14

Ich kann mich noch ziemlich gut erinnern an diesen Morgen vor fast genau vierzehn Jahren. Ich war in der 10. Klasse, das Schuljahr ging langsam in die Zielgeraden (auch wenn es sich nicht so anfühlte), und irgendwo in der Gemengelage aus Im-Sommer-Ins-Ausland-Gehen und pubertärem Geplänkel spielte auch das erneut grauenhafte Auftreten des SV Werder eine Rolle.
Es klingelte zur ersten Stunde, und der Fußball war erst einmal beiseite gelegt; es gab Geschichte bei unserem Schuldirektor.
An sich ein netter Mann, aber sehr bedacht auf Hausaufgaben und deren Erledigung, weswegen ich vermutlich damit beschäftigt war, mir etwas aus den Fingern zu saugen und ein leeres Blatt so aussehen zu lassen, als hätte ich was getan.

Es tritt ein – ein freudestrahlender Mann, bester Dinge, und das erste was er sagt ist:
„Guten Morgen Kinners! Wisst ihr, wer neuer Werder-Trainer ist?“ – und so hörten wir von Schaafs neuem Aufgabengebiet.
Natürlich hatten wir vorher schon von ihm gehört, er trainierte ja die Amateure – mit durchaus durchwachsenem Erfolg.
Und der sollte jetzt den Profis beibringen, was Aad de Mos, Dixie Dörner, Wolfgang Sidka und Felix Magath nicht geschafft hatten? Wir waren skeptisch.
Doch unser Lehrer konnte uns beruhigen – und verblüffen: „Thomas Schaaf ist ein Guter, ihr werdet es schon sehen. Der kann was, der war auch hier auf der Schule.“ Weiterlesen „14“

Bu-Bu-Bundesliga!

Ich habe mir dort ein Stöckchen abgeholt; genau das Richtige, um mich vom Lernen weg wieder ans Schreiben heranzutasten. Es geht um Fußball, und eine Woche vor dem Bundesligastart passt es ganz gut.

Dein Verein heißt: WERDER BREMEN. Ist ja wohl klar.

Wie lautet das offizielle Saisonziel, sofern es bekannt ist? Nun, Werder muss international spielen, um sich den Kader leisten zu können. Also ich vermute, das Ziel heißt Platz 5.

Wie lautet DEIN Saisonziel für deinen Verein oder deine Vereine? Meisterschaft, was denn sonst? Aber ich fürchte, Werder wird da nächste Saison eher weniger mit zu tun haben. Ich würde mich sehr freuen, sollten sie 5. werden. Und ins Pokalfinale dürften sie auch gerne wieder kommen.

Welchen Spieler hätte deine Mannschaft in der Pause lieber nicht abgegeben? Ich nehme einen Spieler, dessen Fehlen sich in der letzten Saison SEHR deutlich bemerkbar gemacht hat: Mir fehlt Mesut Özil. Und Werder auch, wie man gesehen hat.

Welchen Spieler hätte deine Mannschaft besser verkaufen sollen? Vor den Testspielen hätte ich vermutlich auf Marin getippt, der bringt Kohle und hat Werder nicht so geholfen letzte Saison. Ich meine, ich mag ihn sehr gerne, aber er hat sich einfach immer festgedribbelt. Jetzt siehts ein bisschen anders aus. Der Kader kann erstmal so bleiben.

Wen hätte deine Mannschaft diese Saison lieber NICHT gekauft? Ach, ich glaube, dass die neuen Spieler sich schon gut machen werden.

Wer von den neuen Spielern wird deiner Mannschaft am besten helfen? Ich hoffe, dass das Ekici sein wird, denn das würde heißen, dass Werder wieder einen ordentlichen Spielmacher haben wird. Und der „neue“ Naldo kann Werder auf jeden Fall helfen. Weiterlesen „Bu-Bu-Bundesliga!“

日本、おめでとう!

Ich hoffe, die Überschrift heißt auch tatsächlich „Herzlichen Glückwunsch, Japan!“…

Homare Sawa feiert

Gestern war also das Finale der Frauen-Fußball-WM – wider kollektivem Erwarten mit zahlenmäßig sehr geringer deutscher Beteiligung, aber wie ich finde, mit den besten beiden Mannschaften des Turnieres.

Zu den Amerikanerinnen mit ihrer leicht pathosbeladenen „Mission: Wir holen den Titel heim“ muss man nicht mehr viel sagen. Von Pia Sundhage augenscheinlich hervorragend auf ihre jeweiligen Aufgaben vorbereitet, überzeugten sie vor allem durch ihre kämpferische Leistung: allen voran Abby Wambach als personifizierter Siegeswille.
Ihre Präsenz auf dem Platz, ihre Entschlossenheit waren schon beeindruckend, was die ebenfalls guten Leistungen ihrer Kolleginnen wie Hope Solo oder Alexandra Krieger nicht schmälern soll – auch wenn gerade die beiden gestern den ein oder anderen Aussetzer zeigten. Weiterlesen „日本、おめでとう!“

Lern to Fly

Dieser Weg wird kein leichter sein.“ wurde dereinst Xavier Naidoo für das Ansinnen der Herrennationalmannschaft bei der WM 2006 vereinnahmt – bei den Damen ging man – jedenfalls bis vor zwei Wochen davon aus, das Unternehmen „WM-Hattrick“ liefe unter dem Motto „Fly Away„.

Dann kamen der nervöse Auftritt gegen Kanada und das K(r)ampfspiel gegen Nigeria, und allerorten fragt man sich: was ist denn nur los mit den Damen; hatten sie nicht mit 5:0 und 8:0 ebenjene Mannschaften fortgefegt, gegen die es nun ein wackliges 2:1 respektive ein mühsames 1:0 gab?

Angeblich soll es sogar Pfiffe gegen die Damen gegeben haben – was ich absolut nicht nachvollziehen kann. Ich habe beide Spiele gesehen und glaube eher, dass die Pfiffe der Schiedsrichterin galten – die hatte nämlich wirklich nicht ihren besten Tag.

Doch ich finde, man muss die Auftritte der Nationalmannschaft differenzierter sehen:
Gegen Kanada schienen sie tatsächlich sehr nervös zu sein. Kombinations- und Stellungsspiel haben gepasst, die Mannschaft erarbeitete sich Chancen – und wirkte selbst nach dem 2:0 erstaunlich wacklig. Wenn man sich anschaut, wie blitzschnell die Kanadierinnen gekontert haben, dann erklärt das einen Teil der Unsicherheit.
Der Rest erklärt sich meiner Meinung nach recht einfach dadurch, dass es erstens das offizielle Eröffnungsspiel einer WM war – da läuft vieles noch nicht so glatt, wie in späteren Spielen. Weiterlesen „Lern to Fly“

***(*)

Kurz bevor es nun endlich vorbei ist mit der fußballlosen Zeit, ist es natürlich Vonnöten, den ultimativen Tip abzugeben.
Ich habe also den gesamten Plan durchgearbeitet, mich bis zum 64. Spiel getippt – und hier ist er, mein ultimativer, bestimmt absolut unfehlbarer und total subjektvier Tipp für die Weltmeisterschaft:

Achtelfinale Weiterlesen „***(*)“

Olè! Finale!

In etwa zwei Stunden geht es los, das große Finale zwischen Spananien und Schland. Das Brandenburger Tor ist schon völlig verstopft, weswegen mein bester Freund S und ich wohl auch in die Kneipenmeile ausweichen werden. Da wird es zwar auch knackevoll werden, aber weil die ganze Straße guckt, können wir nichts verpassen – selbst, wenn wir auf der Straße sitzen müssen.

Als statistikbegeisterter Nicht-Fan hat S sich die Mühe gemacht, gemeinsam mit mir eine Metaplanwand zu erstellen, aus der eindeutig ersichtlich ist, warum Schland gewinnen muss, und wie hoch.

Das ganze sieht so aus:

Dabei steht das S für Spanien und das D für Deutschland. Wir haben einfach mal alle Punkte aufgelistet, die uns als pro und contra innerhalb von fünf Minuten eingefallen sind. Logisch, dass Spanien die Nase vorn hat wegen des geilen Essens, die deutsche Bratwurst allerdings eine harte Konkurrenz darstellt.

Auch persönliche Belange spielen eine Rolle, und da jeder von uns schon mehrmals verletzende Erfahrungen mit deutschen, aber niemals mit spanischen Frauen hatte, war dies einer der Hauptkritikpunkte an Schland:

Insgesamt konnten wir aber ein positives Resümee für unser Hauptaufenthaltsland ziehen, das laut Metaplan 4:3 gewinnen wird, und zwar natürlich auch wegen

um mal – in aller Bescheidenheit – eine Lanze für den S und für mich zu brechen…

Finale Olè!

p.S.: ich würde das Ergebnis gerne ein wenig korrigieren: trotz Metaplan tippe ich „nur“ 2:1, obwohl ich befürchte, dass die Spanier uns den Teutonischen Hintern versohlen werden.

There goes my traumfinale

Also, wir wollen das 3:2 jetzt mal nicht überbewerten. Gewonnen hin oder her, ich bin noch immer der Meinung, dass die deutsche Mannschaft bei der WM wesentlich besser, weil schöner und überzeugender gespielt hat.

Immerhin sind die Portugiesen zu zwei blitzschnellen Kontertoren gekommen, weil unter Anderem die Zuordnungen – insbesondere in der Abwehr – immer mal wieder nicht stimmen, weil die Mannschaft nicht schnell genug zwischen Vorwärts- und Rückwärtsbewegung umschaltet, und weil sie bei den beiden Gegentoren den Portugiesen viel zu viel Raum gelassen haben. Bei einem der Tore standen sechs Deutsche um zwei Portugiesen herum, keiner hat sie angegriffen, Gegentor.
Ich war ehrlich gesagt, überrascht, dass sie drei Tore gemacht haben, denn wenn ein Podolski sich an der eigenen Grundlinie den Ball erkämpfen muss, kann er nicht vorne auf Flanken warten. Wo sind denn da die eigene Abwehr und das Mittelfeld?
Das sind Dinge, die konnten sie schon mal besser, aber wir wollen mal nicht über die Maßen meckern: die Kampfleistung, die mannschaftliche Geschlossenheit und vor allem der unbedingte Siegeswille, die haben mir schon Respekt abgenötigt. Wie oft ist mein Lieblingsverein Werder Bremen schon in Schönheit gestorben, da sollte man es vielleicht schon mal mit einer Systemumstellung versuchen. Was für ein grässliches Wort.

Schade finde ich, dass dieses Spiel nicht das Finale war, wie ich schon nach dem Spiel um Platz drei bei der letzten WM orakelt hatte.
Wobei ich das Spiel damals schöner fand, muss ich ehrlich sagen.

Dafür geht es jetzt gegen die Türkei, und ich finde es klasse. Bin mir zwar noch nicht sicher, ob Berlin dann brennt oder nicht und wie ich das bewerten sollte, falls einer der beiden Fälle eintritt – aber angesichts der bisher sehr positiven Erlebnisse, hoffe ich, dass die Vertreter beider Nationen einfach das Spiel feiern und den Siegern ebendiesen Sieg gönnen werden. Und je nach Ausgang gibt es dann Freibier in der einen Hälfte der Simon-Dach-Straße – oder eben in der Anderen. Da ich eh nicht in Berlin sein werde, kann ich das ganz entspannt angehen.

Ach ja: der Bundesjogi sollte vielleicht abseits aller deutsch-türkischen Erwägungen auf der Tribüne sitzen.
Nicht, dass ich falsch verstanden werde, ich halte ihn für einen sehr guten, visionären Trainer – aber trotzdem haben sie ohne ihn ihr bestes Spiel gemacht…
Aber nicht wieder rauchen, du böser Bub! – sonst fange ich auch noch an…
Hat eigentlich jemals einer der Funktionäre und Politiker bei diversen Mauscheleien, Bestechungen und großzügiger Selbstbesoldung mal ein seine eigene Vorbildrolle gedacht? Ach so, hatte ich schon vermutet.

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: