davon erzählen können, wie es ist, unter Anderem ein Stadtmountainbike zum Reiserad umzubauen (und mit Ladegerät auszustatten), auf dem Mond zu campieren und mitten auf einer Insel dem Wattenmeer davonzufahren, haben wir schon 40 begeisterten Elmshornern gezeigt – wer dieses Erlebnis also kein zweites Mal verpassen will, sollte sich den Tag dick im Kalender anstreichen – und noch Freunde mitbringen.

Wir beginnen um 17:00 Uhr, und würden uns sehr über zahlreiche Besucher freuen. Der Eintritt ist frei, die Bücherei wird sich aber natürlich gegen Spenden nicht wehren. Wer schon weiß, dass er/sie vorbeikommt, kann gerne einen Kommentar hinterlassen oder ne Mail schreiben, dann können wir besser planen.

Selbstverständlich wird es auch das Buch geben; wer hier noch eine Kaufhilfe braucht, dem seien die wunderbar warmen Worte von Vanessa Giese ans Herz gelegt:

Sascha erzählt kompakt, unterhaltsam und selbstironisch von seiner Tour durch Island, die er gemeinsam mit seinem Kumpel Philipp gemacht hat. Er schreibt über Gegenwind, über Rückenwind, übers Zelten in Vorgärten, über unerwartet heiße Quellen, verwunderte Auto-Touristen, ebenso verwunderte Isländer und ein bisschen auch darüber, was die Tour in ihm  bewirkt hat.

Und jetzt: weitersagen 🙂

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Ein kleiner Vortrag – mit Buch!

Ich weiß nicht genau, wie Philipp es angestellt hat, aber wir werden am 11.09. um 19:00 Uhr in der Volkshochschule Elmshorn einen Fotovortrag über unsere Islandreise halten.

Philipp verschwindet im Sandsturm.
Philipp verschwindet im Sandsturm.

Wir können beide lebendig und unterhaltsam erzählen, und Reaktionen von Freunden und Familie deuten darauf hin, dass es deutlich spannender wird, als der typische Urlaubs-Dia-Abend 🙂

Wer also noch ein bisschen was über Harald Paul, über Müsliriegel im Sandsturm, über Spiegeleier für Helden und Radler auf dem Mond erfahren will, sei herzlich eingeladen!

In der Hauptsache stehen natürlich die Reise an sich und die Fotos im Vordergrund; ich nehme aber natürlich auch Bücher mit, die gerne käuflich erworben werden können. Gerne auch mit Widmung.

Wie man ein Buch macht (I) – Der Inhalt

tl;dr: Sascha hat vom ersten Buchstaben bis hin zum Buch fast alles beim Island-Reisebericht selber gemacht und teilt seine Erfahrungen. Heute: Inhalte

Ohne guten Inhalt kein gutes Buch
Ich denke, es versteht sich von selbst, dass man für ein gutes Buch zuallererst gute Inhalte braucht. Dies ist oft der härteste Teil; genauso wie die erste Million immer die schwerste ist. Ironischerweise waren die Inhalte im Island-Reisebericht der leichteste Teil von allen: Sie flossen mehr oder minder aus mir heraus, ich musste ihnen nur eine Form geben. Das wird bei meinem ersten Roman deutlich schwerer werden, fürchte ich.

Egal, ob es ein Reisebericht ist, ein Roman oder eine wissenschaftliche Arbeit: es lohnt, sich Gedanken zu machen, was man wem schreibt und warum. Jedes literarische Genre hat sein eigenes Vokabular, seine Regeln, seine Erzählformen. Oder, um es so auszudrücken: Fußballer dürften auf dem Platz deutlich anders miteinander sprechen, als die ewiggleichen  auswendiggelernten und glattgeschliffenen Phrasen in den Interviews suggerieren. Per Mertesacker einmal ausgenommen.

Im Fall des Reiseberichts war die Lage klar: ich wollte gerne denjenigen, die nicht mit auf die Reise gekommen sind, nicht nur einen Bericht darüber geben, was wir gemacht haben, sondern sie mitnehmen und so quasi teilhaben lassen. Dieser Text widerum soll eine Art Mini- Ratgeber sein und Lust machen aufs Buchmachen, deswegen muss es einen Blick hinter die Kulissen geben.

Dramaturgie
Anders als in fiktiven Geschichten folgt ein Reisebericht meist den Erlebnissen auf der Reise, womit der Rahmen vorgeben ist. Daran habe ich mich auch gehalten; ich habe jedoch versucht, mehrere Spannungsebenen einzubringen: Die Reise selber ist in drei Teile gegliedert, den Prolog durch Dänemark, den Zwischenstopp auf den Färöern und der eigentlichen Islandfahrt.
Diese widerum ließ sich gut in die durchfahrenen Regionen („Das Hochland“, „Der ‚Golden Circle‘ „, „Die Westfjorde“ usw.) unterteilen, innerhalb derer ich bis in die einzelnen Etappen gegangen bin.
Eine Sonderrolle bekamen die kursiven Absätze, die bewusst aus einer sehr persönlichen Perspektive geschrieben sind: Zum Einen sollen sie mehr Nähe schaffen (den Leser „mitnehmen“), zum Anderen konnte ich damit Spannungsbögen aufbauen, die sich räumlich und zeitlich besser von den Etappen lösen lassen.
Denn auch ein Reisebericht ist zunächst mal eine Geschichte, die man erzählt. Idealerweise mit sehr hohem Wahrheitsgehalt, aber eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden, ist es auch wert, gut erzählt zu werden.

Diesmal sollte es nach XY gehen
Im Laufe der Reisevorbereitungen habe ich eine Menge Berichte gelesen, viele informativ, viele unterhaltsam. Eine erschreckende Vielzahl von ihnen jedoch begann mit dem Satz: „Diesmal sollte es nach XY gehen“, oder Variationen davon. Man liest es und sitzt dann erst mal da.
Sicherlich informiert ein solcher Anfang schonungslos über das Reiseziel, aber man fragt sich als Leser doch auch: Warum dieses Reiseziel, warum diese Reise? Wie kam es dazu, dass man mit Fahrrad/Auto/Schubkarre unterwegs ist? Für wen geht es überhaupt diesmal nach XY?
Bei mir war der Startpunkt ziemlich klar: es war die Frage, die Philipp in der Uni gestellt hat, und damit begann dann ja auch der Bericht.

Am dritten Baum von links haben wir dann Rast gemacht
Zum guten Erzählen eines Reiseberichtes gehört auch die Entscheidung, wie detailliert man denn erzählen möchte. Ein hoher Detailgrad kommt dem Ziel, den Leser wirklich mitzunehmen, sicherlich näher – wenn er sich nicht mittendrin im Dickicht der Erzählung verliert. So ist vermutlich nicht jeder Baum einen eigenen Eintrag wert – genau so, wie man auch nicht jeden Baum während der Fahrt wahrnimmt. Der eine Baum aber, an dem man Rast gemacht hat, als ein Hund vorbeikam, mit einem Zettel im Maul, auf dem stand: „Diesmal sollte es nach…“, muss, muss, muss unbedingt erwähnt werden, denn er ist wichtiger Teil der Geschichte.
Gutes Erzählen ist auch gutes Filtern.

Den Spaß nicht vergessen
Machen wir uns nichts vor: wir erzählen uns Geschichten, weil wir unterhalten werden wollen. Gute Unterhaltung kann selbstverständlich auch ernst sein, aber wenn man Spaß an einer Sache hat, und Spaß, darüber zu schreiben, dann sollte meiner Ansicht nach der Leser das auch spüren. An manchen Stellen im Reisebericht ist der Stil sehr umgangssprachlich, manchmal überspitze ich oder mache Andeutungen – genauso wie große Teile der Reise einfach spaßig und unterhaltsam waren.
Dazu gehört auch, manchmal aus dem Format auszubrechen. Auch eine gute wissenschaftliche Arbeit kann davon profitieren, dass man seine Tätigkeit ab und zu aus einer selbstironischen Perspektive kommentiert.

Denn das ist ja das Schöne an Texten, die man selber schreibt: Man hat alle Freiheiten.

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